{"id":46,"date":"2013-10-05T17:08:10","date_gmt":"2013-10-05T17:08:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/?p=46"},"modified":"2013-10-13T10:32:16","modified_gmt":"2013-10-13T10:32:16","slug":"die-weise-pracht-aus-der-tiefsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/2013\/10\/05\/die-weise-pracht-aus-der-tiefsee\/","title":{"rendered":"Die wei\u00dfe Pracht aus der Tiefsee"},"content":{"rendered":"<p><i>Von Silke Glogowski und Jonas von Reumont<\/i><\/p>\n<p>Fischer und Wissenschaftler wissen seit mindestens drei Jahrhunderten, dass Korallen auch in den kalten und dunklen Bereichen der Meere existieren. Der norwegische Bischof Erich Pontopiddan (1698 &#8211; 1764) beschrieb schon fr\u00fch die von Fischern entdeckten Kaltwasserkorallen als \u201cMeeresgem\u00fcse\u201d und glaubte an Medizin aus diesen Korallen. Er beschrieb und zeichnete 1755 als erster eine schneewei\u00dfe Art, deren Polypen sich \u00fcppig wie eine Bl\u00fcte entfalten. Carl von Linn\u00e9 gab der Art, die nicht nur in wei\u00dfer Farbe, sondern auch in Gelb-, Orange- und Rosat\u00f6nen vorkommt, 1758 ihren Namen <i>Madrepora pertusa<\/i> (=<i>Lophelia pertusa<\/i>). Zahlreiche Funde w\u00e4hrend der britischen Challenger-Expedition zur Erforschung der Tiefsee (1872-1878) lie\u00dfen fr\u00fch erahnen, dass <i>Lophelia pertusa<\/i> rund um den Globus vertreten ist.<\/p>\n<p><b><i>Dunkel, kalt und n\u00e4hrstoffreich<\/i><\/b><\/p>\n<p>Inzwischen haben Wissenschaftler <i>Lophelia pertusa <\/i>in fast allen Ozeanbecken gefunden. Anders als die tropischen Korallen findet man Sie sogar in den hohen Breiten, etwa vor Nord-Norwegen oder weit s\u00fcdlich von Neuseeland. Auch im Golf von C\u00e1diz und vor Mauretanien vor NW-Afrika haben Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung Kiel\u00a0 <i>Lophelia pertusa<\/i> entdeckt und untersucht. In der Region des Agadir Canyons sind wir nun erneut auf der Suche nach bisher unentdeckten Kaltwasserprovinzen. Im Golf von C\u00e1diz und vor Mauretanien befinden sich die Korallen zwischen 500 und 900 Metern Wassertiefe. In diese Tiefen dringt kein Tageslicht. Anders als die meisten bekannten tropischen Korallen besitzen Kaltwasserkorallen keine Zooxanthellen als Symbionten, die sie mittels Photosynthese in ihrer Ern\u00e4hrung unterst\u00fctzen k\u00f6nnten. Sie filtern Plankton und andere N\u00e4hrstoffe aus dem Wasser und gedeihen daher besonders gut in Regionen in denen starke Str\u00f6mungen gro\u00dfe Futtermengen herbei transportieren. Mit Wassertemperaturen zwischen 4 und fast 14 Grad Celsius ist die Toleranzspanne von <i>Lophelia pertusa<\/i> zwar relativ weit, \u00fcberwiegend trifft man sie aber zwischen 6 bis 8 Grad an.<\/p>\n<p><b><i>Ist da wer? Wenn ja, warum? <\/i><\/b><\/p>\n<p>In der bisher wenig erkundeten Region des Agadir-Canyons wollen wir die kontrollierenden Faktoren zur Formation von Kaltwasser-Korallen untersuchen. Diese Arbeiten stellen ein wichtiges Bindeglied zwischen den bereits genannten Provinzen im Golf von C\u00e1diz und vor Mauretanien dar. Ein anderer Aspekt der Arbeiten ist die Untersuchung der Kaltwasser-Kolonien auf m\u00f6gliche Zerst\u00f6rung durch Schleppnetzfischerei. Schleppnetze sind ein gro\u00dfes Problem, denn Kaltwasserriffe sind ein wichtiger Lebensraum und \u201eKindergarten\u201c f\u00fcr viele Fischarten und bed\u00fcrfen eines besonderen Schutzes.<\/p>\n<p>Im Rahmen vorausgegangener Ausfahrten konnten vereinzelt h\u00fcgelartige Strukturen in einer Tiefe von etwa 700 Metern identifiziert werden. Die gr\u00f6\u00dften dieser H\u00fcgel sind bis zu 500 Meter breit, 20 Meter hoch und bieten durch ihre Exponiertheit potentiell gute Bedingungen f\u00fcr Kaltwasser-Korallen. Unsere Arbeit umfasst die Suche nach entsprechenden Strukturen unter Zuhilfenahme seismischer und hydroakustischer Systeme, die Bergung von Bodenproben und die Erfassung der regionalen Hydrographie, der physikalischen und chemischen Beschaffenheit und Ver\u00e4nderlichkeit der umgebenden Wassermassen. Hierdurch ist sie ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr interdisziplin\u00e4re wissenschaftliche Praxis.<\/p>\n<p><b><i>Viele H\u00fcgel und ein erster Erfolg!<\/i><\/b><\/p>\n<p>Am 2. Oktober lieferten das bordeigene Multibeam und Parasound (Systeme zur Kartierung der Meeresbodenoberfl\u00e4che und zur Darstellung oberfl\u00e4chennaher Strukturen im Untergrund) Informationen \u00fcber ein \u00fcberraschend weitl\u00e4ufiges H\u00fcgelfeld in etwa 700 Metern Wassertiefe im n\u00f6rdlichen Bereich des Agadir Canyon Systems. K\u00f6nnte es sich um besiedelte Strukturen handeln? Hoffnung und auch ein wenig Begeisterung \u00fcber den Fund machten sich breit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-48\" alt=\"Abb_2\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_2-300x248.jpg\" width=\"300\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_2-300x248.jpg 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_2-1024x849.jpg 1024w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_2.jpg 1065w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Agadir Canyon und ein neu entdecktest H\u00fcgelfeld<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-49\" alt=\"Abb_3\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_3-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_3-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_3-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_3.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gro\u00dfkastengreifer<\/p>\n<p>Schnell konnten wir uns auf einen H\u00fcgel f\u00fcr die Probenahme einigen und der Br\u00fccke das n\u00e4chste Reiseziel mitteilen. W\u00e4hrend des Transits wurde der Gro\u00dfkastengreifer (GKG) f\u00fcr den Einsatz vorbereitet. Dieses Ger\u00e4t \u201estanzt\u201c einen gro\u00dfen Quader (50x50x60cm) aus dem Meeresboden und erm\u00f6glicht die Beprobung der ungest\u00f6rten Oberfl\u00e4che und Sedimente darunter. Nach der Positionierung des Schiffes wurde der GKG zu Wasser gelassen und auf die Reise in 700 Metern Tiefe geschickt. Nach dem Bodenkontakt, w\u00e4hrend des Hievens, stieg die Spannung mit jedem Meter Stahlseil, den die Winde zur\u00fcck auf die Trommel spulte. Dann eine kleine Sensation! Der Kasten des Greifers war voll und unten am Verschluss lugten abgescherte Korallenfragmente hervor. Ohne einen Blick auf den tats\u00e4chlichen Inhalt des Kastens geworfen zu haben, war klar: Der erste Einsatz ist eine Punktlandung, was f\u00fcr ein Erfolg! Nachdem das Ger\u00e4t zur\u00fcck an Deck und gelascht war, konnten wir den Kasten \u00f6ffnen. Wundersch\u00f6ne und vor allem auch lebende Exemplare von <i>Lophelia pertusa<\/i> lagen auf dem kleinen Ausschnitt des Meeresbodens, der jetzt vor uns stand.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-50\" alt=\"Abb_4\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_4-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_4-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_4-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Kaltwasserkorallen im GKG<\/p>\n<p>Nun galt es, die hydrographische Umwelt zu erfassen in der <i>Lophelia pertusa<\/i> am Ort der Probenahme existieren kann. Was braucht die Koralle zum Leben? Hier kommt uns ein Multitalent zu Hilfe. Die CTD-Sonde misst simultan Parameter wie die Temperatur, die Dichte, den Salz- und den Sauerstoffgehalt des Wassers. Eine die Sonde umgebende, kranzf\u00f6rmige Anordnung von Wassersch\u00f6pfern erm\u00f6glicht zus\u00e4tzlich die Entnahme von Wasserproben in definierten Tiefen. Im Labor k\u00f6nnen die Wasserproben sp\u00e4ter mit Hinblick auf N\u00e4hrstoffe, Kohlenstoff und bestimmte Isotope untersucht werden. Der Einsatz der CTD bildete den Abschluss eines \u00fcberaus erfolgreichen Arbeitstages. Das Programm wird fortgesetzt&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-51\" alt=\"e\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_5-246x300.jpg\" width=\"246\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_5-246x300.jpg 246w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_5-842x1024.jpg 842w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Abb_5.jpg 1127w\" sizes=\"auto, (max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><\/a><\/p>\n<p>CTD-Rosette<\/p>\n<p>Die CTD-Sonde misst simultan Parameter wie die Temperatur, die Dichte, den Salz- und den Sauerstoffgehalt des Wassers. Eine die Sonde umgebende, kranzf\u00f6rmige Anordnung von Wassersch\u00f6pfern erm\u00f6glicht zus\u00e4tzlich die Entnahme von Wasserproben in definierten Tiefen.<\/p>\n<p><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Silke Glogowski und Jonas von Reumont Fischer und Wissenschaftler wissen seit mindestens drei Jahrhunderten, dass Korallen auch in den kalten und dunklen Bereichen der Meere existieren. Der norwegische Bischof Erich Pontopiddan (1698 &#8211; 1764) beschrieb schon fr\u00fch die von Fischern entdeckten Kaltwasserkorallen als \u201cMeeresgem\u00fcse\u201d und glaubte an Medizin aus diesen Korallen. 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