{"id":46,"date":"2025-12-23T17:50:35","date_gmt":"2025-12-23T17:50:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/?p=46"},"modified":"2025-12-23T18:26:45","modified_gmt":"2025-12-23T18:26:45","slug":"uber-uns-der-himmel-unter-uns-der-kolumbo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/2025\/12\/23\/uber-uns-der-himmel-unter-uns-der-kolumbo\/","title":{"rendered":"\u00dcber uns der Himmel, unter uns der Kolumbo"},"content":{"rendered":"\n<p>Auch im Winter hat die Sonne hier in der \u00c4g\u00e4is noch Kraft. Der Himmel ist blau und die Stimmung gut, auch wenn wir in diesen ersten Tagen viel zu tun haben. Unter Wasser, f\u00fcr menschliche Augen unsichtbar, passiert in der Region, in der wir uns bewegen, sehr viel Interessantes. Denn um Santorini herum verl\u00e4uft eine tektonische Schw\u00e4chezone mit vielen weiteren aktiven wie inaktiven Vulkanen, von denen der Kolumbo der Bekannteste ist. Da das Christiana-Santorini-Kolumbo-Vulkanfeld mit seinen mehr als 60 Kilometern L\u00e4nge im Zentrum eines aktiven Grabensystems liegt, wirken hier sowohl seismische als auch vulkanische Prozesse.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kolumbo selbst ist ein submariner Vulkan, der etwa 7 Kilometer nord\u00f6stlich von Santorini zu finden ist. Der tiefste Punkt seines Kraters liegt mehr als 500 Meter unter Wasser, w\u00e4hrend sein Kraterrand an der flachsten Stelle nur etwa 18 Meter unter der Meeresoberfl\u00e4che liegt. Der Krater hat einen beeindruckenden Durchmesser von fast 1,8 Kilometern. Das Gebiet um den Kolumbo herum ist ein Natura-2000-Naturschutzgebiet der EU, wird aber auch im Rahmen der Fr\u00fchwarnung genau beobachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der letzte gro\u00dfe Ausbruch des Kolumbo liegt mittlerweile 375 Jahre zur\u00fcck, dauerte damals im Jahre 1650 aber zwei Monate lang und richtete, besonders auf Santorini, gro\u00dfe Sch\u00e4den an. Damals kollabierte auch der Magmadom des Vulkans, wodurch einerseits die heutige Caldera entstand, andererseits damals ein verheerender Tsunami ausgel\u00f6st wurde. In seiner N\u00e4he kommt es immer wieder zu seismischer Aktivit\u00e4t, zuletzt verst\u00e4rkt Anfang 2025. Auch wenn nichts auf unmittelbare bevorstehende weitere Ereignisse hindeutet, wird die Region von den Beh\u00f6rden zur Risikoanalyse \u00fcberwacht wird und ist f\u00fcr uns von gro\u00dfem Interesse, da wir aus diesem dynamischen System neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"758\" height=\"568\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-47\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/image.png 758w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/image-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 758px) 100vw, 758px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Evi teilt ihr Wissen zum Unterwasservulkan Kolumbo \u2013 nicht nur mit uns, sondern auch mit Sch\u00fcler:innen auf Santorini. Foto: Johanna Salg, GEOMAR<\/p>\n\n\n\n<p>Dies und vieles mehr erfahren wir aus einem Vortrag von Paraskevi Nomikou, die wir Evi nennen. Sie forscht seit Jahren zum Kolumbo und erkl\u00e4rt, aus welch vielen Forschungsmissionen sich der aktuelle Kenntnisstand zusammensetzt. Bereits in den fr\u00fchen 2000er Jahren war sie auf Forschungsschiffen beim Kolumbo unterwegs. Dadurch kann sie aus erster Hand berichten, wann welche Bereiche des Unterwasservulkans erstmals entdeckt und kartiert wurden und kennt die hydrothermalen Schlote am Grund beim Namen. Der \u201eWitches Hat\u201c sieht aus wie ein Hexenhut, und aus dem \u201eChampagne\u201c sprudeln durchgehend so viele Gasblasen, dass man direkt an eine frisch ge\u00f6ffnete Flasche Champagner denken muss. Unsere Ausfahrt f\u00fcgt sich also in eine Reihe von Missionen ein, um die Geheimnisse des Kolumbo ans Licht zu bringen. An Bord werden nun regelm\u00e4\u00dfig kurze wissenschaftliche Vortr\u00e4ge von Mitgliedern des Teams f\u00fcr alle, die gerade Zeit haben, gehalten. Meist geht es um Themen, die f\u00fcr die aktuellen Messungen relevant sind, so wie \u00dcbersichten \u00fcber die Region, Erfahrungen von fr\u00fcheren Messungen, oder die genaue Funktionsweise der spezifischen Ger\u00e4te. Dadurch kommt es zu einem angeregten Austausch zwischen den Arbeitsgruppen der jeweiligen, unterschiedlichen Ger\u00e4te, die wir auf dieser Ausfahrt benutzen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"852\" height=\"602\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/image-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-49\" style=\"width:741px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/image-2.png 852w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/image-2-300x212.png 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/image-2-768x543.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 852px) 100vw, 852px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Ein Ozeanboden-Seismometer wird geborgen. Foto: Johanna Salg, GEOMAR<\/p>\n\n\n\n<p>Ab dem Morgen des 18. Dezembers \u2013 wir sind immer noch am Kolumbo &#8211; werden hier Ozeanboden-Seismometer (OBS) geborgen, die uns Daten \u00fcber seismische Aktivit\u00e4t liefern. Insgesamt acht Ger\u00e4te steigen nacheinander an die Meeresoberfl\u00e4che auf, nachdem ihr Release-Mechanismus ausgel\u00f6st wurde. Die Ozeanboden-Seismometer werden von einem Auftriebsk\u00f6rper nach oben Richtung Licht gezogen. Schwimmen sie einmal oben, k\u00f6nnen wir sie an Deck holen. Dabei kommt es auf ausgezeichnetes Teamwork und ein gutes Auge f\u00fcr den richtigen Moment an, um das Messger\u00e4t einzufangen, bevor es an der METEOR vorbei schwimmen kann. Anschlie\u00dfend wird es mit dem Kran an Bord gehoben. Nun stehen uns die Daten zur Verf\u00fcgung, die seit dem Deployment aufgezeichnet wurden, und auf die wir gewartet haben! Aber nicht zu schnell, denn zuerst muss man sie den Messger\u00e4ten noch entlocken. Fast allen der Ozeanboden-Seismometer sieht man ihren langen Aufenthalt am Meeresboden an: Sie sind mit einer Kruste bedeckt, und vor allem ihre Schrauben halten dank einer chemischen Reaktion am Boden des Vulkans nun so gut, dass sie erst mit S\u00e4ure eingeweicht werden m\u00fcssen, bevor sie sich l\u00f6sen lassen. Dabei helfen alle zusammen, auch einige der Seniorwissenschaftler:innen, bei denen durch diese Aufgabe nostalgische Erinnerungen an ihre eigene Zeit als studentische Hilfskr\u00e4fte hochkommen. F\u00fcnf der acht OBSe werden am Ende der Fahrt wieder ausgesetzt werden, um weitere Daten aufzunehmen. Wir haben nun also bis dahin Zeit, um die auserw\u00e4hlten F\u00fcnf wieder auf Hochglanz zu polieren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"593\" height=\"790\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/Picture-1-4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-54\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/Picture-1-4.png 593w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/Picture-1-4-225x300.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 593px) 100vw, 593px\" \/><\/figure><\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"699\" height=\"932\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/Picture-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-53\" style=\"width:591px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/Picture-2.png 699w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2025\/12\/Picture-2-225x300.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 699px) 100vw, 699px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die MOLA-Lander werden in den ersten Tagen an Bord getestet. Fotos: Paraskevi Nomikou<\/p>\n\n\n\n<p>Am Nachmittag folgen noch weitere Tests der MOLA-Lander im Wasser. Vor allem geht es gerade darum, sicherzugehen, dass kein Wasser in die Kapseln dringt, die sp\u00e4ter die empfindlichen elektronischen Messger\u00e4te an den Meeresboden transportieren sollen. Daher werden die Kapseln zun\u00e4chst ohne Messinstrumente zu Wasser gelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem alle Ger\u00e4te vorbereitet, getestet und kalibriert wurden, werden sie in den n\u00e4chsten Tagen zum Einsatz kommen! Aber davon mehr beim n\u00e4chsten Mal.<\/p>\n\n\n\n<p>Winterliche Gr\u00fc\u00dfe bei 18\u00b0C<\/p>\n\n\n\n<p>Das Team der M215 (MMC-3)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch im Winter hat die Sonne hier in der \u00c4g\u00e4is noch Kraft. Der Himmel ist blau und die Stimmung gut, auch wenn wir in diesen ersten Tagen viel zu tun haben. 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