{"id":1053,"date":"2025-09-15T01:38:00","date_gmt":"2025-09-14T23:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/?p=1053"},"modified":"2025-09-10T13:42:53","modified_gmt":"2025-09-10T11:42:53","slug":"schulerpraktikum-am-geomar-einblicke-in-die-marine-forschungspraxis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/2025\/09\/15\/schulerpraktikum-am-geomar-einblicke-in-die-marine-forschungspraxis\/","title":{"rendered":"Sch\u00fclerpraktikum am GEOMAR \u2013 Einblicke in die marine Forschungspraxis"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der Blogbeitrag im September ist der Praktikumsbericht von Felix \u00fcber sein Sch\u00fclerpraktikum am GEOMAR, mit einem kleinen Einblick von seiner Betreuerin Lea. Der Blog erscheint auf Deutsch und auf Englisch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend meines zweiw\u00f6chigen Praktikums am GEOMAR im Juli\/August 2025 erhielt ich einen umfassenden Einblick in verschiedene Bereiche der meereswissenschaftlichen Arbeit \u2013 von Laboranalytik \u00fcber Probenvorbereitung bis hin zu praktischen T\u00e4tigkeiten an Bord eines Forschungsschiffs.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Thematischer Schwerpunkt: Probenahme der Sea Surface Microlayer<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein inhaltlicher Schwerpunkt meines Praktikums war die Auseinandersetzung mit der Sea Surface Microlayer (SML) \u2013 der obersten, nur einen Millimeter dicken Wasserschicht des Meeres, die eine wichtige Rolle im Austausch von Stoffen zwischen Atmosph\u00e4re und Ozean spielt. Ich habe mich intensiv in verschiedene Probenahmemethoden eingearbeitet, insbesondere in die Glasplattenmethode. Man taucht eine Glasplatte senkrecht ins Wasser ein. Wenn man sie langsam wieder herauszieht, bleibt nur die SML am Glas haften und das kann dann mit einem Duschabzieher \u00fcber einen Trichter in eine Probenflasche gef\u00fcllt werden. Zur Vorbereitung des Labors geh\u00f6rten unter anderem das Reinigen eines Tanks, der Glasplatte, der Wischer und Glasgef\u00e4\u00dfe, das Zusammenstellen der Versuchsausr\u00fcstung sowie das Anfertigen von Etiketten zur Probenkennzeichnung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Praktische Arbeiten im Labor<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein wesentlicher Teil der Arbeit bestand in der Vorbereitung und Nachbereitung von Probenahmen. Dazu geh\u00f6rte das Abf\u00fcllen von hochreinem (Milli-Q) Wasser und das Ansetzen einer ges\u00e4ttigten Salzl\u00f6sung zur Herstellung von k\u00fcnstlichem Seewasser. Au\u00dferdem habe ich k\u00fcnstliches Seewasser in Vials abgef\u00fcllt, diese erst blasenfrei verschlossen und dann 5&nbsp;mL Helium in die verschlossenen Vials injiziert, um eine luftfreie Gasphase im Vial zu erzeugen. Anschlie\u00dfend wurden sie mit einem Standard versetzt, um den neuen Autosampler f\u00fcr Methan zu testen. Methan wird mittels Gas Chromatograohie (GC) von anderen Gasen in der Probe getrennt und einem Flammenionisierungsdetektor (FID) gemessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem half ich bei der Reinigung von Probenkisten, die von einer Ausfahrt zur\u00fcckgekommen sind. Anschlie\u00dfend wurden diese wieder mit Probenfl\u00e4schchen bef\u00fcllt. Danach habe ich noch unbeschriftete Kisten mit Spr\u00fchfarbe nummeriert und farblich markiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Weiteren durfte ich im CO\u2082-Labor beim Testen empfindlicher Messger\u00e4te mithelfen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"480\" height=\"640\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/wp-content\/uploads\/sites\/77\/2025\/09\/Glider_am_TLZ.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1050\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/wp-content\/uploads\/sites\/77\/2025\/09\/Glider_am_TLZ.jpeg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/wp-content\/uploads\/sites\/77\/2025\/09\/Glider_am_TLZ-225x300.jpeg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Autonomer Glider am TLZ am GEOMAR.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Physikalische Ozeanographie und Technische Arbeiten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Auch besonders interessant war der Tag in der Arbeitsgruppe der Physikalischen Ozeanographie sowie im Technische Logistikzentrum (TLZ). Hier \u00fcbernahm ich handwerklich-technische Aufgaben wie das L\u00f6ten von Bauteilen und den teilweisen Auseinanderbau eines Gliders \u2013 eines autonomen Unterwasserfahrzeugs, das \u00fcber l\u00e4ngere Zeit Messdaten im Ozean erfasst. Der Glider wurde anschlie\u00dfend f\u00fcr eine Reparatur vorbereitet und verschickt. Zum Schluss habe ich noch ausprobieren d\u00fcrfen, wie ein Arduino funktioniert und selbst ein wenig Code schreiben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tagesausfahrt mit der Alkor<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein besonderer H\u00f6hepunkt war die Teilnahme an einer Tagesfahrt mit der FS Alkor. Ziel war die Bergung einer Testboje, die in der Ostsee ausgebracht worden war und k\u00fcnftig Messdaten bei Kap Verde erfassen soll.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"480\" height=\"640\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/wp-content\/uploads\/sites\/77\/2025\/09\/Tagesfahrt_Alkor_Ziwschenstopp_am_Westufer-rotated.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1052\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/wp-content\/uploads\/sites\/77\/2025\/09\/Tagesfahrt_Alkor_Ziwschenstopp_am_Westufer-rotated.jpeg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanvoices\/wp-content\/uploads\/sites\/77\/2025\/09\/Tagesfahrt_Alkor_Ziwschenstopp_am_Westufer-225x300.jpeg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tagesausfahrt mit dem Forschungsschiff Meteor.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Praktikum am GEOMAR erm\u00f6glichte mir einen fundierten und vielseitigen Einblick in die Arbeitsweise moderner Meeresforschung. Von der pr\u00e4zisen Probenvorbereitung im Labor \u00fcber technische Arbeiten im TLZ bis hin zur praktischen Anwendung auf See wurde mir die gesamte Bandbreite ozeanografischer Forschungst\u00e4tigkeit vermittelt. Die Erfahrungen haben mir gezeigt, wie interdisziplin\u00e4r und vielf\u00e4ltig dieses Arbeitsfeld ist \u2013 und wie sehr wissenschaftliche Pr\u00e4zision und technische Expertise zusammenarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Praktikum hat meinen Wunsch nach einer wissenschaftlichen Laufbahn best\u00e4rkt. Zwar wei\u00df ich noch nicht genau, f\u00fcr welchen Fachbereich ich mich letztlich entscheiden werde, doch hat mir die Erfahrung gezeigt, dass sich in der Forschung vielf\u00e4ltige Interessen miteinander verbinden lassen und mir dort zahlreiche berufliche Perspektiven offenstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr diese M\u00f6glichkeit m\u00f6chte ich mich beim GEOMAR, besonders bei der Chemischen Ozeanographie, bei der ich die meiste Zeit verbracht habe, und bei meiner Betreuerin Lea Lange bedanken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Felix<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie viel muss man einen (fast) Oberstufler betreuen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Felix hatte sich wie 84 andere Sch\u00fclerInnen f\u00fcr ein freiwilliges Praktikum beim GEOMAR beworben. Nur eine Handvoll von ihnen werden eingeladen. Er beendet derzeit die 10. Klasse der Schule. Urspr\u00fcnglich hatte ich geplant, ihn einzuladen um mir bei einem zweiw\u00f6chigen Experiment zu helfen. Leider musste ich das Experiment kurzfristig absagen, um Zeit f\u00fcr die Fertigstellung meiner ersten Ver\u00f6ffentlichung zu haben. Es war eine Herausforderung f\u00fcr mich, so kurzfristig andere Aufgaben f\u00fcr ihn zu finden. Letztendlich hat es gut geklappt, denn er war sehr interessiert, neugierig auf unsere Arbeit und unkompliziert im Umgang, sodass man ihn ohne Bedenken KollegInnen mitgeben konnte. Meine KollegInnen, die in der zweiten Woche des Praktikums f\u00fcr mich eingesprungen sind, als ich krank war, haben nur Gutes berichtet. Ich habe das Gef\u00fchl, dass ich viel Zeit verloren habe, w\u00e4hrend er in unserer Gruppe war, aber ehrlich gesagt war es die Krankheit, die mich zur\u00fcckgeworfen hat. Nicht die Betreuung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich schon in der zweiten Woche ausgezahlt h\u00e4tte. Zu diesem Zeitpunkt kannte er sich im Geb\u00e4ude und im Team aus, er kannte die Gefahren, die Methoden und hatte kein Problem damit auch einfach die anfallenden, langweiligen Aufgaben zu \u00fcbernehmen. Es machte ihm nicht einmal etwas aus, wenn es Zeiten gab, in denen es nichts zu tun gab, sondern er nur zuschauen konnte, wie andere arbeiteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich mich entschied, eine\/n Sch\u00fclerIn als PraktikantIn einzuladen, war mir bewusst, dass es mich m\u00f6glicherweise mehr Zeit kosten w\u00fcrde, als ich an Unterst\u00fctzung erhalten w\u00fcrde. Ich machte mir deshalb nicht wirklich Sorgen (schlie\u00dflich musste Felix dieses Praktikum ja nicht machen), eher neugierig, wie es laufen w\u00fcrde. Und ich war mir sicher, dass ich ohne Hilfe meine Experimente nicht w\u00fcrde durchf\u00fchren k\u00f6nnen und dass es f\u00fcr jemanden aus der Schule sehr aufschlussreich und interessant sein w\u00fcrde, voll und ganz daran teilzunehmen. Ich hatte dann Sorge, dass Felix das Praktikum ohne die Experimente \u00e4tzend finden w\u00fcrde. Aber eigentlich glaube ich, dass er auf diese Weise viel bessere Einblicke in unseren \u201ewissenschaftlichen Beruf\u201c bekommen hat (und immer noch Wissenschaftler werden m\u00f6chte). Und neben dem angenehmen Gef\u00fchl der Zusammenarbeit und dem Weitergeben meiner nerdige Themen in aller Tiefe sind auch einige meiner Aufgaben erledigt worden, f\u00fcr die ich nie die Zeit finde (wie das Streichen der Kisten)!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lea (Doktorandin)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Blogbeitrag im September ist der Praktikumsbericht von Felix \u00fcber sein Sch\u00fclerpraktikum am GEOMAR, mit einem kleinen Einblick von seiner Betreuerin Lea. Der Blog erscheint auf Deutsch und auf Englisch. 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