{"id":87,"date":"2013-10-14T08:27:26","date_gmt":"2013-10-14T08:27:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/?p=87"},"modified":"2013-10-14T11:56:59","modified_gmt":"2013-10-14T11:56:59","slug":"wochenbericht3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/2013\/10\/14\/wochenbericht3\/","title":{"rendered":"3. Wochenbericht, 06.10.13 &#8211; 13.10.13"},"content":{"rendered":"<p>Eine arbeitsreiche Woche liegt hinter uns, die uns aber auch viele neue Erkenntnisse gebracht hat. Die Kartierungen der letzten Woche haben deutlich gezeigt, dass das Herkunftsgebiet der in den Agadir Canyon einlaufenden gro\u00dfen Rutschungen ca. 150 km s\u00fcdlich des Canyons liegt. Das komplexe Muster von bis zu 100 m-hohen Abrisskanten zeigt, dass es sich um ein mehrstufiges Hangversagen handelt. Die Abrisskanten liegen teils in nur 500 m Wassertiefe. Hangrutschungen in diesen Wassertiefen sind daf\u00fcr bekannt, in der Vergangenheit Tsunamis ausgel\u00f6st zu haben. Im oberen Bereich des Agadir Canyons selbst finden dagegen nur vergleichsweise kleine Rutschungen statt.<\/p>\n<p>Im Laufe des Nachmittages des 6.10. nahmen wir drei Schwerelote unterhalb einer der Hauptabrisskanten. Auf den Rutschungsablagerungen liegen relativ m\u00e4chtige ungest\u00f6rte hemipelagische Sedimente, was die hydroakustischen Daten so nicht vermuten lie\u00dfen. Im letzten Kern des Tages waren aber in einer Kerntiefe von ca. 5,70 m eindeutig debritische Ablagerungen \u00fcber einer basalen Scherfl\u00e4che zu finden. Die Nacht wurde f\u00fcr weitere hydroakustische Messungen im Bereich der Abrisskante verwendet, um am Morgen des 7.10. TOBI zur Kartierung des Rutschungskomplexes auszubringen. Einzelne Komponenten des TOBIs lie\u00dfen sich jedoch nicht ansprechen, so dass das Ger\u00e4t wieder geborgen werden musste. Ein Software-Fehler wurde als m\u00f6gliche Ursache identifiziert, so dass TOBI am Nachmittag erneut ausgebracht wurde. Es lie\u00dfen sich jedoch wiederum einzelne Komponenten nicht ansprechen und weitere fielen nach und nach aus, so dass ein Einsatz nicht m\u00f6glich war. Nachdem TOBI wiederum an Bord war, wurden mittels drei weiterer Schwerelote erfolgreich verschiedene basale Rutschungsfl\u00e4chen beprobt. Da diese stratigraphisch in unterschiedlichen Tiefen liegen und teils deutlich j\u00fcnger als die am Vortag beprobten Rutschungsfl\u00e4chen sind, konnte durch die Kerne best\u00e4tigt werden, dass es zu einem mehrstufigen Hangversagen gekommen ist. Eine der spannenden Aufgaben im Labor wird es nun sein, die einzelnen Ereignisse zu datieren, um sie dann mit Turbiditen im Agadir-Becken korrelieren zu k\u00f6nnen. In der Nacht zum 08.10. wurden seismische Daten \u00fcber die Abrisskante aufgezeichnet. Erste Analysen zeigen, dass direkt unterhalb der Hauptabrisskante zahlreiche Diapire liegen und die Lage der Rutschungen m\u00f6glicherweise kontrollieren. Die seismischen Messungen wurden bis zum Abend des 8.10. fortgesetzt.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit wurde eine Leckage in einem der Druckgeh\u00e4use des TOBIs als Fehler identifiziert; da umfangreiche Arbeiten zur Reparatur notwendig waren, verlie\u00dfen wir zun\u00e4chst des Herkunftsgebiet der Rutschungen, um deren Haupttransportweg weiter zu kartieren und die Rutschungsablagerungen selbst zu beproben. Die Daten zeigen eindeutig den Haupttransportweg des Rutschungsmaterials in den Canyon (Abb. 1). Wir vermuten, dass sich das Flie\u00dfverhalten der Rutschungen bei Eintritt in den Canyon \u00e4ndert und es dabei zu sogenannten Flow-Transformationen kommt, deren Untersuchung eines der Hauptziele der Fahrt ist. Die Kartierungen wurden am Nachmittag des 09.10. unterbrochen, um das reparierte TOBI-Druckgeh\u00e4use auf Dichtigkeit zu pr\u00fcfen, indem es an der CTD befestigt auf etwa 2500 Meter Tiefe gebracht wurde. Dieser Test war erfolgreich und das TOBI-Team konnte damit beginnen, die einzelnen Komponenten wieder an das TOBI-Fahrzeug zu bauen. Die Nacht wurde zur Kartierung des Agadir-Canyons seew\u00e4rts der Eintrittsstelle der gro\u00dfen Rutschungen genutzt, um so die geplanten TOBI-Messungen in diesem Gebiet vorzubereiten. Dabei sieht man bereits auf den hydroakustischen Daten einen zentralen Einschnitt und Hinweise auf unterschiedliches Flie\u00dfverhalten der Sedimentstr\u00f6me im Agadir-Canyon.<\/p>\n<div id=\"attachment_94\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb3_kern_photo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-94\" class=\"size-medium wp-image-94\" alt=\"Abb. 2: Kernphoto des Kerns MSM32-14-1. Im Bereich von ca. 6,3 \u2013 7,8 m ist ein Debrit (Schuttstrom) zu erkennen, der von einem Turbidit \u00fcberlagert wird. Siehe Abb. 1 f\u00fcr Lage des Kerns.\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb3_kern_photo-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb3_kern_photo-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb3_kern_photo.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-94\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Kernphoto des Kerns MSM32-14-1. Im Bereich von ca. 6,3 \u2013 7,8 m ist ein Debrit<br \/>(Schuttstrom) zu erkennen, der von einem Turbidit \u00fcberlagert wird. Siehe Abb. 1 f\u00fcr Lage des<br \/>Kerns.<\/p><\/div>\n<p>Am Morgen des 10.10. wurden zun\u00e4chst 2 Schwerelotkerne im Bereich des Haupttransportweges sowie ein Referenzkern aus ungest\u00f6rten Sedimenten genommen. Die Kerne sind zwischen 8 und 9 m lang. Die beiden Rutschungskerne zeigen in ca. 6 m Sediment-Tiefe wundersch\u00f6ne Schuttstromablagerungen; an einer Lokation liegt direkt oberhalb des Schuttstroms ein ca. 30 cm m\u00e4chtiger Turbidit (Abb. 2). Der genetische Zusammenhang zwischen diesen beiden Strukturen sowie ihr Alter kann erst im Labor untersucht werden.<\/p>\n<p>Nach der erfolgreichen Beprobung wurde am Nachmittag das reparierte TOBI ausgesetzt. W\u00e4hrend unmittelbar nach dem Aussetzen alles OK schien, traten ab ca. 500 m Tauchtiefe zahlreiche St\u00f6rungen in den Daten auf, so dass das Instrument wiederum geborgen werden mussten. Diesmal konnte der Fehler sehr schnell lokalisiert werden; das Kabel zwischen dem Instrument und dem Depressor war angebrochen und musste ausgetauscht werden.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit sammelten wir seismische Daten \u00fcber den Canyon und den Haupttransportweg der Rutschungsablagerungen. Die seismischen Daten belegen eindrucksvoll, dass der Transportweg schon seit langer Zeit aktiv ist. Er schneidet sich tief (bis zu 500 m) in die umgebenen ungest\u00f6rten Sedimente ein (Abb. 3). Damit ist unsere Hypothese best\u00e4tigt, dass es sich um den zentralen Transportweg f\u00fcr Sedimente vom Kontinentalhang in das Agadir Becken handelt. Weiterhin zeigen die seismische Daten m\u00e4chtige Schuttstromablagerungen im Canyon sowie wiederum zahlreiche Diapire. Von den Flanken der Diapire gehen zahlreiche kleinere Rutschungen ab.<\/p>\n<div id=\"attachment_99\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb3_seismik_prof18.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-99\" class=\"size-medium wp-image-99\" alt=\"Abb. 3: Seismisches Profil \u00fcber den Haupttransportweg der Rutschungen in den Agadir Canyon. Dieser Transportweg ist schon seit langer Zeit aktiv und war bis zu 500 m in das umgebene Sediment eingeschnitten. Siehe Abb. 1 f\u00fcr Lage des Profils.\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb3_seismik_prof18-300x184.jpg\" width=\"300\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb3_seismik_prof18-300x184.jpg 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb3_seismik_prof18.jpg 971w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-99\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Seismisches Profil \u00fcber den Haupttransportweg der Rutschungen in den Agadir<br \/>Canyon. Dieser Transportweg ist schon seit langer Zeit aktiv und war bis zu 500 m in das<br \/>umgebene Sediment eingeschnitten. Siehe Abb. 1 f\u00fcr Lage des Profils.<\/p><\/div>\n<p>Nach Beendigung der seismischen Messungen wurde am Morgen des 12.10. wiederum TOBI ausgesetzt. Diesmal funktionierte das Ger\u00e4t einwandfrei. Seit dem 12.10. sammeln wir nun Sidescan-Daten von dem Boden des Agadir Canyons und eine erste Sichtung der Daten deutet bereits an, dass sich das Transportmuster im Canyon signifikant \u00e4ndert. Parallel zu dem Sidescan l\u00e4uft auch die Airgun-Seismik. \u00dcber erste Ergebnisse der kombinierte Sidescan- und Seismik-Messungen werden wir n\u00e4chste Woche berichten.<\/p>\n<p>An Bord sind nach wie vor alle wohlauf.<\/p>\n<p>Es gr\u00fc\u00dft im Namen aller Fahrtteilnehmer,<\/p>\n<p>Sebastian Krastel<\/p>\n<p>Auf See, 31\u00b015\u2019N, 12\u00b000\u2019W<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine arbeitsreiche Woche liegt hinter uns, die uns aber auch viele neue Erkenntnisse gebracht hat. Die Kartierungen der letzten Woche haben deutlich gezeigt, dass das Herkunftsgebiet der in den Agadir Canyon einlaufenden gro\u00dfen Rutschungen ca. 150 km s\u00fcdlich des Canyons liegt. 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