Autorin: Paula
Die Schifffahrt ist heute der effizienteste Weg, um steigende Import- und Exportmengen zu transportieren. Der Ausbau erneuerbarer Energien an Land erreicht zwar neue Rekordwerte, wirkt sich jedoch bislang kaum auf die Schifffahrt aus.
Das liegt unter anderem daran, dass die politischen Rahmenbedingungen, insbesondere in der EU, lange Zeit vor allem auf die Reduktion von Schwefeloxiden ausgerichtet waren. Zudem sind Emissionen außerhalb der Küstengewässer nur schwer zu kontrollieren. Viele der bisherigen Ansätze greifen daher zu kurz und sind nicht ausreichend transformativ. Beispielsweise sind Flettner-Rotoren oder der Einsatz von LNG als Treibstoff entweder langfristig nicht nachhaltig oder mit Effizienz- und Kostenproblemen verbunden.
Ein vielversprechender Ansatz für eine erneuerbare Energieversorgung der Schifffahrt sind synthetische Kraftstoffe. Insbesondere Wasserstoff, der durch Elektrolyse erzeugt und in Ammoniak oder Methanol gebunden wird, könnte dazu beitragen, die CO2- Emissionen deutlich zu reduzieren.
Die Umstellung auf diese Kraftstoffe bringt jedoch erhebliche technische Herausforderungen mit sich. Diese beginnen bereits bei der Infrastruktur an Land: Tankanlagen müssten auf die enormen benötigten Kraftstoffmengen ausgelegt und entsprechend umgerüstet werden, zudem wäre der Ausbau von Landstromanlagen erforderlich. Auch an Bord der Schiffe fehlt bislang die notwendige Infrastruktur. Da Ammoniak und Methanol eine geringere Volumenenergiedichte als konventionelle Treibstoffe aufweisen, wird für die gleiche Energiemenge mehr Speicherraum benötigt. Alternativ müssten die Schiffe häufiger bunkern.
Diese Herausforderungen sind zwar mit hohen Investitionen verbunden, doch die größte Hürde ist letztlich, wer den ersten Schritt übernimmt und damit auch das anfängliche finanzielle Risiko trägt.
Durch den bislang begrenzten politischen Druck auf die Reedereien ist die Umstellung auf erneuerbare Energien in der Schifffahrt derzeit vor allem wirtschaftlich geprägt. Viele Reedereien zögern mit Investitionen, um keine Versorgungsengpässe oder steigenden Transportkosten zu riskieren, während gleichzeitig die notwendige Infrastruktur an Land nicht ausgebaut wird, da bislang keine ausreichende Nachfrage nach alternativen Treibstoffen besteht.
Ein möglicher Lösungsansatz sind sogenannte Dual-Fuel-Schiffe, die sowohl konventionelle als auch alternative Kraftstoffe nutzen können und damit als Übergangstechnologie dienen. Dieser Ansatz ermöglicht zwar eine schrittweise Umstellung, ist jedoch vor allem für große Reedereien mit entsprechendem Kapital realisierbar. Zudem könnte die Nachfrage zunächst zu gering sein, um den Ausbau einer umfassenden Infrastruktur an Land wirtschaftlich attraktiv zu machen.
Das Dilemma lässt sich indirekt als Problem kollektiver Verantwortung beschreiben und ist vergleichbar mit der sogenannten „Tragedy of the Commons“. Umweltbelastungen verursachen Kosten, die in den Kalkulationen von Reedereien und anderen Unternehmen nicht berücksichtigt werden und für die keine einzelne Akteursgruppe unmittelbar verantwortlich gemacht wird. Diese Externalisierung ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Umweltgüter wie Luft oder Wasser bislang nur unzureichend monetarisiert sind.
Die dadurch entstehenden Kosten müssen kollektiv getragen werden. Im Umgang damit sind in der Regel Abstriche erforderlich – sowohl auf Unternehmensseite, etwa durch geringere Gewinne aufgrund höherer Investitionen in nachhaltige Technologien, als auch auf Seiten der Endverbraucher, die höhere Preise akzeptieren oder ihren Konsum reduzieren müssen, um Umweltfolgekosten zu kompensieren.
Aus einer rein egoistischen Perspektive erscheint es kurzfristig vorteilhaft, selbst keine oder nur geringe Anpassungen vorzunehmen und stattdessen von den Investitionen anderer zu profitieren. Übertragen auf Unternehmen bedeutet das: Wenn andere Akteure in den Ausbau nachhaltiger Infrastruktur investieren und damit geringere Gewinne akzeptieren, könnte ein einzelnes Unternehmen weiterhin konventionell wirtschaften und dennoch von den verbesserten Rahmenbedingungen profitieren. Wenn jedoch alle Marktteilnehmenden rational im Sinne kurzfristiger Gewinnmaximierung handeln, kommt es nicht zu einer Transformation, da die notwendigen Investitionen in Nachhaltigkeit ausbleiben und sich das System insgesamt nicht verändert.
Ein mögliches optimales Szenario zum Umgang mit diesem Dilemma könnte folgendermaßen aussehen:
Zunächst besteht klarer Handlungsbedarf auf politischer Ebene. Es braucht verbindliche Regeln, gesetzliche Rahmenbedingungen und gegebenenfalls auch eine Bepreisung bislang nicht monetarisierter Umweltgüter. Das Ziel könnte sein, externe Kosten, etwa CO2 Emissionen, systematisch zu internalisieren und so in wirtschaftliche Entscheidungen einzubeziehen.
Solche Regeln können jedoch nicht ausschließlich staatlich vorgegeben sein. Auch Abkommen zwischen Unternehmen oder Reedereien innerhalb einer Handelskette sind denkbar. Wenn sich Marktteilnehmer auf gemeinsame Standards einigen und die Nichteinhaltung dieser Regeln sanktioniert wird, kann das Problem des gegenseitigen Misstrauens reduziert werden.
Ergänzend spielt auch der Endverbraucher eine wichtige Rolle. Um der „Tragedy Of Commons“ entgegenzuwirken, muss eine gewisse Bereitschaft bestehen, individuelle Kompromisse zugunsten des Gemeinwohls einzugehen. Dazu gehört beispielsweise, die teilweise Internalisierung von Umweltkosten durch höhere Preise zu akzeptieren oder den eigenen Konsum entsprechend anzupassen. Hier muss wiederum die Politik gegensteuern, um eine vollständige Umlegung der Kosten auf die Endverbraucher zu verhindern und die soziale Gerechtigkeit sicher zu stellen.