{"id":254,"date":"2013-11-08T18:05:51","date_gmt":"2013-11-08T16:05:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/?p=254"},"modified":"2014-05-07T14:59:10","modified_gmt":"2014-05-07T12:59:10","slug":"wir-wissen-dass-wir-noch-nichts-wissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/11\/08\/wir-wissen-dass-wir-noch-nichts-wissen\/","title":{"rendered":"Wir wissen, dass wir (noch) nichts wissen"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem wir in den vergangenen Wochen vor allem den Service-Charakter des Navigator-Blogs betont und viele Fragen zu Meeresthemen beantwortet haben, heute mal wieder ein Beitrag \u00fcber uns selbst. Inklusive ein wenig Selbstkritik. Denn wir &#8211; in diesem Fall die Pressestelle des GEOMAR &#8211; haben, wenn man es genau nimmt, in dieser Woche ein wenig gegen das Lehrbuch f\u00fcr erfolgreiche Pressearbeit versto\u00dfen. Was mich auf die Idee gebracht hat, hier kurz \u00fcber Wissenschaft und ihre Wahrnehmung zu schreiben.<\/p>\n<p>Von Dienstag bis Donnerstag trafen sich rund 100 Wissenschaftler aus ganz Europa, Russland, den USA, Kanada und Neuseeland am GEOMAR, um das Res\u00fcmee eines vierj\u00e4hrigen Forschungsprojektes zu ziehen. In diesem Projekt ging es um die Fragen, ob die Permafrostb\u00f6den der Arktis im Zuge des Klimawandels tauen, ob dann viel Methan in die Atmosph\u00e4re gelangt und ob infolgedessen der globale Temperaturanstieg noch schneller geht.<\/p>\n<p>Dazu sollte man wissen: Methan ist ein weit st\u00e4rkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Ein Thema also, dass viele Menschen betrifft und auch interessiert. Also haben wir aus Anlass des Abschlusssymposiums zu einem Pressegespr\u00e4ch eingeladen. Allerdings hatten die an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler noch keine Antworten auf die Fragen, die sie sich im Rahmen des Projektes gestellt hatten. Denn die Forschungen zu diesem Thema sind so jung, die vorhandenen Daten so sp\u00e4rlich, die Methoden der beteiligten Disziplinen noch so unterschiedlich, dass es zun\u00e4chst einmal \u201enur\u201c darum ging, eine belastbare Grundlage f\u00fcr weitere Forschungen zu finden. Daf\u00fcr haben sich die Wissenschaftler mit Kollegen aus anderen Fachbereichen und Staaten vernetzt, methodische und auch politische Hindernisse \u00fcberbr\u00fcckt und so den Ansto\u00df f\u00fcr wirklich effektive Untersuchungen in der Zukunft gegeben. F\u00fcr die Projekteilnehmer war das ein gro\u00dfer Schritt nach vorne, sie waren begeistert von den neuen M\u00f6glichkeiten, die sich daraus ergaben. Ohne diesen Austausch an Erfahrung und Wissen w\u00fcrde es vermutlich noch l\u00e4nger dauern, bis die Forschung einen Schritt nach vorne macht.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Journalisten jedoch ist diese Vernetzung der Wissenschaftler, sagen wir es ganz offen, ziemlich langweilig. Ich wei\u00df wovon ich spreche, ich habe fr\u00fcher selbst auf der anderen Seite des Pressekonferenztisches gesessen. Als Journalist brauche ich Ergebnisse, belastbare Zahlen, definitive Aussagen. &#8220;Wenn wir weiterhin so viel CO2 emittieren wie bisher, dann ist in xx Jahren der Permafrost aufgetaut und die weltweiten Temperaturen erh\u00f6hen sich um y Grad&#8221;. Solche Aussagen m\u00f6chte ich als Journalist h\u00f6ren. Nicht: &#8220;Wir k\u00f6nnen keine Zahlen nennen, weil wir einfach noch zu wenig wissen&#8221;. Das ist keine Nachricht.<\/p>\n<p>Und doch: Die Aussagen der Wissenschaftler sind ehrlich. Sie geben die Realit\u00e4t in diesem Forschungsfeld wieder \u2013 im\u00a0 Gegensatz zu immer wieder auftauchenden, anderslautenden Meldungen, die eine wissenschaftliche Sicherheit \u00fcber Methan in der Arktis vorgaukeln, die schlichtweg nicht haltbar ist. Genau deshalb ist die Aussage des (noch) Nicht-Wissens vielleicht doch eine Nachricht.<\/p>\n<p>Zugegeben: Wir als \u00d6ffentlichkeitsarbeiter einer Forschungseinrichtung geraten auch immer wieder in Versuchung, wissenschaftliche Erkenntnisse als Durchbruch, als finale Erkenntnis, als neues Grundlagenwissen zu verkaufen. Schlie\u00dflich m\u00f6chten wir, dass \u00fcber die Arbeit unserer Forscher berichtet wird. Doch keine wissenschaftliche Studie schafft unumst\u00f6\u00dfliches neues Wissen. Sie sind nur Anregungen zu weiteren Diskussionen, Anl\u00e4sse, um weiterzuforschen, Herausforderungen, neue Fragen zu stellen.<\/p>\n<p>Immer wieder sind wir daher in dem Zwiespalt: Zuspitzen und erw\u00e4hnt werden oder sachlich bleiben und unbeachtet bleiben? Der Grat dazwischen ist schmal, wie wohl alle Kolleginnen und Kollegen in Pressestellen von Forschungseinrichtungen best\u00e4tigen k\u00f6nnen. Ein altbekanntes Problem also. Der aktuelle Fall in dieser Woche ist eine gute Gelegenheit, wieder einmal darauf hinzuweisen und f\u00fcr Verst\u00e4ndnis zu werben. F\u00fcr die komplexen Themen der Wissenschaft einerseits, f\u00fcr das Bed\u00fcrfnis der Journalisten und der \u00d6ffentlichkeit nach einfachen Antworten andererseits.<\/p>\n<p>Umso mehr danke ich den Journalistinnen und Journalisten, die unser Einladung gefolgt sind, dass sie trotz des schwierigen Themas die Herausforderung angenommen haben.<\/p>\n<p>Einige der aus dem Pressegespr\u00e4ch entstandenen Beitr\u00e4ge finden Sie hier:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/s-h_magazin\/media\/shmag24947.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/s-h_magazin\/media\/shmag24947.html<\/a> (bei Minute 07:00)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.kn-online.de\/In-Ausland\/Panorama\/Experten-beraten-ueber-Methanfreisetzungen-in-der-Arktishttp:\/\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.kn-online.de\/In-Ausland\/Panorama\/Experten-beraten-ueber-Methanfreisetzungen-in-der-Arktis<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.shz.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/wissenschaft\/experten-beraten-ueber-methanfreisetzungen-in-der-arktis-id3978576.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.shz.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/wissenschaft\/experten-beraten-ueber-methanfreisetzungen-in-der-arktis-id3978576.html<\/a><\/p>\n<p>Und wer sich noch einmal ein umfassendes Bild des Projektes machen will, um das es ging, hier ein Link zur deutschen Projektseite: <a href=\"http:\/\/www.geomar.de\/go\/pergamon\" target=\"_blank\">www.geomar.de\/go\/pergamon<\/a><\/p>\n<p>Demn\u00e4chst gibt es dann auch wieder richtige (Zwischen-) Ergebnisse aus der Meeresforschung. Die n\u00e4chsten Studien warten schon auf ihre Publikation in Fachzeitschriften. Auch sie werden nicht die Weltformel enthalten. Aber neue, kleine Teile, die wir dem gigantischen Wissens-Puzzle \u00fcber unsere Erde hinzuf\u00fcgen k\u00f6nnen. Wir werden dar\u00fcber berichten: auf der GEOMAR-Webseite, auf der Webseite des \u201eOzean der Zukunft\u201c und auch hier im Ocean-Navigator-Blog. Nat\u00fcrlich auch, sobald es etwas Neues zum Thema Methan in der Arktis gibt.<\/p>\n<p>Mit besten Gr\u00fc\u00dfen und ein sch\u00f6nes Wochenende,<\/p>\n<p>Jan Steffen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem wir in den vergangenen Wochen vor allem den Service-Charakter des Navigator-Blogs betont und viele Fragen zu Meeresthemen beantwortet haben, heute mal wieder ein Beitrag \u00fcber uns selbst. Inklusive ein wenig Selbstkritik. 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