{"id":3361,"date":"2016-09-16T16:21:45","date_gmt":"2016-09-16T14:21:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/?p=3361"},"modified":"2016-09-21T15:38:49","modified_gmt":"2016-09-21T13:38:49","slug":"ratselhaftes-leuchten-in-der-ostsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2016\/09\/16\/ratselhaftes-leuchten-in-der-ostsee\/","title":{"rendered":"R\u00e4tselhaftes Leuchten in der Ostsee"},"content":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr ein Sommer. Zwar etwas sp\u00e4t im Jahr, aber egal. Die vergangenen Tage waren so hei\u00df, dass es viele Menschen ans, ins oder aufs Wasser zog. Die Kieler F\u00f6rde war voll mit Segel- und Motorbooten, Ruderbooten, Kajaks, Surfbrettern, Kite-Surfern und so weiter. Dass dann auch noch ein Delfin Badende und Boote in der F\u00f6rde besuchte (oder umgekehrt?), war zus\u00e4tzlich eine Riesenattraktion. Doch darauf m\u00f6chte ich hier nicht weiter eingehen &#8211; zum Thema Delfin habe ich schon etwas geschrieben. Es gab aber auch Wassersportler, die ein anderes Ph\u00e4nomen erlebten. Diejenigen, die lang genug drau\u00dfen blieben, konnten in den Abend- oder Nachtsstunden seltsame Lichterscheinungen im Wasser wahrnehmen. Sie traten besonders dann auf, wenn sich Schwimmer oder Paddel, Ruderbl\u00e4tter oder auch Propeller im Wasser bewegten. Meeresleuchten in der Ostsee. Einige Beobachter hatten das offenbar so noch nicht erlebt, denn sie fragten im Laufe der Woche bei uns nach den Ursachen. Zu diesem Thema haben wir tats\u00e4chlich mehr Kompetenz im Haus als zu Delfinen und so antwortete die Biologin Annegret Stuhr prompt:<\/p>\n<p><i>Die Hauptverantwortlichen f\u00fcr das momentane starke Meeresleuchten sind m\u00f6glicherweise Einzeller aus der Gruppe der Dinoflagellaten. In der Kieler Innenf\u00f6rde kommt die Art Ceratium fusus infrage. Wir haben sie in gro\u00dfer Zahl vor der Institutspier nachweisen k\u00f6nnen. Die spindelf\u00f6rmigen Zellen sind rund 300 \u03bcm lang. Bei chemischer oder auch mechanischer Reizung fangen sie an zu leuchten. In der Fachsprache nennen wir das Biolumineszenz. Es gibt in der Ostsee aber auch andere Arten, die Meeresleuchten hervorrufen, darunter andere Dinoflagellaten, aber auch einige Rippenquallenarten k\u00f6nnen leuchten.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p>Professorin Stefanie Ismar erg\u00e4nzt:<\/p>\n<p><i>Typische biolumineszierende Dinoflagellaten sind Noctiluca scintillans. Sie sind f\u00fcr Einzeller mit 200 &#8211; 2000 \u03bcm relativ gro\u00df, kommen\u00a0 weltweit vor und sind global Hauptverursacher von Meeresleuchten. Sie sind auch an dem aktuellen Leuchten in der Ostsee beteiligt. Au\u00dferdem gibt es in der Ostsee weitere Arten, die Meeresleuchten hervorrufen k\u00f6nnen, z.B. andere Dinoflagellaten wie einige Protoperidinium spp.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i><br \/>\n<\/i><\/p>\n<p><em>In der Ostsee tritt Meeresleuchten auch regelm\u00e4\u00dfig auf, meist aber im Rahmen der Plankton-Herbstbl\u00fcte, die hier in der Ostsee typischerweise von Dinoflagellaten dominiert wird. Dieses Jahr liegt das Meeresleuchten saisonal fr\u00fch und ist bemerkenswert kr\u00e4ftig. Das letzte hiesige Leuchten, das ich bewusst in der F\u00f6rde mitbekommen habe, war vor zwei Jahren im November. Noctiluca findet sich hin und wieder quantitativ auch in unserem Fr\u00fchjahrsplankton, ist dann aber meist nicht dominant. <\/em><\/p>\n<p><em>Vielleicht sind auch noch mehr Arten beteiligt, das m\u00fcsste man mit weiteren Untersuchungen kl\u00e4ren.<\/em><\/p>\n<p>Alles klar? Meeresleuchten ist kein Ph\u00e4nomen, das nur Anwohner oder Besucher tropischer Meere genie\u00dfen d\u00fcrfen. Auch die Ostsee leuchtet hin und wieder &#8211; nur eben nicht immer so fr\u00fch im Jahr und nicht immer so kr\u00e4ftig. Und: Die Ursache ist wie so oft in der Natur nicht einfach festzustellen. Es\u00a0 kommen mehrere Verursacher in Betracht. Wenn wir in dieser Beziehung noch weitere Details erfahren, geben wir sie hier nat\u00fcrlich bekannt. Bis dahin: Ab ans Wasser und genie\u00dfen &#8211; so lange der Sommer noch anh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Jan Steffen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_3366\" style=\"width: 494px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3366\" class=\"size-medium wp-image-3366\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Ceratium-fusus3-484x299.jpg\" alt=\"Dinoflagellaten der Art Ceratium fusus aus einem Netzfang in der Kieler Innef\u00f6rde. Foto: A. Stuhr, GEOMAR\" width=\"484\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Ceratium-fusus3-484x299.jpg 484w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Ceratium-fusus3-768x475.jpg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Ceratium-fusus3-1024x633.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 484px) 100vw, 484px\" \/><p id=\"caption-attachment-3366\" class=\"wp-caption-text\">Weitere Dinoflagellaten der Art Ceratium fusus aus einem Netzfang in der Kieler Innef\u00f6rde. Foto: A. Stuhr, GEOMAR<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt am 21.9.: An Wochenende konnte das Meeresleuchten noch beobachtet werden. Hier einige Bilder von weiteren beteiligten Organismen:<\/p>\n<div id=\"attachment_3373\" style=\"width: 477px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3373\" class=\"size-medium wp-image-3373\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Noctiluca_12_SIsmar-467x350.jpg\" alt=\"Noctiluca,  unten links im Eck auch ein Ceratium fusus. \" width=\"467\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Noctiluca_12_SIsmar-467x350.jpg 467w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Noctiluca_12_SIsmar-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Noctiluca_12_SIsmar.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 467px) 100vw, 467px\" \/><p id=\"caption-attachment-3373\" class=\"wp-caption-text\">Noctiluca, unten links im Eck auch ein Ceratium fusus.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_3376\" style=\"width: 477px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3376\" class=\"size-medium wp-image-3376\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Ctenophoren-16_SIsmar-467x350.jpg\" alt=\"Eine Rippenquallen-Larve; die Rippenquallen bilden im Moment eine Bl\u00fcte, und manche der ausgewachsenen Rippenquallen leuchten sehr deutlich.\" width=\"467\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Ctenophoren-16_SIsmar-467x350.jpg 467w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Ctenophoren-16_SIsmar-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Ctenophoren-16_SIsmar.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 467px) 100vw, 467px\" \/><p id=\"caption-attachment-3376\" class=\"wp-caption-text\">Eine Rippenquallen-Larve; die Rippenquallen bilden im Moment eine Bl\u00fcte, und manche der ausgewachsenen Rippenquallen leuchten sehr deutlich.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_3375\" style=\"width: 477px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3375\" class=\"size-medium wp-image-3375\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Protoperindium_25_SIsmar-467x350.jpg\" alt=\"Ein Protoperidinium, seitlich liegend und ein Ceratium fusus.\" width=\"467\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Protoperindium_25_SIsmar-467x350.jpg 467w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Protoperindium_25_SIsmar-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/09\/Protoperindium_25_SIsmar.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 467px) 100vw, 467px\" \/><p id=\"caption-attachment-3375\" class=\"wp-caption-text\">Ein Protoperidinium, seitlich liegend und ein Ceratium fusus unten rechts.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr ein Sommer. 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