Einsichten und Ansichten – Teil 2

(Beitrag von Joachim Dengg, GEOMAR)

 

Kommen wir nun also zu den Bewerbungsbeiträgen der Jugendlichen.

Obwohl wir sehr viele gute Bewerbungen erhielten, hatten wir für den Workshop leider nur zwanzig Plätze zu vergeben. Ich will aber trotzdem versuchen, hier auch einige derjenigen zu Wort kommen zu lassen, die leider nicht in die Auswahl kamen. (Dankenswerterweise erteilten uns alle Bewerber die Erlaubnis, Auszüge aus ihren Beiträgen zum Thema „Erforschung, Nutzung und Schutz der Meere: was ist nötig und was ist möglich?“ zu veröffentlichen.)

(Titelbild des Films von Marie aus Nordrhein-Westfalen)

Erforschung, Nutzung und Schutz: die Prioritäten

In den Arbeiten der Jugendlichen wurde sofort klar, dass für sie der Schutz der Ozeane von zentraler Bedeutung ist, erst in zweiter Linie gefolgt von der Nutzung und der Erforschung. In einem Satz auf den Punkt gebracht hat dies Hannah aus Niedersachsen:

„Auch wenn die Auswirkungen des Menschen, vor allem in Bezug auf den Klimawandel, auf die Ozeane noch nicht vollständig erforscht sind, steht fest, dass Handlungsbedarf zum Schutz der Meere besteht.“

Sunwoo aus Hessen ergänzt dies um den Nachhaltigkeitsaspekt:

„…dass man unbedingt Erforschung, Schutz und Nutzen gut balancieren sollte, um künftig menschengemachte Katastrophen zu vermeiden, ist für mich die wichtigste Lehre, die die Menschheit aus dem Klimawandel ziehen sollte und großteils schon gezogen hat. […] Daher sollte man das Meer nur im Rahmen seiner Regenerationsfähigkeit erforschen und nutzen, so dass es seinen natürlichen Zustand instandhalten kann und nicht unwiederbringlich beschädigt wird.“

Das Zusammenwirken von Erforschung, Nutzung und Schutz

Im Idealfall sehen viele der Jugendlichen Erforschung, Nutzung und Schutz aber nicht als Widerspruch an, sondern halten ein Zusammenspiel der drei Faktoren für erstrebenswert. So sagt zum Beispiel Ina aus Schleswig-Holstein:

„Erforschen, Nutzen und Schützen sind drei Dinge, die sich gegenseitig ermöglichen und voneinander abhängig sind. Nur wenn etwas erforscht und gleichzeitig bestenfalls noch geschützt wird, kann man es ohne Bedenken nutzen. Eins der drei Zahnräder kann sich nur drehen, wenn sich die beiden anderen auch mitdrehen. Falls „Sand in das Getriebe gerät“, also ein Bereich zum Stocken kommt, kann das komplette System nicht mehr funktionieren.“

(Abbildung von Ina aus Schleswig-Holstein)

Ähnlich sieht das Johanne aus Niedersachsen. Wenn es allerdings um die Möglichkeiten der Forschung geht, auf negative Entwicklungen Einfluss zu nehmen, schätzt sie diese als eher begrenzt ein:

„Um das Meer wirkungsvoll zu schützen und die Nutzung langfristig zu erhalten, ist mindestens ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Interessen nötig. Dabei muss beachtet werden, dass die Vertreter der wirtschaftlichen Interessen einen großen Einfluss in der Politik haben, die Meinung von Forschern dient hingegen oft nur zur Beratung. Das Meer, das selber ja nicht auf Deutsch oder Englisch mit uns spricht, wird gar nicht gefragt. Diejenigen, die die feine Sprache des Meeres verstehen und versuchen, es zu vertreten, haben hingegen keinen großen Einfluss.“

In diesem Punkt ist Lizzy aus Schleswig-Holstein optimistischer:

„Sollte man nun also wieder zurück in die Höhlen gehen und mit Pfeil und Bogen jagen, damit man der Umwelt nicht schadet? Diese Frage ist unweigerlich zu stellen, sobald man hört, welche Schäden der Mensch im Meer anrichtet. Trotzdem ist die Frage meiner Meinung mit nein zu beantworten.[…] die Forschung ist heute weit genug, um viele Prozesse, die der Mensch zur Zeit anwendet, um das Meer für seine Vorteile zu nutzen, durch nachhaltigere Methoden als heute üblich zu ersetzen.“

Schäden? Welche Schäden?

Was aber sind denn nun die Punkte, in denen nach Ansicht der Schülerinnen und Schüler der Mensch dem Meer am meisten schadet?

Für eine genaue, statistische Auswertung der Arbeiten reichte uns leider nicht die Zeit, aber zumindest nach „gefühlter Häufigkeit“ tauchten die folgenden Themen immer wieder auf:

(Bilder von Julia aus Bayern)

  • der Plastikmüll im Meer,
  • die Überfischung,
  • die Ozeanversauerung,
  • die Folgen der Energiegewinnung aus dem Meer,
  • die Folgen der Klimaänderung.

In den nächsten Blogbeiträgen wollen wir uns deshalb die Meinungen der Jugendlichen zu diesen Punkten etwas genauer ansehen.

(Fortsetzung folgt)

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