Frohes Neues! Silvester feiern wir an Bord der FS METEOR mit einem entspannten Abend, und stoßen um Mitternacht gemeinsam auf das neue Jahr an. Wir sind gut ins neue Jahr gekommen, und dort geht es direkt weiter mit den Messungen auf der FS METEOR, der Auftakt für ein neues Jahr der Forschung erfolgt mit einem Tauchgang des Videoschlittens MOMO, den wir auf der Ausfahrt regelmäßig auf unterseeische Erkundungsreise schicken. In den folgenden Posts stellen wir einige unserer Messgeräte und die Arbeit ihrer Teams kurz vor, um einen Eindruck zu vermitteln, was eigentlich an einem typischen Tag auf einem Forschungsschiff passiert.


MOMO, kurz für Modular Mobility Seafloor Observation and Sampling System, ist der Name des Unterwasser-Videoschlittens, der uns auf der M215 (MMC – 3) begleitet. Das ausgeklügelte Messsystem, das im letzten Jahr von dem Team, das an Bord ist, am GEOMAR entwickelt wurde, wird für seine Tauchgänge mithilfe einer Winde ins Wasser gelassen und fährt etwa drei Meter über dem Meeresboden „mit dem Schiff mit“. Dabei sammelt das Multitalent allerlei hochauflösende Daten: zwei seitliche, nach unten ausgerichtete Kameras nehmen kontinuierlich Fotos auf, während MOMO knapp über dem Boden durchs Wasser gleitet. Durch die Überlappung der Aufnahmen kann mithilfe von Photogrammetrie eine detaillierte, auf bis zu 4mm genaue Karte des Meeresbodens erstellt werden. Weiterhin kommen 3D-hydroakustische Sensoren zum Einsatz, die dreidimensionale Aussagen über den Meeresboden zulassen und besonders für die Navigation von MOMO hilfreich sind. Die FS METEOR darf sich dabei ordentlich ins Zeug legen: die Profile mit 4 Metern Abstand voneinander sollen möglichst genau angesteuert und gehalten werden, eine Herausforderung, da das Schiff grundsätzlich mit einer Genauigkeit von etwa 2 Metern seinen Kurs hält. Das ist auf hoher See natürlich eine nahezu bedeutungslose Abweichung, für die mikrobathymetrischen Messungen mit MOMO allerdings gar nicht ohne Schwierigkeiten, zumal wir in der Caldera öfters von starken Fallwinden erfasst werden, die das Schiff zur Seite drücken. Die Offiziere auf der Brücke und das wissenschaftliche Team von MOMO kommunizieren also während der vier- bis zwölfstündigen Tauchgänge durchgängig miteinander, damit MOMO auch dort entlang fährt, wo es am spannendsten ist.

Denn es besteht kein Mangel an spannenden Orten! Ganz besonders interessant sind die Strukturen, die während der ersten Ausfahrt von MULTI-MAREX, MSM132 (MMC – 1), Ende des letzten Jahres in der Caldera von Santorini entdeckt wurden: die so genannten Kallisti Pools. Das ist eine komplexe Reliefstruktur aus Bakterienmatten am Meeresboden, die mit ausgedehnten Gasaustritte (vor allem CO2 und Methan) in Verbindung stehen. Diese Gase sammeln sich am Boden der „Seen“ als milchig weiße Substanz. Noch ist wenig darüber bekannt, und insbesondere seine Veränderlichkeit über die Zeit und im Kontext des Erdbebenschwarms Anfang dieses Jahres interessieren uns. Forschungen britischer Kolleg:innen deuten auf eine schnelle Veränderung hin – umso wichtiger, die Karten von dem letzten Jahr mit unseren aktuellen Messungen zu vergleichen. Ein besonderes Highlight während der Messungen ist die Bildschirmübertragung in das Geo-Labor der FS METEOR, von wo aus mit Faszination live verfolgt wird, was MOMO vor die Kameras kommt.


Dabei kommen alle an Bord ins Grübeln, wie die Struktur der Kallisti Pools erklärt werden kann. Unser Kollege Everardo Gonzáles stellt einen mathematischen Ansatz vor, der die Form der Pools exakt beschreiben würde: Variiert man zwei Parameter des Gray-Scott-Modells, so ergeben sich die gleichen Strukturen wie die, die wir am Meeresboden finden. Nach dem Vortrag wird angeregt diskutiert, Thesen werden aufgestellt und wieder verworfen oder abgeändert, und Kontakte von griechischen, deutschen und internationalen Kolleg:innen ausgetauscht. Fest steht: Das Geheimnis der Kallisti Pools wird früher oder später gelüftet werden!


Bei den Messungen mit MOMO gilt: Qualität über Quantität. Das Endresultat sind hochaufgelöste, detaillierte Karten des Meeresbodens ausgewählter Bereiche, die basierend auf bathymetrischen Messungen der AUVs und der schiffsbasierten Kartierungssysteme ausgewählt wurden. Nach einem langen Tauchgang mit ausgezeichnetem Teamwork, gestochen scharfen Bildern und höchster Konzentration beim Steuern der Winde, kann unser vierköpfiges Team von MOMO ausgezeichnet schlafen. Bis zum nächsten Tauchgang, aber jetzt sind erst einmal andere Messinstrumente an der Reihe – mehr davon im nächsten Beitrag!
Das Team der M215 (MMC – 3)