Schutz der Polarregionen: Sind Vertragssysteme oder Gebietsansprüche effektiver zum Schutz der Umwelt?

Autor:in: anonym


Das Völkerrecht ist ein wichtiger Bezug für die Frage der Zugehörigkeit der Polarregionen. Der Unterschied sind die verschiedenen Regelungen der Polargebiete. Für die Arktis gilt das internationale Seerecht, wohingegen die Antarktis dem Antarktisvertrag und weiteren Verträgen unterliegt.


In der Arktis kommt es zu Konflikten, da Staaten das internationale Seerecht unterschiedlich auslegen. Dabei verfolgen sie eigene geopolitische Interessen. Beispiele sind Staaten wie Kanada und Russland, welche die arktischen Gewässer als ihr Gebiet beanspruchen.


Ein Beispiel ist die Nordwestpassage in Kanada. Diese wird von dem Staat als inneres Gewässer betrachtet. Andere Staaten wie die USA und die europäischen Länder erkennen die Passage eher als internationale Seestraße an, auf welche ein Durchfahrtsrecht (Transitdurchfahrt) besteht. Russland dagegen geht ähnlich vor. Der Staat beansprucht die Nordostpassage als innere Gewässer durch den Versuch Basislinien festzulegen und somit die Seeroute stärker zu kontrollieren.


Diese Beispiele zeigen ein zentrales Problem, das existierende Regeln unterschiedlich ausgelegt werden. Die entstehenden Grauzonen sind deshalb ein zentrales Problem für machtpolitische Interessen.


Bei der Antarktis dagegen ist der Gebietsanspruch den Antarktisvertrag von 1959/1961 geregelt. In diesem sind territoriale Ansprüche der Staaten wie Neuseeland, Australien, Norwegen bestehend, aber vorerst „eingefroren“. Gleichzeitig ist die Nutzung des Südpols ist auf friedliche Zwecke und Forschung beschränkt. Militärische Aktivitäten sind nur im Zusammenhang mit wissenschaftlichen und logistischen Zwecken vereinbar. In der Praxis werden diese Zwecke oftmals vorgeschoben, wie beispielweise bei Russland oder China beobachtet werden konnte. Diese steigerten ihre Präsenz unter dem Vorwand der Forschung in der Antarktis.


Des Weiteren regeln verschiedene Abkommen wie das Madrider Protokoll und der CCAMLR- Vertrag den Schutz mariner Ressourcen. Das Madrider Protokoll verbietet den Rohstoffabbau, wohingegen der CCAMLR-Vertrag marine Ressourcen schützt. Dennoch gestaltet sich die Umsetzung als schwierig, da Konsens zwischen den Entscheidungsträgern herrschen muss. Dies deutet daher auf ein strukturelles Problem hin.


Ein aktueller Lösungsansatz, um das antarktische Meer nicht weiter auszubeuten ist ein nachhaltiges Managementkonzept welches 2025 vom AWI (Alfred-Wegner-Institut) publizierte wurde. In diesem soll eine enge Verbindung von Fischereiindustrie und Forschung einhergehen und Forschende zusammen mit den Fischerbooten raussenden. So können beispielweise genauere Informationen über Krillpopulationen ermittelt werden. Denn Fischerboote könnten somit zukünftig als wissenschaftliche Basis genutzt werden. Ob eine Umsetzung des Vorschlages erfolgt, ist jedoch unklar. Denn alle Mitglieder des CCAMLR müssen dem Konzept zustimmen, ehe dieses umgesetzt werden kann.


Gerade der Krill besitzt eine zentrale Bedeutung in der Nahrungskette. Als Schlüsselart bildet er eine Nahrungsgrundlage für marine Säuger wie Bartenwale, Robben oder Pinguine. Daher würde der Rückgang der Krillbestände eine Ausrottung dieser Säuger verantworten und allgemein weitreichende Konsequenzen auf das Nahrungsnetz haben.


Allgemein hat der Erhalt der Ozeane eine hohe globale Bedeutung. Denn die Erde heißt nicht umsonst „der blaue Planet“, denn fast 2/3 der Erdoberfläche bestehen aus Wasser. Das marine Ökosystem ist Lebengrundlage für alles Leben auf der Erde. Denn ein großer Teil der Primärproduktion findet im Meer statt.


Hinzu kommt die Tiefenwasserbildung in den Polregionen, welche wichtig für die thermohaline Schichtung ist. Die thermohaline (thermós, deutsch „warm“, háls, deutsch „Salz“) Schichtung ist ein Dichtegradient, welcher je nach Temperatur und Salzgehalt verschiedene Wasserdichten hervorruft. Diese Gardienten sind zusammen mit Winden essenziell für die Bildung von Meeresströmungen. Ein Beispiel ist der Golfstrom, welcher einen Einfluss auf das Klima und Ökosysteme hat. Der Golfstrom beginnt im westlichen Atlantik, fließt über den Golf von Mexiko und geht in den Nordatlantikstrom über, welcher an Norwegen vorbei strömt. Wenn diese Meeresströmung abkühlt, verändert sich das Klima der gemäßigten Breiten in Europa rapide. Zudem fände keine Durchmischung der thermohalinen Schicht statt.


Für mich stellt sich jetzt die Frage ob Verträge oder ein Gebietsanspruch besser für den Schutz von Polarregionen geeignet ist.

Der Vorteil von Verträgen ist die internationale Zustimmung und somit auch eine strengere Umsetzung und Kontrolle der beteiligten Staaten. In der Praxis ist dies

dennoch manchmal schwierig, da juristische Schlupflöcher entstehen können und Gesetze einen Interpretationsspielraum für eigenpolitische Interessen zur Folge haben. Zudem werden Verträge als Statussymbol missbraucht (UN-Klimakonferenz), obwohl viele Verträge gute Ansätze vorzeigen. Die gemeinsame Umsetzung lässt bloß manchmal zu wünschen übrig.


Aber auch Gebietsansprüche lösen das Problem nicht richtig. Zwar kann der Einhalt von nationale Umweltgesetze gefordert werden, aber problematisch wird es, wenn Staaten den Gebietsanspruch nicht anerkennen. Was bei Kanada und Russland der Fall ist. Diese entstehenden Unsicherheiten erschweren den Schutz der arktischen Gebiete und bietet gleichzeitig viel internationales Konfliktpotential.


Deshalb wird für mich deutlich, dass es keine perfekte Lösung gibt. Viel eher, dass es klare internationale Abkommen und nationale Zuständigkeiten benötigt, um die Polargebiete zu schützen. Dabei ist eine transparente und ehrliche Zusammenarbeit zum Schutz bedeutsam. Und ersten voran der politische Wille eines jeden Staates die Polargebiete zu erhalten und für nachkommende Generationen zu bewahren. Denn am Ende tragen alle Staaten die einen Teil der Verantwortung zum Erhalt der Erde und dies sollte ein langfristiges Ziel sein, statt kurzfristiger Interessensumsetzung.


Dies kann durch einen Mix an Verträgen und Gebietsbeanspruchungen einhergehen. Letztenends sind alle Länder für die Zukunft der Erde verantwortlich und sollten dies auch als gemeinsame erste Priorität haben.

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