Das Leben an Bord eines Forschungsschiffes – Life on board of a research vessel

JAGO on deck of RV POSEIDON during transit. Picture: Lina Holthusen.

Da auf der Poseidon immer viel zu tun ist und ruhige Minuten, in denen wir unsere Erfahrungen mit euch teilen können, rar sind, ist seit dem letzten Blog-Eintrag einiges passiert. Da wir gerade auf Transit von unserer zweiten Station (Nordleksa) zur dritten Station (Steinavaer) unterwegs sind, möchte ich euch gerne auf dem Laufenden halten und einen kleinen Einblick in den Alltag auf der Poseidon geben.

Ich bin Lina und bin als studentische Hilfskraft zum ersten mal mit an Bord. Ich bin vor allem dazu da, unserer Fahrtleiterin Janina unter die Arme zu greifen und ihr damit ein bisschen den Stress dieser wichtigen Position zu nehmen. Außerdem helfe ich den anderen Wissenschaftlern an Bord, die alle verschiedene spannende Experimente durchführen, wo ich kann. So bekomme ich einen Einblick in jeden Fachbereich dieser Reise. Heute möchte ich euch einen groben Überblick geben, wie die Arbeit und unsere Experimente aber auch der Alltag an Bord eines Forschungsschiffes ablaufen.

Forschungsschiff POSEIDON. Foto: Lina Holthusen.

Unsere Experimente:

Auf unserem Plan für dieses Ausfahrt stehen insgesamt vier verschiedene Stationen (Riffe) entlang der Westküste Norwegens. Davon zwei im Süden (Sula und Nordleksa) und zwei im Norden (Hola und Steinavaer). Das Sula- und das Hola-Riff befinden sich im offenen Meer, Nordleksa und Steinavaer in den Fjorden. Um diese Umgebung und die Riffe selbst zu erforschen, nehmen wir hier diverse Proben. Mithilfe eines CTD (“Conductvity, Temperature, Depth, also Leitfähigkeit, Temperatur, Tiefe)-Wasserschöpfers nehmen wir Wasserproben in verschiedenen Tiefen um sie später (das geschieht nicht mehr an Bord, da wir natürlich nur begrenzt Platz für die nötigen Geräte haben) auf ihre Bestandteile zu untersuchen. Außerdem sammeln wir Korallen-, Schwamm- und Muschelproben vom Meeresgrund mit dem Tauchboot JAGO ein und lagern sie in großen Tanks in unserem Nasslabor. Die Tanks haben wir vorher mit Tiefenwasser gefüllt und auf 7,5°C gekühlt, damit die Organismen sich wie in ihrer gewohnten Umgebung wohl fühlen.

Im Nasslabor finden, wie der Name schon sagt, alle Experimente statt bei denen viel Wasser im Spiel ist. Dieser Raum ist voll von Tanks, Eimern, Pumpen, Schläuchen und Kühlgeräten, die unsere Korallen am Leben halten. Außerdem gibt es ein Trockenlabor, von wo die CTD gesteuert und während des Tauchgangs mit JAGO kommuniziert und seine Position verfolgt werden kann.

In unserem Chemie-Labor werden alle unsere genommenen Proben verwaltet. Das bedeutet zum einen das Dokumentieren und Labeln der Proben (damit es nach der Reise kein Chaos gibt) und zum anderen das Preservieren und Lagern (damit sich die Zusammensetzung/Beschaffenheit nicht mehr verändert). So hat jeder Wissenschaftler seinen eigenen Arbeitsbereich auf dem Schiff und es können mehrere Experimente parallel stattfinden, was aufgrund der begrenzten Zeit auf einer Ausfahrt sehr wichtig ist. Welche Experimente auf unserer Fahrt genau stattfinden, wird in den folgenden bzw. vorherigen Blog-Einträgen von jedem der Wissenschaftler selbst berichtet.

JAGO an Deck von POSEIDON während des Transits. Foto: Lina Holthusen.

Der Alltag auf einem Forschungsschiff:

Da diese Expedition meine erste Forschungsreise ist und ich vorher auch noch nie länger auf einem Schiff war, musste ich mich erst einmal an den Alltag an Bord gewöhnen. Zum Beispiel gibt es feste Essenszeiten, die man nicht verpassen sollte. Frühstück gibt es um 7:30, Mittagessen um 11:30 und Abendessen um 17:30. Das Essen ist trotz der begrenzten Möglichkeiten an Bord immer abwechslungsreich und super lecker. Verhungern wird hier definitiv niemand. Untergebracht sind wir Wissenschaftler quasi im “Keller” des Schiffes in geräumigen Zweierkabinen. Hier halten wir uns allerdings fast nur zum Schlafen auf, da immer sehr viel zu tun ist. Und wenn es mal nichts mehr zu tun gibt, gibt es entweder was zum Gucken (z.B das Ein- oder Auslaufen im Hafen oder das Aussetzen von JAGO) oder wir sitzen abends mal gemütlich zusammen. Das alle abends “frei” haben, ist allerdings sehr selten, da manche Experimente auch nachts betreut werden müssen und wir unsere Kollegen bei ihren Experimenten unterstützen, wenn wir selber gerade mal nichts zu tun haben. Auch von der Crew trifft man zu jeder Tages- und Nachtzeit jemanden an Bord. Die Schiffsbesatzung steht uns immer tatkräftig zur Seite und nimmt auch mal Überstunden in Kauf, wenn wir mal wieder Extrawünsche haben.

Da wir in Norwegen gerade Mitternachtssonne haben, wird es nie komplett dunkel. Da kann man die Zeit schnell mal vergessen. Und die Wochentage auch. Da wir pro Station immer nur ein paar Tage Zeit haben, um alle Proben zu nehmen und die Experimente vor Ort durchzuführen, wird es in dieser Zeit meistens etwas stressig. Den einen oder anderen müssen wir dann schon mal zum Essen holen, damit er/sie die Essenszeit nicht verpasst. Während des Transits zwischen den Stationen geht es dann etwas ruhiger zu. Manche Experimente müssen zwar auch dann betreut werden, aber es stehen keine Probennahmen mehr an. Dafür fordert dann aber öfters mal die Seekrankheit ihre Opfer ein, mich eingeschlossen. Aber zum Glück gewöhnt der Körper sich schnell an die ungewohnten Bewegungen auf dem Meer. Für mich als Neuling gibt es auf dieser Reise auf jeden Fall sehr viele neue spannende Erfahrungen und Eindrücke! 🙂

Lina Holthusen


There is always a lot to do on Poseidon and quiet moments to report our experiences are rare. Thus, a lot has happened since our last post. Because we’re currently on transit from our second station (Nordleksa) to our third station (Steinavaer), I want to keep you up to date and give you an insight into daily life aboard the vessel.

My name is Lina and I‘m here as a student assistant. This is the first time for me to be on a research vessel. My main task is to help our cruise leader Janina to support her in this important position. I also help out in the other scientists exciting experiments on board. With this I can get an insight into every research area of this cruise. Today I want to give you an overview of our work and experiments aboard and of the daily life on a vessel.

Our research vessel POSEIDON. Picture: Lina Holthusen.

Our experiments:

We‘re planning to visit four different stations (cold-water coral reefs) along the west coast of Norway in total. Two are located in the South (Sula and Nordleksa) and two in the North (Hola and Steinavaer). The Sula- and Hola-Reef are offshore reefs, while Nordleksa and Steinavaer are located in the fjords. Here we take several samples to explore the area and the reefs. For example, water samples are taken with a CTD (conductivity, temperature, depth) water sampler from different depths, which will be analysed with regard to carbonate chemistry and stable isotopes (this won‘t happen aboard, because analytical analyses like this need to take place in laboratory). In addition, we are collecting samples of corals, sponges and mussels from the sea floor with our submersible JAGO. These are stored in our wet lab in large tanks filled with deep water, which is cooled down to 7.5°C seabed temperature, so that the organisms feel as comfortable as in their usual environment. As the name indicates in the wet lab all experiments with large amounts of water take place. This room is full of tanks, buckets, pumps, tubes and coolers that keep our corals alive. Furthermore, there is a dry lab, from where the CTD is controlled and the communication and navigation of JAGO takes place. In the Chemistry lab we are managing all of our samples, which means the documentation, and labelling (so that there is no chaos after the cruise), but also the preservation and storage of the samples (so that the composition won’t change). Thus, every scientist has his/her own working area on the vessel so that various experiments can take place at the same time. This is important due to the limited time of an expedition. The details to our experiments will be reported in the following and previous posts by each scientist him/herself.

JAGO on deck of RV POSEIDON during transit. Picture: Lina Holthusen.

Daily life on board a vessel:

Because this is my first research cruise I had to get used to the daily life on a vessel first. For instance, there are fixed times for the meals. Breakfast is at 7:30 am, lunch at 11:30 am and dinner at 5:30 pm. Despite limited possibilities on a vessel the meals are always varied and very tasty. The scientists are hosted in the “basement” of the vessel in cabins for two people each. But mostly we’re staying here just for the night because there’s always enough work to do. And if there’s no work left, there’s either something to watch (for example landing in port or the deployment of JAGO) or we’re sitting together in the evening.

But a free evening for all of us is very rare because some of the experiments need to be observed at night too and we’re helping our colleagues when we finished our own work. Also there’s always someone of the crew to be find to every day and night time. They’re always supporting us and may also take some extra hours for our special wishes sometimes. Currently we’ve midnight sun in Norway and it’s not getting dark the whole night. So sometimes we’re just forgetting the time. Because our time at each station is limited and we need to take all of our samples and run the in situ experiments it’s getting stressful in this time. Sometimes we have to call our colleagues to lunch so she/he won’t miss the meal. During the transit to the next station our day is quieter, because there is no sampling. However, some experiments are still running and have to be taken care of. Unfortunately, some of us (including me) are getting seasick during transit times. But luckily the body gets quickly used to the unusual movement at sea. For me as newcomer there are definitely a lot of new and exciting experiences to gather on this cruise! 🙂

Lina Holthusen

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