{"id":3825,"date":"2017-07-24T14:56:33","date_gmt":"2017-07-24T12:56:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/?p=3825"},"modified":"2017-07-25T07:55:05","modified_gmt":"2017-07-25T05:55:05","slug":"die-perfekte-illusion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2017\/07\/24\/die-perfekte-illusion\/","title":{"rendered":"Die perfekte Illusion"},"content":{"rendered":"<p>Sind meine Augen offen oder geschlossen? Eine tiefe, schwere undurchdringliche Dunkelheit umgibt mich, die es unm\u00f6glich macht diese Frage zu beantworten. Ich versuche mich zu bewegen, aber meine Anstrengungen f\u00fchren ins Nichts und ich gebe auf. Ich treibe dahin und wei\u00df nicht ob ich dieser vollkommenen Finsternis entkommen kann. Sehr weit entfernt sehe ich pl\u00f6tzlich ein schwaches Licht. Offenbar sind meine Augen ge\u00f6ffnet. In dieser Schw\u00e4rze kann ich zun\u00e4chst nicht mit Gewissheit sagen, ob das wozu das Licht geh\u00f6rt winzig und ganz nah oder unglaublich riesig und sehr weit weg ist.<\/p>\n<p>War das kleine Leuchten zun\u00e4chst noch schwach, so w\u00e4chst es nun heran, wird kr\u00e4ftiger und behauptet sich gegen die Dunkelheit. Es kommt auf mich zu und ich stelle mit Erleichterung fest, dass das Licht nicht zu einem gigantischen Ungeheuer geh\u00f6rt. Ich meine eine Regelm\u00e4\u00dfigkeit in der Bewegung des Lichts auszumachen. Es bewegt sich stetig von rechts nach links, obwohl es nat\u00fcrlich auch oben und unten oder diagonal sein k\u00f6nnte. Dann sehe ich wozu es geh\u00f6rt: Zun\u00e4chst nur einen schattenhaften Umriss, dann einen l\u00e4nglichen Fischschwanz, der sich aus dem Dunkel abzeichnet. Am Ende des Fischschwanzes sitzt das kleine Licht und h\u00fcpft mit der Schwimmbewegung des alienhaften Wesens auf und ab. Rasch verdickt sich der Fischschwanz und endet in einem Kopf mit einem gigantischen Maul. Ich habe keine Angst. Es kommt meinem Gesicht ganz nahe, doch als ich meine Hand heben will, um es zu ber\u00fchren, hat die Dunkelheit es verschluckt.<\/p>\n<p>Ich bin wieder allein. In dem schwarzen Nichts vor mir zeichnet sich langsam etwas ab. Eckige Formen, schemenhafte Umrisse. Das Schwarz weicht einem helleren Blau. Tauche ich auf? Nein, ich kann nach wie vor kein Ende der Dunkelheit erkennen. Was kommt dort auf mich zu? Ein bis heute unentdecktes Wesen der Tiefsee? Ein schauriges Ungeheuer? Ein geheimnisvolles U-Boot? Ich bekomme eine G\u00e4nsehaut und m\u00f6chte wegschauen, doch meine Neugier zwingt mich die Augen weit zu \u00f6ffnen und genauer hinzusehen. Die Umrisse nehmen langsam Formen an, die mir bekannt vorkommen. Es ist eine Schrift, die sich jetzt klar von der Dunkelheit abzeichnet und ich lese: \u201eSuperhelden der Tiefsee\u201c.<\/p>\n<p>Von sehr weit weg sagt eine Stimme: \u201eDer Film hat wieder von vorne begonnen. Sie k\u00f6nnen die Brille jetzt abnehmen.\u201c Ich greife hinter meinen Kopf und ziehe mir die VR-Brille vom Gesicht. Ich sitze auf einem gut gepolsterten Drehstuhl. \u201eBitte stehen sie auf, damit die n\u00e4chsten sich den Film ansehen k\u00f6nnen\u201c, sagt die Stimme von vorhin und dr\u00fcckt mir zum Abschied ein Papier in die Hand.<\/p>\n<p>Ich halte es vor meine Augen und lese: \u201eSuperhelden der Tiefsee\u201c Ein 360\u00b0 3D-Film von der Fachhochschule Kiel, entstanden in Zusammenarbeit mit dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung Kiel. Warum m\u00fcssen Forschungseinrichtungen so lange Namen haben denke ich und lese weiter: \u201eJetzt im Mediendom der FH Kiel und in vielen weiteren 360\u00b0 Kuppeln Deutschlands. Tauchen Sie mit der augenlosen Krabbe, dem Pelikanaal und dem Observatorfisch in die Tiefen des Ozeans ab.\u201c<\/p>\n<p>Ich kratze mich am Kopf, drehe mich um und sehe die anderen Besucher, die mit einem taucherbrillengleichen Ger\u00e4t vor ihren Augen v\u00f6llig versunken auf ihrem Drehstuhl sitzen. Sie sind genauso abgetaucht wie ich. Toll was mit der heutigen Technik m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Sirin Schulz<\/p>\n<p>Auch mein Kollege Gerd ist mit den Superhelden der Tiefsee virtuell in die Dunkelheit des Ozeans abgetaucht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3826 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/07\/2017-06-18_KiWo2017_002_JanSteffen-GEOMAR_original-484x323.jpg\" alt=\"\" width=\"484\" height=\"323\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/07\/2017-06-18_KiWo2017_002_JanSteffen-GEOMAR_original-484x323.jpg 484w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/07\/2017-06-18_KiWo2017_002_JanSteffen-GEOMAR_original-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/07\/2017-06-18_KiWo2017_002_JanSteffen-GEOMAR_original-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 484px) 100vw, 484px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind meine Augen offen oder geschlossen? 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