Diesel-Dimensionen Deluxe

Autor:in: anonym

Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind in allen Branchen ein Thema, das vornean stehen sollte. Das ist in der Schifffahrt nicht anders als in der Landwirtschaft. Den Umstand, dass Landwirtschaft wie nahezu alles andere von der Schifffahrt oder zumindest dem Transportwesen abhängig sind, übersieht man schnell.

Der Vortrag über die Versorgung der Schifffahrt mit erneuerbaren Energien hat mir persönlich zum wiederholten Mal und sehr eindrücklich vor Augen geführt, in was für einer kurzweiligen, vernetzten und unübersichtlichen Welt wir leben. Darüber, dass grundsätzlich alles, was das Herz begehrt, zu jeder Zeit zur freien Verfügung in den Regalen im Laden steht, ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Wie es da hin kommt, ist für uns als Autonormalverbraucher im besten Fall ein Kompromiss, in der Regel ein Mysterium und im schlechtesten Fall egal.

Als Landwirtin weiß ich natürlich, wie viel Arbeit dahintersteckt, hochwertige und gesunde Lebensmittel in den Einzelhandel zu bringen, aber dass alle anderen Gewerbe ebenfalls viel Aufwand betreiben, um Waren zu produzieren und zu transportieren, übersieht man häufig, wenn man sich nicht explizit damit beschäftigt.

Wie ich gelernt habe, braucht ein mittelgroßes Containerschiff 100-150 Tonnen Treibstoff am Tag und dabei sprechen wir nicht von Biodiesel, sondern Schweröl und Diesel. Wenn ich mir da den 40-Liter-Tank meines Kleinwagens ansehe, habe ich schon kein ganz so schlechtes Gewissen mehr, gelegentlich das Auto zu bemühen. Fällt mir dann ein, dass das aber ja jeder so macht, sind wir vermutlich auch bei den Autos ganz schnell wieder bei täglich verbrauchten Kraftstoffmengen, die mein Vorstellungsvermögen für Zahlen übersteigen, und der kurze Moment der Erleichterung ist vorbei. Dass ein Schlepper oder eine Erntemaschine wie Mähdrescher oder Häcksler

einen großen Tank brauchen und bei der Arbeit tägliche Mengen an Diesel durchlassen, die andere mit dem PKW im Monat verfahren, ist auch kein Geheimnis – die produzieren dabei aber Lebensmittel und Rohstoffe für uns alle. Denn essen müssen wir alle jeden Tag. Und auch in der Landwirtschaft wird an Alternativen für Kraftstoffe geforscht.

Genauso verhält es sich mit der Schifffahrt. Diese Schiffe sind in der Regel nicht aus Spaß an der Freude, sondern mit Waren für uns als Endverbraucher in unserer gemütlichen Wohlstandsgesellschaft unterwegs. Dass dabei im globalen Schiffverkehr eine Milliarde Tonnen CO2 jährlich entstehen, ist der Kompromiss, den wir bisweilen eingehen, um Güter zu transportieren, die anderswo günstiger produziert oder überhaupt unter klimatischen Bedingungen angebaut werden können, die wir hier nicht haben. Bananen und Soja wachsen nicht hier im Vorgarten, schon gar nicht in den Mengen, die wir verbrauchen.

Aber nur, weil etwas bisher so gewesen ist, heißt das ja nicht, dass es für immer so bleiben muss. Umso spannender war es, zu sehen, wo es auf dem Wasser mit der Kraftstoffversorgung hingehen kann. Flüssigerdgas und Flettner Rotoren sind nur Übergangslösungen oder unterstützende Antriebsformen. Mein heimlicher Favorit, dass Containerschiffe wieder unter Segeln fahren könnten, ist utopisch und gänzlich praxisuntauglich. Containerschiffe haben Fahrpläne einzuhalten, an die sich Wind und Wetter nicht halten.

Synthetische Kraftstoffe, auch E-Fuels genannt, wie Strom, Wasserstoff, Methanol und Ammoniak sind da schon eher praktikabel, aber auch diese haben ihre ganz eigenen Herausforderungen wie mangelnde Infrastruktur und größeres Ladevolumen. Außerdem sind Erzeugung und Bereitstellung, der rechtliche Rahmen und die Konkurrenz mit anderen Verbrauchern nicht immer ganz einfach. Darüber hinaus haben die Verfahren zur Herstellung Umwandlungsverluste, die mehr werden, je mehr Schritten das jeweilige Verfahren bedarf. Des Weiteren sind alle neuen Technologien am Anfang teuer.

Auf dem Land ist uns E-Mobilität mit Grünstrom inzwischen geläufig – auch für Schlepper und vor allem hofnahe Maschinen wie Futtermischwägen wird an Elektromotoren und Energiespeichern für Strom aus den hauseigenen PV-Anlagen getüftelt und die Infrastruktur aufgebaut. Dann könnte der Futtermischwagen mit dem Strom vom Dach darüber geladen werden. Viele Betriebe arbeiten daran, ihre eigene Energie zu produzieren und weitgehend autark zu sein.

Für Schiffe, die den Atlantik überqueren sollen, stellt es wiederum eine Herausforderung dar, wenn auf der anderen Seite im Hafen nicht der erneuerbare Kraftstoff angeboten wird, der für die Heimreise gebraucht wird. Es müssen jetzt parallel die Infrastrukturen in den Häfen und die neuen Motoren für die jeweiligen Kraftstoffe gebaut werden. Es wird also zunächst mit Dual-Fuel-Motorentechnik gearbeitet, die je nach Tankmöglichkeit den einen oder den anderen Kraftstoff nutzen und auf den dementsprechenden Motor umschalten können, und auch danach wird es vermutlich eine bunte Mischung verschiedener Lösungen. Während die Ausgangssituation der Schifffahrt auf den Laien sehr überwältigend gewirkt hat, sind die Aussichten nicht ganz hoffnungslos. Dass die Umgestaltung der Schifffahrt nicht von heute auf morgen stattfindet, schon weil Schiffe in der Regel eine Lebenszeit von 40 Jahren haben und bisweilen noch vorrangig Schiffe mit Dieselmotoren gebaut werden, sollte jedem klar sein, aber es ist nichtsdestotrotz spannend zu sehen, was für Ideen im Umlauf sind!

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