{"id":100,"date":"2016-01-29T11:05:16","date_gmt":"2016-01-29T11:05:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/meeresrauschen\/?p=100"},"modified":"2016-01-29T11:37:37","modified_gmt":"2016-01-29T11:37:37","slug":"schmelzendes-meereis-auch-eine-gute-nachricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/meeresrauschen\/2016\/01\/29\/schmelzendes-meereis-auch-eine-gute-nachricht\/","title":{"rendered":"Schmelzendes Meereis: Auch eine gute Nachricht?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Meereis, das durch den Treibhauseffekt abschmilzt, kann indirekt die globale Erw\u00e4rmung wieder verlangsamen. Lebewesen in der Westantarktis, wo das Meereis besonders schnell zur\u00fcckgeht, entfernen mutma\u00dflich gro\u00dfe Mengen des Treibhausgases aus der Atmosph\u00e4re. Damit geh\u00f6rt dieses Gebiet zu den wenigen Regionen weltweit, die langfristig Kohlenstoffdioxid binden. Forscher haben nun herausgefunden, woran das liegt.<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt nicht viele positive Meldungen, die den Klimawandel und dessen Folgen betreffen. Es gibt viele Beispiele f\u00fcr regelrechte Teufelskreise, bei denen ein Anstieg des ausgesto\u00dfenen Kohlenstoffdioxids zu einer Kaskade an Effekten f\u00fchrt, durch die schlussendlich noch mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosph\u00e4re gelangt. Ein Beispiel hierf\u00fcr stellt der <a href=\"http:\/\/science.sciencemag.org\/content\/340\/6129\/183.full\" target=\"_blank\">schmelzende Permafrost in Sibirien<\/a> dar. Schon ein geringer Anstieg der Umgebungstemperaturen durch den Treibhauseffekt k\u00f6nnte dieses Eis tauen lassen und Unmengen von derzeit dort gebundenem Kohlenstoffdioxid freisetzen, was wiederum den Klimawandel befeuert.<\/p>\n<p>Umso erfreulicher, dass es auch eine Auswirkungen des Treibhauseffekts zu geben scheint, die den Klimawandel ein wenig aufhalten k\u00f6nnte. <a href=\"http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/j.1365-2486.2009.02071.x\/abstract\" target=\"_blank\">Wie Forscher bereits im Jahre 2010 zeigen konnten<\/a>, sorgt der R\u00fcckgang des Meereises in der Antarktis daf\u00fcr, dass in diesen Bereichen vermehrt Kohlenstoffdioxid durch Flora und Fauna gebunden wird.<\/p>\n<p>Wissenschaftler aus Cambridge und Southampton haben <a href=\"http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/gcb.13157\/abstract\" target=\"_blank\">in einer j\u00fcngst erschienenen Studie<\/a> erforscht, weshalb die Westantarktis eine sogenannte \u201eSenke\u201c f\u00fcr Kohlenstoffdioxid darstellt. Demnach f\u00fchrt das schmelzende Meereis dazu, dass mehr Licht vorhanden ist und winzig kleine Algen in der Wassers\u00e4ule l\u00e4nger bl\u00fchen k\u00f6nnen. Diese Mikroalgen bieten Futter f\u00fcr Tiere. \u201eL\u00e4ngere Algenbl\u00fcten bedeuten l\u00e4ngere Fra\u00dfzeiten f\u00fcr Tiere, die dadurch vermehrt wachsen\u201c, erkl\u00e4rt David Barnes, Erstautor der Studie. Besonders Tiere, die Kalkschalen oder Skelette aus Kalk aufbauen, k\u00f6nnen langfristig daf\u00fcr sorgen, dass Kohlenstoffdioxid aus dem System entfernt wird. Diese Strukturen aus Kohlenstoff sinken nach dem Tod der Tiere auf den Meeresboden und verweilen dort f\u00fcr lange Zeit, bis sie abgebaut werden und das Kohlenstoffdioxid wieder in die Umgebung abgegeben wird.<\/p>\n<p>Barnes und seine Kollegen haben exemplarisch das Wachstum sogenannter Moostierchen in Augenschein genommen. Diese mikroskopisch kleinen Organismen leben meist in Kolonien zusammen. Man erkennt sie als h\u00e4ufig strukturierte Krusten auf Steinen, Algen und Schalen anderer Tiere. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass umso mehr Kohlenstoff durch Aufbau der Moostierchenschalen im Wasser gebunden wird, desto l\u00e4nger die Algenbl\u00fcte in der Westantarktis dauert.<\/p>\n<p>Bei allem Optimismus m\u00fcssen die Forscher jedoch zugeben, dass ihre Berechnungen viele Unsicherheiten haben. So k\u00f6nnten nicht nur andere Arten andere Ergebnisse liefern, es w\u00e4re beispielsweise auch m\u00f6glich, dass der prognostizierte <a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/meeresrauschen\/2014\/09\/24\/hello-world\/\" target=\"_blank\">Anstieg der Ozeanversauerung<\/a> die Kalkger\u00fcste der Tiere aufl\u00f6st. Dadurch w\u00fcrde wiederum vermehrt Kohlenstoffdioxid freigesetzt und ein weiterer Teufelskreis geschlossen.<\/p>\n<div id=\"attachment_105\" style=\"width: 912px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105\" class=\"size-full wp-image-105\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/meeresrauschen\/wp-content\/uploads\/sites\/28\/2016\/01\/2016-01-29_Moostierchen_CC-BY2.0_Jerry-Kirkhart_KLEIN.jpg\" alt=\"Moostierchen k\u00f6nnen verschiedene Farben haben und bilden h\u00e4ufig Krusten auf Algen, Steinen oder anderen Oberfl\u00e4chen. 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