{"id":330,"date":"2021-06-11T11:40:28","date_gmt":"2021-06-11T09:40:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/?p=330"},"modified":"2021-06-11T11:40:28","modified_gmt":"2021-06-11T09:40:28","slug":"wieviel-mikroplastik-ist-im-strandsand-der-kieler-foerde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/2021\/06\/11\/wieviel-mikroplastik-ist-im-strandsand-der-kieler-foerde\/","title":{"rendered":"Wieviel Mikroplastik ist im Strandsand der Kieler F\u00f6rde?"},"content":{"rendered":"\n<p>Wieviel Mikroplastik ist eigentlich unter unseren F\u00fc\u00dfen, wenn wir \u00fcber den Strand laufen? Kevin Schr\u00f6der hat sich in seiner Bachelorarbeit im Fach Geographie, die er bereits 2017 angefertigt hat, mit genau dieser Frage besch\u00e4ftigt. Obwohl das Thema Mikroplastik auch damals bereits in den Medien sehr pr\u00e4sent war, war f\u00fcr die Kieler F\u00f6rde dar\u00fcber nichts bekannt. Kevin hat daraufhin an drei Standorten auf der Westseite der F\u00f6rde, n\u00e4mlich an der Tirpitzmole, in Falckenstein und in B\u00fclk, jeweils 5 kg Sediment entnommen und aus dieser Masse mit Hilfe eines Dichtetrennungsverfahrens (mit dem Salz Kalziumchlorid) m\u00f6gliche Mikroplastikpartikel ausgewaschen. Weitere Informationen zu diesem Verfahren gibt es \u00fcbrigens in \u00e4lteren Blogs auf diesem Kanal. Daf\u00fcr hat er das Sediment zun\u00e4chst in verschiedene Korngr\u00f6\u00dfenklassen (0,2 \u2013 0,5 mm, 0,5 mm \u2013 1 mm und 1 mm \u2013 5 mm) eingeteilt und dann nach Klassen getrennt gewaschen. Nach diesem Arbeitsschritt und dem Filtrieren des \u00dcberstandes hat er visuell, mit Hilfe eines Mikroskops, die Filter nach Mikroplastikpartikeln abgesucht.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2964\" height=\"1852\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2021\/06\/DSC_0880.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-335\" \/><figcaption>Der Falckensteiner Strand ist ein Kieler Lieblingsort und dementsprechend sogar im Winter gut besucht. Das f\u00fchrt auch zu einer gewissen Verschmutzung mit Plastikm\u00fcll, aus dem Mikroplastik entstehen kann.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"3872\" height=\"2592\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2021\/06\/DSC2106.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-337\" \/><figcaption>Man findet in Falckenstein beispielsweise Reste von Plastikverpackungen im Strandanwurf. Die Partikel, die Kevin Schr\u00f6der untersucht hat, waren aber viel kleiner und entstehen sehr wahrscheinlich beim Zerfall solcher M\u00fcllteile.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Insgesamt 180 solcher Partikel hat er in den Proben entdeckt und f\u00fcr eine sp\u00e4tere Analyse mit einem Raman-Spektroskop isoliert. Die Identifizierung des Polymertyps mit Hilfe spektroskopischer Methoden ist ein notwendiger Arbeitsschritt bei der Analyse von Mikroplastik, denn die geringe Gr\u00f6\u00dfe der Partikel macht es oft schwer, sie rein optisch von nat\u00fcrlichem Material, wie etwa Bruchst\u00fccken von Muschelschalen, zu unterscheiden. Nach dieser Analyse, die von Elke Kossel vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung Kiel durchgef\u00fchrt wurde, konnte die Mikroplastikbelastung zwischen den drei Standorten verglichen werden und dieser Vergleich fiel verbl\u00fcffend aus. W\u00e4hrend das \u2013 zumindest im Sommer \u2013 stark genutzte Falckenstein, sowie ein in der N\u00e4he des Kl\u00e4rwerks B\u00fclk gelegener Strand mit 5 bzw. 2 Partikeln pro kg Sediment eher gering belastet waren, war die Menge an Mikroplastik im Bereich des kleinen Strandes an der Tirpitzmole um fast das zehnfache h\u00f6her. Das zeigt zum einen, dass die H\u00e4ufigkeit von Mikroplastik auch zwischen nicht weit voneinander entfernten Standorten stark schwanken kann und wirft gleichzeitig die Frage auf, warum die Zahlen so unterschiedlich sind. Die Erkl\u00e4rung liegt wahrscheinlich in der Herkunft des Mikroplastiks. Im Bereich der Kieler Bucht wird es sehr wahrscheinlich nicht von See her an die Str\u00e4nde transportiert, sondern entsteht direkt vor Ort aus dem Zerfall von gr\u00f6\u00dferem Plastikm\u00fcll. Der ist am Strand der Tirpitzmole besonders h\u00e4ufig, weil sich dort aufgrund der Lage zwischen einer Kaimauer und einer Segelmarine viel treibendes Material ansammelt. Diese Annahme wird auch von der Beobachtung unterst\u00fctzt, dass die zwei h\u00e4ufigsten Polymerarten, die an diesem Standort gefunden wurden, Polyethylen und Polystyrol waren. Beide werden h\u00e4ufig f\u00fcr Verpackungen benutzt. Die Belastung von Str\u00e4nden bzw. Strandsedimenten im Bereich der Kieler F\u00f6rde scheint also stark von der Verschmutzung mit gro\u00dfem Plastikm\u00fcll abzuh\u00e4ngen. Eine regelm\u00e4\u00dfige S\u00e4uberung von Str\u00e4nden, beispielsweise im Rahmen von Beach Clean-ups, hilft also auch dabei die Belastung mit Mikroplastik gering zu halten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"669\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2021\/06\/DSC8129.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-333\" \/><figcaption>Dies ist der kleine Strandabschnitt an der Tirpitzmole an dem die Mikroplastikkonzentration besonders hoch war. Kevin Schr\u00f6der (mitte) erkl\u00e4rt Workshop-TeilnehmerInnen beim Kiel-kann-mehr Festival 2020 seine Probenahmemethode.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"669\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2021\/06\/DSC8120.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-332\" \/><figcaption>Wenn man genau hinschaut, kann man im Sp\u00fclsaum der Tirpitzmole Mikroplastik mit blo\u00dfem Auge erkennen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Neben seinem Masterstudium im Fach Environmental Management an der CAU Kiel konnte Kevin die Ergebnisse seiner Bachelorarbeit zur Publikation in einer internationalen Fachzeitschrift vorbereiten und in diesem Monat erscheint der Artikel nun in der Printausgabe von Environmental Science and Pollution Research. Ein PDF des Artikels kann hier heruntergeladen werden: https:\/\/doi.org\/10.1007\/s11356-020-12220-x<\/p>\n\n\n\n<p>Die Belastung der Kieler F\u00f6rde mit Mikroplastik ist \u00fcbrigens vergleichbar mit der Situation, die f\u00fcr Str\u00e4nde in Mecklenburg-Vorpommern beschrieben wurde. In anderen Teilen der s\u00fcdlichen Ostsee wurden aber zum Teil sehr viel h\u00f6here Belastungen gefunden. Eine sehr informative \u00dcbersicht hierzu zeigt Kevin in seiner Publikation.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieviel Mikroplastik ist eigentlich unter unseren F\u00fc\u00dfen, wenn wir \u00fcber den Strand laufen? Kevin Schr\u00f6der hat sich in seiner Bachelorarbeit im Fach Geographie, die er bereits 2017 angefertigt hat, mit genau dieser Frage besch\u00e4ftigt. Obwohl das Thema Mikroplastik auch damals bereits in den Medien sehr pr\u00e4sent war, war f\u00fcr die Kieler F\u00f6rde dar\u00fcber nichts bekannt. 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