{"id":163,"date":"2013-10-28T09:50:59","date_gmt":"2013-10-28T09:50:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/?p=163"},"modified":"2013-10-28T09:50:59","modified_gmt":"2013-10-28T09:50:59","slug":"wochenbericht5-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/2013\/10\/28\/wochenbericht5-2\/","title":{"rendered":"5. und letzter Wochenbericht, 20.10.13 &#8211; 27.10.13"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem wir am 20.10. f\u00fcnf Kerne im Bereich von Rutschungsablagerungen s\u00fcdlich des\u00a0Agadir Canyons genommen hatten, zeigten seismische Messungen in der Nacht das\u00a0stufenf\u00f6rmige Auftreten von Abrisskanten. Diese Abrisskanten sind die Ausganspunkte der\u00a0Rutschungsablagerungen, und fallen hier mit ausgepr\u00e4gten Sedimentwellen im Untergrund\u00a0zusammen. Sedimentwellen und Konturite sind daf\u00fcr bekannt, potentiell instabil zu sein. Die\u00a0Verteilung von Sedimentwellen scheint die Lage der einzelnen Abrisskanten in unserem\u00a0Arbeitsgebiet zu kontrollieren. Da einzelne Abrisskanten \u00fcber 100 m hoch sind und auch in\u00a0relativ geringen Wassertiefen von deutlich unter 1000 m auftreten, haben die Rutschungen\u00a0m\u00f6glicherweise Tsunamis in der Vergangenheit ausgel\u00f6st. Unsere Arbeiten an der\u00a0Abrisskante des Rutschungskomplexes beendeten wir am 21.10. morgens mit einer\u00a0Kernstation unmittelbar unterhalb einer der Abrisskanten, da dort die Gleitfl\u00e4che der\u00a0Rutschung mit unserem Schwerelot erreicht werden konnte. Der Kern zeigt in einer Tiefe von\u00a0ca. 1 m einen deutlichen Wechsel von hemipelagischem zu sehr stark konsolidiertem\u00a0Material, das die Gleitfl\u00e4che darstellt.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten drei Tage arbeiteten wir vor allem auf dem Schelf, um den Sedimenttransport in\u00a0das Agadir-Canyon-System zu untersuchen. Hydroakustische Profile zeigen einen variablen\u00a0Aufbau des Schelfs mit zahlreichen anstehenden Basement-Strukturen, einem relativ schwach\u00a0ausgebildeten Mudbelt und einigen Bereiche mit Sedimentwellen. Generell befinden sich auf\u00a0dem Schelf wenig quart\u00e4re Sedimente. Gekippte und verfaltete Basementstrukturen stehen an\u00a0vielen Stellen direkt am Meeresboden an. Es gibt keine eingeschnittenen T\u00e4ler, die zu Zeiten\u00a0von Meeresspiegeltiefst\u00e4nden direkte Sedimenttransportwege zum Hang gewesen sind. Eine\u00a0Ausnahme bildet ein Neben-Canyon des Agadir-Canyons, der ca. 100 km s\u00fcdlich das\u00a0Hauptcanyons in den Schelf einschneidet (Abb. 1). Zwar l\u00e4sst sich auch dieser Einschnitt\u00a0nicht bis an die K\u00fcste verfolgen, er stellt jedoch eine Falle f\u00fcr junge Sedimente dar. Vier\u00a0Gro\u00dfkastengreifer in diesem Bereich zeigen, dass es sich bei den Sedimenten vor allem um\u00a0feine Sande handelt, die sich nicht mit dem Schwerelot beproben lassen. Ein Schwerelot in ca.\u00a0800 m Wassertiefe in der Achse des Canyons erbrachte zwar nur ca. 1.5 m Kerngewinn;\u00a0Turbidite in diesem Kern zeigen jedoch an, dass in der j\u00fcngeren Vergangenheit Sedimente\u00a0durch diesen Canyon in das Agadir-Canyon-System transportiert worden sind. Daher\u00a0entschlossen wir uns, den Canyon in der Nacht auf den 24.10. mittels der hydroakustischen\u00a0Systeme der Merian zu kartieren. Der Verlauf des Canyons ist ganz wesentlich durch Diapire\u00a0kontrolliert. Der 24.10. wurde f\u00fcr weitere geologische Beprobungen auf dem Schelf genutzt.\u00a0Der bereits erw\u00e4hnte Mudbelt breitet sich vor allem vor der M\u00fcndung des Sous-Rivers nach\u00a0Norden aus, zeigt allerdings nur eine M\u00e4chtigkeit von knapp 5 m. Er reicht nicht bis zum\u00a0Agadir-Canyon, der ca. 50 km n\u00f6rdlich der M\u00fcndung des Flusses liegt. Der Schelfbereich\u00a0oberhalb des Agadir Canyons ist fast frei von j\u00fcngeren Sedimenten, was darauf hindeutet,\u00a0dass der Canyon zurzeit nicht aktiv ist. Die Arbeiten auf dem Schelf endeten am sp\u00e4ten\u00a0Abend des 24.10.<\/p>\n<div id=\"attachment_150\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_bathy_corals.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-150\" class=\"size-medium wp-image-150\" alt=\"Abb. 2: Bathymetrische Karte des Kaltwasser-Korallengebiets.\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_bathy_corals-300x212.jpg\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_bathy_corals-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_bathy_corals-1024x726.jpg 1024w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_bathy_corals.jpg 1796w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-150\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Bathymetrische Karte des Kaltwasser-Korallengebiets.<\/p><\/div>\n<p>Das folgende Arbeitsgebiet war der Bereich von Kaltwasserkorallen, in dem wir bereits zu\u00a0Beginn der Fahrt eine einzelne Probe genommen hatten. Zus\u00e4tzliche bathymetrische Daten\u00a0(Abb. 2) zeigen, dass ein Gebiet von ca. 400 km2 in Wassertiefen zwischen 650 m und 850 m\u00a0mit H\u00fcgeln von bis zu 15 m H\u00f6he \u00fcbers\u00e4t ist. \u00dcber das Gebiet verteilt wurden 6\u00a0Gro\u00dfkastengreifer genommen. Nachdem sich in den ersten 4 K\u00e4sten nur tote Lophelien\u00a0befanden, befanden sich in den beiden letzten K\u00e4sten auch zahlreiche lebende\u00a0Kaltwasserkorallen Lophelia pertusa (Abb. 3). Das ist als gro\u00dfer Erfolg zu verzeichnen,\u00a0zumal wir ohne bildgebende Ger\u00e4tschaften unterwegs sind und uns \u201anur\u2018 auf das\u00a0geophysikalische Datenmaterial berufen haben, um die Positionen f\u00fcr die Gro\u00dfkastengreifer\u00a0festzulegen. An der Stelle mit der gr\u00f6\u00dften Artenvielfalt haben wir daraufhin eine Jo-Jo-CTD\u00a0gefahren, d.h. eine st\u00fcndlich wiederholte CTD \u00fcber einen Zeitraum von 13 Stunden. Mit\u00a0diesen Wiederholungen sind wir nach Auswertung aller Daten imstande, einen vollen\u00a0Tidezyklus zu analysieren. Alle anderen zuvor mit dem Gro\u00dfkastengreifer beprobten\u00a0Stationen haben wir im Anschluss abermals angefahren und jeweils ein einzelnes CTD-Profil\u00a0gefahren, um die unterschiedliche Wassermassen \u00fcber den Lophelien untersuchen zu\u00a0k\u00f6nnen. Nach der Datenanalyse \u2013 Abb. 4 zeigt als Beispiel ein Profil aus unserem Datensatz &#8211;\u00a0wird es uns m\u00f6glich sein, die Unterschiede der hydro- geophysikalischen Parameter zwischen\u00a0den toten und den lebenden Lophelia pertusa heraus zu arbeiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_153\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_corals.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-153\" class=\"size-medium wp-image-153\" alt=\"Abb. 3: Der Inhalt des Gro\u00dfkastengreifers mit artenreicher Vielfalt und lebenden Lophelia pertusa.\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_corals-300x208.jpg\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_corals-300x208.jpg 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_corals.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-153\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Der Inhalt des Gro\u00dfkastengreifers mit artenreicher Vielfalt und lebenden Lophelia pertusa.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_152\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_ctd.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-152\" class=\"size-medium wp-image-152\" alt=\"Abb. 4: CTD\u2013Profil (Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff) und ein T-S-Diagramm zum obigen Kastengreifer (NACW = North Atlantic Current Water).\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_ctd-300x153.jpg\" width=\"300\" height=\"153\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_ctd-300x153.jpg 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb5_ctd.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-152\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 4: CTD\u2013Profil (Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff) und ein T-S-Diagramm zum obigen Kastengreifer (NACW = North Atlantic Current Water).<\/p><\/div>\n<p>Die Zeit bis zum Ablaufen werden wir nutzen, um weitere Daten und Proben vom Agadir\u00a0Canyon zu sammeln. Eine Station heute Morgen zeigte grobe turbiditsiche Ablagerungen\u00a0ca.\u00a0400 m oberhalb des Canyon-Bodens. Dabei muss es sich um extrem gro\u00dfe und energiereiche\u00a0Turbidit-Str\u00f6me gehandelt haben. Morgen um 22:00h werden wir uns auf den relativ kurzen\u00a0Transit nach C\u00e1diz machen, wo wir am 30.10. um 08:00h einlaufen werden.\u00a0Da die Fahrt nun fast vorbei ist, ist es Zeit, ein erstes kurzes Fazit zu ziehen. Die Maria S.\u00a0Merian Fahrt MSM32 kann als voller Erfolg gewertet werden. Wir haben zu allen\u00a0Fragestellungen vielversprechende Daten gesammelt, teils sogar mehr als wir uns erhofft\u00a0haben. Die Kombination aus akustischen und geologischen Daten wird es uns erm\u00f6glichen,\u00a0die Morphologie, die Dynamik und die damit verbundenen Geogefahren im Agadir Canyon\u00a0System detailliert zu untersuchen.<\/p>\n<p>Dies w\u00e4re nicht ohne die hervorragende Unterst\u00fctzung der Besatzung m\u00f6glich gewesen. Alle\u00a0Fahrtteilnehmer\/innen bedanken sich bei Kapit\u00e4n Schmidt und der Besatzung f\u00fcr die\u00a0freundliche Aufnahme und die tolle Unterst\u00fctzung auf der Merian. Ob es mal wieder eine\u00a0kurzfristige \u00c4nderung des Plans war, der Wunsch nur 2.5 statt 2.8 Knoten zu fahren, oder das\u00a0Lieblingsessen zum Mittag: Ihr habt durch Euren gro\u00dfen Einsatz und viel Flexibilit\u00e4t alles\u00a0m\u00f6glich und damit die Fahrt zu einem Erfolg gemacht. Vielen Dank!<\/p>\n<p>Es gr\u00fc\u00dft im Namen aller Fahrtteilnehmer,<\/p>\n<p>Sebastian Krastel<\/p>\n<p>Auf See, 31\u00b015\u2019N, 11\u00b050\u2019W<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem wir am 20.10. f\u00fcnf Kerne im Bereich von Rutschungsablagerungen s\u00fcdlich des\u00a0Agadir Canyons genommen hatten, zeigten seismische Messungen in der Nacht das\u00a0stufenf\u00f6rmige Auftreten von Abrisskanten. Diese Abrisskanten sind die Ausganspunkte der\u00a0Rutschungsablagerungen, und fallen hier mit ausgepr\u00e4gten Sedimentwellen im Untergrund\u00a0zusammen. Sedimentwellen und Konturite sind daf\u00fcr bekannt, potentiell instabil zu sein. Die\u00a0Verteilung von Sedimentwellen scheint die Lage [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":151,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-163","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=163"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":194,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163\/revisions\/194"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-json\/wp\/v2\/media\/151"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}