{"id":55,"date":"2019-05-10T11:36:48","date_gmt":"2019-05-10T10:36:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/?p=55"},"modified":"2019-05-10T21:40:26","modified_gmt":"2019-05-10T20:40:26","slug":"nachtschicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/2019\/05\/10\/nachtschicht\/","title":{"rendered":"Nachtschicht"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Meeresgott Poseidon hat Erbarmen mit unserer Poseidon und gibt uns endlich aus dem Sturm frei. Langsam wird das Meer ruhiger und wir wagen den Schritt raus aus der sch\u00fctzenden Landumgebung auf die offene Nordsee. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch alleine sind wir dort nicht. Als ich meinen Blick \u00fcbers Wasser schweifen lasse, sehe ich pl\u00f6tzlich ein metallenes Unget\u00fcm aus dem Wasser ragen. Riesengro\u00df und mit T\u00fcrmen und Spitzen. Und bald folgen immer mehr, mal kleinere, mal beeindruckend gro\u00dfe. Es handelt sich jedoch nicht um Poseidons Transformer-Armee, sondern um \u00d6lplattformen, die hier auf der Nordsee den begehrten Rohstoff f\u00f6rdern. Bei Nacht ist der Anblick besonders beeindruckend, wenn die Metall-Kolosse mit tausenden Lampen bestrahlt werden und wie ein Weihnachtsbaum beleuchtet in der Dunkelheit auftauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nicht nur die \u00d6lplattformen beherrschen die Nordsee, auch Pipelines, unsichtbar f\u00fcrs menschliche Auge unter dem Meeresboden vergraben, durchziehen das Gebiet. Sie liegen zum Teil schon sehr lange dort, die ersten wurden in den 1970er Jahren verlegt und in den 80er und 90er Jahren erfolgte ein Boom. Mittlerweile ist die Nordsee von Pipelines und F\u00f6rdereinrichtungen durchzogen, sowie auch von Offshore-Windparks, Kiesgruben, etc. Wer sich tiefergehend daf\u00fcr interessiert, findet z.B auf der Seite des Bundesamts f\u00fcr Seeschifffahrt und Hydrographie <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Informationen und Karten zur deutschen Nordsee (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.bsh.de\/DE\/THEMEN\/Offshore\/Meeresraumplanung\/meeresraumplanung_node.html\" target=\"_blank\">Informationen und Karten zur deutschen Nordsee<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei unserer Expedition wollen wir auch den Einfluss von Methan-Leckagen am Meeresboden untersuchen.  Dazu geh\u00f6rt auch diese zu detektieren. So fahren wir ein Gebiet mit bekannten Borl\u00f6chern an und \u00fcberqueren dieses schleifenf\u00f6rmig. Mit dem eingebauten Echolot\/ADCP k\u00f6nnen diese Gaslecks anhand der aufsteigenden Blasen der Gase erkannt und die Koordinaten vermerkt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Unser Zeitplan sieht vor, dass wir Nachts dort ankommen und die \u00dcberquerung vornehmen, wof\u00fcr wir Nachtschichten einteilen um die Detektierung sicher zu stellen. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch ich bekomme eine Schicht zugeteilt und so stelle ich mir den Wecker um p\u00fcnktlich zu Schichtbeginn \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen.  <\/p>\n\n\n\n<p> Nachts  herrscht eine ganz andere Atmosph\u00e4re auf dem Schiff, nur das leichte Dr\u00f6hnen der Maschinen und das Rauschen der Wellen durchdringt die Stille. Ich nehme meinen Platz vor dem Monitor ein, beginne meine Schicht. Tats\u00e4chlich \u00fcberfahren wir auch ein Gasleck, dass ich aufnehme und vermerke. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"675\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2019\/05\/Nachtschicht_900px.jpg\" alt=\"Nachtschicht. Foto: Andrea Bodenbinder\" class=\"wp-image-58\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2019\/05\/Nachtschicht_900px.jpg 900w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2019\/05\/Nachtschicht_900px-480x360.jpg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2019\/05\/Nachtschicht_900px-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption>Nachtschicht. Foto: Andrea Bodenbinder<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen m\u00f6chten wir uns einen der Gasaustritte genauer anschauen und dort Proben nehmen. Daf\u00fcr bereiten wir einen Kranzwassersch\u00f6pfer vor, der mit vielen Sensoren ausgestatten ist (CTD). Wenn ein Wissenschaftler spezielle Werte braucht, bringt er noch einen weiteren Messapparat an dem Metallkranz an. Au\u00dferdem ist auch eine Kamera mit Blick nach unten installiert und eine Pumpe mit einem langen Schlauch, um Wasser direkt aus der Tiefe nach oben zu f\u00f6rdern und zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p> Wir schlie\u00dfen ein Massenspektrometer an den Schlauch an, um die im Wasser gel\u00f6sten Gase direkt identifizieren zu k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich ist alles vorbereitet und die Video-CTD wird vom Windenausleger hochgehoben und zu Wasser gelassen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"800\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2019\/05\/CTD_900px.jpg\" alt=\"Die VCTD kurz vor dem Aussetzen. Photo: Saskia Elsen\" class=\"wp-image-60\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2019\/05\/CTD_900px.jpg 600w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2019\/05\/CTD_900px-480x640.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption>Die VCTD kurz vor dem Aussetzen. Photo: Saskia Elsen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nachdem es die Wasseroberfl\u00e4che durchbrochen hat und von Meer verschluckt wurde, gehe ich rein in das Labor mit der Kontrolleinrichtung, um mir die Aufnahmen der Kamera live anschauen zu k\u00f6nnen. Auff\u00e4llig ist ein Strom von wei\u00dfen Partikeln, die durch das Bild schweben. Passenderweise wird dieses Ph\u00e4nomen \u201cmarine snow\u201d genannt und entsteht durch in oberen Wasserschichten abgestorbene Organismen, die als Nahrungsquelle f\u00fcr andere Lebewesen dienen. <\/p>\n\n\n\n<p>Als die CTD am Meeresboden angekommen ist, bin ich ganz verz\u00fcckt von dem Anblick der Videobilder im Labor. Ein Einblick in das Leben in 70 m Wassertiefe offenbahrt sich uns. Der Untergrund ist von Sand bedeckt, eine Scholle schwimmt erschreckt schnell weg, und mein pers\u00f6nliches Highlight ist ein Seestern der uns zuzuwinken scheint. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"449\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2019\/05\/Seestern_800px.jpg\" alt=\"Blick auf den Meeresboden in 70 m Tiefe\" class=\"wp-image-62\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2019\/05\/Seestern_800px.jpg 800w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2019\/05\/Seestern_800px-480x269.jpg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/pos534\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2019\/05\/Seestern_800px-768x431.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Blick auf den Meeresboden in 70 m Tiefe<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit diesen Eindr\u00fccken verabschiede ich mich f\u00fcr heute, <\/p>\n\n\n\n<p>viele Gr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n\n\n\n<p>Saskia<br><\/p>\n\n\n\n<p>For an English version of this blog go to the <a href=\"https:\/\/stemmccs.blog\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"STEMM-CCS website (opens in a new tab)\">STEMM-CCS website<\/a><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Meeresgott Poseidon hat Erbarmen mit unserer Poseidon und gibt uns endlich aus dem Sturm frei. 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