{"id":71,"date":"2024-10-07T08:00:00","date_gmt":"2024-10-07T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/?p=71"},"modified":"2024-10-07T03:25:52","modified_gmt":"2024-10-07T01:25:52","slug":"experimente-an-bord","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/2024\/10\/07\/experimente-an-bord\/","title":{"rendered":"Experimente an Bord"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Geschrieben von Clara Winguth, Masterstudentin am GEOMAR<\/p><cite>\u00dcbersetzung von Josefine Karnartz, Doktorandin am GEOMAR<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wenn ihr schon mal einen Blick auf die biologischen Ozeanographie-Wissenschaftler*innen auf der SO307 geworfen habt, sind euch vielleicht unsere modischen Polar-Anz\u00fcge aufgefallen, w\u00e4hrend wir uns in die rot beleuchteten Klimalabore zur\u00fcckziehen. Und dabei dachtet ihr euch: \u201eWas geht hier denn ab?\u201c Gl\u00fcck f\u00fcr euch, denn ich bin hier, um euch das zu erkl\u00e4ren!<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Gruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Anja Engel hat gleich zwei Experimente an Bord, um die Zersetzung von Partikul\u00e4rem Organischen Material (POM) in der Tiefsee zu untersuchen. Dabei analysieren wir die verantwortlichen Bakteriengemeinschaften und vergleichen die aktuellen Bedingungen mit einem Szenario, in dem die Tiefsee-Temperatur um +4 Grad erh\u00f6ht ist \u2013 alles im Namen des Klimawandels!<\/p>\n\n\n\n<p>Das FS SONNE ist mit zwei Klimalaboren ausgestattet \u2013 eines ist auf die aktuelle Tiefseetemperatur von 2,5 \u00b0C eingestellt (also sehr kalt), w\u00e4hrend das andere auf 6,5 \u00b0C eingestellt ist (also immer noch kalt, aber sp\u00fcrbar weniger kalt). Um die Bedingungen der Tiefsee nachzuahmen, sind alle Bullaugen fest verschlossen, damit kein Licht von au\u00dfen eindringt und rote Lichterketten aufgeh\u00e4ngt denn in 2000 Metern Tiefe gibt\u2019s kein nat\u00fcrliches Licht!<\/p>\n\n\n\n<p>Fangen wir mal ganz vorne an. Sobald wir an unserer ersten Station ankamen, haben wir Wasser aus der Tiefsee mit einer CTD (conductivity, temperature, and depth) -Rosette gesammelt. Diese erm\u00f6glicht es, verschiedene Flaschen auf verschiedenen Tiefen zu schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"560\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2024\/10\/image-6.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-72\" \/><figcaption>Josefine Karnartz hilft Besatzungsmitglied Tim Klinck beim CTD an Deck holen. Foto von Clara Winguth.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Liter um Liter Wasser wurden aus einer Tiefe von 2000m gesammelt und anschlie\u00dfend im Klimalabor durch einen 3 \u00b5m Filter gefiltert. Und in einen gr\u00f6\u00dferen Tank geleitet. Warum 3\u00b5m? Weil wir die Bakterien drin behalten und die meisten anderen Lebewesen, wie Zooplankton, rausfiltern wollen. Damit filtern wir den Gro\u00dfteil des POM raus und f\u00fcgen es aufkonzentriert zusammen mit Alginat (einem Dickungsmittel) wieder hinzu. Et voil\u00e0 \u2013 k\u00fcnstliche Meeresgele!<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere zwei Experimente unterscheiden sich durch die Beh\u00e4ltergr\u00f6\u00dfe \u2013 das eine l\u00e4uft in 1L-Flaschen, das andere in 20L-Beh\u00e4ltern. Letzteres ist f\u00fcr die Analyse der Bakteriengemeinschaft durch Metagenomik und Metatranskriptomik gedacht, unter der Leitung unseres Postdocs Benjamin Pontillier. Wir analysieren Parameter wie TEP und CSP, Enzymaktivit\u00e4t und Bakterienaktivit\u00e4t. TEP (Transparent Exopolymer Particles) und CSP (Coomassie Stainable Particles) sind zwei Arten von organischen, transparenten marine Gelpartikeln. TEP besteht aus Kohlenhydraten, CSP aus Proteinen (Cisternas-Novoa et al., 2015). Um die Partikel sichtbar zu machen f\u00e4rben wir diese in einem wundersch\u00f6nen Blau \u2013 \u201eAlcian Blue\u201c f\u00fcr TEP und \u201eCoomassie Brilliant Blue\u201c f\u00fcr CSP. Wir filtern die aus dem Meerwasser und machen mikroskopische sowie kolorimetrische Analysen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"877\" height=\"586\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2024\/10\/image-7.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-73\" \/><figcaption>Ben Pontillier bef\u00fcllt eine Flasche f\u00fcr das 1L Experiment. Foto von Clara Winguth<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nach ein paar Tagen hatten wir stolze 960L Meerwasser aus 2000 Metern Tiefe gefiltert. Wir f\u00fcllten alle Beh\u00e4lter mit dem entsprechenden Wasser und k\u00fcnstlich hergestellten Gelpartikeln und lie\u00dfen diese akklimatisieren. Einige Tage sp\u00e4ter fand der erste Beprobungstag statt. Seitdem nehmen wir mindestens alle zwei Tage Proben aus den Experimenten, zus\u00e4tzlich zu unseren CTD Stationen, bei denen wir die Wassers\u00e4ule des indischen Ozeans untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"686\" height=\"643\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2024\/10\/image-8.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-74\" \/><figcaption>Nathalie Koberwein am Filtrieren von TEP und CSP. Foto von Clara Winguth.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Alles in allem k\u00f6nnten wir diese Experimente ohne unser extrem engagiertes Team nicht durchf\u00fchren \u2013 dazu geh\u00f6ren Ben, unsere Technikerinnen Ruth und Tania, Doktorandin Josi sowie die Masterstudentinnen Nathalie, Denise und ich. W\u00e4hrend wir anfangen, die Experimente abzuschlie\u00dfen, sind wir gespannt, was mit den k\u00fcnstlichen Gelen passiert und hoffen auf spannende Einblicke in die bakterielle Aktivit\u00e4t unter aktuellen und zuk\u00fcnftigen Bedingungen!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Cisternas-Novoa, C., Lee, C., &amp; Engel, A. (2015). Transparent exopolymer particles (TEP) and Coomassie stainable particles (CSP): Differences between their origin and vertical distributions in the ocean. Marine Chemistry, 175<\/em>,<em> 56-71<\/em>. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.marchem.2015.03.009\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.marchem.2015.03.009<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschrieben von Clara Winguth, Masterstudentin am GEOMAR \u00dcbersetzung von Josefine Karnartz, Doktorandin am GEOMAR Wenn ihr schon mal einen Blick auf die biologischen Ozeanographie-Wissenschaftler*innen auf der SO307 geworfen habt, sind euch vielleicht unsere modischen Polar-Anz\u00fcge aufgefallen, w\u00e4hrend wir uns in die rot beleuchteten Klimalabore zur\u00fcckziehen. 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