{"id":189,"date":"2019-02-20T17:14:32","date_gmt":"2019-02-20T16:14:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/?p=189"},"modified":"2019-03-13T17:19:17","modified_gmt":"2019-03-13T16:19:17","slug":"mikroplastik-im-strandanwurf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/2019\/02\/20\/mikroplastik-im-strandanwurf\/","title":{"rendered":"Mikroplastik im Strandanwurf"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Sinja Dittmann<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Mikroplastik im Strandanwurf\" width=\"484\" height=\"272\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/pLm77TxbtPA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption>Mikroplastik im Strandanwurf als kleiner Videoclip<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wer kennt sie nicht, die \u201eGrashaufen\u201c, welche im Sp\u00fclsaum des Strandes angeschwemmt werden. Die Rede ist von Strandanwurf, auch Treibsel genannt, welches an der deutschen Ostseek\u00fcste meist aus Seegras (<em>Zostera marina L<\/em>.) und Algen (<em>Fucus vesiculosus L.<\/em> und <em>Fucus serratus L.<\/em>), sowie aus Muschelschalen und Treibholz besteht. Was vielen Seev\u00f6geln und Insekten als Lebensraum und Nahrungsquelle dient, stellt f\u00fcr den Tourismus eine gro\u00dfe Herausforderung dar. Viele Strandbesucher f\u00fchlen sich durch Treibsel gest\u00f6rt, denn liegt dieses \u00fcber l\u00e4ngere Zeit am Strand, f\u00e4ngt es unter dem Einfluss des Sonnenlichtes und der Luft an zu riechen. Kurgemeinden sind deshalb gezwungen, ihre Str\u00e4nde aufwendig zu reinigen und das Treibsel zu entsorgen, was zeit- und kostenintensiv ist. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/IMG_2843_preview-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-185\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/IMG_2843_preview-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/IMG_2843_preview-480x320.jpeg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/IMG_2843_preview-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/IMG_2843_preview.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Ostseetreibsel am Strand von Sch\u00f6nberg bei Kiel.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher war das\nnoch anders, denn da wurde Treibsel vielerorts genutzt, um beispielsweise\nD\u00e4cher zu decken oder Matratzen zu stopfen. Auch in der Landwirtschaft wurde\nTreibsel verwendet, um den Ackerboden aufzulockern und somit die Bodenstruktur\nzu verbessern. Heute versucht man, diese Nutzungsm\u00f6glichkeiten wiederzubeleben\nund Treibsel als wertvollen Rohstoff weiterzuverarbeiten. F\u00fcr die Nutzung von\nTreibsel in der biologischen Landwirtschaft wird aber Wissen \u00fcber die genauen Inhaltsstoffe\nund auch \u00fcber eine m\u00f6glichen Verschmutzung mit Mikroplastik dringend ben\u00f6tigt,\nda die Sorge besteht, dass dieses aus dem Treibsel in den Ackerboden gelangen\nk\u00f6nnte. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie l\u00e4sst\nsich Mikroplastik im Strandanwurf nachweisen und entfernen? Bevor potenzielles\nMikroplastik aus Umweltproben analysiert werden kann, besteht der erste Schritt\ndarin, dieses vom restlichen Probenmaterial, wie Sand und organischen Resten, zu\ntrennen. F\u00fcr Proben, die weitestgehend aus pflanzlichem Material bestehen, gibt\nes allerdings noch keine g\u00e4ngige Methode, die man f\u00fcr die Extraktion von\nMikroplastik nutzen k\u00f6nnte. Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich deshalb mit\nHilfe von Wiederfindungsexperimenten Methoden getestet, mit denen sich\nverschiedene Arten von Mikroplastik (PP, PS, EPS, PS &#8211; Rohgranulat) in\nunterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfenklassen (500 \u00b5m bis 5000 \u00b5m) aus Treibsel auswaschen lassen.\nDies soll zum einen dabei helfen, im Rahmen von Monitorings die Menge an\nMikroplastik im Treibsel zu ermitteln, und zum anderen soll eine Methode\ngefunden werden, mit der sich Treibsel kosteng\u00fcnstig und energiesparend\nreinigen l\u00e4sst \u2013 wenn dies denn notwendig sein sollte. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"441\" height=\"332\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/Bild22.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-184\" \/><figcaption>Das von mir f\u00fcr die Wiederfindungsexperimente genutzte Mikroplastik lag in 3 Gr\u00f6\u00dfenklassen vor. Hier die sph\u00e4rischen Partikel.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"443\" height=\"332\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/Bild-21.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-183\" \/><figcaption>Und hier die Fragmente.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Experimente habe ich das Treibsel zun\u00e4chst in seine Hauptfraktionen aufgeteilt, sodass ich jeweils entweder mit Seegras (<em>Zostera marina<\/em>) &nbsp;oder mit Algen (<em>Fucus vesiculosus<\/em> und <em>Fucus serratus<\/em>) gearbeitet habe. Jede dieser Fraktionen wurde im n\u00e4chsten Schritt mit einer bekannten Anzahl an Mikroplastikpartikeln vermengt und mit S\u00fc\u00df- oder Salzwasser bedeckt. Die Mikroplastikpartikel habe ich im Vorfeld aus verschiedenen, sortenreinen Plastikmaterialien mit einer feinen Schere ausgeschnitten oder im Handel erworben. Mit zwei Gittern, die in ein kleines Becken, das als Wasserbad diente, eingelassen wurden, wurde die Treibselmasse wie in einem Sandwich eingeschlossen und zusammengehalten. Dann wurde die Treibselmasse mit verschiedenen Techniken, wie z. B. manuellem Waschen (siehe Video)  oder einer automatisierten Auftrennung mittels einer kr\u00e4ftigen Luftzufuhr, bearbeitet und das Mikroplastik so vom Treibsel getrennt. Das ausgewaschene Mikroplastik habe ich anschlie\u00dfend gez\u00e4hlt, um so die Effizienz der Methode zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/Mischverh\u00e4ltnis.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-187\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/Mischverh\u00e4ltnis.jpg 800w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/Mischverh\u00e4ltnis-480x360.jpg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/Mischverh\u00e4ltnis-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Die Mikroplastikpartikel wurden abgez\u00e4hlt und im Gewichtsverh\u00e4ltnis 1:100000 mit dem Treibsel vermengt. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Insgesamt habe\nich sieben unterschiedliche Methoden getestet, bei denen die Art des Waschens,\ndie Waschfl\u00fcssigkeit, die Waschdauer, die Treibselbeschaffenheit und der\nProbenumfang variiert wurden. Von all diesen Methoden erwies sich das manuelle Waschen\nals am erfolgreichsten und zeitsparendsten. Mit dieser Methode lag die mittlere\nWiederfindungsrate bei 75%.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/luftzufuhr.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-186\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/luftzufuhr.jpg 800w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/luftzufuhr-480x360.jpg 480w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/luftzufuhr-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Das Treibselmaterial wurde zwischen den zwei Gittern fixiert und dann mit einem Luftstrom &#8216;gewaschen&#8217;, um die Mikroplastikpartikel auszul\u00f6sen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieses Verfahren habe ich dann im Folgenden genutzt, um Treibsel vom Strand auf seinen Mikroplastikgehalt zu untersuchen. Hierf\u00fcr wurden an vier Standorten (Booknis, D\u00e4nisch \u2013 Nienhof, Sch\u00f6nberg und Hohwacht) Treibselproben genommen und anschlie\u00dfend im Labor gewaschen. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich erfreulich wenig Mikroplastik in den Treibselproben befand. Am Sch\u00f6nberger Strand wurde mit im Mittel 3,25 Partikeln pro 500 g Treibsel die h\u00f6chste Verschmutzung gefunden. Diese Befunde beschr\u00e4nken sich jedoch zun\u00e4chst nur auf vier Standorte entlang der schleswig-holsteinischen Ostseek\u00fcste und lediglich auf die Gr\u00f6\u00dfenklasse &gt; 400 \u00b5m, so dass kleinere Plastikpartikel nicht erfasst wurden. In einem letzten Analyseschritt muss f\u00fcr die gefundenen Partikel zudem noch, mithilfe eines Spektroskops, der Polymertyp bestimmt werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"595\" height=\"757\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/SDittmann.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-188\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/SDittmann.jpg 595w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/mikroplastik54n\/wp-content\/uploads\/sites\/58\/2019\/02\/SDittmann-480x611.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 595px) 100vw, 595px\" \/><figcaption>Viele Gr\u00fc\u00dfe\n\nSinja<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sinja Dittmann Wer kennt sie nicht, die \u201eGrashaufen\u201c, welche im Sp\u00fclsaum des Strandes angeschwemmt werden. 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