{"id":1245,"date":"2026-06-03T20:59:00","date_gmt":"2026-06-03T18:59:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/?p=1245"},"modified":"2026-06-02T12:20:54","modified_gmt":"2026-06-02T10:20:54","slug":"wer-sollte-den-nordpol-besitzen-keiner-oder-einer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/2026\/06\/03\/wer-sollte-den-nordpol-besitzen-keiner-oder-einer\/","title":{"rendered":"Wer sollte den Nordpol besitzen: keiner oder einer?"},"content":{"rendered":"\n<p>Autorin: Elissa Holst<\/p>\n\n\n\n<p>Dass der Klimawandel weiter die Erde und Ozeane aufheizt, Gletscher zum<br>Schmelzen und ganze Arten zum Aussterben bringt, zwingt nicht nur die Fische sich gen Norden zu wenden, um in die, noch k\u00e4lteren Gew\u00e4sser zu fl\u00fcchten, sondern l\u00e4sst auch Superm\u00e4chte wie die USA, China und Russland ihren Blick zunehmend auf unsere Pole richten. Was das zunehmend schwindende Eis in der Arktis freilegt, ist nicht nur eine gro\u00dfe dunkle Fl\u00e4che Ozean. Diese nimmt im Gegensatz zur hellen Eisfl\u00e4che viel mehr Energie der Sonne auf und speichert sie, was wiederum die Erw\u00e4rmung der Meere zus\u00e4tzlich beg\u00fcnstigt. In den Augen vieler Staaten ist sie viel mehr ein ressourcenversprechendes Gebiet, welches viele See- und Handelsrouten verk\u00fcrzt, bzw. erm\u00f6glicht. Mit den Fischen sehen sich auch die Fischer:innen gezwungen, weiter aufs Meer hinauszufahren, um die gewohnte Menge an Fisch zu fangen. Sobald sie sich doch weiter auf den Ozean hinauswagen und das gewohnte K\u00fcstengebiet verlassen, sehen sich z.B. amerikanische Fischer:innen von den Aleuten mit russischen Milit\u00e4rflugzeugen konfrontiert, die sie zwingen, ihre eigenen Gew\u00e4sser zu verlassen. Daran sieht man, dass der Nordpol und seine Gew\u00e4sser durch den vorschreitenden Klimawandel, welcher in der Arktis doppelt so stark wirkt wie irgendwo sonst, zu einem geopolitischen Hotspot geworden ist, dessen Konflikt auszuarten droht. Wobei es ein ganzes \u00d6kosystem und damit verbunden all unsere Ozeane zu verlieren gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nirgendwo ist konkret festgelegt, wem welche Bereiche des Nordpols geh\u00f6ren, wer welche Passagen zu kontrollieren hat und bis wohin die Hoheitsgew\u00e4sser genau reichen. Die verschiedenen Interessen der nahegelegenen Staaten, wie die USA, Russland, Kanada, Gr\u00f6nland und Norwegen treffen aufeinander und lassen sich nicht recht miteinander vereinen. So beansprucht Kanada beispielsweise seit 1973 die Nordwestpassage und somit alle Inseln bis Gr\u00f6nland. Die USA erkennen dies jedoch nicht an, da sie keine v\u00f6lkerrechtliche Grundlage daf\u00fcr sehen, dasselbe gilt f\u00fcr die EG. Bis heute ist ungekl\u00e4rt, wie genau sich Inselketten definieren lassen, wie gro\u00df Buchten maximal sein d\u00fcrfen, bis wo die Festlandsockel der einzelnen Staaten genau reichen und wo die Basislinien f\u00fcr das Festlegen der inneren Gew\u00e4sser zu ziehen sind. Kanada bleibt jedoch davon \u00fcberzeugt, dass die Gew\u00e4sser rund um die Nordwestpassage ihnen rechtm\u00e4\u00dfig zustehen, und versucht seine Souver\u00e4nit\u00e4t dort weiterhin zu bewahren. Die Nordostpassage hingegen, welche insbesondere von wirtschaftlichem Interesse ist, da sie z.B. die Stra\u00dfe von Malakka ersetzen, und somit viele tausend Kilometer Seeweg ersparen w\u00fcrde, wird haupts\u00e4chlich von Russland beansprucht, von welchem au\u00dferdem seit einigen Jahren zunehmend milit\u00e4rische Aktivit\u00e4ten rund um den Nordpol zu verorten sind. So meldete Norwegen beispielsweise Eins\u00e4tze von russischen U-Booten rund um Spitzbergen und forderte mehr NATO-Pr\u00e4senz vor Ort f\u00fcr den eigenen Schutz. Wenig beruhigend war gleichzeitig das Training der Einnahme arktischer Inseln durch russisches Milit\u00e4r 2020. Besonders begehrt bleibt jedoch der arktische Meeresboden, welcher viele Bodensch\u00e4tze verspricht. Sind die Bohrarbeiten noch Gr\u00f6\u00dftenteils vom Packeis blockiert, so werden sie in geraumer Zeit freigelegt sein und weder die USA noch Kanada, Russland, D\u00e4nemark oder Norwegen m\u00f6chten auf ihren Anspruch auf Anteil an diesen Ressourcen verzichten. Das Interesse hier ist klar, es beruht auf rein wirtschaftlichem Profit und somit einem finanziellen und machtgebendem Vorteil gegen\u00fcber den anderen Staaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was wird aus unserer Umwelt, aus den Tieren, die diese Gew\u00e4sser und die Eislandschaft besiedeln? Wer versucht noch dem Klimawandel entgegenzuwirken? Wo es doch so scheint, als w\u00fcrden alle nur hoffnungsvoll warten, bis das Eis verschwindet und neues Land erschlossen werden kann. Anstatt das einzige wahrhaftig Profitbringende zu tun, n\u00e4mlich das Leben zu sch\u00fctzen, das wir haben. Welche L\u00f6sung w\u00fcrde unserer Umwelt und ihrem Schutz am meisten zugutekommen? W\u00e4re es diejenige, in welcher ein strenges v\u00f6lkerrechtliches Gesetz f\u00fcr den Nordpol und die arktischen Gew\u00e4sser festgelegt wird, an das sich alle L\u00e4nder gleicherma\u00dfen zu halten h\u00e4tten? Oder k\u00f6nnte ein einzelner Staat mehr ausrichten, indem er \u00fcber das Gebiet als sein Hoheitsgew\u00e4sser bestimmt?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Antarktisvertrag aus dem Jahr 1959\/1961 stellt beispielsweise ein v\u00f6lkerrechtliches \u00dcbereinkommen dar, welches das Nutzen der Antarktis f\u00fcr milit\u00e4rische Ma\u00dfnahmen untersagt und ausschlie\u00dflich f\u00fcr friedliche Zwecke zul\u00e4sst. Die sich widersprechenden Anspr\u00fcche auf das Gebiet, von Staaten wie Argentinien, Australien, Neuseeland, Brasilien, Frankreich, Gro\u00dfbritannien und Chile, wurden mit diesem Vertrag zwar nicht komplett zur\u00fcckgezogen, jedoch unterzeichneten sie somit sozusagen eine einstimmige Nicht\u00fcbereinkunft. Was bedeutet, dass keine Ma\u00dfnahmen getroffen werden, ihre Anspr\u00fcche durchzusetzen. Gleichzeitig verpflichten sich die Vertragsparteien zum umfassenden Schutz der arktischen Umwelt und ihres \u00d6kosystems. Was vielversprechend klingt, jedoch angesichts des bis zu 80% zur\u00fcckgegangenen Krillbestandes in den letzten 40 Jahren, wenig Hoffnung gibt. Stattdessen nimmt auch hier in der Antarktis die milit\u00e4rische Aktivit\u00e4t zu, da der Antarktisvertrag beispielsweise den Einsatz von Milit\u00e4r f\u00fcr wissenschaftliche Forschung oder friedliche Zwecke nicht ausschlie\u00dft. Da es auch kein leichtes ist, die Antarktis zu erreichen und dortige Aktivit\u00e4ten verschiedener Staaten zu pr\u00fcfen, kommt es dazu, dass, sowohl die chinesischen als auch die russischen Stationen seit Jahren nicht mehr kontrolliert wurden. Unter dem Deckmantel des Vertrags selbst bauen sie ihre Milit\u00e4rstationen aus und blockieren derweilen mit ihrem Veto die Errichtung von Meeresschutzgebieten. <\/p>\n\n\n\n<p>Ob es sinnvoll w\u00e4re, ein derartiges Konzept auf die jetzige Situation in der Arktis anzuwenden, ist demnach fraglich. Es bleibt die Frage, ob sich alle Vertragspartner an die vorgeschriebenen Regeln halten, was es f\u00fcr Konsequenzen im Falle eines Versto\u00dfes geben k\u00f6nnte und vor allem wer oder welche Instanz in diesem Bereich und Gebiet die Aktivit\u00e4ten kontrollieren w\u00fcrde. Wenn die arktischen Gew\u00e4sser stattdessen einzelnen Staaten zugeschrieben werden w\u00fcrden, bliebe das Schicksal des Nordpols an einem einzelnen Staat h\u00e4ngen. Aus Sicht von jemandem, dem der Umweltschutz, der Kampf gegen den Klimawandel und die Erhaltung des Lebensraums f\u00fcr die indigene Bev\u00f6lkerung am Herzen liegt, k\u00f6nnte Kanada oder D\u00e4nemark zu den Vertretern geh\u00f6ren, die diesen Interessen noch am gerechtesten werden k\u00f6nnten. Fiele der Nordpol hingegen Russland oder den USA unter Trump zu, s\u00e4he das Schicksal unseres Ozeans, und damit verbunden unser aller, gleich ganz anders aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wer verf\u00fcgt \u00fcber das Recht zu entscheiden, welcher Staat ein Recht auf Entscheidung hat und welcher nicht? Wer urteilt dar\u00fcber, wer in der Lage ist, moralisch zu handeln und wer nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Zeit, in der wir mehr denn je darauf angewiesen sind, dass die Welt von Menschen oder Staaten bestimmt wird, die sich um mehr als ihren pers\u00f6nlichen Profit sorgen, sondern denen auch der Erhalt des Lebens ein Anliegen ist, bedeutet ein Konflikt wie dieser eine unausweichliche Gefahr, der wir uns bewusst sein m\u00fcssen, auch wenn die Arktis ein f\u00fcr uns so ferner unerreichbarer Ort zu sein scheint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autorin: Elissa Holst Dass der Klimawandel weiter die Erde und Ozeane aufheizt, Gletscher zumSchmelzen und ganze Arten zum Aussterben bringt, zwingt nicht nur die Fische sich gen Norden zu wenden, um in die, noch k\u00e4lteren Gew\u00e4sser zu fl\u00fcchten, sondern l\u00e4sst auch Superm\u00e4chte wie die USA, China und Russland ihren Blick zunehmend auf unsere Pole richten. 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