Mindelo: Dreh- und Angelpunkt für Meeresforschung im tropischen Atlantik

Paradiesische Meerespanoramen sind “nur” die Kirsche auf der Torte. Die wahren Forschungsjuwelen befinden sich über und unter Wasser. Foto: Frederike Tirre, Future Ocean

Wie gestern schon angekündigt, liegt der Schwerpunkt unserer Tätigkeiten in dieser Woche auf der Insel São Vicente, Cabo Verde, mitten im tropischen Atlantik.  Mann könnte fragen, warum die Kieler Meereswissenschaften ausgerechnet dort in Mindelo die Gründung eines “Ocean Science Centre” vorangetrieben haben. Da gibt es natürlich die wissenschaftlichen Gründe. Die haben wir hier im Blog auch schon ein paarmal umrissen. Wer sich genauer dafür interessiert, kann in den kommenden Tagen einfach dem CapeVerde-Blog, auf Twitter dem Hashtag #OSCM17 oder der OSCM-Facebook-Seite folgen.  Beim “International Workshop on Marine & Atmospheric Sciences in West Africa”, der vom 12. bis 17. November am OSCM stattfindet, geht es genau um diese Gründe.

Da  ich einmal Geschichte studiert habe, kann ich aber noch eine andere Erklärung liefern, warum Wissenschaftler vor über zehn Jahren Cabo Verde als günstigen Partner ausgemacht haben. Ganz einfach: Die Lage, der die Stadt Mindelo überhaupt ihre Existenz verdankt.

Kap Verde wurde im 15. Jahrhundert von Portugiesen entdeckt und kolonisiert. Die Insel Sao Vicente – karg und trocken – blieb aber auch danach lange unbesiedelt.

Palha Carga, karges Tal, trifft dieses Stück Cabo Verde ziemlich gut.Dennoch ist der Ausblick spektakulär! Foto: Frederike TIrre, Future Ocean

Doch dann…HALT STOPP (Stimme aus dem OFF)! Es ging doch um Wissenschaft!

Also noch einmal von vorn: Sao Vicente war vom Ende des 19. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert hinein ein wichtiger Zwischenstopp für Dampfschiffe, die zwischen Europa und Südamerika verkehrten. Sao Vicente lag günstig, um die Kohlevorräte aufzufüllen. Eine Hafenstadt entstand, die sich später zum kulturellen Zentrum von Sao Vicente und ganz Kap Verde entwickelte: Mindelo. Aufgrund der günstigen Lage dient Mindelo schon seit geraumer Zeit als Anlaufhafen für deutsche Forschungsschiffe. Sogar die FS METEOR 1 hat auf ihrer atlantschen Expedition 1925-27 in Mindelo schon Stopp gemacht.

Der vulkanische Strand von Palha Carga. Wer genau hinguckt, entdeckt einen Medienmenschen bei der Arbeit. Foto: Frederike Tirre, Future Ocean

(Stimme aus dem OFF: Hallo…WISSENSCHAFT!!!)

Auf diesen Forschungsschiffen befinden sich Wissenschaftler, die an verschiedensten Themen arbeiten. Warum? Weil die Kap Verden ein Hot Spot für marine Biodiversität sind! Augrund des tropischen Klimas (und der tropischen Wassertemperatur) gedeihen hier vielfältige Arten in verschiedenen Wassertiefen dessen Zusammenspiel neue Aufschlüsse ergeben, über Klimaveränderung, Verteilung bestimmter Flora & Fauna aber auch über die Erforschung der Tiefsee. Diese erstreckt sich immerhin über fast 60% unserer Ozeane. Das Besondere an Cabo Verde ist, dass die Tiefsee sehr dicht nach der Küstenlinie beginnt und man schnell in hoher Waasertiefe ist, was das Aussetzten von Messgeräten vereinfacht und die konsequente Beobachtung bestimmter Hot Spots, wie Unterwasserberge,  möglich macht.

Die Kulisse von Sandy Beach lässt erahnen, welche Fische und Krebstiere sich an den felsigen Küsten unter Wasser tummeln. Foto: Frederike Tirre, Future Ocean

(Stimme aus dem OFF: Außerdem gibt es hier Haie! Und Vulkane…und Staubstürme!) Aus wissenschaftlicher Sicht hochinteressant, da der herüberwehende Saharastaub eine wichtige Düngequelle für den Ozean ist. Momentan allerdings sieht man wenig vom vulkanischen Relief da ein akuter Staubsturm sich wie eine Nebeldecke über die Inseln gelegt hat. Da sind selbst die Haie inaktiv…

 

Haie auf dem Dach des Zentrums für Biodiversität des Meeres in Calhau. Foto: Frederike Tirre, Future Ocean

Bei besserer Sicht morgen wieder mehr aus dem OSCM (und dem OFF),

Frederike & Jan

 

 

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