Autor*in: benthos531
Schiffe – aber mit erneuerbaren Energien: Geht das?
Durch den Klimawandel wird unsere Erde immer stärker geschädigt. Da diese Erwärmung des Klimas hauptsächlich anthropogen ist, ist es die Verantwortung der Menschheit, sich um dieses Problem zu kümmern. Doch wo setzt man an?
Ein guter Anfang wäre es, erneuerbare Energien auszubauen und diese vor allem in der an Stelle von fossilen Rohstoffen zu verwenden. Hier stellt sich jedoch die Frage, in welchen Teilen der Wirtschaft und der Industrie die größte Dringlichkeit zu diesem Wechsel besteht, da es unmöglich ist, alle möglichen Einsatzbereiche gleichzeitig abzudecken. Und natürlich: welche erneuerbaren Energien kommen überhaupt in Frage?
Eine der drängendsten Ansatzstellen stellt in die Schifffahrt dar. Täglich verbraucht ein mittelgroßes Containerschiff in etwa 100-150 Tonnen an fossilem Brennstoff und bringt dabei 300-450 Tonnen CO2 in die Luft. Dass der globale Schiffsverkehr dementsprechend pro Jahr ca. 1 Milliarde Tonnen CO2 verursacht, ist seit vielen Jahren bekannt. Trotzdem ist in diesem Bereich bisher nicht allzu viel passiert, da jeder auf den anderen wartet und deswegen niemand den Anfang macht. Denn sowohl das Umbauen der Schiffe, als auch das der Häfen, ist teuer. Und wenn Angebot und Nachfrage nicht groß genug sind, lohnt sich das Handeln wirtschaftlich nicht.
Als Alternativen haben sich zunächst Flüssigerdgas (LNG) oder unterstützende Antriebsformen angeboten. LNG wird jedoch ebenfalls fossil bezogen (also nicht viel besser als Schweröl) und ist somit ein begrenztes Gut, während unterstützende Antriebsformen wie Flettner Rotoren oder Sky Sails keinen wirklichen Vorteil haben und daher nicht mehr genutzt werden.
Vielversprechendere Alternativen sind synthetische Kraftstoffe, also die Erzeugung tankbarer Energie aus erneuerbaren Energien wie Wind-, Solar- oder Wasserkraft. Eine Herausforderung hierbei ist, dass etwa die Hälfte des Containerschiffes mit Batterien beladen werden müsste, was die Transportkapazität enorm sinken lässt. Auch bei der Verwendung von Wasserstoff als Energieträger würde dieses Problem weiter bestehen, da es sich um ein sehr flüchtiges Gas handelt, dass in Ammoniak oder Methanol gespeichert werden muss.
Der Prozess, in dem der Wasserstoff gewonnen und fixiert wird, ist zusätzlich sehr energieaufwändig.
Obwohl die gravimetrische Energiedichte von reinem Wasserstoff sehr viel höher ist als die von Steinkohle oder Diesel ist die volumetrische Energiedichte viel zu gering.
Eine Lösung wäre es, dass wenn der Wasserstoff in Methanol oder Ammoniak gespeichert wird (was ein geringeres Volumen in Anspruch nimmt), mehr Tankvolumen einzuplanen oder häufiger Tankstopps zu machen. Obwohl dies die Fahrpläne einschränken könnte, lohnt sich dieser Ansatz vor
allem bei Routen, die Nahe des Festlands verlaufen und bei denen die Tankstopps somit kein großer Umweg wären.
Weitere Herausforderungen bei dieser Alternative wäre natürlich auch die Speicherung des E-Fuels am Hafen, da die Infrastruktur dort aktuell noch nicht ausgebaut ist und der H-Treibstoff teurer ist als Schweröl.
Im Endeffekt werden hier in Zukunft vermutlich mehrere Lösungsansätze verfolgt, sodass man am Ende einen Mix aus erneuerbaren Energiealternativen anstatt der fossilen Treibstoffe nutzt. Denkbar wäre hier, je nach Bedarf des Schiffes die Antriebsart anzupassen, um so den größtmöglichen Nutzen für die Wirtschaft aber auch die Umwelt zu ziehen. Davon würden beide auf langfristige Sicht hin profitieren, da der Bedarf an erneuerbaren Treibstoffen in der maritimen Branche in den nächsten Jahren vermutlich steigen wird und Schweröl in Hinsicht auf den Klimawandel nicht wirklich ein weiter verfolgbarer Weg ist. Außer den genannten Alternativen gibt es zudem noch viele weitere Ansätze.
Da die Schifffahrt ein großer Teil unserer heutigen globalen Wirtschaft ist, finde ich dieses Thema besonders wichtig, da es viel zu wenig thematisiert wird und zudem auch das Forschen an erneuerbaren Energien spezifisch für die Schifffahrt unfassbar spannend ist. Auch im Bezug auf andere Aspekte der Schifffahrt (wie z.B. der durch die Motoren verursachte Lärm und seine Auswirkungen auf die Lebewesen im Meer) gibt es noch sehr viel zu lernen und zu forschen, um die Meere besser zu schützen und sie wenn überhaupt nachhaltig zu nutzen.