{"id":1247,"date":"2026-06-04T12:21:00","date_gmt":"2026-06-04T10:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/?p=1247"},"modified":"2026-06-02T12:27:50","modified_gmt":"2026-06-02T10:27:50","slug":"volkerrecht-vs-hoheitsgebiet-was-ist-sinnvoller-fur-die-forschung-und-die-umwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/2026\/06\/04\/volkerrecht-vs-hoheitsgebiet-was-ist-sinnvoller-fur-die-forschung-und-die-umwelt\/","title":{"rendered":"V\u00f6lkerrecht vs Hoheitsgebiet: Was ist sinnvoller f\u00fcr die Forschung und die Umwelt?"},"content":{"rendered":"\n<p>Autorin: Annika K<\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201eGovernance des Ozeans: Wem geh\u00f6rt der Nord- und S\u00fcdpol?\u201c &#8211; eine Frage, die sich viele stellen. Auch wenn es f\u00fcr die meisten im Alltag von keiner gro\u00dfen Bedeutung ist, ist es f\u00fcr die SchiYfahrt und die Forschung besonders wichtig. Je nach Besitzanspruch m\u00fcssen sie unterschiedliche Gesetze einhalten und haben unterschiedliche Rechte. Dabei k\u00f6nnten die Regelungen und ihre Konsequenzen bei den Polen kaum unterschiedlicher sein.<\/p>\n\n\n\n<p><br>In der Antarktis erheben verschiedene Staaten territoriale Anspr\u00fcche, die sich teilweise \u00fcberschneiden. Der Antarktis-Vertrag von 1959\/1961 sowie weitere \u00dcbereinkommen halten die Staaten dazu an, diese Anspr\u00fcche nicht weiter zu verfolgen und weisen die Antarktis als Naturschutzgebiet aus. Sie darf ausschlie\u00dflich f\u00fcr friedliche Zwecke, insbesondere f\u00fcr die Forschung, genutzt werden. Milit\u00e4rische Aktivit\u00e4ten und die Nutzung mineralischer Ressourcen sind verboten. Allerdings halten sich nicht alle Staaten an diese Vereinbarungen: Meeresschutzgebiete werden ignoriert, Dual-Use-Satelliten f\u00fcr zivile und milit\u00e4rische Zwecke eingesetzt, Stationen nicht konsequent kontrolliert und Milit\u00e4r f\u00fcr angeblich wissenschaftliche Zwecke verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p><br>In der Arktis erhebt Kanada den Anspruch auf die Nordwestpassage als Teil der inneren Gew\u00e4sser. Dabei st\u00fctzt sich Kanada einerseits auf einen sogenannten \u201ehistorischen Titel\u201c, einen Rechtsanspruch auf ein Gew\u00e4sser, der sich aus international geduldeter, \u201elanger Nutzung\u201c ableitet. Dieser ist jedoch umstritten &#8211; Kanada sieht sich als rechtm\u00e4\u00dfigen Nachfolger der Briten und Inuit, diese Rechtsgrundlage ist allerdings nicht eindeutig definiert. Andererseits argumentiert Kanada mit den geraden Basislinien, die in einem Abstand von 12 Seemeilen den allgemeinen Verlauf der K\u00fcste abbilden. Kanada zieht diese um die \u00e4u\u00dferen Inseln des kanadisch-arktischen Archipels, welche es als Inselkette ansieht. Auch dies ist jedoch umstritten, da nicht eindeutig definiert ist, was als Inselkette gilt. Entsprechend werden sowohl historische Titel als auch Basislinien von verschiedenen Staaten unterschiedlich interpretiert. Beispielsweise betrachten die USA  die Nordwestpassage grunds\u00e4tzlich als internationales Gew\u00e4sser mit freier Durchfahrt, was ihnen durch das Abschmelzen des arktischen Eises und den dadurch deutlich k\u00fcrzeren Seeweg nach Asien einen wirtschaftlichen Vorteil bieten w\u00fcrde. Sie dulden den Anspruch Kanadas jedoch aus politischen Gr\u00fcnden wie der gemeinsamen NATO- Mitgliedschaft und respektieren deswegen die Einschr\u00e4nkungen der freien Durchfahrt.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen an den Polen f\u00fchren zu unterschiedlichen Konsequenzen f\u00fcr die Biosph\u00e4re und die biologische Forschung. So gibt es in der Arktis diverse kanadische Netzwerke aus Forschern und Forschungsorganisationen wie <em>ArcticNet<\/em>, die unter anderem den Einfluss des Klimawandels und den Zustand der Biodiversit\u00e4t untersuchen. Dabei arbeitet Kanada auch aktiv mit anderen L\u00e4ndern zusammen und erlaubt ihnen eigene Forschungen. Gleichzeitig herrschen in kanadischen Hoheitsgebieten strikte Umweltschutzauflagen. Bis 2030 soll der Anteil der gesch\u00fctzten Meeresfl\u00e4chen auf 30% steigen, um die Biodiversit\u00e4t zu sch\u00fctzen und industrielle Ausbeutung beispielsweise durch \u00d6l- und Gasf\u00f6rderung oder Tiefseebergbau zu verhindern. Aktuell soll die <em>Aqviqtuuq Inuit Protected and Conserved Area <\/em>als neues Schutzgebiet anerkannt werden. Dort werden wissenschaftliche Daten erhoben, \u00d6kosysteme \u00fcberwacht und Inuit als Guardians unterst\u00fctzt. Ziel ist es, die Biodiversit\u00e4t sowie ein Gebiet, das \u00fcber 550 Millionen Tonnen CO2 speichert, nachhaltig zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Im Gegensatz dazu l\u00e4uft in der Antarktis das gemeinsame Umweltprotokoll, welches die RohstoYgewinnung verbietet, 2048 aus. Und es sieht nicht gut aus: Russland hat dort laut eigenen Angaben die global gr\u00f6\u00dfte Menge \u00d6l entdeckt und es werden weitere RohstoYe wie Erze und Erdgas vermutet. Kommt es zum Abbau, werden die Umwelt und Biodiversit\u00e4t der Antarktis mutwillig zerst\u00f6rt, der Klimawandel weiter beschleunigt und die Nahrungsnetze der Meerestiere nachhaltig ver\u00e4ndert. Die Auswirkungen w\u00e4ren nicht nur auf die Antarktis beschr\u00e4nkt, sondern global sp\u00fcrbar. In den letzten 40 Jahren ist der Krillbestand der Antarktis, der die Grundlage aller Nahrungsnetze im Meer und sogar einiger an Land bildet, bereits um 70-80% zur\u00fcckgegangen. Auch der Algenbestand in der Antarktis wird beeintr\u00e4chtigt und photosynthetisch aktive Algen k\u00f6nnen immer weniger KohlenstoYdioxid aufnehmen; dabei fixieren sie sch\u00e4tzungsweise ein Viertel bis ein Drittel des Kohlenstoffdioxids in den polaren Meeren. Die Strafen f\u00fcr Missachtung des Umweltprotokolls w\u00e4ren jedoch nur diplomatische Folgen wie wirtschaftliche Sanktionen und nationale Strafverfolgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ozean ist ein einzelnes, fragiles \u00d6kosystem, dessen St\u00f6rung global verheerende Auswirkungen h\u00e4tte \u2013 und die Polarregionen spielen darin eine zentrale Rolle. Wie kann ihr Schutz nachhaltig gesichert werden? In nationalen Hoheitsgebieten liegt der Umweltschutz beim jeweiligen Staat. Das funktioniert in Kanada verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut, aber was w\u00e4re, wenn ein Staat mit geringeren Umweltstandards die Kontrolle h\u00e4tte? Gleichzeitig zeigt die Antarktis, dass internationale Vereinbarungen ohne konsequente Durchsetzung an Wirksamkeit verlieren. Was geschieht, wenn zentrale Akteure einer Verl\u00e4ngerung des Umweltprotokolls nicht zustimmen und wirtschaftliche Interessen priorisieren? Langfristig w\u00e4re ein robustes, global durchsetzbares V\u00f6lkerrecht f\u00fcr beide Polarregionen und den Ozean insgesamt die sicherste L\u00f6sung. Voraussetzungen daf\u00fcr w\u00e4ren jedoch deutlich strengere Kontrollmechanismen und wirksame Sanktionssysteme. Leider ist das aktuell eher idealistisch als realistisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autorin: Annika K \u201eGovernance des Ozeans: Wem geh\u00f6rt der Nord- und S\u00fcdpol?\u201c &#8211; eine Frage, die sich viele stellen. Auch wenn es f\u00fcr die meisten im Alltag von keiner gro\u00dfen Bedeutung ist, ist es f\u00fcr die SchiYfahrt und die Forschung besonders wichtig. 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