{"id":104,"date":"2024-10-25T12:59:06","date_gmt":"2024-10-25T10:59:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/?p=104"},"modified":"2024-10-25T12:59:08","modified_gmt":"2024-10-25T10:59:08","slug":"ein-einblick-in-das-bordleben-der-crew-ein-interview-mit-stewardess-jessi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/2024\/10\/25\/ein-einblick-in-das-bordleben-der-crew-ein-interview-mit-stewardess-jessi\/","title":{"rendered":"Ein Einblick in das Bordleben der Crew \u2013 ein Interview mit Stewardess Jessi"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Interview und Text: Anja Conventz<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Neben Kapit\u00e4n, nautischen Offizieren, Decks- und Maschinenmannschaft, Elektrikern, elektronischen Ingenieuren, K\u00f6chen und einer Schiffs\u00e4rztin geh\u00f6ren vier Stewards zur Crew der SONNE. Eine Stewardess, die auch w\u00e4hrend unserer Fahrt SO307 mit dabei ist, ist Jessica M\u00fcnch, die seit November 2021 an Bord arbeitet. Um Euch einen Einblick in die Arbeit einer Stewardess an Bord eines Forschungsschiffes zu geben, haben wir Jessi f\u00fcr Euch ein paar Fragen gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sieht ein \u201enormaler\u201c Arbeitstag f\u00fcr dich aus und was sind deine Aufgaben hier an Bord?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein Arbeitstag verl\u00e4uft so, dass ich morgens aufstehe um meistens kurz nach 4, dann mache ich mich schnell fertig und dann geht\u2019s auch schon los. Als erstes fange ich mit dem Aufklaren der Messe an, danach bereite ich alles f\u00fcr die erste Mahlzeit des Tages vor, dazu geh\u00f6rt das Aufbauen vom Fr\u00fchst\u00fccksbuffet, Obst, Brot und M\u00fcsli aufzuf\u00fcllen und hei\u00dfe und kalte Getr\u00e4nke hinzustellen. Von 7 bis 8 ist dann Fr\u00fchst\u00fcckszeit. In der Zeit habe ich eine kleine Pause und schaue zwischendurch immer mal wieder in die Messe, ob noch alles in Ordnung und vorhanden ist. Nach der Mahlzeit ist nat\u00fcrlich wieder eine Nachbereitung der Messe angesagt. Auch da f\u00fclle ich nochmal wieder alles auf, setze frischen Kaffee auf und fege oder wische einmal die Messe durch. Danach unterst\u00fctze ich die beiden K\u00f6che bei der Vorbereitung f\u00fcrs Mittagessen. Nach der 10 Uhr Pause wird die Messe dann auch schon f\u00fcrs Mittagessen vorbereitet. W\u00e4hrend dann das Mittagsgesch\u00e4ft l\u00e4uft bin ich meistens hinten in der Komb\u00fcse und schneide dort die Obstplatte, die dann am n\u00e4chsten Morgen wieder auf dem Fr\u00fchst\u00fccksbuffet steht. Das ist so ein normaler Arbeitstag bei mir und nach dem Mittag habe ich dann meist Feierabend.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1071\" height=\"697\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2024\/10\/image-24.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-106\" \/><figcaption>Fr\u00fchst\u00fccksbuffet, Fotos: Jessica M\u00fcnch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie sind deine Arbeitszeiten w\u00e4hrend unserer Ausfahrt dabei genau?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eImmer von 4 Uhr morgens bis 12:30 \/ 13 Uhr\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihr seid ja insgesamt vier Stewards, wie habt ihr die Arbeit unter euch aufgeteilt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJinghao arbeitet auch von 4 bis mittags. Er geht morgens einmal alle G\u00e4nge durch, guckt unten nach der W\u00e4scherei und checkt den Sportraum und die Sauna. Dann macht er von 9 bis halb 12 die Kammern von der Wissenschaft auf dem blauen und gr\u00fcnen Deck. Danach ist er auch im Mittagsgesch\u00e4ft und hat danach frei.<\/p>\n\n\n\n<p>Alex (erster Steward) ist immer und \u00fcberall irgendwo unterwegs. Er f\u00e4ngt um 7 Uhr an und macht dann auch Fr\u00fchst\u00fcck mit und k\u00fcmmert sich danach erstmal um Papierkram, je nach dem was in der Kantine (sozusagen der Bord-Shop) so anf\u00e4llt oder macht Bestellungen was im n\u00e4chsten Hafen kommen soll. Sei es von Toilettenpapier \u00fcber Bier, S\u00fc\u00dfigkeiten, Waschmittel, alles was wir alle so brauchen f\u00fcr den ganz normalen Bordalltag.<\/p>\n\n\n\n<p>Sven f\u00e4ngt auch um 7 Uhr an und ist f\u00fcr das gelbe Deck (Deck 7, Crewdeck) zust\u00e4ndig und macht auch die Kammerreinigung der Wissenschaftskammern. Alex und Sven machen dann noch die Abendschichten, also das Abendessen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie lange am St\u00fcck bist du meistens an Bord der SONNE und wie lange hast du danach frei?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMeistens 3,5 Monate, etwa 12 Wochen, an Bord und danach 7 Wochen zu Hause\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum hast du dich f\u00fcr einen Job auf einem Forschungsschiff entschieden und nicht f\u00fcr einen vergleichbaren Job an Land?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe vorher in der Gastronomie an Land gearbeitet und wie es in der Gastro so ist, ist das eine eigene Welt f\u00fcr sich mit viel Konkurrenzdenken, Stress, usw.. Dann hatte ich da die Rei\u00dfleine gezogen und dann hat mein Papa (Lothar M\u00fcnch, Deckschlosser auf der SONNE) mich gefragt, ob ich nicht Lust h\u00e4tte hier als Stewardess zu arbeiten. Dann habe ich eine Bewerbung geschrieben und bin dann drauf los. Ich dachte mir, ich bin noch ungebunden und will noch ein bisschen die Welt sehen. Die Ziele der SONNE sind ja zum Gro\u00dfteil auch sehr attraktiv, wie zum Beispiel Tahiti, Noumea oder Mauritius. Auch wenn man viel auf See ist, hat man trotzdem die Landg\u00e4nge, um das Land wo man hinreist ein bisschen zu sehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie verbringst du deine Freizeit an Bord?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAuf jeden Fall mit Sport! Da komme ich zu Hause irgendwie gar nicht zu. Zu Hause liegen die Priorit\u00e4ten dann eher auf Familie, Freunde und vieles andere. Da kommt man gar nicht zum Sport, aber hier versuche ich es regelm\u00e4\u00dfig durchzuziehen. Au\u00dferdem verbringe ich meine Freizeit hier an Bord auch gerne mal in anderen Abteilungen. Mir ist es wichtig auch deren Aufgaben hier an Bord mal kennenzulernen. Meistens bin ich dann als \u201ePraktikantin\u201c mit meinem Papa unterwegs und ich helfe ihm dann bei der einen oder anderen Baustelle. Ich find sowas immer ganz cool und man lernt auch immer wieder was dazu. Nat\u00fcrlich bin ich auch in der Komb\u00fcse gerne mal am Nachmittag unterwegs und helfe dann da mal beim belegen der Pizza oder zusammenstellen von Burgern. Also so eine richtige Routine habe ich da gar nicht. Ich gucke immer was so passiert und wo was los ist.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vermisst du irgendwas Bestimmtes, was es hier an Bord nicht gibt (au\u00dfer Familie und Freunde)?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Gr\u00fcne, Wald, B\u00e4ume, einfach die Natur an Land. Viele sagen immer, dass sie das \u201eendlose\u201c laufen so sehr vermissen, die sind aber glaube ich noch nie das ganze Schiff komplett in einem abgelaufen. Da l\u00e4ufst man auch erstmal eine ganze Zeit und bekommt seine Meter zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gr\u00fcne vermisse ich halt\u2026 und meine Tiere.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hast du einen Lieblingsplatz an Bord?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein Lieblingsplatz ist tats\u00e4chlich hinter dem Schiebebalken. Da h\u00e4nge ich sehr gerne in der H\u00e4ngematte. Da kann ich die super aufh\u00e4ngen, habe einen perfekten Blick aufs Wasser und wenn der Schiebebalken nicht in Aktion ist, ist es dort auch sch\u00f6n ruhig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"418\" height=\"536\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2024\/10\/image-25.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-107\" \/><figcaption>Jessis Lieblingsplatz an Bord, Foto: Jessica M\u00fcnch<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Was magst Du am meisten am Bordleben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNat\u00fcrlich ist ein riesen Pluspunkt der Ausblick. Es ist einfach immer wieder sch\u00f6n und ich empfinde es immer noch als Privileg sowas sehen zu d\u00fcrfen. Jeder Sonnenaufgang oder -untergang hat immer wieder seine eigene Faszination und Magie und ich hoffe ich werde nicht m\u00fcde mir diese anzuschauen. Besonderes Highlight ist ja nat\u00fcrlich die Tierwelt, die auf jeder Reise auch unterschiedlich ist. Seien es Wale, Schildkr\u00f6ten, Albatrosse, Delfine oder irgendwelche Fische, es ist immer wieder wundersch\u00f6n diese in freier Wildbahn erleben zu k\u00f6nnen. Au\u00dferdem finde ich die Vielfalt der Menschen und der Arbeit hier so klasse, sei es von der Crew oder der Wissenschaft. Es ist immer wieder interessant mit was f\u00fcr Themen die Wissenschaftler hierherkommen und was f\u00fcr Methoden sie anwenden, um ihre Proben zu ergattern. Wie schon gesagt, man lernt ja immer wieder was dazu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist dir r\u00fcckblickend eine bestimmte Reise besonders in Erinnerung geblieben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMeine erste Reise, die war super anstrengend. Da sind wir in den n\u00f6rdlichen Atlantik gefahren. Die Fahrt war von den Leuten her super, aber k\u00f6rperlich total anstrengend, weil nur schlechtes Wetter war. Das war eine Fahrt, bei der mein Lieblingsplatz mein Bett war. Da bin ich morgens aufgestanden, habe meine Arbeit erledigt und war froh, wenn ich danach wieder liegen konnte. Ich wohne ja auf Deck 5, also schon relativ weit oben, und wenn ich dann im Bett lag und zu den Fenstern schaute, fand ich es sehr kriminell, als ich nur noch Himmel sah und dann schwankte es so weit, dass ich nur noch Wasser gesehen habe. Da wird einem schon ziemlich mulmig.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview und Text: Anja Conventz Neben Kapit\u00e4n, nautischen Offizieren, Decks- und Maschinenmannschaft, Elektrikern, elektronischen Ingenieuren, K\u00f6chen und einer Schiffs\u00e4rztin geh\u00f6ren vier Stewards zur Crew der SONNE. Eine Stewardess, die auch w\u00e4hrend unserer Fahrt SO307 mit dabei ist, ist Jessica M\u00fcnch, die seit November 2021 an Bord arbeitet. Um Euch einen Einblick in die Arbeit einer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":264,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,4],"tags":[15,14,13,12],"class_list":["post-104","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-at-sea","category-auf-see","tag-indianocean","tag-interview","tag-lifeonboard","tag-marinesciences"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-json\/wp\/v2\/users\/264"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=104"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":112,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104\/revisions\/112"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=104"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so307\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=104"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}