Autor:in: anonym
Der Klimawandel wird häufig mit Autos oder Flugzeugen in Verbindung gebracht, doch auch die globale Schifffahrt trägt erheblich zu den weltweiten Emissionen bei. In der Vorlesung von Prof. Frank Meisel wurde deutlich, wie groß dieser Einfluss tatsächlich ist. Jährlich stößt die internationale Schifffahrt rund eine Milliarde Tonnen CO2 aus, wobei ein einziges mittelgroßes Containerschiff pro Tag bis zu 450 Tonnen CO2 verursachen kann.
Dieses Thema betrifft uns unmittelbar. Deutschland ist stark vom Export abhängig und ein Großteil der Waren wird per Schiff transportiert. Gleichzeitig fördert auch unser eigener Konsum die Schifffahrt, denn durch die Globalisierung stehen Produkte aus aller Welt jederzeit zur Verfügung. Neben CO2 entstehen durch die Verbrennung von Schiffskraftstoffen außerdem Schadstoffe wie Ruß und Schwefeloxide. Deshalb gibt es seit Jahren Bemühungen, die Schi2fahrt klimafreundlicher zu gestalten. Die Internationale Maritime Organisation verfolgt das Ziel, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Auch die EU plant, die Emissionen der Schifffahrt bis 2050 im Vergleich zu 2020 deutlich zu senken.
Bereits heute existieren sogenannte Emission Control Areas (ECA). In diesen Gebieten müssen Schiffe schwefelreduzierten Kraftstoff nutzen, um die Belastung durch Schwefeloxide und deren Folgen wie sauren Regen zu verringern. Allerdings bringt dies kaum Vorteile für den CO2-Ausstoß. Zudem fahren viele Schiffe innerhalb der ECA langsamer, um Kraftstoff zu sparen, und außerhalb der Gebiete schneller, wodurch dort wiederum mehr Emissionen entstehen. Da sich die meisten ECAs in Küstenregionen der Nordhalbkugel befinden, verlagern sich Teile der Belastung auf die Hochsee und die Südhalbkugel. Dennoch gibt es Fortschritte, denn auch herkömmlicher Schiffskraftstoff enthält heute deutlich weniger Schwefel als noch vor einigen Jahrzehnten.
Eine tatsächliche Verringerung der CO2-Emissionen kann jedoch nur durch neue Technologien, alternative Kraftstoffe oder eine Reduktion des Schiffsverkehrs erreicht werden. Da rund 90 Prozent des globalen Warenverkehrs über die Schifffahrt laufen, besteht hier enormes Potenzial zur Veränderung.
Als Übergangslösung wird bereits Flüssiggas eingesetzt. Dieses verursacht geringere Schwefelwerte und etwa 15 bis 20 Prozent weniger CO2 als Schweröl, bleibt aber dennoch ein fossiler Brennstoff.
Daneben werden technische Anpassungen getestet. Dazu gehören Flettner-Rotoren, die Luftströmungen nutzen und so den Treibstoffverbrauch senken können. Problematisch ist jedoch, dass sie bei Containerschiffen Platz beanspruchen und damit die Transportkapazität reduzieren würden.
Im Mittelpunkt stehen deshalb alternative Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels. Eine Möglichkeit wäre der direkte Einsatz von Strom. Dadurch entfallen Umwandlungsverluste, allerdings benötigen Akkus viel Platz und Gewicht, während die Reichweite begrenzt bleibt. Deshalb eignet sich diese Technologie bisher vor allem für kurze Strecken wie Fähren.
Eine weitere Option ist Wasserstoff, der mithilfe erneuerbarer Energien erzeugt wird. Allerdings besitzt Wasserstoff eine geringe volumetrische Energiedichte und muss aufwendig gespeichert werden. Für lange Strecken ist er daher nur begrenzt geeignet. Deshalb wird auch an Methanol oder Ammoniak geforscht, die sich leichter transportieren lassen und später in Wasserstoff umgewandelt werden können. Der Nachteil dabei ist, dass bei jeder Umwandlung Energie in Form von Wärme verloren geht.
Die Vorlesung hat gezeigt, dass keine Technologie perfekt ist. Strom eignet sich vor allem für kurze Strecken, Wasserstoff eher für mittlere Distanzen und Methanol oder Ammoniak für lange Strecken. Ein zentrales Problem bleibt jedoch die fehlende Infrastruktur. Häfen investieren nur zögerlich in neue Technologien, solange nur wenige Schiffe sie nutzen, während Reedereien wiederum kaum umrüsten, solange die notwendige Infrastruktur fehlt. Dieses Problem erschwert den Wandel hin zu klimaneutraler Schifffahrt erheblich.
Eine Verringerung des CO2-Ausstoßes durch die Schifffahrt ist nicht nur wichtig, um das Fortschreiten des Klimawandels zu bremsen, sondern hätte auch direkte Auswirkungen auf die Meere. Diese wirken als große CO2-Senke und speichern erhebliche Mengen des ausgestoßenen Kohlendioxids. Im Wasser reagiert CO2 jedoch zu Kohlensäure, was zur Versauerung der Ozeane führt. Das stellt vor allem für Meerestiere mit Kalkschalen ein großes Problem dar, da Säure Kalk angreift und auflösen kann. Betroffen sind beispielsweise Muscheln, Schnecken oder kalkbildendes Plankton, die eine wichtige Rolle in marinen Nahrungsnetzen spielen. Veränderungen in diesen Organismen können sich daher auf ganze Ökosysteme auswirken und machen deutlich, wie wichtig weitere Forschung und langfristige Beobachtung in diesem Bereich sind.