{"id":236,"date":"2013-11-08T09:36:17","date_gmt":"2013-11-08T07:36:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/?p=236"},"modified":"2014-05-07T14:58:33","modified_gmt":"2014-05-07T12:58:33","slug":"tag-der-deutschen-einheit-stuttgart-besucher-fragen-wissenschaftler-antworten-vi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/11\/08\/tag-der-deutschen-einheit-stuttgart-besucher-fragen-wissenschaftler-antworten-vi\/","title":{"rendered":"Tag der deutschen Einheit Stuttgart: Besucher fragen \u2013 Wissenschaftler antworten (VI)"},"content":{"rendered":"<p>Str\u00e4nde voller Plastik, tote Tiere und M\u00fcllhalden unter Wasser: Durch den Plastikm\u00fcll, der durch Menschen in die Ozeane hineingetragen wird und teilweise jahrzehntelang umherzirkuliert, k\u00f6nnen ganze M\u00fcllberge entstehen und \u00d6kosysteme zerst\u00f6rt werden. Tiere sterben, Str\u00e4nde verdrecken \u2013 das sind nur einige der Konsequenzen. Doch wie wird dagegen vorgegangen? Welche Sanktionen gibt es f\u00fcr \u201eVerschmutzer\u201c?<\/p>\n<p>In der letzten Folge unserer Reihe \u201e<a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/10\/09\/tag-der-deutschen-einheit-stuttgart-besucher-fragen-wissenschaftler-antworten-i\/\">Besucher fragen \u2013 Wissenschaftler antworten<\/a>\u201c vom Tag der deutschen Einheit in Stuttgart dreht sich also alles um die Verschmutzung der Meere:<\/p>\n<p><strong>Wie verschmutzt sind die Meere wirklich?<\/strong><br \/>\n<em>\u201eIch w\u00fcrde sagen: Sie sind ziemlich verschmutzt. Man findet Plastikm\u00fcll mittlerweile in den entferntesten Winkeln der Weltmeere \u2013 auch in der Tiefsee. Es gibt damit eigentlich keinen Lebensraum mehr im Ozean, der noch v\u00f6llig frei von Plastik ist. Allerdings schwankt die St\u00e4rke der Verschmutzung sehr stark: Gerade in der N\u00e4he von Gro\u00dfst\u00e4dten findet man oft sehr viel M\u00fcll, w\u00e4hrend andere, zivilisationsferne Gebiete hingegen kaum verschmutzt sind.<\/em><br \/>\n<em>Es gibt eine ganze Reihe an Studien, die versuchen, Zahlen zu dieser Frage liefern. Dabei sind einige Angaben jedoch Sch\u00e4tzungen, da man nicht das gesamte M\u00fcllvolumen im Meer erfassen kann. Trotzdem ist das Bild alarmierend: Laut der National Oceanic and Atmospheric Administration befinden sich zurzeit etwa 100 Millionen Tonnen Plastikm\u00fcll an der Meeresoberfl\u00e4che oder in der Wassers\u00e4ule. Plastik, das leichter oder gleichschwer wie Wasser ist, kann sich jahrzehntelang dort aufhalten und umhertreiben. Dies sind aber nur etwa 15 Prozent des gesamten M\u00fcllvolumens, der Rest befindet sich an den K\u00fcsten oder in der Tiefsee. So findet man im nordatlantischen M\u00fcllstrudel (North Atlantic Garbage Patch) ungef\u00e4hr 20 000 Plastikteile pro Quadratkilometer Meeresoberfl\u00e4che, w\u00e4hrend man an den K\u00fcsten der EU mit 500 \u2013 1000 M\u00fcllteilen pro 100 m Strandabschnitt rechnen muss (Callum, 2012). Man geht \u00fcbrigens davon aus, dass bis zu zehn Prozent der globalen Plastikherstellung, das sind 26 Millionen Tonnen pro Jahr, am Ende im Meer landen (Quelle: Thompson, 2006). <\/em><br \/>\n<em>Wie verschmutzt die Meere also wirklich sind wei\u00df niemand ganz genau, aber es ist definitiv viel zu viel.\u201c<\/em><br \/>\nDr. Mark Lenz, Meeresbiologe am GEOMAR und GAME-Koordinator<\/p>\n<p><strong>\u00a0Welche Auswirkungen hat Plastikm\u00fcll auf den Ozean und die Meeresbewohner?<\/strong><br \/>\n<em>\u201eDabei muss man zwischen Makro- und Mikropastik unterscheiden.<\/em><br \/>\n<em>Die Folgen der Verschmutzung mit Makroplastik sind ganz gut bekannt: <\/em><br \/>\n<em>Tiere fressen den M\u00fcll, weil sie ihn f\u00fcr Nahrung halten und sterben dann an den Folgen. Dies ist meist ein Verschluss des Magens oder des Darms. Viele Tiere verhungern auch, weil der Magen sich mit Plastik f\u00fcllt und sie so keine richtige Nahrung mehr aufnehmen k\u00f6nnen. Das betrifft vor allem gr\u00f6\u00dfere R\u00e4uber wie Knochenfische, Haie, V\u00f6gel, Schildkr\u00f6ten und Wale. Fische sind davon auch betroffen, allerdings nicht so stark. <\/em><br \/>\n<em>Der M\u00fcll hat aber auch andere Auswirkungen: Treibender M\u00fcll, vor allem aufgegebene Fischernetze, sind t\u00f6dliche Fallen f\u00fcr viele Meerestiere, die sich darin verfangen, ersticken oder verhungern. Der treibende M\u00fcll hilft zudem Arten dabei, sich zu verbreiten und f\u00f6rdert damit Bioinvasionen. Invasive Arten sind solche, die mit oder ohne menschliche neue Gebiete besiedeln. So ver\u00e4ndern sich die marinen \u00d6kosysteme auch aufgrund der indirekten Effekte der Plastikverschmutzung. <\/em><br \/>\n<em>Zu den Effekten von Mikroplastikm\u00fcll wei\u00df man im Gegensatz zum Makroplastikm\u00fcll noch wenig. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, dass sich organische Schadstoffe auf Plastik anreichern und \u00fcber die Mikropartikel in die Nahrung vieler Tiere gelangen. Hier k\u00f6nnte ein m\u00f6glicher sch\u00e4dlicher Effekt der Mikroplastikverschmutzung liegen. Genau an solchen Fragestellungen arbeiten wir gerade.\u201c<\/em><br \/>\nDr. Mark Lenz, Meeresbiologe am GEOMAR und GAME-Koordinator<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Wer sich noch mehr f\u00fcr Plastikm\u00fcll im Meer interessiert, f\u00fcr den lohnt sich in jedem Fall ein Blick in den <a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/game\">GAME<\/a>-Blog. Dort berichten Dr. Mark Lenz und viele Teilnehmer des GAME-Projektes \u00fcber ihre Arbeit, Neuigkeiten aus der Forschung\u00a0und Erfahrungen aus aller Welt.<\/p>\n<p><strong>Wer k\u00f6nnte die Verm\u00fcllung der Meere stoppen?<\/strong><br \/>\n<em>\u201eDie internationale Rechtslage scheint klar: Das Seerechts\u00fcbereinkommen der Vereinten Nationen verpflichtet die Mitgliedstaaten dazu, Umweltverschmutzung vom Land aus zu verh\u00fcten und zu verringern. In vielen F\u00e4llen setzen regionale Kooperationen dies um: Die Ostsee, der Nordostatlantik und das Mittelmeer werden zum Beispiel durch spezifische Abkommen gesch\u00fctzt. Diese Umsetzung gelingt im europ\u00e4ischen Raum nicht immer zufriedenstellend. In vielen anderen Regionen fehlt es ebenfalls an effektiven Abkommen. Den Staaten wird dabei oft mangelnder Wille zum effektiven Umweltschutz vorgeworfen. <\/em><br \/>\n<em>Es gibt aber auch viele F\u00e4lle, vor allem in Entwicklungsl\u00e4ndern, in denen es ganz grundlegend an den M\u00f6glichkeiten fehlt, die vielf\u00e4ltigen Probleme \u00fcberhaupt zu bew\u00e4ltigen. Das betrifft in diesem Fall die Bereiche Abfallwirtschaft, Kanalisationssysteme, die Einleitung von Industrieabf\u00e4llen in Fl\u00fcsse und die Verschmutzung von Str\u00e4nden.<\/em><br \/>\n<em>Das einzige was hier in Zukunft hilft, sind verst\u00e4rkte und effektivere Kooperationen.\u201c<\/em><br \/>\nJohannes Fuchs, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Walther Sch\u00fccking Institut f\u00fcr Internationales Recht an der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_238\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/Hennestrand_DK_900px.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-238\" class=\"size-medium wp-image-238\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/Hennestrand_DK_900px-390x260.jpg\" alt=\"Ein typischer Fund am Henne Strand an der D\u00e4nischen K\u00fcste (Foto: Mark Lenz, GEOMAR)\" width=\"390\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/Hennestrand_DK_900px-390x260.jpg 390w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/11\/Hennestrand_DK_900px.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-238\" class=\"wp-caption-text\">Ein typischer Fund am Henne Strand an der D\u00e4nischen K\u00fcste (Foto: Mark Lenz, GEOMAR)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gibt es Sanktionen f\u00fcr \u201eVerschmutzer\u201c?<\/strong><br \/>\n<em>\u201eJa, auf jeden Fall. Auf s\u00e4mtlichen Ebenen, das hei\u00dft lokal, regional, national und international, gibt es Sanktionen f\u00fcr die Verm\u00fcllung. Dabei sind jedoch nicht alle Aspekte gekl\u00e4rt. Es gibt \u00fcberall L\u00fccken und undeutliche Stellen im Gesetz was dieses Thema angeht. Trotzdem gibt es aber einen deutlichen Zuwachs der Rechtssprechungen im internationalen Recht, was das Thema Verschmutzung der Meere angeht.\u201c<\/em><br \/>\nErik van Doorn, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Walther Sch\u00fccking Institut f\u00fcr Internationales Recht an der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erik van Doorn fasst das Thema &#8220;Verm\u00fcllung der Ozeane&#8221; noch einmal zusammen: \u201e<strong>In the end, it is of course only the polluter that can stop marine pollution<\/strong>\u201c \u2013 treffender h\u00e4tte man den Abschlusssatz wohl nicht formulieren k\u00f6nnen&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hoffe ihr habt durch die kleine Serie &#8220;<a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/10\/09\/tag-der-deutschen-einheit-stuttgart-besucher-fragen-wissenschaftler-antworten-i\/\">Besucher fragen &#8211; Wissenschaftler antworten<\/a>&#8221; genauso viel gelernt und mitnehmen k\u00f6nnen wie ich!<\/p>\n<p>Wer die ersten Teile verpasst hat: Hier gibt es noch einmal eine kleine \u00dcbersicht zum Nachlesen:<\/p>\n<p>Folge I:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/10\/09\/tag-der-deutschen-einheit-stuttgart-besucher-fragen-wissenschaftler-antworten-i\/\">Meeresbewohner &#8211; von Granatbarschen, seekranken Fischen und anderen Tieren<\/a><\/p>\n<p>Folge II:\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/10\/16\/tag-der-deutschen-einheit-stuttgart-besucher-fragen-wissenschaftler-antworten-ii\/\">Fische als Nahrungsmittel &#8211; welche Fischarten kann man ohne schlechtes Gewissen genie\u00dfen?<\/a><\/p>\n<p>Folge III:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/10\/23\/tag-der-deutschen-einheit-stuttgart-besucher-fragen-wissenschaftler-antworten-iii\/\"> Lebensmittelsicherheit bei Fischen &#8211; wer kontrolliert&#8217;s?<\/a><\/p>\n<p>Folge IV:\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/10\/29\/tag-der-deutschen-einheit-stuttgart-besucher-fragen-wissenschaftler-antworten-iv\/\">Alles rund um die sieben Weltmeere, Salzgehalt und Kissenlaven\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Folge V:\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2013\/11\/01\/tag-der-deutschen-einheit-stuttgart-besucher-fragen-wissenschaftler-antworten-v\/\">Von Tiefseetauchbooten und marinen Rohstoffen<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fc\u00dfe vom Kieler Ostufer,<br \/>\nGesa Seidel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Str\u00e4nde voller Plastik, tote Tiere und M\u00fcllhalden unter Wasser: Durch den Plastikm\u00fcll, der durch Menschen in die Ozeane hineingetragen wird und teilweise jahrzehntelang umherzirkuliert, k\u00f6nnen ganze M\u00fcllberge entstehen und \u00d6kosysteme zerst\u00f6rt werden. 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