{"id":74,"date":"2016-09-17T09:54:46","date_gmt":"2016-09-17T08:54:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/msm58\/?p=74"},"modified":"2016-09-23T09:59:49","modified_gmt":"2016-09-23T08:59:49","slug":"maschinenraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/msm58\/2016\/09\/17\/maschinenraum\/","title":{"rendered":"Maschinenraum"},"content":{"rendered":"<p>Die Maschinenr\u00e4ume sind normalerweise ein verbotener Bereich f\u00fcr die Wissenschaftler, aber am letzten Transittag nahm uns der Leitende Ingenieur Thomas Ogrodnik mit auf eine eineinhalbst\u00fcndige F\u00fchrung durch sein Reich.<\/p>\n<p>Seit Februar 2006 ist die Maria S. Merian als mittelgro\u00dfes Forschungsschiff im Einsatz. Sie ist eisrandf\u00e4hig, kann also durch Gebiete mit bis zu 30-40 cm Eisdecke fahren, wie es zum Beispiel um Spitzbergen oder Gr\u00f6nland vorkommen kann. Die W\u00e4nde sind mit 30 cm Mineralwolle isoliert, damit es im Schiff auch bei Au\u00dfentemperaturen um -30\u00b0C nicht kalt wird (deshalb ist \u00fcbrigens auch eine Sauna eingebaut). Angetrieben wird die Merian von vier Elektrogeneratoren (je zwei mit sechs und acht Zylindern), die sich in zwei voneinander komplett abtrennbaren Maschinenr\u00e4umen befinden. Mit diesen werden zwei, mit je zwei Schrauben und einem Elektromotor ausgestatteten, sogenannte Pods mit Strom versorgen, welche um 360\u00b0 drehbar sind, wodurch sich das Schiff in jede gew\u00fcnschte Richtung fahren l\u00e4sst. Stabilit\u00e4t, die vor allem auf Stationen wichtig ist, bekommt die Merian zum einen durch zwei seitlich angebrachte, ausfahrbare Flossen mit f\u00fcnf Metern L\u00e4nge. Da diese jedoch nur bei einer Fahrt durchs Wasser von 4 kn effektiv funktionieren, ist das Schiff zus\u00e4tzlich mit einem ausgekl\u00fcgelten System aus Tanks und Leitungen quer durchs Schiff ausgestattet, in welchen sich Wasser befindet. Neigt sich das Schiff zu einer Seite, wird das Wasser auf der anderen eingeschlossen und bildet so ein Gegengewicht, bis die Ventile im richtigen Moment ge\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>Durch den im Vorschiff angebrachten Pump Jet (Wasserstrahlantrieb) kann die Merian, in Verbindung mit ihren Pods, bis auf einen halben Meter genau auf der Stelle gehalten werden, was besonders bei Kernstationen wichtig ist, wenn man einen bestimmten Punkt auf dem Meeresboden treffen muss. Das Schwerelot wird an einem Draht zu Wasser gelassen, der auf einer Winde im Windenraum befindet. Dort gibt es einige, bunt angestrichene, Winden mit unterschiedlichen Kabelst\u00e4rken und bis zu 6000 m L\u00e4nge.<br \/>\nDie Maria S. Merian f\u00e4hrt mit dem Blauen Engel, ist also ein umweltfreundliches Schiff. Getankt wird zum Beispiel Gas\u00f6l, das dem Diesel an der Tankstelle entspricht und relativ wenig Schwefel enth\u00e4lt. Davon allerdings wird eine Menge ben\u00f6tigt, wenn gefahren wird 20-22 Kubikmeter am Tag, auf Station etwa acht. Bei einer Reise werden durchschnittlich 350 Kubikmeter Treibstoff verbraucht\u2026<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt des Blauen Engels ist das strikte Einhalten der Regel, dass \u00fcberhaupt nichts \u00fcber Bord gehen darf. Nat\u00fcrlich f\u00e4llt auf so einem Schiff M\u00fcll an, welcher sehr penibel getrennt im Hafen abgegeben wird, damit alles recycelt werden kann. F\u00fcr die Pappe gibt es beispielsweise zwei Schreddermaschinen, welche vor allem die Kartons aus der Lebensmittellagerung in handliche Pellets gepresst ausspucken. Dann gibt es nat\u00fcrlich auch eine nicht unbedeutende Menge Abwasser, welches an Bord in Grauwasser (Dusche, Waschbecken\u2026) und Schwarzwasser (\u2026) unterteilt wird. Diese werden in eine biologische Kl\u00e4ranlage geleitet, wo lebendige Schlammbakterien in Kombination mit Luft sie in eine \u00fcberschaubare Menge an Kl\u00e4rschlamm und Brauchwasser umwandeln. Letzteres wird noch dazu genutzt um von den Dr\u00e4hten, bevor sie auf ihre Winden aufgespult werden, w\u00e4hrend ihrer Eins\u00e4tze das Salzwasser abzusp\u00fclen. Frischwasser wird durch eine Entsalzungsanlange (Umkehr-Osmose) an Bord aus dem Meerwasser produziert.<br \/>\nAu\u00dferdem gibt es an Bord noch einen Traforaum, einen Schwei\u00dfraum, eine Tischlerei, Bel\u00fcftungsanlagen, und vieles mehr. Insgesamt ist so ein Forschungsschiff wie ein kleines schwimmendes Dorf.<\/p>\n<p>Vielen Dank Thomas f\u00fcr die sehr ausf\u00fchrlichen (und gleichzeitig verst\u00e4ndlichen) Erkl\u00e4rungen!<br \/>\nMehr \u00fcber die Maria S. Merian, technische Details und ein virtueller Rundgang:<br \/>\nwww.maria-s-merian.de<\/p>\n<p>Inken Schulze, Studentin Geophysik, CAU Kiel<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_76\" style=\"width: 495px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-76\" class=\"size-medium wp-image-76\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/msm58\/wp-content\/uploads\/sites\/47\/2016\/09\/Tag06a_Thore-Kausch-485x323.jpg\" alt=\"Im Maschinenraum. 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