{"id":309,"date":"2013-11-26T18:39:31","date_gmt":"2013-11-26T16:39:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/?p=309"},"modified":"2014-05-07T15:00:33","modified_gmt":"2014-05-07T13:00:33","slug":"5000-stunden-unter-dem-meer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/11\/26\/5000-stunden-unter-dem-meer\/","title":{"rendered":"5000 Stunden unter dem Meer"},"content":{"rendered":"<p>Egal, mit wem man sich hier am GEOMAR unterh\u00e4lt: Von JAGO reden alle, als w\u00e4re es der netteste und interessanteste Kollege, den es hier gibt. Und irgendwie stimmt das auch, denn er ist schon seit \u00fcber 20 Jahren in der Meeresforschung t\u00e4tig, jeder kennt ihn, und obwohl er gerade f\u00fcr Besucher etwas ganz besonderes ist, spielt er sich nie gro\u00df auf. Als ich vor ein paar Wochen mit meinem Praktikum am GEOMAR anfing, h\u00f6rte ich jeden mal von ihm erz\u00e4hlen. Letzte Woche habe ich dann endlich die Zeit gefunden, ihn n\u00e4her kennen zu lernen.<br \/>\nDarf ich vorstellen:<\/p>\n<p><strong>JAGO &#8211; das einzige bemannte Forschungstauchboot in Deutschland!<\/strong><\/p>\n<p>Es handelt sich hier also nicht um einen richtigen Kollegen, aber JAGO geh\u00f6rt zum GEOMAR einfach dazu. Um ein bisschen was \u00fcber ihn zu erfahren, habe ich mich mit J\u00fcrgen Schauer getroffen. Im Moment ist er noch der einzige, der JAGO, das einzige bemannte Forschungstauchboot in Deutschland, steuern darf. Wenn man die Zeit zusammenrechnet, dann kommt man ungef\u00e4hr auf ein halbes Jahr, das J\u00fcrgen mit JAGO unter Wasser verbracht hat. Das entspricht etwa 1.250 Tauchfahrten \u00e0 drei bis vier Stunden.<br \/>\nJ\u00fcrgen kennt jeden Hebel, jeden Knopf und jede Schraube: \u201eIch k\u00f6nnte JAGO im Schlaf bedienen\u201c, erz\u00e4hlt er, denn schlie\u00dflich hat er JAGO mitgebaut. Seit \u00fcber 20 Jahren taucht J\u00fcrgen nun schon mit dem gelben Tauchboot bis in 400 Meter Tiefe in den sieben Weltmeeren umher. \u201eBis auf die Antarktis, das hat sich bis jetzt noch nicht ergeben. Wir tauchen aber nicht nur im Meer, sondern manchmal auch in Seen, sogar in einem S\u00fc\u00dfwasser-See in Neuseeland waren wir schon.\u201c Auch vor JAGOs Zeit ist J\u00fcrgen schon im Ozean unterwegs gewesen. Damals noch mit dem Vorg\u00e4nger GEO, die allerdings nur halb so tief tauchte wie JAGO.<\/p>\n<p><strong>Auf Expedition<\/strong><\/p>\n<p>JAGO f\u00e4hrt etwa zwei bis drei Mal im Jahr auf eine zwei- bis vierw\u00f6chige Expedition. Dann wird das drei Tonnen schwere Tauchboot mit allem Drum und Dran in einen normalen Seefracht Container gepackt und zum eigentlichen Forschungsschiff verschickt. Um mit JAGO arbeiten zu k\u00f6nnen, braucht man an Bord des Schiffes einen gro\u00dfen Kran, der f\u00fcnf bis sechs Tonnen heben kann. Dass der Kran mehr aushalten muss, als JAGO wiegt, liegt lediglich an den Sicherheitsfaktoren, die man mit einberechnen muss.<br \/>\nSind Forschungsschiff, JAGO, Pilot J\u00fcrgen Schauer und Teamkollegin Karen Hissmann mitsamt den Wissenschaftlern am Expeditionsziel angekommen und es nicht st\u00fcrmt, kann es losgehen. Dann taucht J\u00fcrgen zweimal am Tag f\u00fcr jeweils drei bis vier Stunden mit einem Wissenschaftler unter Wasser.<\/p>\n<div id=\"attachment_307\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/2012-08-24_JAGO_MSM21-4_DSC_9167_KarenHissmann-GEOMAR_900px.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-307\" class=\"size-medium wp-image-307\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/2012-08-24_JAGO_MSM21-4_DSC_9167_KarenHissmann-GEOMAR_900px-390x260.jpg\" alt=\"JAGO wird mit Hilfe eines Krans in\u2019s Wasser gelassen. (Foto: Karen Hissmann, GEOMAR)\" width=\"390\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/2012-08-24_JAGO_MSM21-4_DSC_9167_KarenHissmann-GEOMAR_900px-390x260.jpg 390w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/2012-08-24_JAGO_MSM21-4_DSC_9167_KarenHissmann-GEOMAR_900px.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-307\" class=\"wp-caption-text\">JAGO wird mit Hilfe eines Krans in\u2019s Wasser gelassen. (Foto: Karen Hissmann, GEOMAR)<\/p><\/div>\n<p><strong>In der Tiefe: Der Pilot steuert, der Wissenschaftler staunt<\/strong><\/p>\n<p>Anders als beim Autofahren gibt\u2019s hier weder ein Navi, noch Verkehr. Au\u00dfer vielleicht die Meeresbewohner. Nur mit einem Kompass, einem akustischem Navigationssender und einer Funkverbindung zum Forschungsschiff schweben JAGO und sein Team durch den Ozean. Der Sprechkontakt nach oben l\u00e4uft \u00fcber die gleiche Frequenz, in der Wale und Delphine sich unterhalten. Von oben aus kommen dann Navigations-Infos von Karen. Das klingt dann in etwa so: \u201eNoch hundert Meter geradeaus\u201c, \u201eDreht euch mal nach rechts\u201c oder \u201eRichtung S\u00fcden bitte\u201c. In 400 Metern Tiefe kann man schon mal die Orientierung verlieren. \u201eDas ist manchmal \u00e4hnlich wie im Wald, wenn dort alles gleich aussieht.. Aber auch dort unten gibt es manchmal Landmarken und markante Strukturen, an denen man sich orientieren kann. Das kann ein dicker Felsen sein, ein besonderes Riff oder \u00e4hnliches\u201c, erz\u00e4hlt der Pilot. Mit Propellerantrieb geht es dann voran.<\/p>\n<p><strong>\u201eForschung soll ja nicht bequem sein!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In JAGO hat man etwa drei Kubikmeter Platz. Die Sitze, auf denen sich der Wissenschaftler und J\u00fcrgen niederlassen k\u00f6nnen, sind leicht versetzt hintereinander angebracht. \u201eDas ist zwar nicht super bequem, aber so soll Forschung ja auch nicht sein\u201c, sagt J\u00fcrgen. \u201eWenn man dort unten ist und v\u00f6llig neue Welten entdeckt \u2013 dann vergisst man all das Unwichtige. Auch die R\u00fcckenschmerzen, die man vielleicht hat.\u201c Dann werden Proben von Organismen, Gesteinen oder Sedimenten genommen, Fotos und Videos gemacht und der Tauchgang gut dokumentiert. Mit LED-Leuchten ist dort alles klar und deutlich sichtbar. Damit die Wissenschaftler die Gr\u00f6\u00dfe der einzelnen Objekte besser einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, gibt es sogar zwei Laserpunkte, die einen Abstand von 50 Zentimetern zueinander haben und so am Meeresboden als Ma\u00dfstab dienen.<\/p>\n<div id=\"attachment_308\" style=\"width: 183px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/2011-09-21_P420_JAGO_JuergenSchauer-KarenHissmann_MaikeNicolai_900px.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-308\" class=\"size-medium wp-image-308\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/2011-09-21_P420_JAGO_JuergenSchauer-KarenHissmann_MaikeNicolai_900px-173x260.jpg\" alt=\"Das JAGO-Team J\u00fcrgen Schauer und Karen Hissmann. (Foto: Maike Nicolai, GEOMAR)\" width=\"173\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/2011-09-21_P420_JAGO_JuergenSchauer-KarenHissmann_MaikeNicolai_900px-173x260.jpg 173w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/2011-09-21_P420_JAGO_JuergenSchauer-KarenHissmann_MaikeNicolai_900px.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-308\" class=\"wp-caption-text\">Das JAGO-Team J\u00fcrgen Schauer und Karen Hissmann. (Foto: Maike Nicolai, GEOMAR)<\/p><\/div>\n<p><strong>Auftauchen, bitte<\/strong><\/p>\n<p>Sind dann alle Proben und Daten gesichert, macht JAGO sich wieder auf den Weg an die Oberfl\u00e4che. Wenn der Seegang nicht zu stark ist, ist dieses Auftauchen relativ problemlos. Das Tauchboot wird wieder an einem Haken befestigt und mit Hilfe des Krans an Deck des Forschungsschiffes gezogen. Bevor die Luke aufgeht, muss keinerlei Druckausgleich oder \u00e4hnliches erfolgen. Denn die drei Kubikmeter Luft in JAGO sind hermetisch abgeriegelt. Das hei\u00dft, sobald der Deckel runterklappt, wird der Atmosph\u00e4rendruck im Inneren eingeschlossen und die Besatzung kann ganz normal atmen. \u201eWir lassen permanent fein dosierten Sauerstoff in den Kabinenraum str\u00f6men und haben einen Filter f\u00fcr die Kohlenstoffdioxid-Absorption dabei. So k\u00f6nnen wir st\u00e4ndig frisch-gefilterte Luft atmen.\u201c<br \/>\nWieder an Bord kann anschlie\u00dfend das Material gesichtet und sich auf die n\u00e4chste Fahrt vorbereitet werden.<\/p>\n<p>Dies ist zun\u00e4chst nur ein kleiner Einblick in die Welt vom einzig bemannten Forschungstauchboot in Deutschland. Welche wissenschaftlichen Wunder JAGO schon so alle entdeckt hat und was er mit dem sonnt\u00e4glichen Tatort zu tun hat, gibt es <a title=\"Quastenflosser voraus!\" href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/11\/28\/quastenflosser-voraus\/\">hier <\/a>zu lesen.<\/p>\n<p>Viel Spa\u00df beim Abtauchen \ud83d\ude09<br \/>\nGesa<\/p>\n<p>\u2013 \u00dcbersicht: <a title=\"Hinter den Kulissen des GEOMAR\" href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/11\/22\/hinter-den-kulissen-des-geomar\/\">Hinter den Kulissen des GEOMAR<\/a> \u2013<\/p>\n<p>+++++++++++++++++++++++++++++++++<\/p>\n<p><strong>Steckbrief<\/strong><\/p>\n<p><strong>Name:<\/strong> JAGO<br \/>\n<strong>Titel:\u00a0<\/strong> Einziges bemanntes Forschungstauchboot Deutschlands<br \/>\n<strong>Gr\u00f6\u00dfe:<\/strong> L\u00e4nge 3,0 Meter, Breite 2,0 Meter, H\u00f6he 2,5 Meter<br \/>\n<strong>Gewicht in der Luft:<\/strong> 3 Tonnen<br \/>\n<strong>Tauchtiefe:<\/strong> 400 Meter<br \/>\n<strong>Geschwindigkeit:<\/strong> 1 Knoten ( etwa 1,852 Kilometer pro Stunde)<br \/>\n<strong>Besatzung:<\/strong> 1 Pilot und 1 Beobachter<br \/>\n<strong>Ausr\u00fcstung:<\/strong> Unterwassernavigations- und Positionierungssystem, Kompass, Tiefenmesser, vertikales und horizontales Sonar, Unterwasserkommunikation UT, Scheinwerfer, Blitze, Laser-Vermessung,\u00a0\u00a0 hydraulischer Greifarm, digitale video- und Fotokameras, CTD, Sammelanlage f\u00fcr Organismen, Gas, Wasser, Fluide, Sedimente, Gesteine<br \/>\n<strong>Aufenthaltsorte:<\/strong> Je nach Aufgabe: Unter Wasser, auf Schiffen oder in einer Halle des TLZ<br \/>\n<strong>Transport:<\/strong> Wenn es auf Expedition geht, dann wird JAGO in einen 1&#215;20\u2019 ISO Container verpackt und verschifft<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Egal, mit wem man sich hier am GEOMAR unterh\u00e4lt: Von JAGO reden alle, als w\u00e4re es der netteste und interessanteste Kollege, den es hier gibt. Und irgendwie stimmt das auch, denn er ist schon seit \u00fcber 20 Jahren in der Meeresforschung t\u00e4tig, jeder kennt ihn, und obwohl er gerade f\u00fcr Besucher etwas ganz besonderes ist, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":306,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[],"class_list":["post-309","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommunikation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/309","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=309"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/309\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":789,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/309\/revisions\/789"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-json\/wp\/v2\/media\/306"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=309"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=309"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=309"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}