{"id":2544,"date":"2015-09-04T20:19:09","date_gmt":"2015-09-04T18:19:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/?p=2544"},"modified":"2015-09-04T20:26:24","modified_gmt":"2015-09-04T18:26:24","slug":"navigators-wochenbericht-wissenschafter-im-kameralicht-und-spannende-vortrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2015\/09\/04\/navigators-wochenbericht-wissenschafter-im-kameralicht-und-spannende-vortrage\/","title":{"rendered":"Navigators Wochenbericht: Wissenschaftler im Kameralicht und spannende Vortr\u00e4ge"},"content":{"rendered":"<p>Wissenschaftler umringt von Kameras und Mikrofonen &#8211; kein allt\u00e4gliches Bild.\u00a0 Vor allem wenn man bedenkt, dass der interviewte Kollege darauf spezialisiert ist, Ozeanstr\u00f6mungen im Computer zu simulieren. Das Thema ist sonst eher\u00a0 schwer zu vermitteln. Ozeanographen, die statt an Deck eines Forschungsschiffes Wind und Wellen zu trotzen vor ihren Computern sitzen, scheinbar unendliche Datenreihen in virtuelle Modelle einf\u00fcttern, um nach Wochen oder gar Monaten Rechenzeit auf Supercomputern noch mehr Zahlenkolonnen zu erhalten &#8211; das klingt weder aufregend noch ist es bildstark. Eigentlich. Doch wenn sich die Theorie mit der Praxis verbindet, dann zeigt sich pl\u00f6tzlich auch dem Laien, wie wichtig und spannend dieser Wissenschaftszweig ist.<\/p>\n<p>In diesem Fall haben Professor Arne Biastoch und sein Kollege Dr. Jonathan Durgadoo in einem Computermodell des Indischen Ozeans simuliert, woher das Flugzeugwrackteil gekommen sein k\u00f6nnte, das Ende Juli auf der Insel La R\u00e9union gefunden worden war und das mutma\u00dflich zur vermissten Boeing 777 von Flug MH370 geh\u00f6rte. Einen Auftrag hatten sie daf\u00fcr nicht. Sie trieb wissenschaftliche Neugier und der Wunsch, eventuell etwas zur L\u00f6sung des Geheimnisses um Flug MH370 beizutragen.<\/p>\n<p>Den ersten Ansto\u00df dazu gaben ebenfalls Medienanfragen. Als das Wrackteil Ende Juli auf La R\u00e9union gefunden wurde, stand das Telefon bei uns in der Pressestelle nicht mehr still. Viele Journalisten wollten wissen: Kann das sein? La R\u00e9union liegt doch tausende von Meilen entfernt vom aktuellen Suchgebiet. Die Anfragen trafen uns mitten in der Haupturlaubszeit. Wer von den Kolleginnen und Kollegen nicht auf einer Expedition war, genoss freie Zeit mit Familie oder Freunden. Da war es ein Riesengl\u00fcck, dass ausgerechnet Arne Biastoch zu diesem Zeitpunkt in der <a href=\"http:\/\/www.geomar.de\/forschen\/fb1\/ueberblick\/\" target=\"_blank\">Forschungseinheit &#8220;Theorie und Modellierung&#8221;<\/a> die Stellung hielt. Mit ihm konnten wir nicht nur irgendeinen Ozeanographen als Ansprechpartner vermitteln, sondern sogar einen, der sich im Indischen Ozean gut auskennt.<\/p>\n<p>Seine erste Einsch\u00e4tzung war: Ja, das kann sein. Es gibt im Indik starke Str\u00f6mungen, die Treibgut in 16 Monaten einmal quer \u00fcber den Ozean transportieren k\u00f6nnen. Aber als Wissenschaftler war er mit einer &#8220;\u00fcber den Daumen&#8221;-Antwort nicht zufrieden. Also bereitete er zusammen mit Jonathan Durgadoo eine R\u00fcckwarts-Simulation vor, um das m\u00f6gliche Herkunftsgebiet des Flugzeugteils zu ermitteln. Sie verwendeten daf\u00fcr eines der besten zur Verf\u00fcgung stehenden Ozeanmodelle. Allerdings nutzt die Kieler Arbeitsgruppe dieses Modell f\u00fcr Klimasimulationen, das hei\u00dft f\u00fcr die Modellierung von Vorg\u00e4ngen, die sich \u00fcber Jahre oder sogar Jahrzehnte abspielen. F\u00fcr eine realistische Simulation des Indischen Ozeans in den vergangenen 16 Monaten ben\u00f6tigten sie dagegen reale Daten aus dieser Zeit. Die erhielten Arne Biastoch und Jonathan Durgadoo von <a href=\"http:\/\/www.mercator-ocean.fr\/eng\" target=\"_blank\">Kollegen aus Frankreich<\/a> &#8211; da flossen mal eben mehrere hundert Gigabyte Daten nach Kiel.<\/p>\n<p>Was die beiden noch alles bedenken mussten und welche Startvoraussetzungen sie gew\u00e4hlt haben, aber auch welche Grenzen solch eine Modellierung hat &#8211; das k\u00f6nnen sie am besten selbst erz\u00e4hlen. Nach mehreren Wochen Rechenzeit haben wir die Ergebnisse der Modellierung am Dienstag in einer Pressekonferenz vorgestellt. Und das Interesse war nat\u00fcrlich enorm. Zum Gl\u00fcck hat die Online-Redaktion des NDR die gesamte Pressekonferenz live ins Internet gestreamt. Das Video ist jetzt \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/Pressekonferenz-zum-verschollenen-Flug-MH-370,pkflug100.html\" target=\"_blank\">NDR-Mediathek<\/a> abrufbar.<\/p>\n<div id=\"attachment_2541\" style=\"width: 494px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2015\/09\/04\/navigators-wochenbericht-wissenschafter-im-kameralicht-und-spannende-vortrage\/presse-konferenz-flugzeugwrack\/#main\" rel=\"attachment wp-att-2541\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2541\" class=\"size-medium wp-image-2541\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/09\/20150901_002_PK-Flugzeugteil-LaReunion_JSteffen-GEOMAR_mediumName-484x322.jpg\" alt=\"Gro\u00dfes Medieninteresse f\u00fcr Ozeanmodellierer - eher eine Seltenheit. 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Foto: Jan Steffen, GEOMAR<\/p><\/div>\n<p>Wie die Journalisten die PK erlebt haben &#8211; oder wie zumindest ein Journalist die PK erlebt hat &#8211; das kann man auch online nachlesen: im <a href=\"http:\/\/mueti.de\/\" target=\"_blank\">Blog des NDR-Redakteurs Jan M\u00fcller-Tischer<\/a>.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliche Relevanz erhielt das Thema \u00fcbrigens Ende dieser Woche, als die franz\u00f6sische Staatsanwaltschaft best\u00e4tigte, dass das <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/mh370-wrack-101.html\" target=\"_blank\">Wrackteil auf La R\u00e9union tats\u00e4chlich zu MH370 geh\u00f6rt<\/a>. Wir sind selbst gespannt, wie sich das weiter entwickelt.<\/p>\n<p>Auch sonst war die Woche bewegt, denn wir sind nebenbei in der Schlussphase f\u00fcr die Ausgabe 3 unseres Magazins GEOMAR News und bereiten mehrere Veranstaltungen in der kommenden Woche vor. Dazu zwei Tipps: Am Dienstag h\u00e4lt Prof. Dr. Heidrun Kopp einen \u00f6ffentlichen Vortrag \u00fcber &#8220;<a href=\"http:\/\/www.geomar.de\/service\/veranstaltungen\/einzelansicht\/article\/08092015-12052015-vortragsreihe-wissenschaffen\/\" target=\"_blank\">Neue Wege in der Erdbebenforschung<\/a>&#8220;. Und am Mittwoch spricht Prof. Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK) \u00fcber das <a href=\"http:\/\/www.futureocean.org\/de\/cluster\/aktuelles\/meldungen\/2015\/2015_08_28_menschheitserbe_meer.php\" target=\"_blank\">&#8220;Menscheitserbe Meer<\/a>&#8220;. Auch das sind spannende und brandaktuelle Themen!<\/p>\n<p>In diesem Sinne w\u00fcnsche ich erst einmal ein sch\u00f6nes Wochenende und vielleicht sehen wir uns bei einem der Vortr\u00e4ge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jan Steffen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftler umringt von Kameras und Mikrofonen &#8211; kein allt\u00e4gliches Bild.\u00a0 Vor allem wenn man bedenkt, dass der interviewte Kollege darauf spezialisiert ist, Ozeanstr\u00f6mungen im Computer zu simulieren. Das Thema ist sonst eher\u00a0 schwer zu vermitteln. 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