{"id":197,"date":"2021-02-02T17:37:41","date_gmt":"2021-02-02T17:37:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanstories-ebus\/?p=197"},"modified":"2021-02-02T17:37:42","modified_gmt":"2021-02-02T17:37:42","slug":"rebellisch-strebsam-exzellent-wissenschaftlerinnen-ein-scheinbarer-widerspruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanstories-ebus\/2021\/02\/02\/rebellisch-strebsam-exzellent-wissenschaftlerinnen-ein-scheinbarer-widerspruch\/","title":{"rendered":"Rebellisch, strebsam, exzellent \u2013 Wissenschaftler*innen, ein scheinbarer Widerspruch"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><i>\u201aRebell: widerspenstig, wer sich auflehnt, widersetzt\u2018<\/i><\/h5>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><i>Digitales W\u00f6rterbuch der Deutschen Sprache<\/i><\/h6>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<p><em>Es ist nicht der Wunsch, alles zu ver\u00e4ndern. Es ist auch kein Aufbegehren gegen das System. Seit Anfang September 2020 arbeite ich am GEOMAR in Kiel und vertrete die drei Projekte der Ozeanforschung <a href=\"https:\/\/www.ebus-climate-change.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EVAR, REEBUS und CUSCO<\/a>. Diese wenigen Monate haben gen\u00fcgt, um zu begreifen: Es ist das best\u00e4ndige Hinterfragen als gesetzt geltender Regeln und Erkenntnisse, das Wissenschaftler*innen zu Rebell*innen macht.<\/em><\/p>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<p>Wissenschaftler*innen sind also Rebell*innen. Von Berufs wegen, k\u00f6nnte man sagen. Oder andersherum. Es sind die kritisch hinterfragenden Menschen, die den Weg in die Wissenschaft w\u00e4hlen. Henne und Ei.<\/p>\n<p>In meinem Kopf waren Wissenschaftler*innen immer brav. Flei\u00dfige Lernbienen, datenversunken und etwas passiv gegen\u00fcber den Abenteuern des Lebens. \u2013 Ganz falsch ist dieses Vorurteil, wie ich merke! Die Menschen, denen ich t\u00e4glich am Institut begegne, sind es selbst, die die Abenteuer schaffen. Die sich immer wieder in herausfordernde Situationen bringen. Sie sind widerspenstig, sie nehmen nicht einfach hin, was sich geh\u00f6rt, was \u00fcber sie entschieden wurde, was sie nach Vorstellung anderer tun sollen. Schlie\u00dflich ist es ihre Aufgabe, bestehendes Wissen zu hinterfragen. Und dieser Aufgabe werden sie gerecht. Bei der Arbeit und im Alltag gleicherma\u00dfen.<\/p>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<p><strong>Gratwanderung wissenschaftliche Emanzipation<\/strong><\/p>\n<p>Das Widersetzen zeigt sich in vielen Situationen. Im Kleinen. Bei einer n\u00e4chtlichen roten Ampel, zum Beispiel. Und im Gr\u00f6\u00dferen. In einer Diskussion mit Betreuer*innen und Vorgesetzten, bei der sich alle hierarchischen Ebenen in Luft aufzul\u00f6sen scheinen. Sogar gegen\u00fcber dem eigenen Professor wird zeitweise \u2013 man kann schon fast sagen, aufbegehrt. Wenn das Thema wichtig ist, wenn es darum geht, wie weiter vorgegangen werden soll. Wenn besprochen wird, was die Datenlage aussagt. Ein bisschen auch, weil es immer darum geht, sich als eigene Wissenschaftler*in zu emanzipieren. Ein wissenschaftliches Entwachsen und Erwachsenwerden. Eine best\u00e4ndige Rebellion. Ein wandern an und \u00fcber die Grenze.<\/p>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1800\" height=\"1350\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanstories-ebus\/wp-content\/uploads\/sites\/74\/2021\/02\/Staendiger-Austausch_c_Bjoern-Fiedler.jpg\" alt=\"\" data-id=\"202\" data-link=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanstories-ebus\/?attachment_id=202#main\" class=\"wp-image-202\" \/><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Wissenschaft ist immer Kooperation und Zusammenarbeit. Aber auch Emanzipation. Letztlich geht es auch um die eigenen Daten und um die Identit\u00e4t als Wissenschaftler*in.<\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<p>Aber eben nicht nur \u2013 und hier liegt der scheinbare Widerspruch, Wissenschaftler*innen sind auch strebsam. Ganz ohne geht es wohl doch nicht. Wer nur rebellisch ist, verliert sich schnell im Kampf. Es braucht auch das Zielstrebige. Etwas Ruhiges und Andauerndes, das ein*e Forscher*in \u00fcber Jahre beim Datensammeln und Schreiben von Papern, den wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichungen, h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<p><strong>Gute Wissenschaft ist Rebellion (und ein bisschen mehr)<\/strong><\/p>\n<p>Flei\u00df und Strebsamkeit sind b\u00fcrgerliche Tugenden. Rebellion tr\u00e4gt oft eher den Beigeschmack von Aufruhr und Umbruch. Doch gerade die Kombination dieser Charaktereigenschaften ist die Essenz guter Wissenschaft: Sich den vorherrschenden Annahmen widersetzen. Dinge nicht auf sich beruhen lassen und nach neuen Erkenntnissen streben. Widerspenstig dem trotzen, was gesellschaftlich erwartet, gefordert, bewertet wird. Dies sind die St\u00e4rken, die zu neuer Forschung, neuen Sichtweisen und neuem (aktuelleren) Wissen f\u00fchren. Es ist das Rebellische und das Strebsame gleicherma\u00dfen, das am Ende zur wissenschaftlichen Exzellenz f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Exzellent sind viele meiner Kolleg*innen aus den drei ozeanischen Projekten also gerade weil sie sich trauen, sich nicht der Norm anzupassen und stattdessen nach mehr zu streben. Und auch bei ihrer wissenschaftlichen Karriere kommt den Forschenden noch einmal das Rebellische zugute, das ansonsten zu Schwierigkeiten mit den herk\u00f6mmlichen Strukturen, aber damit auch zu steilen Lernkurven f\u00fchrt: Wer Krisen gemeistert hat, kann sp\u00e4ter besser mit den Anforderungen umgehen, die eine Laufbahn als Wissenschaftler*in mit sich bringt. Wer sich schon einmal in eine schwierige Situation gebracht, aber selbst wieder herausnavigiert hat, kann L\u00f6sungen f\u00fcr spontan auftretende Probleme oder sich abrupt \u00e4ndernde Umst\u00e4nde finden. Oder kann Probleme \u00fcberhaupt eher als Herausforderung, und damit als Chance begreifen. Wer bei einem Regelversto\u00df erwischt wurde, hat vielleicht gelernt, mit Menschen zu sprechen und zurechtzukommen, die einem nicht immer positiv gegen\u00fcberstehen. Und ein bisschen trainiert das Ganze sicherlich auch, wie man sich gegen\u00fcber Autorit\u00e4ten verh\u00e4lt (oder eben, ab wann man sich nicht mehr verh\u00e4lt, weil es nun mal nicht um Anpassung geht, sondern um Wissenschaft und Erkenntnis).<\/p>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1137\" height=\"853\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanstories-ebus\/wp-content\/uploads\/sites\/74\/2021\/02\/umgang-mit-autoritaeten-01_c_Mar-Fernandez-Mendez-1.jpg\" alt=\"\" data-id=\"218\" data-link=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanstories-ebus\/?attachment_id=218#main\" class=\"wp-image-218\" \/><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">In den Ozeanwissenschaften hat man oft mit Autorit\u00e4tspersonen zu tun. Oder mit Menschen, die kein spezielles Interesse f\u00fcr die Forschung mitbringen. Erfahrungen im Umgang miteinander sind dabei von Vorteil.<\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<p>Ein paar strebsame, exzellente Rebell*innen braucht die Welt also. Ich werde zwar trotzdem weiterhin \u2013 ganz unrebellisch \u2013 auch nachts an roten Ampeln stehen bleiben, aber es ist eine gute und beruhigende Erkenntnis, dass sich die Verhaltensweisen, die viele Menschen mit einem Kopfsch\u00fctteln zur\u00fccklassen, an der richtigen Stelle als erfolgreiche Qualit\u00e4t entpuppen. Und, dass Wissenschaft aus Menschen besteht, die sich nicht einfach der bequemsten Meinung beugen.<\/p>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-dots\" \/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:22% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceanstories-ebus\/wp-content\/uploads\/sites\/74\/2021\/02\/AnnKristin-Montano_sw.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-221 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><em>Autorin: Ann Kristin Montano<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<p><em data-rich-text-format-boundary=\"true\">Ehemalige Wissenschaftlerin, die lange genug in anderen Bereichen gearbeitet hat, um Klischees \u00fcber Wissenschaftler*innen aufzubauen. Arbeitet jetzt gern unter Wissenschaftler*innen, um die Klischees wieder abzubauen. H\u00e4lt sich selbst f\u00fcr brav. Mag das Rebellische und Exzellente an ihren Kolleg*innen sehr.<\/em><\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201aRebell: widerspenstig, wer sich auflehnt, widersetzt\u2018 Digitales W\u00f6rterbuch der Deutschen Sprache Es ist nicht der Wunsch, alles zu ver\u00e4ndern. Es ist auch kein Aufbegehren gegen das System. Seit Anfang September 2020 arbeite ich am GEOMAR in Kiel und vertrete die drei Projekte der Ozeanforschung EVAR, REEBUS und CUSCO. 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