Pandemie? Quallen-Saison!

Ohrenquallen. Foto: Jan Steffen Ohrenquallen. Foto: Jan Steffen

Es gibt Dinge, die ändern sich nicht. Auch nicht in Pandemie-Zeiten. Dazu gehört die typische, sommerliche Medien-Anfrage an ein Meeresforschungs-Zentrum: “Gibt es eine Quallenplage?”. Klar, viele Menschen möchten im Sommer an den Strand – möglichst an einen Strand ohne Quallen. Denn die Glibber-Tiere sind irgendwie ekelig. Sonst hätten Kinder wohl nicht so viel Spaß daran, ahnungslose Erwachsene mit ihnen zu bewerfen 🙂

Aber Spaß beseite: Immerhin gibt es Quallen, die sich mit feurigem Nesselgift revanchieren, wenn ein Mensch im Wasser drängelt. Das kann für Letzteren schon mal unangenehm werden.

Es gibt also ein verständliches Interesse von Urlauberinnen und Urlaubern, über die aktuelle Quallenlage informiert zu sein. Deshalb sind Quallen natürlich ein Thema für die Medien. Es gab schon Jahre, in denen wir anhand der anfragenden Regionalsender und -Zeitungen sagen konnten, in welchen Bundesländern gerade die Ferien begonnen haben.

Dabei gibt es aber ein Problem: Die aktuelle Quallenlage kann sich von einer Ostseebucht zur nächsten stark unterscheiden. Wind und Strömungen treiben manchmal alle Quallen einer Region an einer Stelle zusammen, so dass dort scheinbar eine “Plage” auftritt. Gleichzeitig scheinen die Quallen an allen anderen Küstenabschnitten vom Aussterben bedroht zu sein. Sobald der Wind dreht, ist alles wieder anders.

Unabhängig davon scheint 2020 wirklich ein gutes Jahr für Quallen in der Ostsee zu sein. Warum, erklärt am besten eine Expertin wie Dr. Cornelia Jaspers, zum Beispiel hier:

https://www.tagesspiegel.de/wissen/ungenutzt-und-unerforscht-die-qualle-das-unbekannte-nutztier/26026888.html

hier

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/ostsee-forscher-beobachten-im-fruehsommer-mehr-quallen-im-meer-a-211bd25a-7ea9-4f1f-bcbb-659b7ba6f8cb

oder hier.

https://www.tagesschau.de/inland/quallen-ostsee-sommer-101.html

Screenshot vom verlinkten Artikel auf tagesschau.de

Gut, vielleicht machen Quallen uns Menschen in diesem Jahr das kühlende Nass in der Ostsee etwas intensiver streitig als sonst. Aber es sind – aus etwas Distanz betrachtet – auch sehr schöne, elegant dahinschwebende Wesen. Sie haben fasziniernde Fähigkeiten. Und sie gehören seit mehr als 500 Millionen Jahren zu den Ökosystemen der Meere und Ozeane dazu. Grund genug, sie genauer zu erforschen. Tatsächlich sind noch viele Fragen offen. Zum Beispiel, welche Position einzelne Arten im Nahrungsnetz der Meere einnehmen. Auch die Frage, ob Quallen wirklich die Weltherrschaft (oder zumindest die Ozeanherrschaft) übernehmen, wie immer wieder gemeldet wird, ist noch nicht geklärt. Welche Fragen noch offen sind und warum es faszinierend ist, Quallen zu erforschen, hat auch Cornelia Jaspers Kollegin Ina Stoltenberg in diesem Frühjahr und Sommer schon mehrmals erklärt, zum Beispiel hier:

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Quallen-in-der-Ostsee-Warum-treten-sie-in-Massen-auf,quallen202.html

oder hier:

https://www.spektrum.de/news/die-durchsichtigen-ohrenquallen-sind-ungefaehrlich/1753618

Screenshot vom verlinkten Artikel auf spektrum.de

Deshalb mein Tipp: Lesen, und anschauen. Dann sieht man die Quallen am Strand vielleicht mit etwas anderen Augen.

Schönen Sommer weiterhin

wünscht

Jan Steffen

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