Mega, Makro, Meso, Mikro und Nano – Das Who is Who beim Plastikmüll

Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfall gelangen jedes Jahr in die Meere und dieser Müllstrom wird in Zukunft noch größer werden, denn der weltweite Plastikverbrauch und damit die Müllproduktion wachsen kontinuierlich weiter. Was da in die Ozeane gelangt ist eine bunte Mischung aus verschiedenen Plastiksorten und Plastikprodukten. Die Palette reicht vom Joghurtbecher bis zur Regentonne und von der Schokoriegelverpackung bis zur Abdeckplane aus der Großgärtnerei. Im Meer angekommen verändert sich der Müll zudem noch in dem er unter dem Einfluss von Wind, Wellen und Sonne in kleinere Teile zerbricht. Um dieses Sammelsurium zu ordnen, haben sich Wissenschaftler und Umweltschützer auf verschiedene Größenklassen geeinigt, in die sie die Müllteile einordnen. Es geht los bei den ganz großen Objekten, dem Megaplastik (> 500 mm). Das sind in der Regel keine Gegenstände, die aus Haushalten stammen, sondern sie wurden bei Katastrophen wie Wirbelstürmen oder Tsunamis vom Land ins Meer gewaschen oder sind von Schiffen aus über Bord gegangen. Eine Art von Megaplastik, die sich an den Küsten von Nord- und Ostsee relativ häufig findet, sind Fischkisten. Eine Größenklasse unter dem Megaplastik kommt das Makroplastik (200 mm – 500 mm) gefolgt vom Mesoplastik (5 mm – 200 mm). Vieles von dem was bei Beach Clean-ups an unseren Stränden eingesammelt wird, gehört in diese beiden Kategorien. Anders aber als beispielsweise in vielen Gegenden Südostasiens stammt das Makro- und Mesoplastik an unseren Küsten nicht aus Haushalten, sondern wurde von Strandbesuchern liegengelassen oder wurde vom Wind oder auch von Möwen aus Abfallbehältern ausgetragen. Vor allem an den Nordseestränden stammt ein großer Teil dieses Plastiks zudem aus der Fischerei.

Auch auf dem offenen Meer befindet sich Makroplastik. Es macht den größten Teil der Plastikmasse, nämlich 75%, aus, die sich in den ozeanischen Müllstrudeln befindet. Aber nur 0,2% der Teile, die im Ozean treiben, sind so groß, dass sie zum Makroplastik gehören. Die meisten Müllteile sind viel kleiner. Das Mesoplastik (5 – 200 mm) stellt im offenen Ozean ca. 11% der Masse des Plastiks und umfasst 7% aller Kunststoffteile. Dem Mesoplastik folgt im Größensystem der Wissenschaft dann das mittlerweile sehr bekannte Mikroplastik. Dieses wird von den akribischen Forschern gerne noch einmal in größeres (1 – 5 mm) und kleineres (0.3 – 1 mm) Mikroplastik unterteilt. Die erste dieser beiden Kategorien macht immerhin noch einmal 11% der Plastikmasse im offenen Meer aus, gleichzeitig umfasst sie aber 57% aller Kunststoffteile. Der größte Teil der im offenen Meer treibenden Plastikpartikel sind also großes Mikroplastik. Das kleine Mikroplastik stellt noch 3% der Masse, und umfasst 35% aller Partikel. Auch die Größenfraktion zwischen 0.001 mm (=1 Mikrometer) und 0,3 mm gehört natürlich zum Mikroplastik, aber über die Häufigkeit dieses sehr kleinen Materials in der Umwelt wissen wir noch wenig. Es ist schwer zu identifizieren und man kann es nur mit aufwändigen technischen Verfahren verlässlich zählen. Das gleiche gilt natürlich auch für alles was kleiner ist als 1 Mikrometer. Das ist dann Nanoplastik. Der Nachweis dieses Materials in Wasser- oder Sedimentproben ist sehr schwierig und wir sind im Augenblick noch nicht in der Lage, seine Verbreitung in der Umwelt zu erfassen.

Megaplastik im Wattenmeer vor dem Leuchtturm Westerhever. Was dieses riesige „Überraschungsei“ einmal war, ist unklar. Foto: Mark Lenz

Makro- und Mesoplastik im Strandanwurf im Norden Gotlands. Die Silikonkartusche ist vielleicht einem Segler über Bord gegangen oder fiel in einem Hafen ins Wasser. Foto: Mark Lenz

An den deutschen und dänischen Nordseestränden findet sich häufig Makro- und Mesoplastikmüll aus der Fischerei wie dieser Handschuh. Foto: Mark Lenz

Mikroplastik im Strandsand der Osterinsel. Diese bunten Partikel sind aus dem Zerfall von größerem Plastikmüll entstanden. Foto: Mark Lenz

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