{"id":328,"date":"2024-03-20T15:58:41","date_gmt":"2024-03-20T14:58:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/msm126\/?p=328"},"modified":"2024-03-20T15:58:41","modified_gmt":"2024-03-20T14:58:41","slug":"auge-um-auge-zahl-um-zahl-das-verborgene-wirken-der-datenmanagerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/msm126\/2024\/03\/20\/auge-um-auge-zahl-um-zahl-das-verborgene-wirken-der-datenmanagerin\/","title":{"rendered":"Auge um Auge, Zahl um Zahl \u2013 das verborgene Wirken der Datenmanagerin"},"content":{"rendered":"\n<p>Die bisherigen Blogeintr\u00e4ge haben die atemberaubende und wundersch\u00f6ne Arbeit der JellyWeb-Expedition gezeigt: Wir haben \u00fcber farbenfrohe Kreaturen, hochmoderne Technologien und mutige Physiker allein unter Biolog:innen berichtet. Ja, unsere Projekte auf der Expedition MSM126 sind sehr vielf\u00e4ltig, und neben ihrer aufregenden Natur haben sie noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie alle produzieren tonnenweise Daten. Daten, die verwaltet und gepflegt werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will ehrlich sein: In einem Blog \u00fcber eine Tiefsee-Biologie-Expedition w\u00fcrde ich den Beitrag zum Datenmanagement wahrscheinlich \u00fcberspringen. Und ich denke, das ist einer der Gr\u00fcnde, warum es Jobs wie den meinen gibt \u2013 Wissenschaftler:innen lieben es, Daten zu generieren, aber ihre eigenen Daten zu verwalten? Das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn eine wissenschaftliche Ausfahrt ein Piratenabenteuer w\u00e4re, w\u00e4ren die von uns gesammelten Daten der Schatz. Und alle hier an Bord arbeiten hart daran, die Schatzsuche erfolgreich zu gestalten. So bunt wie eine Schatztruhe voller Diamanten, Gold, M\u00fcnzen und edlen Gew\u00fcrzen, so vielf\u00e4ltig sind auch die von uns gesammelten Daten. Zum Beispiel sammeln Nahrungsnetz-\u00d6kolog:innen wie Jamileh, Sonia und Florian (siehe Blogeintrag vom 21.02.2024) tausende individueller Organismen mit verschiedenen Netztypen aus unterschiedlichen Tiefen und Gebieten. Jeder einzelne Organismus durchl\u00e4uft eine spezifische Prozedur, wird mehrmals fotografiert, m\u00f6glicherweise in mehreren Experimenten verwendet und schlie\u00dflich in noch mehr Unterproben f\u00fcr Museumssammlungen, Nahrungsnetze, genetische und andere Analysen aufgeteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht also nicht nur um einen Datensatz, sondern um eine Vielzahl von physischen Messungen, organischen Proben und Metadaten. Und wie es die gute wissenschaftliche Praxis verlangt, m\u00fcssen diese Informationen im Auge behalten und gepflegt werden, um Verwirrung, falsche Datenerfassung oder im schlimmsten Fall Datenverlust zu vermeiden. Um eine Struktur in das bedrohliche Chaos zu bringen, verwenden Wissenschaftler:innen in der Regel standardisierte Protokolle, die alle notwendigen Informationen vor Ort abfragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine v\u00f6llig andere Art von Daten sind Bilddaten. Eine wahre Besonderheit von MSM126 war die Vielfalt der optischen Ger\u00e4teoperationen. Mit kamera- und sensorbest\u00fcckten Ger\u00e4ten wie dem Meeresboden-Beobachtungssystem XOFOS, dem pelagischen Beobachtungssystem PELAGIOS und dem ROV PHOCA hatten wir drei Plattformen, die Untersuchungen des Meeresbodens und des Freiwassers durchf\u00fchrten \u2013 und dabei Terabytes an Bilddaten generierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Genauso wie physische Proben, wie gefangene Tiere oder gefiltertes Wasser m\u00fcssen auch ihre digitalen \u00c4quivalente ordnungsgem\u00e4\u00df betreut werden und bestimmte Standards erf\u00fcllen, um in verschiedenen Forschungsprojekten verwendet werden zu k\u00f6nnen. Um nur einen zu nennen (der f\u00fcr alle Arten von Daten gilt), m\u00fcssen die so genannten FAIR-Prinzipien eingehalten werden. FAIR bedeutet, dass die Daten auffindbar, zug\u00e4nglich, interoperabel und wiederverwendbar sein sollen. Au\u00dferdem m\u00fcssen alle digitalisierten Daten kopiert werden, um sicherzustellen, dass wir mehrere Backups haben. Man k\u00f6nnte also sagen, dass die eigentliche Arbeit erst beginnt, nachdem eine Probe vom Meeresboden an Bord gebracht wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1366\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/msm126\/wp-content\/uploads\/sites\/100\/2024\/03\/MSM-126-Schiff-96-Photo-Huber.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-324\"\/><figcaption>Kommunikation ist das A und O. F\u00fcr die Verwaltung der Bilddaten, die von unseren optischen Ger\u00e4ten wie XOFOS aufgenommen werden, gehen wir gemeinsam die Protokolle durch und planen, wie wir mit den gesammelten Videos und Bildern weiter verfahren. Foto: Florian Huber<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine echte Herausforderung w\u00e4hrend einer Forschungsfahrt ist nicht nur die Menge an stressiger Arbeit, sondern auch das Auftreten unvorhergesehener Situationen. Die sch\u00f6nsten Protokolle und durchdachtesten Arbeitsabl\u00e4ufe k\u00f6nnen der rauen Arbeitsrealit\u00e4t auf See zum Opfer fallen. Dann ist es von gro\u00dfem Vorteil, jemanden an Bord zu haben, der den \u00dcberblick \u00fcber die geborgenen Sch\u00e4tze beh\u00e4lt. Bei MSM126 hatte ich diese gro\u00dfe Ehre. Es war das erste Mal in meinem jungen wissenschaftlichen Leben, dass ich diese Position innehatte, und ich denke, dass ich bis zum Ende der Reise genauso viel \u00fcber Datenmanagement gelernt habe wie \u00fcber den Umgang mit schwierigen menschlichen Interaktionen. Denn Datenmanager:innen m\u00fcssen l\u00e4stig sein. Als junge Datenmanagerin, die gerade ihr Masterstudium abgeschlossen hatte und st\u00e4ndig ihre \u00e4lteren Kolleg:innen dazu bringen musste, das zu tun, was sie von ihnen wollte, brauchte ich ein gewisses Ma\u00df an Belastbarkeit und Kreativit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, es war ganz praktisch, dass ich eine Art dunkle Vergangenheit habe, denn eigentlich bin ich ausgebildete Meeresbiologin! Das kann durchaus hilfreich sein: Erstens habe ich Hintergrundwissen \u00fcber eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Aktivit\u00e4ten hier an Bord und kann daher \u00fcberschauen, was wir beim Umgang mit den Daten beachten m\u00fcssen. Au\u00dferdem ist es sehr hilfreich, wenn man Artennamen in handgeschriebenen Protokollen entziffern muss (sorry, das musste ich einfach erw\u00e4hnen). Zweitens bekommt man einen Eindruck davon, wie schwierig es ist, f\u00fcr die eigene Station, den Einsatz des Fangger\u00e4tes und die anschlie\u00dfende Verteilung der Proben verantwortlich zu sein und nat\u00fcrlich, dass alles dem eigentlichen wissenschaftlichen Ziel dienen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl eigentlich alle Beteiligten ihre Daten sicher und unversehrt wissen wollen, dachte ich mir, dass ein bisschen Werbung f\u00fcr unsere Datenerfassungsstation nicht schaden k\u00f6nnte. Zum Beispiel mit dem Slogan \u201eDateneingabe ist so cool und hat mich von meinen R\u00fcckenschmerzen geheilt\u201c oder indem wir einen Monitor mit einem ROV-Livestream neben dem Datenlaptop aufstellen, um die Eingabe von hunderten Zeilen Metadaten in eine riesige Excel-Datei zu erleichtern\u2026<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1334\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/msm126\/wp-content\/uploads\/sites\/100\/2024\/03\/msm126_dataentry_blog-Photo-Schindler.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-323\"\/><figcaption>Erfahrung, die begeistert! Diese beiden Forschenden haben die Dateneingabe sehr genossen und k\u00f6nnen sie uneingeschr\u00e4nkt weiterempfehlen. Foto: S. Schindler<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich denke, wir alle haben die Bergung der riesigen Menge an Sch\u00e4tzen, die wir w\u00e4hrend der MSM126 erbeutet haben, gut gemeistert und mir bleibt nur noch zu sagen: Macht eure Backups! Vielen Dank f\u00fcrs Lesen!<\/p>\n\n\n\n<p>Sophie Valerie Schindler, Datenmanagerin (und heimliche Biologin)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die bisherigen Blogeintr\u00e4ge haben die atemberaubende und wundersch\u00f6ne Arbeit der JellyWeb-Expedition gezeigt: Wir haben \u00fcber farbenfrohe Kreaturen, hochmoderne Technologien und mutige Physiker allein unter Biolog:innen berichtet. Ja, unsere Projekte auf der Expedition MSM126 sind sehr vielf\u00e4ltig, und neben ihrer aufregenden Natur haben sie noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie alle produzieren tonnenweise Daten. 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