{"id":17,"date":"2014-10-01T17:52:23","date_gmt":"2014-10-01T17:52:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/meeresrauschen\/?p=17"},"modified":"2014-12-09T12:08:15","modified_gmt":"2014-12-09T12:08:15","slug":"miesmuscheln-in-sauer-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/meeresrauschen\/2014\/10\/01\/miesmuscheln-in-sauer-teil-2\/","title":{"rendered":"Miesmuscheln in Sauer &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><em>Anfang August habe ich mich f\u00fcr den <a href=\"http:\/\/www.hzg.de\/public_relations\/events\/verstaendliche_wissenschaft\/index.html.de\" target=\"_blank\">Preis \u201eVerst\u00e4ndliche Wissenschaft\u201c<\/a> des Helmholtz-Zentrums Geesthacht beworben und bin tats\u00e4chlich in die Endrunde gekommen. Bei dem Wettbewerb geht es darum, das eigene Promotionsthema m\u00f6glichst allgemein verst\u00e4ndlich darzustellen. Ob mir das im Bewerbungstext gelungen ist, k\u00f6nnt Ihr in <a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/meeresrauschen\/2014\/09\/24\/hello-world\/\" target=\"_blank\">Teil 1<\/a> und hier selbst beurteilen:<\/em><\/p>\n<p>Strandkrabbe und Gemeiner Seestern: wichtige Arten in der Westlichen Ostsee<\/p>\n<p>Wer schon einmal schnorchelnd oder tauchend in der Westlichen Ostsee unterwegs war wei\u00df, dass Miesmuscheln und deren bedeutendste Fra\u00dffeinde, Strandkrabben und Seesterne, einen gro\u00dfen Teil der am Meeresboden lebenden Tiere ausmachen. Sollten sie also nachhaltig durch die Ozeanversauerung beeinflusst werden, k\u00f6nnte dies ernste Konsequenzen f\u00fcr das ganze \u00d6kosystem nach sich ziehen. Vor allem junge Stadien k\u00f6nnten, \u00e4hnlich wie Kinder bei den Menschen, noch empfindlicher auf Umweltstress reagieren als erwachsene Artgenossen. In meiner Doktorarbeit untersuchte ich deshalb den Einfluss von Seewasserversauerung auf Wachstum und Jagderfolg beider R\u00e4uberorganismen, der Strandkrabbe und erwachsener wie auch junger Exemplare des gemeinen Seesterns. Damit sollte gekl\u00e4rt werden, wie sich der Fra\u00dfdruck auf die Miesmuscheln zuk\u00fcnftig \u00e4ndern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Arten unterschiedlich empfindlich<\/p>\n<p>Es ist bekannt, dass nicht alle kalkbildenden Organismen gleich anf\u00e4llig gegen\u00fcber dem Umweltstress Versauerung sind. Auch die beiden R\u00e4uber vom Meeresboden der Ostsee, die ich in meinen Versuchen untersuchte, erwiesen sich als unterschiedlich empfindlich. In meinen Studien wuchsen die Seesterne unter saureren Bedingungen weniger und fra\u00dfen auch eine geringere Anzahl Miesmuscheln. Auch \u00fcber einen sehr langen Zeitraum von neun Monaten konnten sie sich nicht an die Bedingungen gew\u00f6hnen. Au\u00dferdem erwiesen sich die jungen Exemplare als anf\u00e4lliger gegen\u00fcber kleineren Ver\u00e4nderungen im pH des Seewassers als ihre erwachsenen Artgenossen. Die Krebse hingegen konsumierten in saurerem Wasser nur bei einer verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kurzen Experimentphase von zehn Wochen weniger Muschelfleisch. Wurden sie l\u00e4nger der erh\u00f6hten CO2-Konzentration ausgesetzt, fra\u00dfen sie weder weniger, noch wuchsen die Tiere langsamer. Sie scheinen sich also an die saureren Bedingungen anpassen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nWie lassen sich die Unterschiede in der Empfindlichkeit erkl\u00e4ren? Zum einen bestehen die harten Strukturen der beiden R\u00e4uber aus unterschiedlichen Materialien. W\u00e4hrend Krebse in ihren Panzern eine stabilere Kalkform (Kalzit) einlagern, bestehen die Skelette der Seesterne zu einem gro\u00dfen Teil aus leichter l\u00f6slichem Kalk (Aragonit). Aber auch der Stoffwechsel spielt eine Rolle: Krebse sind aktiver als Seesterne, haben damit einen h\u00f6heren Stoffwechsel und sind es gewohnt, das so entstehende CO2 in ihrem Blut abzubauen. Zudem regulieren Krebse, im Gegensatz zu Seesternen, auch aktiv die Zusammensetzung ihrer K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten und k\u00f6nnen somit gr\u00f6\u00dftenteils ein zu Viel oder zu Wenig an bestimmten Stoffen ausgleichen. Krebse haben also bessere Voraussetzungen, mit Versauerung umzugehen als Seesterne.<\/p>\n<p>Ostsee s\u00fc\u00dfsauer: tolerante Bewohner<\/p>\n<p>Insgesamt konnte ich eine relativ hohe Toleranz beider R\u00e4uber gegen\u00fcber Seewasserversauerung feststellen. Entgegen fr\u00fcheren Erwartungen \u00fcberlebten alle Organismen auch hohe Konzentrationen von CO2 im Wasser. Erwachsene Organismen reagierten, wenn \u00fcberhaupt, erst bei Bedingungen, die weit \u00fcber den Werten liegen, die im offenen Ozean in absehbarer Zukunft erwartet werden. Auch unter den jungen Seesternen gab es einige Exemplare, die, gleichwohl hoher Versauerung ausgesetzt, genauso gro\u00df wurden wie ihre unbehandelten Artgenossen. Da die Ostsee im Gegensatz zum offenen Ozean wenigstens phasenweise einen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sauren Lebensraum darstellt, k\u00f6nnte die Toleranz der Organismen mit Anpassung an diese Bedingungen erkl\u00e4rt werden.<br \/>\nWarum ist die Ostsee aber saurer als der offene Ozean? Die Ostsee ist geographisch ein Randmeer, das von West (am Zufluss zur Nordsee) nach Ost (im Finnischen Meerbusen) immer salz\u00e4rmer wird. Durch eine starke Schichtung von Wasser unterschiedlicher Salzgehalte und Temperaturen entstehen gerade im Sommer in tieferen Regionen h\u00e4ufig gr\u00f6\u00dfere Zonen, die wenig Sauerstoff und viel CO2 enthalten. Kommt es, beispielsweise durch starken Wind, zu einer Umschichtung des Wassers, gelangt dieses CO2-reiche Wasser in seichtere, k\u00fcstennahe Gew\u00e4sser. Dann steigt auch hier der Grad der Versauerung wenigstens vor\u00fcbergehend an. Die Versauerungsph\u00e4nomene, die heute bereits kurzzeitig auftreten, werden bei gleichbleibend hohem CO2-Aussto\u00df in Zukunft \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum vorherrschen und noch st\u00e4rker ausfallen. Wie meine Studien zeigten, k\u00f6nnen besonders junge Seesterne hierdurch stark beeintr\u00e4chtigt werden.<\/p>\n<p>Die Westliche Ostsee der Zukunft<\/p>\n<p>Die Konsequenzen f\u00fcr das \u00d6kosystem der Westlichen Ostsee, die aus der fortschreitenden Meerwasserversauerung resultieren, lassen sich nat\u00fcrlich nicht ganz pr\u00e4zise voraussagen, da viele wichtige Faktoren noch unbekannt sind. Meine Studien zeigen jedoch, dass der Fra\u00dfdruck auf die Miesmuscheln sehr wahrscheinlich anders aussehen wird, wenn in Zukunft der CO2-Aussto\u00df in die Atmosph\u00e4re weiter ansteigt: In unver\u00e4nderter St\u00e4rke werden die Krebse den Muscheln gegen\u00fcbertreten, die Seesterne jedoch, gerade durch Beeintr\u00e4chtigungen in ihrer Jugend, geschw\u00e4cht. Es bleibt also spannend, wie der Kampf um das delikate Muschelfleisch in Zukunft aussehen wird. F\u00fcr das blo\u00dfe \u00dcberleben bei Versauerung scheinen beide R\u00e4uber jedenfalls ger\u00fcstet.<\/p>\n<p><em>Ich hoffe, Ihr habt einen kleinen Einblick in meine Forschung gewinnen k\u00f6nnen und dr\u00fcckt mir f\u00fcr die Endausscheidung am 21. November alle die Daumen!<\/em><\/p>\n<p><em>Yasmin Appelhans<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- Rendered by FancyBox without labels BEGIN -->\n\n\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t\t\t#gallery-0 {\n\t\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\t#gallery-0 .gallery-item {\n\t\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\t\twidth: 49%;\n\t\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\t#gallery-0 img {\n\t\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\t#gallery-0 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t\t}\n\t<\/style>\n<script type=\"text\/javascript\">\n$(document).ready(function() {\n\t\/*\n\t *  Simple image gallery. 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