{"id":4049,"date":"2019-01-08T14:14:17","date_gmt":"2019-01-08T12:14:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/?p=4049"},"modified":"2019-01-09T10:51:28","modified_gmt":"2019-01-09T08:51:28","slug":"von-malizia-und-mikroplastik-meereswissenschaftler-und-profisegler-machen-gemeinsame-sache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2019\/01\/08\/von-malizia-und-mikroplastik-meereswissenschaftler-und-profisegler-machen-gemeinsame-sache\/","title":{"rendered":"Von Malizia und Mikroplastik: Meereswissenschaftler und Profisegler machen gemeinsame Sache"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist Mittwochnachmittag und vor dem Audimax der CAU sieht alles\nnach gew\u00f6hnlichem Universit\u00e4tsalltag aus. Kaum \u00f6ffne ich jedoch die T\u00fcren des\ngro\u00dfen H\u00f6rsaals, \u00e4ndert sich der Eindruck und mir schl\u00e4gt aufgeregtes\nStimmengewirr entgegen. Ich suche mir einen Platz und warte gespannt darauf,\ndass Johanna Kr\u00fcger, Mitarbeiterin der Kieler Forschungswerkstatt, die ersten\nWorte an die junge Zuh\u00f6rerschaft richtet. \u201eDie alten Hasen unter euch wissen,\nwie wir hier in der Uni applaudieren, oder?\u201c, schafft sie gerade noch zu\nfragen, bevor lautes Klopfen von den Tischen widerhallt. Sp\u00e4testens als danach die\nLotsen die B\u00fchne betreten, um den Vortragenden einige Fragen stellen, sollte\nauch dem letzten, m\u00f6glicherweise verirrten Zuh\u00f6rer klar sein, dass er in der\nKinderuni gelandet ist. Da es sich um die letzte Veranstaltung vor Weihnachten\nhandelt, d\u00fcrfen auch die Eltern in den Reihen des gr\u00f6\u00dften H\u00f6rsaals der Kieler Christian-Albrechts-Universit\u00e4t\nplatznehmen und dem Vortrag lauschen, in dem es heute um \u201eMalizia\u201c, Klimawandel\nund Mikroplastik geht. Von Malizia, der Rennyacht von Boris Herrmann, und auch\nvon den kleinen Plastikteilchen haben schon viele etwas geh\u00f6rt. Aber was haben diese,\nauf den ersten Blick so unterschiedlichen Themen gemeinsam? Eine Frage, die Meereswissenschaftler\nToste Tanhua, Biogeochemiker am GEOMAR in Kiel, und Profisegler Boris Herrmann\nin der Kinderuni am 12. Dezember beantwortet haben. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Volvo Ocean Race 2018 war Anlass f\u00fcr ein besonderes Projekt\u201c, beginnen die beiden Vortragenden. Bei der als besonders schwierig eingestuften Regatta ging die Yacht \u201eTurn the Tide on Plastic\u201c an den Start und lieferte sich unter Skipperin Dee Caffari gegen sechs andere Teams ein spannendes Rennen um die Welt. Doch der Rennsegler unterschied sich von den Yachten der Konkurrenten in einem entscheidenden Detail: Ausgestattet mit Sensoren und speziell angefertigten Messger\u00e4ten wurden \u00fcber das gesamte Rennen CO<sub>2<\/sub>-Gehalt, Salinit\u00e4t und Temperatur des Wassers gemessen. Mithilfe von Proben des Oberfl\u00e4chenwassers wurde zudem der Mikroplastikgehalt auch an den entlegensten Orten bestimmt, mit erschreckenden Ergebnissen. Toste Tanhua wertete die Daten wissenschaftlich aus. Angeschoben und finanziert wurde das ungew\u00f6hnliche Projekt vom Exzellenzcluster \u201eFuture Ocean\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePoint Nemo, habt ihr davon schon einmal geh\u00f6rt?\u201c, fragt der\nMeereswissenschaftler und vereinzelt sind zustimmende Antworten aus dem\nPublikum zu h\u00f6ren. \u201eMit dem Zeichentrickfisch hat dieser Ort nichts zu tun\u201c,\nlacht Toste, wird aber gleich wieder ernst. \u201eDer Point Nemo ist der Ort, der am\nweitesten von jedem Kontinent im Pazifik entfernt ist. Und sogar dort haben wir\nProben genommen, in denen Mikroplastik gefunden wurde\u201c. Einige Kinder in der\nReihe neben mir schauen sich betroffen an und hinter mir wird getuschelt, denn\neins ist auch den kleinsten Besuchern klar: Das Plastik in den Weltmeeren ist\nein ernstzunehmendes Problem. \u201ePlastikm\u00fcll an Str\u00e4nden ist nur die Spitze des\nEisbergs\u201c, erkl\u00e4rt Boris Herrmann weiter. Meeresstr\u00f6mungen bef\u00f6rdern den M\u00fcll auch\nan wenig besiedelte Orte und die Kunststoffgegenst\u00e4nde zerfallen bei ihrer\nReise durch den Ozean in immer kleinere Fragmente. \u201eVon den Proben, die w\u00e4hrend\nder Weltumsegelung beim Volvo Ocean Race gesammelt wurden, waren nur sehr\nwenige frei von Plastikpartikeln\u201c, berichtet das Duo auf der B\u00fchne und\nveranschaulicht die wissenschaftlichen Ergebnisse anhand einer Weltkarte. Dabei\nerkl\u00e4rt Toste Tanhua, dass der gewonnene Datensatz trotz der erschreckenden\nErgebnisse von gr\u00f6\u00dfter wissenschaftlicher Bedeutung sei. \u201eZum ersten Mal wurden\nProben in allen Meeren mit demselben Ger\u00e4t und von derselben Mannschaft\nerhoben, das ist etwas Besonderes\u201c. Der Wissenschaftler hat bereits mit der\nVer\u00f6ffentlichung der Daten in wissenschaftlichen Zeitschriften begonnen, sodass\nnun Zeit f\u00fcr ein neues Projekt ist, denn das Volvo Ocean Race findet lediglich\nin einem dreij\u00e4hrigen Turnus statt. Gro\u00dfes Gl\u00fcck f\u00fcr Boris Herrmann, der Anfang\ndes Jahres einen Vortrag von Toste besucht hat und den Kieler\nMeereswissenschaftler kennenlernte. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein besonders wichtiger Aspekt des Klimawandels liegt f\u00fcr\nBoris Herrmann in der Ozeanversauerung, hervorgerufen durch stetig steigende CO<sub>2<\/sub>-Konzentrationen\nin der Atmosph\u00e4re. Als Profisegler, der viele Tage auf dem Ozean verbringt und\nsich diesem nat\u00fcrlicherweise verbunden f\u00fchlt, hat Boris die Chance erkannt und\ngemeinsam mit seinem Team und Toste Tanhua ein neues Projekt begonnen. Mit\nseiner Yacht Malizia hat Herrmann bereits bei der diesj\u00e4hrigen \u201eRoute du Rhum\u201c\nerste CO<sub>2<\/sub>-Messwerte mithilfe eines eigens daf\u00fcr eingebauten Ger\u00e4ts\ngesammelt und ist gleichzeitig F\u00fcnfter geworden \u2013 die bisher beste Platzierung,\ndie ein deutscher Starter bei dieser Regatta erreichen konnte. Lautes Klopfen\nhallt nicht zum ersten Mal am heutigen Nachmittag durch den H\u00f6rsaal, als Toste\nvon Boris Platzierung erz\u00e4hlt. Kinder wie Eltern lauschen gespannt, als der\nSegler von der Astronautennahrung spricht, die er w\u00e4hrend der Regatten zu sich\nnimmt und in spektakul\u00e4ren Videos zeigt, mit welcher Geschwindigkeit Malizia\nw\u00e4hrend der Hochseerennen durch das Wasser gleitet. \u201eWir messen w\u00e4hrend der\nRennen den CO<sub>2<\/sub>-Gehalt des Oberfl\u00e4chenwassers. Die steigenden Werte\nsind das, was wir als Ozeanversauerung bezeichnen\u201c, erkl\u00e4rt der Segler. \u201eDas\nist vielleicht etwas schwieriger zu verstehen als Plastikpartikel im Meer, aber\nmindestens genauso wichtig\u201c. Gemeinsam erkl\u00e4rt das Duo aus Profisegler und\nWissenschaftler was Ozeanversauerung f\u00fcr kalkschalige Lebewesen bedeutet und wie\nder Klimawandel in der Erdatmosph\u00e4re mit dem Ozean und seiner Funktion als\nPuffer zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chste Regatta, die ihn um den Globus f\u00fchrt, steht f\u00fcr\nBoris Herrmann, seine Malizia und das neu verbaute CO<sub>2<\/sub>-Messger\u00e4t mit\ndem Vend\u00e9e Globe, einem Einhandrennen, bereits in 2020 auf dem Terminkalender.\nBei der Regatta wird der Segler in etwa drei Monaten die Welt umrunden und\ndabei Daten sammeln, die daraufhin in Kiel ausgewertet werden. Mit Fragen,\nFotos und einem mitgebrachten CO<sub>2<\/sub>-Messger\u00e4t bringen Toste, der in\nseiner Freizeit ebenfalls segelt, und Boris den gebannt lauschenden und\naufgeregt mitmachenden Kindern die Zusammenh\u00e4nge zwischen Wissenschaft und\nRegatten n\u00e4her. Sie veranschaulichen die Messwerte, sorgen mit spannenden\nVideos f\u00fcr gl\u00e4nzende Augen und diskutieren die Gr\u00fcnde f\u00fcr und Folgen vom\nKlimawandel. Au\u00dferdem berichtet Boris von der \u201eMy Ocean Challenge\u201c, einem\neigens vom Team der Malizia entworfenen Programm, in dem Kindern an den\nunterschiedlichsten Orten der Ozean, seine Relevanz im Klimawandel und die\nDatenerhebung mit einer Rennyacht n\u00e4hergebracht wird. Auch ich bin gefesselt\nvon dieser spannenden Symbiose aus Sport und Wissenschaft und w\u00fcrde am liebsten\nsofort den n\u00e4chsten Segelkurs belegen, w\u00e4re da nicht die anstehende\nMasterarbeit. So muss ich mich zumindest vorerst damit begn\u00fcgen, die weitere\nForschung von Toste Tanhua und Boris Herrmann zu verfolgen und gespannt auf\nneue Videos von der n\u00e4chsten Regatta zu warten. <\/p>\n\n\n\n<p>Und wer den Vortrag verpasst hat, kann sich den hier nochmal\nanh\u00f6ren und anschauen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/videoserver3.rz.uni-kiel.de\/futureocean\/kinderwise18\/OdZ_121218.mp4\">http:\/\/videoserver3.rz.uni-kiel.de\/futureocean\/kinderwise18\/OdZ_121218.mp4<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Und wer sich f\u00fcr weitere Vortr\u00e4ge der Kinderuni\ninteressiert, kann hier nach Herzenslust in den verschiedenen Themen st\u00f6bern.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.futureocean.org\/de\/schulprogramme\/kinder-_und-schueleruni.php\">https:\/\/www.futureocean.org\/de\/schulprogramme\/kinder-_und-schueleruni.php<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Hier sind noch ein paar Links f\u00fcr weitere Infos:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-wordpress wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-boris-herrmann-racing\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.borisherrmannracing.com\/\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.volvooceanrace.com\/en\/home.html\">https:\/\/www.volvooceanrace.com\/en\/home.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.futureocean.org\/de\/\">https:\/\/www.futureocean.org\/de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Silja Blechschmidt, Studentin der Biologie an der\nChristian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel (CAU) und wissenschaftliche Hilfskraft\nim Exzellenzcluster \u201eOzean der Zukunft\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Mittwochnachmittag und vor dem Audimax der CAU sieht alles nach gew\u00f6hnlichem Universit\u00e4tsalltag aus. 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