{"id":1212,"date":"2014-09-05T16:36:06","date_gmt":"2014-09-05T14:36:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/?p=1212"},"modified":"2014-09-05T16:44:23","modified_gmt":"2014-09-05T14:44:23","slug":"versenktes-gift-podiumsdiskussion-zum-thema-chemiewaffen-in-der-ostsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/oceannavigator\/2014\/09\/05\/versenktes-gift-podiumsdiskussion-zum-thema-chemiewaffen-in-der-ostsee\/","title":{"rendered":"Versenktes Gift \u2013  Podiumsdiskussion zum Thema Chemiewaffen in der Ostsee"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie sicher sind wir als Ostseeanwohner eigentlich vor der Bedrohung durch die nach dem zweiten Weltkrieg im Meer versenkten chemischen Waffen? Am Mittwochabend suchten geladene Experten in Eckernf\u00f6rde nach Antworten.<\/strong><\/p>\n<p>Eckernf\u00f6rde &#8211; Mittwochabend hat im Rahmen des <a href=\"http:\/\/www.greenscreen-festival.de\/\" target=\"_blank\">\u201eGreen Screen\u201c- Naturfilmfestivals<\/a> in Eckernf\u00f6rde unter dem Titel &#8220;Eckernf\u00f6rder Gespr\u00e4che&#8221; eine Podiumsdiskussion zu dem Thema Chemiewaffen im Meer stattgefunden. Zwischen und nach Sequenzen des Films<a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/guide\/de\/048909-000\/versenktes-gift\" target=\"_blank\"> \u201eVersenktes Gift \u2013 Wie Chemiewaffen das Meer verseuchen\u201c<\/a> erl\u00e4uterten Experten aus Wissenschaft und Politik was f\u00fcr Gefahren uns als Menschen, die in oder an der Ostsee leben oder arbeiten und auch der Flora und Fauna, drohen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Ralph Hohenschurz-Schmidt.<\/p>\n<p>Ein Filmausschnitt lieferte zun\u00e4chst die wichtigste Basisinformation: Nach dem zweiten Weltkrieg sind enorme Mengen Chemiewaffen von den Alliierten auf Schiffe geladen und dann in verschiedenen Meeresgebieten weltweit versenkt worden. Besonders im Kattegat und Skagerrak lagern enorme Mengen an chemischer Munition, best\u00fcckt insbesondere mit dem Kampfmittel Senfgas. Dieser Stoff kann bei Menschen schwerste Hautsch\u00e4den hervorrufen und schlie\u00dflich zum Tod f\u00fchren. \u201eViele der Chemiewaffen sollten urspr\u00fcnglich im Nordatlantik, weiter entfernt von der besiedelten K\u00fcste verklappt werden. Da der Weg in die Ostsee gerade f\u00fcr die sowjetische Regierung jedoch wesentlich k\u00fcrzer war, sind viele der Kampfstoffe dort gelandet\u201c, erl\u00e4uterte anschlie\u00dfend Andrzej Jagusiewicz, Chiefinspector f\u00fcr Umweltschutz in Polen.<\/p>\n<p>Dass wir heute von der Existenz dieser unterseeischen Chemiewaffenhalden wissen, ist, laut dem polnischen Chiefinspector, mehr zuf\u00e4llig entstanden. \u201eEigentlich gab es ein Geheimhaltungsabkommen zwischen den Alliierten, das bis zum Jahre 2017 nicht \u00fcber die Versenkungen gesprochen werden sollte. Da jedoch die <a href=\"http:\/\/www.nord-stream.com\/de\/\" target=\"_blank\">Nord Stream-Pipeline<\/a> quer durch die Ostsee gebaut werden sollte, wurde das Schweigen gebrochen\u201c, erkl\u00e4rt Jagusiewicz auch den nicht ganz geraden Verlauf der Pipeline. \u201eDie Stellen, an denen die Chemiewaffen versenkt wurden, mussten nat\u00fcrlich umgangen werden.\u201c<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich, warnten Jagusiewicz und Claus B\u00f6ttcher, Referent f\u00fcr Munition im Meer im Umweltministerium in Kiel, um \u201etickende Zeitbomben\u201c. Mit der Zeit korrodierten immer mehr der \u00e4u\u00dferen H\u00fcllen und die Kampfmittel tr\u00e4ten aus. Akute Gefahr drohe, so Claus B\u00f6ttcher, nicht nur Fischern, die versehentlich Klumpen von Senfgas oder anderer Kampfstoffe in ihren Netzen haben, sondern auch Spazierg\u00e4ngern und Touristen an den belebten Str\u00e4nden: \u201eDer letzte gro\u00dfe Unfall, der bekannt wurde, hatte einen eigentlich erfahrenen Fossiliensammler zum Opfer. Er steckte einen gro\u00dfen Klumpen vermeintlichen Bernsteins in seine Hosentasche, ohne zu merken, dass es sich um Phosphor handelte\u201c. Tourismusmanagern riet er deshalb zur Ehrlichkeit und Aufkl\u00e4rung und rief dazu auf, jetzt zu handeln, bevor die Waffen nicht mehr aufgesp\u00fcrt werden k\u00f6nnten. \u201eWenn die Metallh\u00fclle erst weggerostet ist, finden wir die chemischen Stoffe nicht wieder\u201c, sagt B\u00f6ttcher.<\/p>\n<p>Aber nicht nur f\u00fcr Menschen drohen Gefahren. So machte Dr. Matthias Brenner, fr\u00fcherer Mitarbeiter des <a href=\"http:\/\/www.awi.de\/de\/\" target=\"_blank\">Alfred-Wegener-Instituts<\/a> in Bremerhaven, seit kurzem angestellt an der <a href=\"http:\/\/www.uni-rostock.de\/\" target=\"_blank\">Universit\u00e4t Rostock<\/a>, darauf aufmerksam, dass auch Auswirkungen auf tierische Ostseebewohner m\u00f6glich sind. \u201eWir haben im Rahmen unserer CHEMSEA-Studie herausgefunden, dass Dorsche, die im Bornholmbecken in unmittelbarer N\u00e4he der Chemiewaffenlagerst\u00e4tten leben und Eier ablegen, einen signifikant schlechteren Gesundheitszustand haben, als Dorsche aus anderen Gebieten. Dies direkt mit den chemischen Stoffen dort in direkten Zusammenhang zu bringen, ist nat\u00fcrlich schwierig, aber die Korrelation ist schon sehr auff\u00e4llig\u201c, so der Meeresbiologe. \u201eWir stehen allerdings erst am Anfang unserer Forschung. Dies war bisher die erste Studie dieser Art und beschr\u00e4nkte sich nur auf chemische Waffen. Aber auch konventionelle Sprengk\u00f6rper k\u00f6nnten Auswirkungen auf Meeresorganismen haben\u201c.<\/p>\n<p>Bei der Diskussion um die Entsch\u00e4rfung der Bomben wurde auch der Einsatz von unterseeischen Robotern diskutiert, um die Gesundheit von Menschen nicht unn\u00f6tig zu gef\u00e4hrden. Erw\u00e4hnt wurden hierbei die Entwicklungen von Dr. Warner Br\u00fcckmann, der am <a href=\"http:\/\/www.geomar.de\/\" target=\"_blank\">GEOMAR<\/a> eben diese testet. Der Einsatz der Roboter wurden als zwar derzeit noch kostenintensiv, aber zukunftstr\u00e4chtig gelobt.<\/p>\n<p>Einig waren sich alle Experten darin, dass eine internationale Zusammenarbeit in diesem heiklen und dr\u00e4ngenden Thema unbedingt notwendig sei. \u201eDie M\u00fchlen der Politik mahlen allerdings langsam, also haben sie Geduld\u201c, sagte Claus B\u00f6ttcher l\u00e4chelnd.<\/p>\n<p>Wer die Podiumsdiskussion verpasst hat, sich aber dennoch f\u00fcr das Thema interessiert, hat noch eine Chance den Film in voller L\u00e4nge zu sehen: <a href=\"http:\/\/www.greenscreen-festival.de\/index.php?id=194&amp;L=1%20AND%201%253D1--\" target=\"_blank\">Am morgigen Samstag um 11:30 Uhr <\/a>wird der Film im Rahmen des Festivals in Eckernf\u00f6rde gezeigt.<\/p>\n<p>Wer mehr \u00fcber den Zustand der Munitionsbelastung der deutschen Meeresgew\u00e4sser wissen m\u00f6chte, wird <a href=\"http:\/\/www.schleswig-holstein.de\/UXO\/DE\/Service\/PDF\/Anhang\/ac_blano_fortschritt2013__blob=publicationFile.pdf\" target=\"_blank\">hier<\/a> f\u00fcndig.<\/p>\n<p>Yasmin Appelhans<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sicher sind wir als Ostseeanwohner eigentlich vor der Bedrohung durch die nach dem zweiten Weltkrieg im Meer versenkten chemischen Waffen? Am Mittwochabend suchten geladene Experten in Eckernf\u00f6rde nach Antworten. 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