Wetterfrösche auf hoher See: Die Arbeit der Schiffsmeteorologen auf der FS METEOR

Was passiert auf einem Forschungsschiff, wenn das Wetter nicht mitspielt? Wir haben bisher ziemliches Glück gehabt mit den Wetter- und Seebedingungen. Der durchschnittliche Tag enthielt meist blauen Himmel, kaum Seegang und Wind, und die Wolken, die zwischenzeitlich am Himmel zu sehen waren, sahen eher nach Dekoration für das szenische Gesamtbild als nach Vorboten von Niederschlag aus. Erst gegen Ende der Ausfahrt nehmen Wind und Wellen deutlich an Fahrt auf. Doch das ist nichts im Vergleich zu Wetterlagen, die fast jede Arbeit an Deck unmöglich machen, und in der alle, bis auf die erfahrenen Mitglieder der Crew, lieber nicht die Kammern verlassen. Gut, solche dramatischen Bedingungen treten eher inmitten eines Sturmtiefs über dem Atlantik auf, und wir in der Ägäis, umgeben von wind- und wetterschützenden Inseln, müssen uns eher keine Sorgen machen, in einer solchen Situation zu landen.

Doch für die Arbeit auf dem Schiff ist es dennoch unerlässlich, Informationen über die Wetterlage wie Wellenhöhe, Windrichtung, und Sichtweite zu bekommen. Dies bekommen wir von den beiden Schiffsmeteorologen, Frank Otte und Lutz Beckebanze, die mit an Bord der FS METEOR sind. Die beiden Meteorologen sind Teil des Deutschen Wetterdienstes (DWD), und Teil der kleinen Gruppe an Experten für Seewetter – in Deutschland lassen sich ihre Mitglieder fast an zwei Händen abzählen.

Das DWD-Büro der FS METEOR. Foto: Johanna Salg

Frank fährt seit etwa zehn Jahren hauptamtlich als Schiffsmeteorologe zur See. Dabei war er bereits häufig auf der FS METEOR, aber auch schon über mehrere Monate auf der FS POLARSTERN in den polaren Regionen der Welt unterwegs. Für ihn ist die Arbeit an Bord hier ein Traumjob, und seine jahrelange Erfahrung für uns eine große Bereicherung. Lutz ist zum ersten Mal als Schiffsmeteorologe an Bord dabei. Als Experte für Seewetter war er bisher von Hamburg aus für die Erstellung von Seewetterkarten und -vorhersagen für die Nord- und Ostsee verantwortlich, und freut sich sehr auf die kommenden Einsätze auf See. Auf der FS METEOR ist auch eine Wetterstation vorhanden, die von den Meteorologen betreut wird. Dort werden direkt Parameter wie Niederschlag, Windrichtung und -geschwindigkeit, UV-Strahlung und Sonnenscheindauer gemessen, besonders wichtige Daten, denn direkte meteorologische Messwerte über dem Wasser sind selten – denn Messtationen mitten im Meer gibt es kaum.

Die Wetterstation der FS METEOR ist ganz oben auf dem Schiff zu finden. Foto: Johanna Salg, GEOMAR

Der Arbeitstag beginnt bereits gegen 6 Uhr morgens. Denn jeden Morgen findet ein Wetterbriefing auf der Brücke statt – dafür bereiten die beiden vorher im DWD-Büro die Wettervorhersage vor. Dabei geht es vor allem um die Bewertung von Unsicherheiten, denn es existieren viele Wettermodelle. Diese jedoch zu vergleichen, und einzuschätzen, welches Modell am wahrscheinlichsten korrekt ist, ist die Aufgabe der Meteorologen und benötigt tiefgreifendes Hintergrundwissen und langjährige Erfahrung. Ganz besonders relevant für uns sind bei der Wettervorhersage Wellenhöhe und Windstärke. Bei den Wellen unterscheidet man zwischen den Windwellen, die vor Ort vom Wind erzeugt werden, und der Dünung, die durch entfernte Wetterlagen, zum Beispiel Tiefdruckgebiete, entstehen und auch bei uns noch Wellen erzeugen. Eine Besonderheit ist unsere Position zwischen den vielen verschiedenen Inseln, wodurch es zu besonderen Windeffekten und Interferenzen von Wellen kommt. Aber es findet sich auch fast immer ein geschützter Bereich, in dem Messungen problemlos möglich sind.

Nur in der Ferne sehen wir manchmal Gewitter vorbeiziehen, die bisher aber glücklicherweise einen Bogen um die FS METEOR gemacht haben. Wie beeindruckend die Naturgewalt schon aus der Ferne aussieht, lässt sich dennoch nicht leugnen. Da sind wir froh, dass wir bisher weitgehend unbeeinträchtigt unsere Messungen durchführen können – und kommt doch einmal eine veränderte Wetterlage auf uns zu, werden wir frühzeitig von den beiden Meteorologen informiert.

Mittlerweile etwas wellige Grüße aus der Ägäis

Das Team der M215 (MMC-3)

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