{"id":75,"date":"2013-10-13T10:28:47","date_gmt":"2013-10-13T10:28:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/?p=75"},"modified":"2013-10-14T11:51:01","modified_gmt":"2013-10-14T11:51:01","slug":"wochenbericht2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/2013\/10\/13\/wochenbericht2\/","title":{"rendered":"2. Wochenbericht, 30.09.13 &#8211; 06.10.13"},"content":{"rendered":"<p>Am 01.10.2013 war der lange Transit nach Marokko endlich beendet und das wissenschaftliche Programm startete um 09:00h mit dem Einschalten der hydroakustischen Systeme der Merian. Am selben Tag erreichten wir gegen 15:00h unsere erste Station am Ausgang des El Hadiba Canyons. Der El Hadiba Canyon ist ein \u201akleinerer Canyon\u2018 ca. 40 nautische Meilen n\u00f6rdlich des Agadir Canyons. Klein hei\u00dft in diesem Zusammenhang, dass er immer noch eine L\u00e4nge von \u00fcber 200 km hat und am oberen Hang bis zu 1000 m in die umliegenden Sedimente einschneidet. Ziel war es zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob einer der gr\u00f6\u00dften Gravitationsstr\u00f6me im Agadir Becken (das sogenannte Bed 5, Alter ca. 200.000 Jahre, Volumen ca. 160 km3) ganz oder teilweise durch diesen Canyon transportiert worden ist. Zun\u00e4chst wurde jedoch eine CTD bis<br \/>\nin 4230 m Tiefe gefahren, um einen \u00dcberblick \u00fcber die Wassermassen zu bekommen, ein Geschwindigkeits-Tiefenprofil f\u00fcr die bathymetrischen Systeme zu messen und einen neu aufgespulten Draht zu testen. Zwei kurze Parasoundprofile zur Stationssuche f\u00fcr das Schwerelot zeigten am Rand des Canyon Bereiche mit guter Eindringung. Leider trafen wir auf extrem verfestigte Sedimente und der Kerngewinn war nur ca. 1.2 m. Im Kernf\u00e4nger war eindeutig eine Erosionsfl\u00e4che zu erkennen. J\u00fcngere Sedimente m\u00fcssen von dieser Lokation weg transportiert worden sein. Die Nacht zum 02.10. wurde f\u00fcr hydroakustische Profilierungen auf dem Weg in das erste richtige Arbeitsgebiet n\u00f6rdlich des Agadir-Canyons genutzt. Alte spanische Sediment-Echolotdaten zeigen m\u00f6gliche Kaltwasser-Korallenriffe in diesem Gebiet. Im Rahmen der MSM32-Fahrt soll \u00fcberpr\u00fcft werden, ob es dort wirklich Kaltwasser-<br \/>\nKorallenriffe gibt, und falls ja, ob es sich um lebende Korallen handelt. In diesem Gebiet kam es zu einem ersten Einsatz des TOBI-Sidescan Sonars. TOBI ist ein tiefgeschlepptes Sidescan Sonar, das mit einer Frequenz von 31 kHz arbeitet und einen 6 km-breiten Streifen auf dem Meeresboden detailliert abbildet. Die Aufl\u00f6sung von Strukturen am Meeresboden betr\u00e4gt ca. 3 m.<\/p>\n<p>Der erste TOBI-Einsatz verlief problemlos und brachte viel-versprechende Daten. Der Meeresboden im ausgew\u00e4hlten Gebiet ist in Wassertiefen zwischen ca. 580 m und 900 m von kleinen H\u00fcgeln \u00fcbers\u00e4t. Dies ist ein typischer Tiefenbereich f\u00fcr Kaltwasserkorallen im Atlantischen Ozean. Einzelne H\u00fcgel haben einen Durchmesser von bis zu 300 m und eine H\u00f6he von 15 m (Abb.1). Einer dieser H\u00fcgel wurde mittels eines Gro\u00dfkastengreifers (GKG) beprobt. Eine optimale Positionierung des GKG war durch den Einsatz von Posidonia gegeben. Der Kastengreifer kam zu einem Drittel gef\u00fcllt zur\u00fcck und schon au\u00dfen waren zahlreiche tote Lophelia pertusa zu erkennen. Zu unserer gro\u00dfen Freude befanden sich im Kasten auch lebende Kaltwasser-Korallen (Abb.2). Unseres Wissens nach ist dies der erste Fund von lebenden Kaltwasser-Korallen vor der K\u00fcste Marokkos au\u00dferhalb des Golfs von C\u00e1diz. Insofern stellen sie ein wichtiges Bindeglied zwischen den bekannten Funden im Golf von C\u00e1diz im Norden und vor der K\u00fcste Mauretaniens im S\u00fcden dar. Um die hydrographischen Bedingungen f\u00fcr die Korallen zu erfassen, wurde an gleicher Stelle eine Rosette\/CTD gefahren. Wir werden im sp\u00e4teren Verlauf der Reise zu dieser Station zur\u00fcckkehren, um eine Jo-Jo-CTD \u00fcber einen vollen Tidenzyklus zu fahren.<\/p>\n<div id=\"attachment_95\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb2_gkg_lophelia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-95\" class=\"size-medium wp-image-95\" alt=\"Abb 2: Links: Begeisterung am Gro\u00dfkastengreifer, in dem sich lebende Lophelia pertusa (rechts) befinden.\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb2_gkg_lophelia-300x113.jpg\" width=\"300\" height=\"113\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb2_gkg_lophelia-300x113.jpg 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb2_gkg_lophelia-1024x386.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-95\" class=\"wp-caption-text\">Abb 2: Links: Begeisterung am Gro\u00dfkastengreifer, in dem sich lebende Lophelia pertusa<br \/>(rechts) befinden.<\/p><\/div>\n<p>In der Nacht zum 3.10. kreuzten wir erstmals den Agadir-Canyon, um anschlie\u00dfend gro\u00dfe Massenumlagerungen s\u00fcdlich des Canyons zu kartieren. Vereinzelt verf\u00fcgbare Parasound-Daten deuten in diesem Gebiet gro\u00dfe Rutschungsablagerungen an. Am 03.10. nahmen wir an zwei Stationen Proben mittels Schwerelot und Gro\u00dfkastengreifer. Die erste Station lag innerhalb der Rutschungsablagerungen, w\u00e4hrend die akustischen Daten ungest\u00f6rte Sedimente f\u00fcr die zweite Station abbildeten. Zu unserer \u00dcberraschung war der Kerngewinn an der potentiellen Rutschungsstation mit 7,70 m deutlich gr\u00f6\u00dfer als an der ungest\u00f6rten Station (ca. 3.30 m). Trotz des klaren akustischen Bildes haben wir in den Sedimenten des Rutschungskerns keine eindeutigen Hinweise auf umgelagertes Material gefunden. Eventuell handelt es sich um gro\u00dfe gerutschte Bl\u00f6cke, deren interne Struktur intakt geblieben ist. Nach der Beendigung der Stationen haben wir 2 lange seismische Profile von ca. 3000 m Wassertiefe bis an die Schelfkante aufgezeichnet. Diese Profile zeigen neben den oberfl\u00e4chennahen Rutschk\u00f6rpern auch viele gro\u00dfe sediment-bedeckte Rutschk\u00f6rper. Zudem treten zahlreiche Diapire auf, die Ausgangspunkt f\u00fcr kleinere Rutschungen sind. Die seismischen Profile zeigen ebenfalls, dass es einen Haupttransportweg f\u00fcr Rutschungen in den Agadir-Canyon gibt.<\/p>\n<p>Um das Herkunftsgebiet dieser gro\u00dfen Massenumlagerungen zu finden, begannen wir am 05.10. morgens Teile des Hanges systematisch mit den hydroakustischen Systemen der Merian zu kartieren. Die bathymetrischen Daten zeigen ein komplexes Muster aus Massenumlagerungen mit vielen internen Abrisskanten, kleineren Kan\u00e4len und unterschiedlichen Erscheinungsbildern der umgelagerten Sedimente. Die Echtzeitanalyse der Daten erlaubte es uns, die Lage der Abrisskante immer weiter einzugrenzen und am 06.10 im Laufe des Vormittgas passierten wir zum ersten Mal die gesuchte Hauptabrisskante, die teilweise \u00fcber 150 m hoch ist. Das komplexe Muster deutet auf ein mehrstufiges Versagen des Hanges hin. Vermutlich stammen viele der Sedimente im Agadir-Becken urspr\u00fcnglich aus diesem Gebiet. Um die Rutschungsablagerungen n\u00e4her zu charakterisieren, nehmen wir zurzeit erste Schwerelote direkt unterhalb der Abrisskante. Ab morgen sollen dann die Rutschungsablagerungen detailliert mittels TOBI und Seismik vermessen werden.<\/p>\n<p>An Bord geht es allen gut. Wir genie\u00dfen die W\u00e4rme, das gute Essen, und insbesondere die vielversprechenden ersten wissenschaftlichen Ergebnisse.<\/p>\n<p>Mit den besten W\u00fcnschen gr\u00fc\u00dft im Namen aller Fahrtteilnehmer<\/p>\n<p>Sebastian Krastel<\/p>\n<p>Auf See, 29\u00b015\u2019N, 10\u00b040\u2019W<\/p>\n<div id=\"attachment_97\" style=\"width: 263px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb2_morpho_headwall.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-97\" class=\"size-medium wp-image-97\" alt=\"Abb. 3: Neue bathymetrische Karte eines Rutschungskomplexes s\u00fcdlich des Agadir Canyons .\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb2_morpho_headwall-253x300.jpg\" width=\"253\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb2_morpho_headwall-253x300.jpg 253w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb2_morpho_headwall-864x1024.jpg 864w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb2_morpho_headwall.jpg 1473w\" sizes=\"auto, (max-width: 253px) 100vw, 253px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-97\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Neue bathymetrische Karte eines Rutschungskomplexes s\u00fcdlich des Agadir Canyons .<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 01.10.2013 war der lange Transit nach Marokko endlich beendet und das wissenschaftliche Programm startete um 09:00h mit dem Einschalten der hydroakustischen Systeme der Merian. 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