Wissenschaft im Urlaubsparadies: Santorini im Fokus unserer Forschung

In den letzten Tagen waren wir viel direkt vor der Küste von Santorini unterwegs. Das griechische Archipel Santorini ist neben dem Unterwasservulkan Kolumbo das zweite Hauptziel unserer Fahrt, hier trifft man die FS METEOR mindestens alle paar Tage an. Die Inselgruppe besteht aus der sichelförmigen Hauptinsel Thira, sowie den kleineren Inseln Thirasia und Aprosini, die kreisförmig um eine vom Meer gefluteten Caldera liegen. In deren Zentrum befinden sich zwei Vulkaninseln, Palea Kameni und Nea Kameni. Entstanden ist Santorini durch mehrere Vulkanausbrüche in seiner Vergangenheit. Durch den verheerenden Ausbruch im Jahr 1620 v. Chr. verschwand der Großteil der ursprünglichen Insel und die Caldera wurde geflutet, spätere Ausbrüche formten die beiden Vulkaninseln und somit die Inselgruppe, wie sie heute existiert. Das Erbe der vulkanischen Entstehung wird im Bild der Inseln widergespiegelt. Für die von uns, die noch nicht hier waren, ist der Anblick atemberaubend. Die sanften, schwarzen und roten Vulkanstrände, und die hohen, ehrwürdigen Kraterwände bilden einen beeindruckenden Kontrast, und die Orte, die wir vom Schiff aus erahnen, wirken ebenso geschichtsreich wie belebt. Kein Wunder, dass Santorini eine solche Anziehungskraft auf Besucher von nah und fern hat!

Die FS METEOR in der Caldera von Santorini. Foto: Christian Filbrandt, GEOMAR

In der Caldera bekamen wir am 21. Dezember Besuch von Vertretern der Gemeinde Thira. Bei einer Tour über das Schiff zeigten wir, worin genau unsere Forschung bei dieser Ausfahrt besteht. Wir freuen uns sehr über den regen Austausch, der mit den Stakeholder:innen vor Ort besteht, denn auch dafür betreiben wir schließlich unsere Forschung: Damit die Gemeinden vor Ort davon profitieren.

Von links: P. Nomikou (Professorin für Geophysik an der National Kapodistrian University of Athens), N. Zotos und I. Mainas (Bürgermeister der Gemeinde Thira), J. Karstens und H. Kopp (Wissenschaftliche Fahrtleitung, GEOMAR). Foto: Lutz Beckebanze, DWD

Dies ist ganz im Sinne des Projektes MULTI-MAREX, denn im Rahmen dieses Projektes werden zwei Reallabore in Griechenland eingerichtet, in Kalamata und eben hier in Santorini. Ein Reallabor ist ein geografisch definierter Raum für die Zusammenarbeit von Forschenden und Stakeholder:innen. Forschungsfragen werden gemeinsam definiert und es wird mit Lösungsansätzen experimentiert. Es ist also eine besondere Art des Forschens, in der die Menschen vor Ort direkt integriert werden und ihre Kenntnisse der Umgebung und der lokalen Besonderheiten besonders in die Forschungsvorhaben miteinbezogen werden. Die Ergebnisse der Forschung werden wiederum unmittelbaren Nutzen für die Stakeholder:innen und die Bewohner:innen haben. Daher geht es bei MULTI-MAREX, und bei dieser dritten Ausfahrt im Namen des Projekts, auch viel darum, unsere Erkenntnisse anwendbar zu machen.

Hochauflösende Fotos von der Küste Santorinis. Foto: Paraskevi Nomikou, Universität Athen

Eine Aufgabe an Bord, die diesem Nutzen dient, besteht darin, die steilen Küsten Santorinis mithilfe von Photogrammetrie in einem dreidimensionalen Modell zu visualisieren. Der erste Schritt umfasst die Aufnahme möglichst vieler überlappender Fotos ausgewählter Küstenabschnitte. Dafür fahren wir nah an der Küste mit gedrosselter Geschwindigkeit durch die Caldera, während fortlaufend Fotos geschossen werden. Durch die Überlappung der Aufnahmen kann für die Modellerstellung die dritte Dimension, die Tiefe, errechnet werden, und so entsteht ein zusammenhängendes Modell der Küste. Dieses wird den Stakeholder:innen und Bürger:innen zur freien Verfügung gestellt, und soll unter anderem zur Bildungsarbeit eingesetzt werden. Aber auch potenzielle Hanginstabilitäten können mithilfe eines solchen Modells frühzeitig erkannt werden.

Foto: Artemis Tomai, Santorini

Einem Teil des Teams ist Santorini bereits wohlbekannt. Denn im Rahmen von MULTI-MAREX waren einige von uns an Bord in den letzten Jahren bereits mehrmals hier, zu Schiff wie an Land, und hatten dadurch auch das Privileg, bereits einige der Stakeholder:innen und Schüler:innen, sowie Bewohner:innen kennenzulernen. Umso größer ist die Freude über ein Wiedersehen mit Land und Leuten, auch wenn wir dennoch den Großteil der Fahrt mit etwas Abstand von der FS METEOR auf die Küste der Inseln blicken. Unsere Anwesenheit in und um die Caldera von Santorini herum bleibt natürlich auch von den Bewohner:innen der Inseln nicht unbemerkt. So freuen wir uns immer wieder über Fotos der FS METEOR, die von Santorini aus aufgenommen wurden. Während wir also vom Schiff aus die Inseln Santorinis bewundern, blicken von dort aus Menschen zurück zu uns. Wir senden viele Grüße an alle, die unser Forschungsschiff in den letzten Tagen schon gesehen haben!

Das Team der M215 (MMC-3)

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