{"id":94,"date":"2018-07-30T09:10:17","date_gmt":"2018-07-30T07:10:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/?p=94"},"modified":"2018-07-30T09:10:17","modified_gmt":"2018-07-30T07:10:17","slug":"die-ospar-methodik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/2018\/07\/30\/die-ospar-methodik\/","title":{"rendered":"Die OSPAR-Methodik"},"content":{"rendered":"<p>Wieviel M\u00fcll liegt eigentlich an unseren Ostseestr\u00e4nden? Und wie setzt sich dieser M\u00fcll zusammen? Um diese Fragen zu kl\u00e4ren, haben die Wissenschaftler des GEOMARS und der Forschungswerkstatt an zehn Str\u00e4nden M\u00fcll aufgesammelt und klassifiziert.<\/p>\n<p>Damit die untersuchten Str\u00e4nde hinsichtlich Zusammensetzung und Menge des M\u00fclls auch vergleichbar sind, wurde die Methodik der OSPAR-Kommission angewandt. OSPAR ist ein v\u00f6lkerrechtlicher Vertrag zum Schutz der Nordsee und des Nordostatlantiks, welcher von den verschiedenen europ\u00e4ischen Nordseeanrainerstaaten und zus\u00e4tzlich von Finnland, Luxemburg und der Schweiz unterzeichnet wurde. Die OSPAR-Methodik dient dazu, die M\u00fcllmengen und -Arten an den verschiedenen Str\u00e4nden zu erfassen und so Quellen von M\u00fcll ausfindig zu machen. Dies hilft dabei, wirksame Ma\u00dfnahmen zu entwickeln und durchzuf\u00fchren, um die M\u00fcllbelastung zu verringern. Die Anwendung einer einheitlichen Methodik erleichtert den Vergleich mit anderen Str\u00e4nden, beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern oder Polen oder mit Str\u00e4nden an der Nordseek\u00fcste. Die OSPAR-Methodik ist auf der Website der OSPAR-Kommission einsehbar und kann frei heruntergeladen werden (<a href=\"https:\/\/www.ospar.org\/work-areas\/eiha\/marine-litter\/beach-litter\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Bei der OSPAR-Methodik gibt es zwei Sammelbereiche, die immer von der Wasserlinie bis zum Ende des Strandes (D\u00fcnen, Deiche, Uferd\u00e4mme etc.) reichen.\u00a0 Der erste Bereich erstreckt sich \u00fcber eine Distanz von 100 m. In diesem Bereich werden alle sichtbaren M\u00fcllteile aufgesammelt und klassifiziert. Der 100 m Bereich ist Teil des zweiten Sammelbereichs, dem 1 km Abschnitt. Im 1 km Abschnitt werden nur Objekte &gt; 50 cm aufgenommen. Selbstverst\u00e4ndlich haben wir bei unseren Beprobungen auf dem 1 km Abschnitt auch alle sichtbaren M\u00fcllteile &lt; 50 cm eingesammelt. Wir sind die jeweiligen Sammelbereiche im Zick-Zack Kurs parallel zur Wasserlinie bis zum Ende des Strandes abgegangen. Angefangen wurde immer mit dem 100 m Bereich. F\u00fcr beide Sammelbereiche gibt es jeweils einen anderen Erhebungsbogen mit anderen M\u00fcll-Klassen.<\/p>\n<div id=\"attachment_95\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-95\" class=\"size-medium wp-image-95\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2018\/07\/OSPAR-480x268.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2018\/07\/OSPAR-480x268.jpg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2018\/07\/OSPAR-768x429.jpg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2018\/07\/OSPAR-1024x572.jpg 1024w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2018\/07\/OSPAR.jpg 1789w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><p id=\"caption-attachment-95\" class=\"wp-caption-text\">Darstellung der beiden Abschnitte in denen M\u00fcll gesammelt und klassifiziert wird, erstellt von Thomas Henke<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr eine wiederholte Beprobung der Str\u00e4nde ist es wichtig, best\u00e4ndige Referenzpunkte zu setzen, damit an derselben Stelle wieder gesammelt werden kann.\u00a0 Ein Hand GPS-Ger\u00e4t liefert zwar Koordinaten, an denen man sich orientieren kann; die Abweichung betr\u00e4gt aber bis zu 10 m. Deshalb sind nach M\u00f6glichkeit best\u00e4ndige Referenzpunkte wie nummerierte Buhnen vorzuziehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den 100 m Bereich, in dem jeder sichtbare M\u00fcll aufgesammelt und klassifiziert wird, gibt es 13 M\u00fcll-Klassen:<\/p>\n<ul>\n<li>Plastik\/Styropor<\/li>\n<li>Gummi<\/li>\n<li>Textilien<\/li>\n<li>Papier\/Pappe<\/li>\n<li>Bearbeitetes Holz<\/li>\n<li>Metall<\/li>\n<li>Glas<\/li>\n<li>Keramik<\/li>\n<li>Sanit\u00e4rabf\u00e4lle<\/li>\n<li>Medizinische Abf\u00e4lle<\/li>\n<li>Exkremente<\/li>\n<li>Paraffin oder Wachsteile<\/li>\n<li>Anderes<\/li>\n<\/ul>\n<p>In diesen Klassen finden sich verschiedene Artikel als Unterkategorie. Bei\u00a0 der Klasse \u201ePlastik\u201c zum Beispiel gibt es \u201ePlastikt\u00fcten\u201c oder \u201eEssbesteck\u201c als Unterkategorie.<br \/>\nF\u00fcr den 1000 m Bereich, in dem M\u00fcllteile \u00fcber 50 cm klassifiziert werden, gibt es sechs M\u00fcll-Klassen:<\/p>\n<ul>\n<li>Plastik<\/li>\n<li>Metall<\/li>\n<li>Bearbeitetes Holz<\/li>\n<li>Gummi<\/li>\n<li>Textilien<\/li>\n<li>Anderes<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch diese Klassen haben verschiedene Artikel als Unterkategorien. Die Unterkategorien sind alle farblich bebildert, um eine Klassifizierung des gefundenen M\u00fclls zu erleichtern.<\/p>\n<div id=\"attachment_96\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-96\" class=\"size-medium wp-image-96\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2018\/07\/OSPAR2-480x450.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2018\/07\/OSPAR2-480x450.jpg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2018\/07\/OSPAR2-768x720.jpg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2018\/07\/OSPAR2.jpg 825w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><p id=\"caption-attachment-96\" class=\"wp-caption-text\">M\u00fcll-Klasse \u201ePlastik\/Styropor\u201c mit den Unterkategorien \u201eFeuerzeug\u201c, \u201eKugelschreiber\u201c und \u201eK\u00e4mme\/Haarb\u00fcrsten\u201c Foto: Auszug aus der OSPAR-Methodik (OSPAR-Kommission, 2010)<\/p><\/div>\n<p>Jeder beprobte Strand wird \u00fcber einen mehrseitigen OSPAR-Fragebogen charakterisiert. Es gibt unter anderem Fragen zur Nutzungsart und -Intensit\u00e4t des Strandes, die Distanz zur n\u00e4chsten Stadt oder zu H\u00e4fen sowie Fragen bez\u00fcglich der Reinigung des Strandes (H\u00e4ufigkeit, Methode).<\/p>\n<p>Die OSPAR-Methodik wurde bereits an mehreren Nordseestr\u00e4nden bzw. Atlantikstr\u00e4nden in L\u00e4ndern wie Belgien, D\u00e4nemark, Deutschland, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Norwegen, Portugal, Spanien, oder Schweden angewandt. Aber auch an Ostseestr\u00e4nden in D\u00e4nemark, Deutschland oder Litauen wurde die OSPAR-Methodik verwendet. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern wurden viele Str\u00e4nde nach dieser Methode bereits beprobt.\u00a0 Die Anzahl an gefundenen M\u00fcllteilen lag dort zwischen 7 und 404 (Schernewski et al., 2018). Die Auswertung der M\u00fcllmengen und -Zusammensetzung an unseren beprobten Ostseestr\u00e4nden vom Winter 2018 folgt in K\u00fcrze.<\/p>\n<p>Die OSPAR-Methodik f\u00fcr das Sammeln und Klassifizieren des M\u00fclls kann ohne gro\u00dfes Vorwissen angewandt werden. F\u00fcr die Analyse und Auswertung der Daten ist jedoch ein Vorwissen in der Statistik von Vorteil. Zudem sind f\u00fcr die Charakterisierung des jeweiligen Strandes Informationen von den zugeh\u00f6rigen Gemeinden oder zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden notwendig.<\/p>\n<p>Die OSPAR-Methodik bietet eine einfach umsetzbare, kosteng\u00fcnstige M\u00f6glichkeit, die Str\u00e4nde zu untersuchen. Sie erleichtert einen Vergleich \u00fcber die Zusammensetzung und Menge des M\u00fclls zwischen verschiedenen Str\u00e4nden. Zudem unterst\u00fctzt die Methodik die Implementierung der EU Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie mit dem Ziel einer nachhaltigen Nutzung der Meere und dem Erhalt der vorhandenen \u00d6kosysteme.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch auch ein paar Nachteile. So ist die Klassifizierung trotz vorhandener Beispielbilder nicht immer eindeutig. Beispielweise gibt es die Unterkategorien \u201ePlastikt\u00fcte gro\u00df\u201c und \u201ePlastikt\u00fcte klein\u201c, die keine eindeutigen Gr\u00f6\u00dfen definieren. Auch die Anzahl an Unterkategorien erschien uns bisher sehr hoch. Viele Artikel, die in der Methodik gelistet werden, wurden von uns nicht oder nur sehr selten gefunden. M\u00f6glicherweise h\u00e4ngt dies damit zusammen, dass die OSPAR-Methodik nicht f\u00fcr den Ostseeraum entworfen wurde, sondern den Fokus auf die Nordsee legt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>OSPAR-Kommission (2010): Guideline for Monitoring Marine Litter on the Beaches in the OSPAR Maritime Area.<\/li>\n<\/ul>\n<p>URL: https:\/\/www.ospar.org\/documents?v=7260 (letzter Abruf: 29.07.2018)<\/p>\n<ul>\n<li>Schernewski, G., A. Balciunas, D. Gr\u00e4we, U. Gr\u00e4we, K. Klesse, M. Schulz, S. Wesnigk, D. Fleet, M. Haseler, N. M\u00f6llman und S. Werner (2018): Beach macro-litter monitoring on southern Baltic beaches: results, experiences and recommendations.<br \/>\nURL: https:\/\/link.springer.com\/content\/pdf\/10.1007%2Fs11852-016-0489-x.pdf (letzter Abruf: 29.07.2018)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieviel M\u00fcll liegt eigentlich an unseren Ostseestr\u00e4nden? Und wie setzt sich dieser M\u00fcll zusammen? 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