{"id":2139,"date":"2015-06-02T12:04:52","date_gmt":"2015-06-02T10:04:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/?p=2139"},"modified":"2015-06-02T13:36:41","modified_gmt":"2015-06-02T11:36:41","slug":"navigators-zwischenbericht-nein-ich-bin-kein-delfin-experte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2015\/06\/02\/navigators-zwischenbericht-nein-ich-bin-kein-delfin-experte\/","title":{"rendered":"Navigators Zwischenbericht: Nein, ich bin kein Delfin-Experte!"},"content":{"rendered":"<p>Aufmerksame Leser haben vielleicht (hoffentlich&#8230;) bemerkt, dass am vergangenen Freitag der Wochenbericht des OceanNavigator-Blogs ausgefallen ist. Das hatte einen einfachen Grund: Es h\u00e4tte zu viel zu berichten gegeben. Oder anders ausgedr\u00fcckt: Wir waren voll im Stress. In so einer Situation w\u00e4re der Wochenbericht nat\u00fcrlich besonders spannend. Aber dann ist es leider auch so, dass die Zeit knapp ist. Im Moment ist sie mal wieder besonders knapp.<\/p>\n<p>Es gab in der vergangenen Woche aber auch ein etwas skuriles Thema, \u00fcber das ich gern berichten m\u00f6chte: Wie wird man in zwei Tagen zum gefragten Experten f\u00fcr Meeress\u00e4uger (Stichwort: Delfine)?<\/p>\n<p>Alles begann am vergangenen Dienstag. Unter den gef\u00fchlten 300 Mails, die nach dem langen Pfingstwochenende in unserem Presseaccount auf Abarbeitung warteten, war auch eine von einer Kielerin, die das lange Wochenende offenbar auf einem Boot auf der Ostsee verbracht hatte. Im Anhang befanden sich ein Foto und ein kurzes (Handy-?) Video von zwei&#8230;sagen wir, kleinen Meeress\u00e4ugern. In der Mail schrieb die Absenderin, dass sie die Tiere vor Fehmarn gesehen habe und sie fragte, ob es sich um Delfine handeln k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Schon an dieser Stelle muss ich zugeben, dass Anfragen zu Meeress\u00e4ugern bei uns nicht gerade Freude ausl\u00f6sen. Nat\u00fcrlich sind die Tiere spannend und faszinierend. Aber nicht jeder Ozeanforscher kennt sich automatisch mit Walen aus. Am GEOMAR (und seinen Vorg\u00e4ngerinstituten) gibt es seit Jahren keine wissenschaftliche Arbeitsgruppe mehr, die sich mit Walen, Delfinen oder anderen Meeress\u00e4ugern besch\u00e4ftigt. Die wissenschaftlich spannenden Themen, in denen aktuell neue Erkenntnisse zum Verst\u00e4ndnis des Systems Erde erwartet werden, liegen nun einmal woanders. Trotzdem: Wir versuchen so weit wie m\u00f6glich zu helfen und ein klein wenig kennen sich einige Kolleginnen und Kollegen des Forschunsgbereichs &#8220;<a href=\"http:\/\/www.geomar.de\/forschen\/fb3\/ueberblick\/\">Marine \u00d6kologie<\/a>&#8221; auch in der Ostsee aus. Sie best\u00e4tigten, dass der Schweinswal die einzige Delfin-\u00e4hnliche Tierart ist, die dort dauerthaft zuhause ist. Da die Fotos keine anderen Schl\u00fcsse nahelegten, leiteten wir diese Information an die Absenderin der Mail weiter.<\/p>\n<p>Fertig? Oder doch nicht ganz. Am Nachmittag desselben Tages rief eine Kollegin des NDR bei mir an. Sie hatte ebenfalls Bilder und Videos von Seglern zugespielt bekommen. Dieses Bildmaterial hatte eine bessere Qualit\u00e4t. Es zeigte eindeutig die langgestreckten Schnauzen der Tiere. Da reichte ein Blick in die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gew%C3%B6hnlicher_Schweinswal\" target=\"_blank\">Wikipedia <\/a>um zu sehen &#8211; es waren keine Schweinswale!<\/p>\n<p>Nun bin ich ja kein Biologe und wollte mich deshalb wiederum bei einer Kollegin aus der &#8220;Marinen \u00d6kologie&#8221; r\u00fcckversichern. Die best\u00e4tigte, dass es sich um Delfine handelt und tippte auf Gro\u00dfe T\u00fcmmler. &#8220;Ich bin aber auch keine Expertin&#8221;, sagte sie. Gemeinsam versuchten wir eine zweite Art auszuschlie\u00dfen, konnten aber keine Sicherheit erlangen. Wie gesagt: Forscherinnen oder Forscher, die sich explizit mit Meeres\u00e4ugern besch\u00e4ftigen, gibt es am GEOMAR nicht.<\/p>\n<p>Mit diesen Informationen (Plural!) meldete ich mich beim NDR zur\u00fcck: 1) Ja, es sind Delfine 2) Wir haben keine echten Experten zur Verf\u00fcgung. Wahrscheinlich handelt es sich um Gro\u00dfe T\u00fcmmler, den Gemeinen Delfin w\u00fcrden wir aber nicht ganz ausschlie\u00dfen 3) Da es sich hier um Vermutungen von Nicht-Experten handelte, schlug ich vor, echte Experten zu fragen und nannte einige Namen bzw. Adressen.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich h\u00e4tte ich es bei 3) belassen sollen. Denn am <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/schleswig-holstein\/Weitere-Delfin-Videos-aufgetaucht-,tuemmler114.html\" target=\"_blank\">Abend erschien auf der NDR Webseite<\/a> ein Artikel , in dem ich zum Thema Delfine in der Ostsee zitiert wurde, und zwar im Sinne von 1) und 2).<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise wurde in dem Artikel auch <a href=\"http:\/\/www.fh3.de\">Prof. Dr. Boris Culik<\/a> zitiert, ein ehemaliger Kollege des Instituts f\u00fcr Meereskunde (IfM) und echter Experte f\u00fcr Meeress\u00e4uger. So gesehen war ja fundiertes Fachwissen vertreten.<\/p>\n<p>Trotzdem riefen am Mittwoch etliche andere Redaktionen wieder bei uns am GEOMAR &#8211; letztendlich bei mir &#8211; an. Ich habe allen erkl\u00e4rt, dass am gesamten GEOMAR niemand \u00fcber Wale oder Delfine forscht. Dabei habe ich aber wohl einen entscheidenden Fehler gemacht: Ich habe best\u00e4tigt, dass es sich bei den Tieren &#8220;wahrscheinlich um Gro\u00dfe T\u00fcmmler&#8221; handelt. Das hatte Prof. Culik beim NDR ja auch gesagt. Aber ich habe alle Anrufer gebeten, sich diese Information zum Beispiel bei ihm oder den Kollegen vom <a href=\"http:\/\/www.ozeaneum.de\">Ozeaneaum<\/a> in Stralsund best\u00e4tigen zu lassen.<\/p>\n<p>Vielleicht war ich dabei nicht deutlich genug. Denn \u00fcber den Ticker einer gro\u00dfen Deutschen Presseagentur lief noch am Mittwoch eine Meldung, in der wieder das GEOMAR als Referenz f\u00fcr die Bestimmung der Delfine angegeben wurde. Dass diese Meldung oft aufgegriffen wurde, kann man sich ja vorstellen (zum Beispiel <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/wissen\/natur\/tiere-und-pflanzen\/tiere-zwei-delfine-auf-stippvisite-in-der-ostsee_id_4710136.html\" target=\"_blank\">hier<\/a>). Ja, und jetzt bin ich Delfin-Experte und \u00fcberlege, ob ich in Talkshows aufreten sollte&#8230;<\/p>\n<p>Falls Journalistinnen bzw. Journalisten diesen Post lesen sollten: Bitte nicht missverstehen. Das soll keine Medienschelte sein! Ich habe fr\u00fcher selbst bei einer Tageszeitung gearbeitet und kenne die Situation sehr gut. Wenn die Zeit dr\u00e4ngt und die echten Experten nicht erreichbar sind, dann reicht der Sprecher einer gro\u00dfen Meeresforschungseinrichtung. Ganz klar. Falsch waren unsere Ausk\u00fcnfte nicht. Und ehrlich: Es gibt deutlich schlimmere Dinge als mit Delfinen in Verbindung gebracht zu werden. Ich h\u00e4tte sie auch gern live auf der Ostsee gesehen.<\/p>\n<p>Warum w\u00e4re es mir trotzdem lieber gewesen, wir w\u00e4ren in diesem Zusammenhang nicht in Erscheinung getreten? Weil ich die echten Fachleute verstehen kann. Sie besch\u00e4ftigen sich jahrein, jahraus mit einem Thema, widmen diesem Thema teilweise ihr Leben, dann kommt dieses Thema pl\u00f6tzlich in die Medien, und dort werden Menschen zitiert, die eigentlich keine gro\u00dfe Ahnung haben. Als \u00d6ffentlichkeitsarbeiter kennen wir ja auch den umgekehrten Fall. Da hat man eine echte Koryph\u00e4e f\u00fcr ein Thema am eigenen Zentrum sitzen, der aber einen Tag lang nicht erreichbar ist, wenn sein Thema gerade aktuell wird. Dann werden andere Wissenschaftler befragt, die das Thema nur am Rande kennen, aber ab sofort als Experten gelten. Das ist schon \u00e4rgerlich.<\/p>\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen ist die Delfin-Geschichte also ein weiteres, zum Gl\u00fcck harmloses Lehrst\u00fcck, wie Kommunikation funktioniert und dass am Ende nicht unbedingt das heraus kommt, was man am Anfang hinein zu geben glaubt.<\/p>\n<p>Wie auch immer, f\u00fcr Talkshows bewerbe ich mich nat\u00fcrlich nicht \ud83d\ude42 Daf\u00fcr h\u00e4tte ich derzeit auch gar keine Zeit. Wie anfangs schon erw\u00e4hnt haben wir im Moment ganz andere Dinge zu tun. Der &#8220;Ozean der Zukunft&#8221; zeigte in der vergangenen Woche seine Ausstellung &#8220;<a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/futureoceandialogue\/\" target=\"_blank\">Future Ocean Dialogue<\/a>&#8221; zum <a href=\"http:\/\/www.cau350.uni-kiel.de\/\" target=\"_blank\">350. Jubil\u00e4um der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel<\/a>\u00a0 im AudiMax der CAU. Einen Vormittag habe ich bei der Betreuung geholfen. Die Ausstellung wird auch wieder zur <a href=\"http:\/\/www.kieler-woche.de\" target=\"_blank\">Kieler Woche <\/a>Ende Juni zu sehen sein. Die bereichern wir au\u00dferdem mit Vortr\u00e4gen und Open Ship auf FS ALKOR. Das muss alles vorbeitet werden. Details geben wir in den kommenden Wochen hier nat\u00fcrlich bekannt. Meine Kollegin Maike war in der vergangenen Woche noch beim aktuellen <a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/kosmos2015\" target=\"_blank\">Mesokosmen-Experiment<\/a> in Bergen (Norwegen). Gleichzeitig r\u00fcckt die Deadline f\u00fcr den n\u00e4chsten GEOMAR-Newsletter bedrohlich n\u00e4her. Und last but not least gibt es auch<a href=\"http:\/\/www.geomar.de\/n2431\" target=\"_blank\"> aktuelle Meldungen<\/a> zu Themen, an denen wir wirklich forschen, die wir schreiben und verschicken m\u00fcssen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2147\" style=\"width: 494px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2015\/06\/02\/navigators-zwischenbericht-nein-ich-bin-kein-delfin-experte\/exhibition-future-ocean-dialogue-at-kiel-university\/#main\" rel=\"attachment wp-att-2147\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2147\" class=\"size-medium wp-image-2147\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/06\/2015-05-28_003_FutureOceanDialogue-Audimax_JSteffen-GEOMAR_mediumLogo-484x322.jpg\" alt=\"Plastikm\u00fcll im Meer ist eines der Themen der Ausstellung &quot;Future Ocean Dialogue&quot;. Foto: J. steffen, GEOMAR\" width=\"484\" height=\"322\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/06\/2015-05-28_003_FutureOceanDialogue-Audimax_JSteffen-GEOMAR_mediumLogo-484x322.jpg 484w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/06\/2015-05-28_003_FutureOceanDialogue-Audimax_JSteffen-GEOMAR_mediumLogo.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 484px) 100vw, 484px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2147\" class=\"wp-caption-text\">Plastikm\u00fcll im Meer ist eines der Themen der Ausstellung &#8220;Future Ocean Dialogue&#8221;. Foto: J. Steffen, GEOMAR<\/p><\/div>\n<p>Trotzdem geloben wir Besserung. Der n\u00e4chste regul\u00e4re Wochenbericht kommt bestimmt.<\/p>\n<p><em>Wir freuen uns, wenn viele sich schon einmal den Termin Kieler Woche und das Zelt der kieler uni live vormerken. Denn, es ist seit Jahren wieder das erste Mal, dass die Kieler Meereswissenschaften eine eigene Ausstellung w\u00e4hrend der Kieler Woche vom 20. bis 28. Juni auf der Kiellinie pr\u00e4sentieren und damit die Kieler \u00d6ffentlichkeit und die G\u00e4ste der Stadt mit aktuellen Inhalten aus dem spannenden Feld der Ozeane begeistern wollen. Mehr dazu auf den Seiten des Exzellenzclusters &#8220;The Future Ocean&#8221; unter <a href=\"http:\/\/www.futureocean.org\">www.futureocean.org<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.futureocean.org\/dialogue\/de\">www.futureocean.org\/dialogue\/de<\/a><\/em><\/p>\n<p>In diesem Sinne bis bald,<\/p>\n<p>Jan Steffen, <em>Friederike Balzereit und Mette L\u00fcning<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufmerksame Leser haben vielleicht (hoffentlich&#8230;) bemerkt, dass am vergangenen Freitag der Wochenbericht des OceanNavigator-Blogs ausgefallen ist. 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