{"id":129,"date":"2013-10-21T09:51:35","date_gmt":"2013-10-21T09:51:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/?p=129"},"modified":"2013-10-22T08:54:20","modified_gmt":"2013-10-22T08:54:20","slug":"wochenbericht4-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/2013\/10\/21\/wochenbericht4-2\/","title":{"rendered":"4. Wochenbericht, 13.10.13 &#8211; 20.10.13"},"content":{"rendered":"<p>Am 12.10.2013 hatten wir eine kombinierte TOBI- und Seismik Vermessung begonnen, um das Flie\u00dfverhalten von Massenstr\u00f6men im Agadir Canyon zu untersuchen. Geplant waren zwei parallele Profile entlang des Canyon-Bodens, gefolgt von einem Profil \u00fcber das Eintrittsgebiet der Massenstr\u00f6me in den Canyon, der ca. 10 km breit ist. Das erste Canyon-Profil konnte bis zum Abend des 13.10. wie geplant abgefahren werden. Auf dem Gegenprofil war es aufgrund starker Str\u00f6mungen nicht mehr m\u00f6glich, die Seismik parallel zum TOBI zu schleppen. Zus\u00e4tzlich frischte am 14.10. der Wind zunehmend auf und erreicht am Abend des 14.10. im Mittel Beaufort 7. Da Wind und Strom direkt von der Seite kamen, war es trotz der hervorragenden Man\u00f6vrierbarkeit der Merian nicht mehr m\u00f6glich, bei 2.5 Knoten den durch den Canyon vorgebeben Kurs zu halten. Insofern wurde die TOBI-Vermessung an diesem Punkt abgebrochen. Die Bergung des Ger\u00e4tes in Dunkelheit und bei sich zunehmend aufbauender See wurde von der Mannschaft extrem professionell gehandhabt. Die Nacht auf den 15.10. wurde dann f\u00fcr seismische Messungen \u00fcber den Canyon genutzt. Die kombinierten akustischen Daten geben uns einen sehr detaillierten Einblick in die Prozesse am Canyon- Boden. Die Seismik (Abb. 1) zeigt den tief-eingeschnittenen Canyon. Am Canyon-Boden befinden sich mehrere bis zu 80 m m\u00e4chtige transparente Einheiten, die wir als Schuttstr\u00f6me interpretieren.<\/p>\n<p>Die TOBI Daten zeigen ein komplexes Bild von Ablagerungen am Boden des Agadir- Canyons. An manchen Stellen dominieren sandige Ablagerungen (hohe R\u00fcckstreuung), w\u00e4hrend andere Bereiche durch tonige Schuttstr\u00f6me und Hintergrundsedimente charakterisiert sind (geringe R\u00fcckstreuung). Ein axialer Kanal stellt den Haupttransportweg f\u00fcr sandige Turbiditstr\u00f6me dar. Die TOBI-Daten zeigen ebenfalls, dass zahlreiche kleinere Rutschungen von der Seite in den Canyon gelangen.<\/p>\n<div id=\"attachment_123\" style=\"width: 852px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_tobi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-123\" class=\"size-full wp-image-123\" alt=\"Abb. 2: TOBI Daten vom Boden des Agadir-Canyons.\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_tobi.jpg\" width=\"842\" height=\"595\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_tobi.jpg 842w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_tobi-300x211.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 842px) 100vw, 842px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-123\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: TOBI Daten vom Boden des Agadir-Canyons.<\/p><\/div>\n<p>Basierend auf den neuen Daten wurden vom 15. \u2013 17.10. zahlreiche Kerne in verschiedenen Bereichen des Canyons genommen. Nachts wurden die seismischen und hydroakustischen Daten komplementiert. Am 15.10. beprobten wir den Bereich des Canyons, in dem gro\u00dfe Rutschungen seitlich in den Canyon eintreten. Die Kerne zeigen, dass sandige Turbidite insbesondere aus dem oberen Bereich des Canyons selbst kommen, w\u00e4hrend die seitlich eintretenden Rutschungen beim Eintritt in den Canyon Bestand haben und sich noch nicht mit Seewasser durchmischen, d.h. noch keine Turbidite bilden. Die Turbidite aus dem oberen Bereich des Canyons sind jedoch zu klein, um die gro\u00dfen Turbidit-Ablagerungen im Agadir- Becken zu erkl\u00e4ren. Insofern verfolgten wir die Rutschungssedimente weiter den Canyon hinunter. Dabei \u00fcberquerten wir am 16.10. eine in den akustischen Daten deutlich sichtbare Grenze: Ein erster Kern an dieser Grenze brachte zwar nur ca. 2 m Kerngewinn, zeigte aber Schuttstrom- Ablagerungen mit fast senkrecht stehenden Klasten unterhalb von ca. 50 cm m\u00e4chtigen hemipelagischen Hintergrundsedimenten. Dabei k\u00f6nnte es sich um einen \u201aausfrierenden Schuttstrom\u2018 handeln, der hier zum Stillstand gekommen ist. Am n\u00e4chsten Tag (17.10.) zeigte ein Kern nur ca. knapp 10 km entfernt von dem vorherigen Kern keine Anzeichen f\u00fcr klassische Schuttstrom-Ablagerungen, aber ein gut durchmischtes Material, das auch Fragmente vom Schelf und Korallenst\u00fccke enth\u00e4lt. Dies deutet drauf hin, dass der Schuttstrom sich in diesem Bereich in einen Turbidit umwandelt und es zu einer sogenannten \u201aFlow-Transformation\u2018 kommt. Dies passiert zu unserer gro\u00dfen \u00dcberraschung erst ca. 350 km von der Quelle der Rutschungen entfernt; auf diesem Weg tritt der Schuttstrom nach ca. 200 km in den Canyon ein und bewegt sich dann im Canyon f\u00fcr weitere 150 km ohne dass Mischungsprozesse auftreten. Die Transformation tritt in einem Bereich auf, in dem sich der Gradient des Canyons \u00e4ndert. Ob dies Zufall ist oder im kausalem Zusammenhang zur Transformation steht, werden erst sp\u00e4tere Untersuchungen im Labor zeigen.<\/p>\n<p>Am 17.10. um 16:00h machten wir uns auf den Weg zur\u00fcck in das erste Arbeitsgebiet, um die Abrisskante der Rutschung mit TOBI zu vermessen. Der Weg dorthin wurde genutzt, um L\u00fccken in der bathymetrischen Karte zu f\u00fcllen. Auch das versp\u00e4tete Bergfest wurde auf dem Transit mit einem Grillabend an Deck gefeiert; wie immer wurden wir von der K\u00fcchencrew bestens versorgt.<\/p>\n<p>Am Abend des 18.10. wurde TOBI gemeinsam mit der Seismik bei optimalen Wetterbedingungen ausgesetzt, um zwei ca. 50 Seemeilen lange Profile \u00fcber die Abrisskante und den oberen Rutschungsbereich aufzuzeichnen. TOBI zeigt in diesem Bereich relativ geringe, homogene R\u00fcckstreuwerte, was vermutlich an einer ca. 6 m m\u00e4chtigen ungest\u00f6rten Sedimentschicht oberhalb der Rutschungsablagerungen liegt. Die Seismik zeigt im Bereich der Abrisskante ein stufenf\u00f6rmiges Muster aus einer Reihe von rotierten Bl\u00f6cken. Da die TOBI-Daten in dem Gebiet der Abrisskante im Vergleich zu den bathymetrischen Daten keine nennenswert neuen Informationen erbrachten, brachen wir den TOBI-Survey am Abend des 19.10. ab. Die Nacht wurde f\u00fcr weitere seismische Messung \u00fcber die Rutschung genutzt. Am 20.10. hatten wir dann einen dicht gedr\u00e4ngten Geologie-Tag mit insgesamt 5 Kernstationen. Die ersten drei Kerne sind inzwischen ge\u00f6ffnet und der Transect zeigt einen extrem interessanten \u00dcbergang von Schuttstrom-Ablagerungen \u00fcber leicht deformierte Schichten zu ungest\u00f6rten Sedimenten (Abb. 3). Diese Kerne werden eine detaillierte Rekonstruktion des Flie\u00dfverhaltens des Schuttstromes in diesem Bereich erm\u00f6glichen. Morgen werden wir einen letzten Kern im Bereich der Rutschung nehmen, bevor wir uns dann Richtung Schelf bewegen, um den Sedimenttransport vom Schelf in den oberen Bereich des Canyon zu untersuchen.<\/p>\n<div id=\"attachment_120\" style=\"width: 860px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_cores.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-120\" class=\"size-full wp-image-120\" alt=\"Abb 3: Intensive Diskussion der Kerne (links) die den \u00dcbergang von einem Schuttstrom (unten rechts) \u00fcber leicht deformierte Sedimente (oben rechts) zu ungest\u00f6rten Hintergrund- Sedimenten zeigen (Mitte rechts). Photos: Heiko J\u00e4hmlich und Russell Wynn.\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_cores.jpg\" width=\"850\" height=\"228\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_cores.jpg 850w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_cores-300x80.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-120\" class=\"wp-caption-text\">Abb 3: Intensive Diskussion der Kerne (links) die den \u00dcbergang von einem Schuttstrom (unten rechts) \u00fcber leicht deformierte Sedimente (oben rechts) zu ungest\u00f6rten Hintergrund- Sedimenten zeigen (Mitte rechts). Photos: Heiko J\u00e4hmlich und Russell Wynn.<\/p><\/div>\n<p>Das extrem ruhige Wetter der letzten Tage erm\u00f6glichte es uns auch, eine Vielzahl von Schildkr\u00f6ten (Caretta caretta) zu beobachten, die insbesondere in der Mittagszeit an der Oberfl\u00e4che sind (Abb. 4). Die Vielzahl der Schildkr\u00f6ten deutet auf einen bisher wenig bekannten Migrationspfad dieser faszinierenden Tiere hin.<\/p>\n<div id=\"attachment_122\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_Loggerhead_Turtle1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-122\" class=\"size-full wp-image-122\" alt=\"Abb. 4: Schildkr\u00f6te (Caretta caretta) im Arbeitsgebiet. Photo: Russell Wynn.\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_Loggerhead_Turtle1.jpg\" width=\"720\" height=\"505\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_Loggerhead_Turtle1.jpg 720w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/wb4_Loggerhead_Turtle1-300x210.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-122\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 4: Schildkr\u00f6te (Caretta caretta) im Arbeitsgebiet. Photo: Russell Wynn.<\/p><\/div>\n<p>Die Stimmung an Bord ist nach wie vor prima und alle sind gespannt, was die n\u00e4chste (und letzte Woche) noch bringen wird.<\/p>\n<p>Es gr\u00fc\u00dft im Namen aller Fahrtteilnehmer,<\/p>\n<p>Sebastian Krastel<\/p>\n<p>Auf See, 30\u00b002\u2019N, 11\u00b046\u2019W<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 12.10.2013 hatten wir eine kombinierte TOBI- und Seismik Vermessung begonnen, um das Flie\u00dfverhalten von Massenstr\u00f6men im Agadir Canyon zu untersuchen. Geplant waren zwei parallele Profile entlang des Canyon-Bodens, gefolgt von einem Profil \u00fcber das Eintrittsgebiet der Massenstr\u00f6me in den Canyon, der ca. 10 km breit ist. 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