Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist…

Von Anke Schürer und Sebastian Hellmann

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Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist… ja was macht man eigentlich auf so einer wissenschaftlichen Seefahrt?! Wenn man den eigenen Verwandten im Vorfeld zu erklären versuchte, was man da so 5 Wochen auf einem Forschungsschiff machen wird, merkte man schnell – sie verstehen nur Bahnhof. Seismische Messungen? Was’n das? Und wohin fahrt ihr da – Kanarische Inseln? Ohh das ist ja gleichzeitig Urlaub!

In diesem Beitrag wollen wir die Irrtürmer und möglichen Missverständnisse ein für alle mal aus der Welt schaffen.

Irrtum Nr 1) URLAUB auf den Kanaren

Das Wasser hier ist zwar tiefblau und die Sonne scheint fast jeden Tag, nur irgendwie fehlt hier der Sandstrand, die Hotels und Bars und die Möglichkeiten des Sightseeings… Man sieht weit und breit nur Wasser, jeden Tag Wasser! Die Kanaren haben wir noch gar nicht zu Gesicht bekommen und auch Marokko sah man nur mit dem Fernglas als dunstigen Streifen am Horizont. Aus diesem Grund widmen wir uns lieber hoch spannenden wissenschaftlichen Fragen aus den Tiefen des Ozeans.

Irrtum Nr 2) Seismische/Hydroakustische Messungen – was macht man da?

Früh um 7 Uhr klingelt der Wecker. Im halbwachen Zustand taumelt man zur Messe, um sich mit Kaffee und Brötchen für den Tag zu rüsten. Gut gesättigt beginnt der Wachdienst pünktlich um 8 Uhr. Die Kollegen der vorherigen Wache begrüßt man steht‘s mit einem freundlichen “Moin, Moin” und lässt sich noch schnell über die wichtigsten Vorkommnisse ihrer Schicht aufklären. Das Labor gleicht einem Computerpool mit insgesamt sage und schreibe 15 Monitoren (!!!), die alle bewacht werden wollen. Wie behält man da den Überblick fragt sich sicher jetzt der ein oder andere?! Ja solange alles GRÜN blickt, ist alles gut. Die Aufgabe besteht dann darin die eingehenden Daten zu kontrollieren und zu protokollieren.

airgun

Abb. 1: Airgun (seismische Quelle)

Nebenbei bekommt man alle 15 min bei einem kleinen Kontrollspaziergang zur Airgun – hierbei handelt es sich nicht um ein Luftgewehr, sondern um eine seismische Quelle, siehe Abb. 1 – und zum Streamer übers Deck eine frische Brise salziger Meeresluft um die Nase geweht. Dabei ist darauf zu achten, dass die Airgun und der Streamer richtig geschleppt werden. Abb.  2 zeigt das Ausbringen des Streamers am Dienstagabend. Weiter geht es in die sogenannte Pulserstation, um nach zu schauen, dass der Airgun auch genug Druckluft zum Atmen (Schießen) zur Verfügung steht.

streamer2

Abb. 2: Sobald die Nacht am Dienstagabend hereinbrach, wurde der Streamer ausgebracht. Dieser spannende Moment (wird alles klappen?) ist hier abgebildet.

Ist auf den Kontrollmonitoren allerdings die Farbe ROT zu sehen, beginnt die Fehlersuche. Kleine Sachen können wir selbst beheben, bei größeren Probleme gilt es die Verantwortlichen schnell ins Labor zu bekommen. Und ganz wichtig ist die Telefon-Nummer 111, die uns zu Beginn der Reise ins Gedächtnis eingebläut wurde. Das ist die Brücke, die zum einem immer bescheid wissen muss, und zum anderen auch meistens helfen kann.

Neben der Seismik, die der Erkundung der Untergrundstrukturen dient, ist es auch von Interesse, die Oberflächentopographie des Meeresbodens zu kartieren. Dazu benutzen wir ein Multibeam-Messsystem. Die Funktionsweise kann sich jeder Strategiespiele-Fan so vorstellen, als dass er einen Dorfbewohner auf der noch völlig schwarzen Karte herumlaufen lässt, um diese Schritt für Schritt aufzudecken und damit sichtbar zu machen. Die Funktion des Dorfbewohners übernimmt bei uns das Schiff, wobei die Kontrolle dabei wie im Spiel in unserer Hand liegt und die Brücke unseren Kursangaben folgt.

multibeam

Abb. 3: Multibeam-Aufzeichnungen

Gegen Ende der Schicht ist es nun an der Zeit, die gemessenen Daten zu sammeln und für alle  übrigen Wissenschaftler in einem geeigneten Programm darzustellen. Auf dieser aktuellen Datenbasis wird anschließend das weitere Vorgehen ausgiebig diskutiert und idealerweise die optimale Route für die nächsten 10-20 Stunden festgelegt. Vor spontanen Planänderungen ist jedoch niemand gefeit.

Pünktlich um 12 Uhr ertönt das Nebelhorn und markiert gleichzeitig das Ende unserer ersten Schicht. Nach der Schichtübergabe wartet auch schon das Mittagessen auf uns. Nach 8 Stunden Pause (hier kommt auf dem Peildeck oder auch Sonnendeck genannt doch ab und zu ein bisschen Urlaubsfeeling auf), beginnt das Ganze noch einmal von vorn. Zwischendurch hilft man auch gern den Kollegen der Geologie beim Aufarbeiten der bereits zahlreich gesammelten Sedimentkerne und lässt sich einen eindrucksvollen Einblick in mehrere tausend Jahre Erdgeschichte geben.

Wir hoffen nun allen Lesern einen guten Einblick in das Leben auf unserem schönen Schiff gegeben zu haben und freuen uns auf weitere spannende Entdeckungen an Bord des modernsten deutschen Forschungsschiffes, der Maria S. Merian.

Beste Grüße,

Anke und Sebastian

 

Seafaring is funny, seafaring is… yes, what do you actually do on such a scientific vessel? If you tried to explain to your relatives at home what you are going to do on this research vessel for five weeks, you would quickly recognize a bit of confusion on their face. Seismic measurements? What’s that? And where are you going – Canary Islands? Ohh that is a vacation!

Within this report we are going to try to disabuse everyone from these misunderstandings.

Fallacy No. 1: VACATION on the Canary Islands

The water is really dark blue and the sun is shining nearly every day, but the sandy beach, hotels, bars and the possibility to go sightseeing are missing. You can only see water, everyday water surrounds you! We haven’t seen the Canary Islands at all and even Morocco was only visible through a spyglass as dusty stripe on the horizon. So, rather than sightseeing we dedicate ourselves to the highly exciting scientific questions from the deep of the ocean.

Fallacy No. 2: Seismic/hydroacustic measurements – what do you do there?

At 7 o’clock am in the morning the clock is ringing. In quite a sleepy mood you tumble to the mess to prepare yourself with coffee and roll for the day. Well satisfied by the meal our watch starts exactly at 8 o’clock. Our fellows from the previous watch are welcomed with a friendly “Moin, Moin” and afterwards they inform us about current issues. The laboratory looks like a computer pool with a total of 15 monitors (!!!), which all have to be watched. How do you stay on top of things one might ask? Yeah well, we have a system, as long as everything is GREEN, everything is alright. Then the main task is to check incoming data and to write a protocol.

Besides this, we get a fresh salty breeze of seawater blown around our nose when we do our control walk to the airgun – here we don’t talk about an air rifle, instead it’s a seismic source, shown in Fig. 1 – and the streamer every 15 min. You have to be careful, that the airgun and streamer are towed right. Fig. 2 presents how we put the streamer out in the water on Tuesday evening. Our walk brings us further to the pulser station, where we have to look that the airgun has enough air pressure for breathing (shooting).

In case a red light appears on the monitors, we have to find out what’s the problem. Small errors we can fix by ourselves but if major programme errors occur, then we have to inform those responsible for. And most important is the telephone number 111. This is the bridge, which on one hand always has to be informed and on the other hand gives helpful support.

Besides seismic, which focuses on exploration of subsurface structures, it is furthermore of interest to map the surface topography of the seabed. Therefore we use a multibeam measurement system. The functionality works quite the same as a strategy computer game. At the beginning the map is completely black. Then you tell your citizen to walk around to reveal it step by step. In our case the function of the citizen is the ship, which is controlled by us as in the real game.

At the end of our watch it is time to organize measured data and finally to visualize them for all the other scientists in a suitable program. Based on the current data, next steps are discussed extensively and ideally the most helpful route is set for the following 10-20 hours. But spontaneous changes are always possible and happen quite frequently!

Exactly at 12 o’clock the foghorn sounds and marks the end of our first watch of the day. After shift change, lunch is already waiting for us. Again after 8 hours (in this time the monkey island or better known as sun island radiates a bit of holiday feeling J ), the whole duty starts once more. In the meantime we like to help our geology fellows with the numerous cores already collected during the cruise. Highly intensive discussions about the deposition history of the sediments reveal an impressive insight into thousands of years of earth history.

We hope that all our readers are now informed about work at our beautiful vessel. We look forward to more and more exciting discoveries on board of the modernist German research vessel, the Maria S. Merian.

Best regards

Anke and Sebastian