{"id":54,"date":"2021-12-22T09:03:00","date_gmt":"2021-12-22T09:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/connect\/?p=54"},"modified":"2021-12-23T10:25:39","modified_gmt":"2021-12-23T10:25:39","slug":"so-287-connect-im-krassen-kontrast-zur-kuste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/connect\/2021\/12\/22\/so-287-connect-im-krassen-kontrast-zur-kuste\/","title":{"rendered":"SO 287-CONNECT: Im krassen Kontrast zur K\u00fcste"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Forschungsschiff Sonne rauscht leise und kaum wellenbewegt gen Westen durch den tropischen Atlantik. Ein tolles Schiff mit jedem Komfort f\u00fcr die Wissenschaft \u2013 durchdacht von der modernen Ausr\u00fcstung zur Wasser-Probennahme und f\u00fcr Beobachtungen der Wasseroberfl\u00e4che und der Atmosph\u00e4re, bis hin zu gem\u00fctlichen Kammern und einer Messe mit 1A-Seeblick. Dazu kommt eine gute Verbindung zur Au\u00dfenwelt fast wie im Homeoffice \u2013 nur ohne nervige Videokonferenzen \u2013 daf\u00fcr gerne an Deck bei milden Temperaturen im Schatten und weitem Horizont.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Tag und bei Nacht werden Kranzwassersch\u00f6pfer in die Tiefe gelassen, um biogeochemische Eigenschaften zu profilieren und Wasserproben aus verschiedenen Tiefen nehmen zu k\u00f6nnen. Die Sensoren durchfahren die (tags\u00fcber) lichtdurchflutete Durchmischungsschicht (hier meist die oberen 50 Meter), die Sauerstoffminimumzone und weiter durch Wasser in diffus-blauem Lichtschein bis hinab in die stockdunkle Tiefsee. Tats\u00e4chlich taugt der Vergleich mit einer W\u00fcste; es sind nur kleinste Mengen an pflanzlichem Plankton im n\u00e4hrstoffarmen Wasser vorhanden, viel klareres Meerwasser gibt es kaum \u2013 der Ozean schimmert tiefblau. Entsprechend gro\u00dfe Wassermengen m\u00fcssen filtriert werden, um z.B. optische Algeneigenschaften bestimmen zu k\u00f6nnen. Phytoplankton hat Farbpigmente wie Chlorophyll-a und nutzt Sonnenstrahlungsenergie f\u00fcr Photosynthese, wobei u.a. Sauerstoff produziert wird. Damit ist Phytoplankton Ausgangspunkt des marinen Nahrungsnetzes, wichtiger Teil des globalen Kohlenstoffkreislaufs und tr\u00e4gt einen Gro\u00dfteil des verf\u00fcgbaren Sauerstoffs in der Atmosph\u00e4re bei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"3357\" height=\"2326\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/connect\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2021\/12\/SO287_CTD_IMG_7671.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57\"\/><figcaption>CTD-Rosette wird zu Wasser gelassen. Foto: Martin Hieronymi\/ Hereon<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Binnengew\u00e4ssern und an K\u00fcsten gibt es \u00fcblicherweise ein h\u00f6heres N\u00e4hrstoffangebot. Diese Gew\u00e4sser sind produktiver und weisen viel h\u00f6here Algenkonzentrationen auf. Teilweise kommen noch aufgewirbelte Sedimente und andere Schweb- und Farbstoffe hinzu, die das Wasser stark tr\u00fcben; Licht f\u00fcr Photosynthese reicht dann oft nicht tiefer als einen Meter. Die Licht-Absorptions- und Streueigenschaften der Wasserinhaltsstoffe ver\u00e4ndern die Farbe. Im \u00dcbergang vom tiefen Ozean zu den K\u00fcsten und bis hin zu Fl\u00fcssen und Seen \u00e4ndern sich die Farbnuancen in der Reflektanz \u2013 <em>Ocean Colour<\/em> \u2013 von Preu\u00dfisch-Blau zu Karibik-T\u00fcrkis, Badesee-Gr\u00fcn, Bergbau-Unfall-Rotbraun, Giftalgen-Rot bis hin zu Cola-Schwarz. Satelliten im All umkreisen die Erde kontinuierlich und nehmen dabei Bilder von Land und Seegebieten auf. <em>Ocean Colour<\/em> wird genutzt, um Konzentrationen von Wasserinhaltsstoffen abzusch\u00e4tzen \u2013 vor allem vom Chlorophyll-a des Phytoplanktons.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1343\" height=\"567\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/connect\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2021\/12\/SO287_Cruise_Track_OLCI_Chl.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-78\"\/><figcaption>Geplante Fahrtroute der Expedition. Die F\u00e4rbung zeigt die Chlorophyll-a Konzentration des Ozeans basierend aus Satellitendaten. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit dem Ziel verl\u00e4ssliche Erdbeobachtungsdaten f\u00fcr das gesamte aquatische Kontinuum Ozean-K\u00fcste-Binnengew\u00e4sser liefern zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die biooptischen Zusammenh\u00e4nge auch in den entlegensten Meeresw\u00fcsten untersucht werden. Obwohl es selbst hier etwas Leben im Meer gibt: winzige Krebse, Larven, Quallen und in der Tiefsee vermutlich noch vieles mehr. V\u00f6gel sieht man hier nicht, daf\u00fcr gelegentlich fliegende Fische. Und obwohl wir eines der klarsten Seegebiete der Welt \u2013 die Sargassosee \u2013 ansteuern, hoffen wir <em>Sargassum-W\u00e4lder<\/em> aufzusp\u00fcren, gro\u00dfe zusammenh\u00e4ngende Braunalgenteppiche, die an der Wasseroberfl\u00e4che treiben, erhebliche Prim\u00e4rproduktion erzeugen und einen besonderen Lebensraum f\u00fcr Krabben, W\u00fcrmer und andere Meerestiere darstellen. Die Augen sind aufs Meer gerichtet \u2013 die Satelliten leiten uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Martin Hieronymi\/ Hereon<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Forschungsschiff Sonne rauscht leise und kaum wellenbewegt gen Westen durch den tropischen Atlantik. 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