{"id":70,"date":"2024-04-28T16:21:17","date_gmt":"2024-04-28T14:21:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/?p=70"},"modified":"2024-04-28T16:30:20","modified_gmt":"2024-04-28T14:30:20","slug":"die-geheimnisse-von-kohlenstoff-und-stickstoff-im-golf-von-bengalen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/2024\/04\/28\/die-geheimnisse-von-kohlenstoff-und-stickstoff-im-golf-von-bengalen\/","title":{"rendered":"Die Geheimnisse von Kohlenstoff und Stickstoff im Golf von Bengalen"},"content":{"rendered":"\n<p>von Isabell Schlangen<\/p>\n\n\n\n<p>Willkommen zur\u00fcck auf unserem Ozean-Wissenschafts-Blog! Heute tauchen wir in die faszinierende Welt des Kohlenstoff- und Stickstoff-Kreislaufs im Golf von Bengalen. Uns besch\u00e4ftigt vor allen Dingen, die folgenden Fragen: Wie eng sind diese Prozesse miteinander verbunden? Wie hat sich die Biogeochemie dieser Region geformt? Und wie wirkt die Sauerstoffminimumzone (OMZ) auf beide Kreisl\u00e4ufe?<\/p>\n\n\n\n<p>Gut zwei Wochen nach unserer Abreise aus Colombo haben wir uns nicht nur mit dem Schiff und seiner Besatzung vertraut gemacht, sondern gleichsam mit dem Probenentnahmeverfahren. Das Ergebnis sind bereits mehrere Kisten voller Proben und zwei erfolgreiche Inkubations-Experimente! Auch wenn das nicht das erste Mal f\u00fcr Lubrina, Victor, Mats und Isabell auf einem wissenschaftlichen Schiff ist, bringt jede Reise ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich. Unsere Mission ist das Sammeln von Proben f\u00fcr molekulare Analysen und dazu ein hochaufl\u00f6sendes Profil \u00fcber den Golf von Bengalen zu erstellen. Wenn die CTD in die Tiefen taucht, wird von ihr eine Momentaufnahme der chemischen Zusammensetzung des Ozeans erfasst und und pr\u00e4zise Parameter wie Temperatur, Salinit\u00e4t, Fluoreszenz und Sauerstoffgehalt gemessen. Das resultierende Profil ist ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Strategie der Probenentnahme verantwortlich. Zum Beispiel, wie weit die Sauerstoffminimumzone reicht, in Abh\u00e4ngigkeit der Tiefe des Ozeans.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"6240\" height=\"4160\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/wp-content\/uploads\/sites\/101\/2024\/04\/DSCF9197.jpg\" alt=\"\" data-id=\"71\" data-link=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/?attachment_id=71#main\" class=\"wp-image-71\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"3731\" height=\"5597\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/wp-content\/uploads\/sites\/101\/2024\/04\/DSCF9214.jpeg\" alt=\"\" data-id=\"72\" data-link=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/?attachment_id=72#main\" class=\"wp-image-72\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><strong>Die CTD-Rosette wird bei Station 20 aus dem Wasser gehoben. (Foto: Riel Ingeniero)<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sobald die CTD wieder die Oberfl\u00e4che erreicht, m\u00fcssen die Proben sofort entnommen und verarbeitet werden. Die Filtration des Wassers und das Schockgefrieren in fl\u00fcssigem Stickstoff erhalten die Integrit\u00e4t der Proben f\u00fcr weitere Analysen. Zus\u00e4tzlich f\u00fchren wir gro\u00dfe Inkubations-Experimente in verschiedenen Tiefen durch, die enorme Wassermengen erfordern. Typischerweise ben\u00f6tigen wir eine gesamte CTD, sprich ungef\u00e4hr 200 Liter. Im weiteren Verlauf der Inkubationen beobachten wir, wie sich die Proben durch unterschiedliche Behandlungen und die Zugabe von markierten Stickstoff- und Kohlenstoff-Isotop-Substraten verhalten. Die Isotope dienen als Tracer und erm\u00f6glichen die Umwandlung von Stickstoff- und Kohlenstoffmolek\u00fclen zu verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Inkubationsphase werden die Proben der Wasseroberfl\u00e4che in speziell konstruierten Tanks inkubiert, die die In-situ-Bedingungen des Ozeans simulieren. Hier an Deck, unter der W\u00e4rme der Sonne und dem rhythmischen Schaukeln durch die Wellen, beginnen mikrobielle Gemeinschaften mit der wichtigen Aufgabe, Kohlenstoff und Stickstoff aus dem umgebenden Meerwasser umzuwandeln. Proben aus tieferen Wasserschichten werden dagegen sorgf\u00e4ltig ins Labor transportiert, wo sie unter kontrollierten Bedingungen inkubiert werden. Die Inkubations-Experimente helfen uns zu verstehen, wie sich der Kohlenstoff- und Stickstoff-Kreislauf mit zunehmender Tiefe und wechselnden Umwelt-Parametern ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch warum der Schwerpunkt auf Kohlenstoff- und Stickstoff-Umsetzung? Ganz einfach: Diese Prozesse sind essenziell f\u00fcr das Lebensnetzes im Golf von Bengalen. Die Kohlenstoff-Fixierung durch Phytoplankton bildet die Grundlage der marinen Nahrungskette, w\u00e4hrend der Stickstoff das Wachstum prim\u00e4rer Produzenten f\u00f6rdert und die N\u00e4hrstoff-Dynamik beeinflusst. Lachgas (N<sub>2<\/sub>O), welches ein sehr potentes Klimagas darstellt, wird ebenfalls produziert und teilweise an die Atmosph\u00e4re abgegeben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der Sauerstoffminimumzone, wo der Sauerstoffgehalt gen null strebt, bekommt die Kohlenstoff- und Stickstoff-Zirkulation ein neues Level an Komplexit\u00e4t. Mikrobielle Gemeinschaften passen sich den Bedingungen mit niedrigem Sauerstoffgehalt an und treiben einzigartige biogeochemische Prozesse voran. Mit weitreichenden Auswirkungen auf das marine \u00d6kosysteme und die globale N\u00e4hrstoffkreisl\u00e4ufe.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"5170\" height=\"3447\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/wp-content\/uploads\/sites\/101\/2024\/04\/DSCF9124.jpeg\" alt=\"\" data-id=\"74\" data-link=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/?attachment_id=74#main\" class=\"wp-image-74\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"6240\" height=\"4160\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/wp-content\/uploads\/sites\/101\/2024\/04\/DSCF9111.jpeg\" alt=\"\" data-id=\"73\" data-link=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/?attachment_id=73#main\" class=\"wp-image-73\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><a><strong>Von links nach rechts: Isabell Schlangen, Mats Jacobsen, Lubrina Nielsen, und Victor Fernandez Juarez (SDU) nehmen Proben f\u00fcr Inkubations-Experimente.<\/strong><\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><font style=\"vertical-align: inherit\"><font style=\"vertical-align: inherit\">By studying carbon and nitrogen conversion through ocean incubations, we gain insights into the different workings of the oceanic engine. From surface waters, to the mysterious depths beneath. This journey reveals the hidden connections between carbon and nitrogen and sheds light on the complex processes that sustain life in the Bay of Bengal and beyond.<\/font><\/font><\/p>\n\n\n\n<p>Da die Sauerstoffverarmung des Ozeans durch den Klimawandel keine statische Situation ist, sondern durch die Erw\u00e4rmung immer weiter zunimmt, ist das Verstehen der Prozessen innerhalb der OMZs von besonderem Interesse. Der Golf von Bengalen, an der Schwelle zur Sauerstoffarmut, dient als ideale Laborumgebung, um zu erforschen, wie sich das marine Leben an das sinkende Sauerstoff-Niveau anpasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ziel unseres Projekts ist den ersten hochaufl\u00f6senden Datensatz \u00fcber die biogeochemischen Prozesse und die Biodiversit\u00e4t dieser Region zu liefern. Nicht, weil wir als Wissenschaftler:innen Daten so lieben. Sondern vielmehr, weil diese Informationen dazu beitragen die Zukunft unserer Ozeane besser zu verstehen. Wodurch im besten Fall Strategien entwickelt werden k\u00f6nnen, die zur Bek\u00e4mpfung der negativen Auswirkungen des Klimawandels dienlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem \u00fcbergreifenden Ziel, die marine Biodiversit\u00e4t und die Funktionalit\u00e4t der \u00d6kosysteme zu erhalten, werden die Erkenntnisse unseres Teams entscheidend sein, um die Ziele voranzutreiben, die von globalen ozeanographischen Initiativen festgelegt wurden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"6240\" height=\"4160\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/wp-content\/uploads\/sites\/101\/2024\/04\/DSCF9101.jpeg\" alt=\"\" data-id=\"76\" data-link=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/?attachment_id=76#main\" class=\"wp-image-76\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"6240\" height=\"4160\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/wp-content\/uploads\/sites\/101\/2024\/04\/DSCF9102.jpeg\" alt=\"\" data-id=\"75\" data-link=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so305-biocat-iioe2\/?attachment_id=75#main\" class=\"wp-image-75\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><a><strong>Lubrina bereitet das Septum mit einer Nadel f\u00fcr die Inkubations-Experimente vor.<\/strong><\/a><br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Also denken Sie beim n\u00e4chsten Blick \u00fcber die Weiten des Ozeans vielleicht mal kurz an die winzigen Mikroben und ihre m\u00e4chtige Rolle bei der Gestaltung der Meere und der Atmosph\u00e4re dar\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleiben Sie dran, f\u00fcr weitere ozeanische Abenteuer hier auf unserem Ozean-Wissenschafts-Blog!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Isabell Schlangen Willkommen zur\u00fcck auf unserem Ozean-Wissenschafts-Blog! 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