{"id":111,"date":"2026-01-07T15:15:00","date_gmt":"2026-01-07T15:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/?p=111"},"modified":"2026-01-06T21:52:07","modified_gmt":"2026-01-06T21:52:07","slug":"gruse-aus-der-nachtwache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/2026\/01\/07\/gruse-aus-der-nachtwache\/","title":{"rendered":"Gr\u00fc\u00dfe aus der Nachtwache"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein typischer Abend auf unserer Ausfahrt ist wahrscheinlich entspannter als auf vielen anderen. Denn f\u00fcr die meisten unserer Messungen ben\u00f6tigt man Tageslicht, und so haben die meisten Teammitglieder einen fast normalen Schlafrhythmus \u2013 au\u00dfer es wird unerwartet doch sp\u00e4ter im Labor, was auch vorkommen kann. Sonst findet man die Mitglieder des Teams abends beim gem\u00fctlichen Zusammensitzen und Kartenspielen, beim Sternegucken auf Deck, oder bei sp\u00e4ten Gespr\u00e4chen \u00fcber die morgigen Messungen. Oder man trifft sich selbstverst\u00e4ndlich schon etwas verschlafen auf dem Flur, auf dem Weg in die Kammern.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"908\" height=\"680\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-7.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-112\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-7.png 908w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-7-300x225.png 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-7-768x575.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 908px) 100vw, 908px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Benedikt Ruprecht, GEOMAR<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Das gilt f\u00fcr viele, aber nicht f\u00fcr alle: einige Auserw\u00e4hlte machen die Nacht zum Tag und k\u00fcmmern sich darum, dass alles l\u00e4uft, wenn die anderen schlafen. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Br\u00fccke werden vierst\u00fcndige Schichten eingeteilt \u2013 tags\u00fcber wie nachts sind die Offiziere in ihrem Zeitslot zur Stelle, um das Schiff zu steuern, und uns sicher zur n\u00e4chsten Station zu bringen. Beispielsweise trifft man von 4:00 bis 8:00 Uhr, und sp\u00e4ter wieder von 16:00 bis 20:00 Uhr mit hundertprozentiger Sicherheit den ersten Offizier Magnus auf der Br\u00fccke an. Damit im Dunkeln von der Br\u00fccke aus alles im Blick behalten werden kann, brennt dort ebenfalls kein Licht, und der Raum ist stockfinster. Die Verantwortlichen finden sich dort nat\u00fcrlich blind zurecht, daher ist das gar kein Problem \u2013 solange sich niemand an sie heranschleicht. Eine der ersten Lektionen, die man als Neuling auf dem Schiff lernt, ist es, sich fr\u00fchzeitig und deutlich bemerkbar zu machen, wenn man in der Nacht die Br\u00fccke betritt. Ansonsten verpasst man dem Wachhabenden schnell einen ordentlichen Schreck \u2013 dankenswerterweise nehmen bei unserer Fahrt alle die anf\u00e4nglichen Tritte ins Fettn\u00e4pfchen mit Humor, und die Schreckgespenster lernen schnell. Ansonsten verf\u00fcgt die Br\u00fccke \u00fcber eine erstklassige Kaffeemaschine, die die ein oder andere sp\u00e4te oder fr\u00fche Stunde vers\u00fc\u00dft.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"908\" height=\"680\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-8.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-113\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-8.png 908w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-8-300x225.png 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-8-768x575.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 908px) 100vw, 908px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Br\u00fccke in der Nacht. Foto: Johanna Salg, GEOMAR<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Wer k\u00f6nnte es denn wagen, nachts die Br\u00fccke heimzusuchen? Passiert etwas unten an Deck, informiert der wachhabende Matrose Olaf selbstverst\u00e4ndlich die Br\u00fccke. In den fr\u00fchen Morgenstunden, lange vor Sonnenaufgang, kommt Koch Mike gerne auf einen Kaffee vorbei. Von Seiten der Wissenschaft sind vor allem die Mitglieder des Multibeam-Teams die Verd\u00e4chtigen. Schon in vorherigen Beitr\u00e4gen erw\u00e4hnt, wird nachts auf der M215 (MMC-3) vor allem Hydroakustik gemessen. Das schiffsbasierte System l\u00e4uft im Ein-Personen-Betrieb und liefert uns Daten \u00fcber die Meeresbodenoberfl\u00e4che, deren Messung man live auf dem Bildschirm mitverfolgen kann. Die Arbeitsgruppe wird von der Doktorandin Effrosyni Varotsou (Froso) geleitet. Mittlerweile sind alle ein eingespieltes Team geworden und arbeiten zu jeder Tages- und Nachtzeit ausgezeichnet zusammen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"662\" height=\"882\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-9.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-114\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-9.png 662w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-9-225x300.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 662px) 100vw, 662px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Paraskevi Nomikou, National Kapodistrian University of Athens<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Wie funktioniert das ganze? Der Multibeam sendet von der Unterseite des Schiffs aus viele Male pro Sekunde einen breiten F\u00e4cher gerichteter Akustiksignale, auch Ping genannt, im hochfrequenten Bereich. Er misst die Zeit, die jedes einzelne Signal braucht, um vom Meeresboden zum Messsystem zur\u00fcckreflektiert zu werden und errechnet dann mithilfe der Schallgeschwindigkeit, die alle paar Tage eigens f\u00fcr die gesamte Wassers\u00e4ule gemessen wird, die Wassertiefe. Das Schiff f\u00e4hrt dabei die ganze Nacht \u00fcber eine vorher erstellte Route ab, die meistens aus ganz vielen unterschiedlich weit voneinander entfernten, parallelen Linien besteht. Diese wurden vorher viel diskutiert und geplant unter Ber\u00fccksichtigung vieler verschiedener Faktoren wie der Wassertiefe, dem Abstand zur K\u00fcste, der Neigungsrichtung des Hangs oder schlicht der zur Verf\u00fcgung stehenden Zeit, die jeden Tag davon abh\u00e4ngt, wann die tagaktiven Arbeitsgruppen ihre Messungen abschlie\u00dfen. Insgesamt soll so m\u00f6glichst effizient, aber l\u00fcckenfrei, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck Licht auf vorher unkartierte Stellen geworfen werden. Das kann sehr spannend sein, wenn wir gerade \u00fcber eine Verwerfung oder andere interessante geologische Strukturen fahren, nicht selten kartieren wir auf dieser Ausfahrt aber auch Flachwasserbereiche, die auf den ersten Blick eher langweilig anmuten, aber von gro\u00dfem Nutzen f\u00fcr so manches Modell sind, was nach der Ausfahrt mit den erhobenen Daten gef\u00fcttert werden wird. Selbst dann hat es jedoch etwas seltsam Meditatives, w\u00e4hrend der Wache auf dem Bildschirm zuzuschauen, wie Ping f\u00fcr Ping neue Daten auftauchen und ein regenbogenfarbenes topographisches Bild ergeben.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"908\" height=\"702\" src=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-10.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-115\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-10.png 908w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-10-300x232.png 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/m215\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2026\/01\/image-10-768x594.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 908px) 100vw, 908px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ausschnitt aus einem Multibeam-Profil. Foto: Johanna Salg<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Was passiert denn nun w\u00e4hrend einer durchschnittlichen Nachtwache im Multibeam-Team? Was geht den Wachhabenden durch den Kopf, w\u00e4hrend sie flei\u00dfig Wegpunkte loggen, Linien planen, Daten bearbeiten, und w\u00e4hrenddessen durchg\u00e4ngig das System im Blick behalten, das uns w\u00e4hrend der ein oder anderen Messung schon einmal kurzzeitig den Dienst verweigert hat? Kontrolle ist hier besser als Vertrauen, schlie\u00dflich brauchen wir die Daten, um die Einsatzgebiete f\u00fcr unsere AUVs (Autonomous Underwater Vehicle) und den Unterwasser-Videoschlitten MOMO festlegen zu k\u00f6nnen. In der Regel l\u00e4uft aber alles glatt, und der einzige Grund, um die Br\u00fccke heimzusuchen, ist es, um kurzfristig Wegpunkte zu erg\u00e4nzen oder zu vertagen, falls es zeitlich nicht genau passt. Wir haben nachgefragt, was die Tipps und Tricks der Teammitglieder f\u00fcr eine m\u00f6glichst entspannte, unterhaltsame Nachtwache beim Multibeam ist:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Voller Faszination auf den Bildschirm schauen, um erst bei der Abl\u00f6sung zu merken, dass die Stunden wie im Flug vergangen sind (Vorteil: Keine Chance, dass ein Systemfehler unbemerkt bleibt; Nachteil: Man tr\u00e4umt danach nur noch von bunten Meeresbodenprofilen)<\/li>\n\n\n\n<li>Snacken, was das Zeug h\u00e4lt. Wir sind die besten Kunden des schiffseigenen Snackverkaufs.<\/li>\n\n\n\n<li>Musik ist immer gut, um die Augenlider und die Stimmung hochzuhalten.<\/li>\n\n\n\n<li>In der Br\u00fccke vorbeischauen, und mit etwas Gl\u00fcck dort sogar einen Kaffee ergattern.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Nicht zu vergessen ist die Wache auf Deck, die sogar im Acht-Stunden-Betrieb organisiert ist. Von Mitternacht bis um 8:00 Uhr morgens trifft man dort Matrose Olaf an, der nach dem Rechten sieht. Nachts ist auch Zeit f\u00fcr Arbeiten wie Malen oder Entrosten &#8211; dort, wo Licht ist. Diese Schicht ist, besonders bei unserer Ausfahrt, bei der nachts keine Messger\u00e4te von oder an Deck gehen, die ruhigste von allen auf Deck. Auch in der Maschine geht stets eine Person Wache, denn auch dort wird stets im Auge behalten, dass alles ohne Probleme funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>So vergeht die Nacht, und bereits in den fr\u00fchen Morgenstunden wird das Schiff wach. Denn Fr\u00fchst\u00fcck gibt es um 7:15 Uhr, und&nbsp; die ersten Messger\u00e4te gehen sp\u00e4testens um 8:00 Uhr zu Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu welcher Tages- und&nbsp; Nachtzeit auch immer dieser Beitrag gelesen wird, senden wir viele Gr\u00fc\u00dfe!<\/p>\n\n\n\n<p>Das Team der M215 (MMC-3)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein typischer Abend auf unserer Ausfahrt ist wahrscheinlich entspannter als auf vielen anderen. 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