{"id":96,"date":"2016-12-09T18:22:56","date_gmt":"2016-12-09T18:22:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/?p=96"},"modified":"2016-12-09T20:40:37","modified_gmt":"2016-12-09T20:40:37","slug":"saving-pvt-hans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/2016\/12\/09\/saving-pvt-hans\/","title":{"rendered":"Saving Pvt. Hans"},"content":{"rendered":"<p>I _ I I _ I _ I I _ I _ I _ I I _ I _ I I _ I<\/p>\n<p>I _ I I _ I _ I I _ I _ I _ I I _ I _ I I _ I<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8211; oder auch: Wie wir einmal ein Ozeanbodenseismometer aus 1129 m Tiefe retteten<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Reihe nach:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>eure LieblingswissenschaftlerInnen von SO252 melden sich mit neuem Wissenschaftlerzeug aus der Bismarcksee!<\/p>\n<p>Im Zuge unserer Messungen vor Ritter Island haben wir vor etwa zwei Wochen auch insgesamt 11 Ozeanbodenseismometer ausgebracht und auf den Meeresboden versenkt.<\/p>\n<p>Da wir den OBS-Begriff hier nun schon zum zweiten Mal einfach in den Raum werfen, ist es wohl h\u00f6chste Zeit f\u00fcr eine Erkl\u00e4rung:<\/p>\n<p>Ozeanbodenseismometer (OBS) sind Messger\u00e4te in der marinen Seismik. Sie bestehen in der Regel aus einer Kombination von Messger\u00e4ten, die auf dem Meeresboden platziert werden und als Empf\u00e4nger f\u00fcr seismische Wellen dienen. Seismische Wellen werden n\u00e4mlich nicht nur reflektiert (was wir uns ja z.B. in der 2D-Seismik zu Nutze machen), sondern auch refraktiert. Das bedeutet, dass die Welle in einem bestimmten Winkel an einer geologischen Schichtgrenze gebrochen wird, an dieser entlangl\u00e4uft und dabei kontinuierlich geringf\u00fcgige Reflektionen verursacht. Diese werden dann vom OBS aufgezeichnet.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Nutzung eines OBS muss &#8211; fast genau wie bei der 2D-Seimik &#8211; zun\u00e4chst ein seismisches Signal erzeugt werden. Das tun wir hier wieder mit unserer Luftkanone. Aber auch nat\u00fcrliche seismische Aktivit\u00e4t, wie z.B. die Aktivit\u00e4t eines Vulkans (ihr erinnert euch an das Foto der Langila-Eruption vor ein paar Tagen? Was f\u00fcr ein Timing! Wir hoffen jedenfalls, bei der Auswertung darauf zu sto\u00dfen) oder Erdbeben werden vom Seismometer auf dem Meeresgrund gemessen.<\/p>\n<p>Ziel der Messung ist die Erstellung sowohl eines Geschwindigkeitmodells, als auch eines Schichtmodells des Untergrundes.<\/p>\n<p><em>Wie ist so ein OBS denn eigentlich aufgebaut?<\/em><\/p>\n<p>Ok, IHR habt gefragt.<\/p>\n<p><em>In der Regel besteht die Empfangskomponente eines OBS aus mind. einem Geophon und mind. einem Hydrophon. Ein Geophon wandelt dabei die Schwingung der eingehenden seismischen Welle in ein elektrisches Signal um, w\u00e4hrend ein Hydrophon die durch eine seismische Welle erzeugte Druck\u00e4nderung im Wasser misst und ebenfalls in ein elektrisches Signal umwandelt. Um die gemessenen Daten zu speichern geh\u00f6rt zum Aufbau ein mit einer Speicherkarte versehener Rekorder, der samt Energieversorgung in einem Druckrohr untergebracht ist. Die Messger\u00e4te der OBS-Systeme sind an einem mit Auftriebsk\u00f6rpern versehenen Rahmen montiert, um nach Beendigung des Einsatzes auf dem Meeresboden einen raschen Aufstieg an die Wasseroberfl\u00e4che zu gew\u00e4hrleisten. Um das OBS zun\u00e4chst auf Meeresbodenniveau zu versenken, wird das System mit einem Gewicht, quasi einem Anker, beschwert. Die Verbindung zwischen Anker und Rahmen wird mittels eines sog. Releasers verwirklicht. Die Hauptkomponente dieses Releasers stellt ein Haken dar, der OBS und Gewicht verbindet. Bei Empfang eines bestimmten Signals von der Wasseroberfl\u00e4che wird dieser Haken gel\u00f6st, das System steigt durch seine Auftriebskraft an die Oberfl\u00e4che empor und das Gewicht verbleibt auf dem Meeresboden. Unsere OBS-Systeme sind mit sog. Sendern und Blitzern ausgestattet. Die Sender senden ein Funksignal, aus dem wir an Bord schlie\u00dfen k\u00f6nnen, in welcher Richtung unser Ger\u00e4t im Wasser treibt. Die Blitzer senden bei Dunkelheit und oberhalb der Wasseroberfl\u00e4che einen hellen Lichtblitz aus, um eine Sichtung und Bergung auch bei widrigen Wetterbedingungen und Dunkelheit zu erm\u00f6glichen. Au\u00dferdem ist am Rahmen des Ger\u00e4tes eine Fahne montiert, um das OBS auch bei Wellengang ausmachen zu k\u00f6nnen (das diese Fahne auch mal noch einem viel wichtigeren Zweck dienen k\u00f6nnte, h\u00e4tten wir uns nicht tr\u00e4umen lassen). <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-100\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_3371_small-480x320.jpg\" alt=\"img_3371_small\" width=\"480\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_3371_small-480x320.jpg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_3371_small-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_3371_small-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_3371_small.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>OBS-Chefin Bettina setzt Ger\u00e4t aus. Oben links sind Druckrohr (mit Rekorder), Seismometer und Hydrophon zu sehen, Auftriebsk\u00f6rper (rot), sowie Anker und Fahne.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Soweit die Theorie. Ihr habt bis hier her durchgehalten? Puh, Gl\u00fcck gehabt.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen haben wir unseren OBSen dann das Ausl\u00f6sesignal geschickt \u2013 und alle haben brav geantwortet.<\/p>\n<p>Geantwortet? Ihr habt richtig gelesen. Als Reaktion auf das Ausl\u00f6sesignal sendet der Releaser ein Antwortsignal, dass auf der Anzeige unserer Ausl\u00f6seeinheit ungef\u00e4hr so aussieht:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>I I I I I I I I I I I I I I_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _<\/p>\n<p>_ _ _ I I _ I _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcbersetzung: \u201e<em>Hallo, ich hab euch geh\u00f6rt, stehe senkrecht auf dem Boden, bin nicht blockiert, so-und-so weit von euch entfernt und komme gleich hoch! Freu mich auf euch! Hab euch lieb!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Akustisch erhalten wir f\u00fcr jedes K\u00e4stchen einen Piepton \u2013 was mitunter daf\u00fcr gesorgt hat, dass das OBS-Team \u00fcber weite Teile dieser Ausfahrt nur auf diese Weise kommuniziert hat.<\/p>\n<p>Neben den Bezeichnungen OBS 1-11 wurden nat\u00fcrlich auch Spitznamen an die Ger\u00e4te vergeben: Rumo, Ursula, Wonder Woman, Hunger Hilde oder R2D2 machten es sich auf dem Meeresboden gem\u00fctlich.<\/p>\n<p>Zehn der Ger\u00e4te hielten sich auch an das, was sie uns per Signal versprochen hatten. Diese Zehn konnten wir dann problemlos im Laufe eines Tages zur\u00fcck an Bord bringen. Nur OBS 2 &#8211; \u201eHans*\u201c &#8211; wollte einfach nicht auftauchen.<\/p>\n<p>(*Keine Angst, gemeint ist Hans der Hai, nicht der Ozeanograph. Obwohl wir ihn nach dem M\u00f6rderspiel vermutlich auch gern an einen Anker gebunden und \u00fcber Bord geworfen h\u00e4tten. Sorry Hans!)<\/p>\n<p>Also mussten wir uns am n\u00e4chsten Morgen zu einer Such- und Rettungsmission zusammenfinden. Unter dem Motto \u201eSaving Pvt. Hans\u201c wurde daf\u00fcr der Tiefseeroboter HyBis klargemacht. Zuvor konnten wir die Position von \u201eHans\u201c auf ein Gebiet von wenigen Zehnermetern eingrenzen. Dann fuhren wir mit HyBis, der mit verschiedenen Kameras, Antriebsd\u00fcsen und einer Baggerschaufel best\u00fcckt auf eine Tiefe von 1129 Metern hinabgelassen wurde, ein Suchraster ab. Nach zweist\u00fcndiger Suche fanden wir Hans.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-97\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/Hans_Floor-480x266.png\" alt=\"hans_floor\" width=\"480\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/Hans_Floor-480x266.png 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/Hans_Floor-768x426.png 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/Hans_Floor-1024x568.png 1024w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/Hans_Floor.png 1328w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Diese Bilder lieferte uns HyBis aus \u00fcber 1100 Metern Tiefe.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In ca. zwei Meter H\u00f6he \u00fcber dem Meeresgrund trieb unser Problemkind und versuchte aufzusteigen \u2013 wurde dabei allerdings von seiner eigenen Schwimmleine, mit der die Ger\u00e4te im Normalfall von der Wasseroberfl\u00e4che geborgen werden, die sich offenbar sehr ungl\u00fccklich um den Anker geschlungen hatte, aufgehalten. \u201eUff! Und nun?\u201c beschreibt den Ausdruck auf den Gesichtern aller beteiligten wohl recht gut.<\/p>\n<p>Unserem versierten P-Cabel-Techniker und HyBis-Experten gelang es dann, die Fahne von Hans mit seiner Schaufel einzuklemmen und so das ganze Ger\u00e4t \u2013 samt Anker \u2013 nach oben und zur\u00fcck an Bord zu ziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-98\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_1332-480x320.jpg\" alt=\"img_1332\" width=\"480\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_1332-480x320.jpg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_1332-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_1332-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_1332.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Im HyBis-Labor. Chef (links): \u201eWer hat denn den Hiwi ans Steuer gelassen!?\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das OBS-Team m\u00f6chte sich an dieser Stelle noch einmal bei allen beteiligten Crew-Mitgliedern, Technikern und Wissenschaftlern f\u00fcr ihren heldenhaften Einsatz bedanken. Ihr habt &#8211; wie immer &#8211; einen gro\u00dfartigen Job geleistet und dem OBS-Einsatz ein Happy End beschert!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-101\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_1343-480x439.jpg\" alt=\"img_1343\" width=\"480\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_1343-480x439.jpg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_1343-768x703.jpg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-content\/uploads\/sites\/48\/2016\/12\/IMG_1343.jpg 869w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Mission erfolgreich: HyBis zieht OBS 2 an Bord.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Soweit erstmal,<\/em><\/p>\n<p><em>eure WissenschaftlerInnen von SO252<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>AutorInnen: Michel K\u00fchn, Bettina Schramm, Anne V\u00f6lsch, Theresa Roth<\/em><\/p>\n<p><em>Fotos: Thore Kausch, Anne V\u00f6lsch, Theresa Roth<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I _ I I _ I _ I I _ I _ I _ I I _ I _ I I _ I I _ I I _ I _ I I _ I _ I _ I I _ I _ I I _ I &nbsp; &#8211; oder auch: Wie wir einmal ein Ozeanbodenseismometer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":171,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-96","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorised"],"geo":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-json\/wp\/v2\/users\/171"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=96"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96\/revisions\/104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=96"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=96"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/so252\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=96"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}