{"id":105,"date":"2013-10-16T05:31:09","date_gmt":"2013-10-16T05:31:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/?p=105"},"modified":"2013-10-16T05:31:09","modified_gmt":"2013-10-16T05:31:09","slug":"die-kernfabrik-der-maria-s-merian","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/2013\/10\/16\/die-kernfabrik-der-maria-s-merian\/","title":{"rendered":"Die Kernfabrik der Maria S. Merian"},"content":{"rendered":"<p><i>30\u00b035,296\u2019N 11\u00b024,344\u2019W, 2496 m Wassertiefe, 9:00 Uhr, 15.10.13<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p>Wir befinden uns vor marokkanischen K\u00fcste. Die Maria S. Merian h\u00e4lt auf den Meter genau ihre Position, die vorher in intensiven Diskussionen basierend auf geophysikalischen Messungen festgelegt wurde. Hier soll in den n\u00e4chsten Stunden mithilfe eines Schwerelotes ein bis zu 10m langer Sedimentkern entnommen werden.<\/p>\n<p>Das \u201eCoring Team\u201c steht an Deck und beobachtet wie das Schwerelot \u00fcber die Reling gehievt wird und im tiefblauen Wasser verschwindet. Mit 1,3 m\/s wird das Konstrukt, was im Wesentlichen aus einem langen Stahlrohr mit einem 2 Tonnen schweren Bleigewicht an dessen Oberseite besteht, durch die Wassers\u00e4ule gef\u00fchrt und in den Meeresboden gerammt. Jetzt hei\u00dft es warten: Trifft das Rohr auf eine harte Sedimentschicht, die vorher in den geophysikalischen Messungen nicht sichtbar ist, kann dieses verbiegen und alle M\u00fche war umsonst. Auch das Rausrutschen von Sediment beim Hieven oder das zu weite Eindringen des\u00a0 Schwerelotes kann dazu f\u00fchren, dass die Station wiederholt werden muss. Heute l\u00e4uft zum Gl\u00fcck alles gut. Puhh&#8230;<\/p>\n<p>Nachdem das 10 m lange Schwerelot nach bis zu einer Stunde Aufstieg aus den Tiefen des Agadir Canyons wieder auftaucht,\u00a0 schwebt es an einem Stahlseil \u00fcber der Wasseroberfl\u00e4che und wird mitsamt des sogenannten Absatzgestelles von zwei Kr\u00e4nen vorsichtig an Bord geholt. Danach beginnt die eigentliche Arbeit des \u201eCoring Teams\u201c, das nach anf\u00e4nglichen Beschriftungsproblemen mittlerweile so eingespielt ist, dass die Arbeit wie am Flie\u00dfband l\u00e4uft.<\/p>\n<p><b>Prozess der Kernbearbeitung<\/b><\/p>\n<p>Ist der Kern an Deck muss zun\u00e4chst die genaue L\u00e4nge ausgemessen werden, sodass jedes 1m-lange Kernst\u00fcck einheitlich beschriftet und nummeriert werden kann. Hier hei\u00dft es: Konzentration, m\u00f6glichst keine Fehler machen und so Chaos vermeiden. Die Kernsegmente werden dann mit einer Kreiss\u00e4ge in zwei H\u00e4lften ges\u00e4gt, wobei das Ger\u00e4usch beim Zers\u00e4gen des Plastiks erstaunlich unangenehm klingt. Erst dann beginnt der Marathon der eigentlichen Bearbeitung der Kerne.<\/p>\n<ul>\n<li>Zun\u00e4chst werden die Kerne beschrieben, wobei auf die Farbe der Sedimente, die Korngr\u00f6\u00dfe und besondere Merkmale wie G\u00e4nge von W\u00fcrmern eingegangen wird.<\/li>\n<li>Anschlie\u00dfend werden die Segmente fotografiert.<\/li>\n<li>Danach werden Proben genommen, anhand derer sp\u00e4ter im Labor die genauen Korngr\u00f6\u00dfen bestimmt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Im Folgenden werden f\u00fcr die Bestimmung der Porosit\u00e4t Sedimentproben entnommen, aus denen im Labor anhand des Wassergehaltes der Porenanteil abgeleitet werden kann. Zum Vergleich wird die Porosit\u00e4t zus\u00e4tzlich \u00fcber den elektrischen Widerstand gemessen, der abh\u00e4ngig vom Wassergehalt und somit vom Porenvolumen ist.<\/li>\n<li>Dar\u00fcber hinaus wird mithilfe von kleinen Metallkegeln die Scherfestigkeit des Sedimentes gemessen, die Aussagen \u00fcber die Verfestigung der Sedimente zul\u00e4sst.<\/li>\n<li>Danach werden 1 cm dicke \u201eSedimentscheiben\u201c von der Kernoberfl\u00e4che abgetragen, die sp\u00e4ter ger\u00f6ntgt werden. So entstehen Bilder, die die genaue Abfolge der Ablagerungen und die Dicke der einzelnen Schichten, sowie G\u00e4nge von W\u00fcrmern oder Fossilfragmente zeigen.<\/li>\n<li>Zu allerletzt werden dann noch Sedimentabstriche gemacht, die zur Datierung der Sedimente anhand von Mikrofossilien genutzt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei so vielen Bearbeitungsschritten ist jede Hilfe des gesamten wissenschaftlichen Teams willkommen. Alle packen mit an und sind am Ende des Tages ganz sch\u00f6n geschafft. Da reicht die Kraft gerade noch so f\u00fcr ein Tischtennismatch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild2_geo_lab.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-108\" alt=\"Bild2_geo_lab\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild2_geo_lab-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild2_geo_lab-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild2_geo_lab.jpg 709w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p><b><i>Bild 1: <\/i><\/b><i>Das <\/i>\u201eCoring Team\u201c bei der Arbeit.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild3_geotechnics.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-107\" alt=\"Bild3_geotechnics\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild3_geotechnics-224x300.jpg\" width=\"224\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild3_geotechnics-224x300.jpg 224w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild3_geotechnics.jpg 680w\" sizes=\"auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/a><\/p>\n<p><b><i>Bild 2: <\/i><\/b>Scherfestigkeitsversuche.<\/p>\n<p><b>Sinn und Zweck der Kernentnahme<\/b><\/p>\n<p>In den letzten Tagen haben wir 15 Kernstationen gr\u00f6\u00dftenteils erfolgreich angefahren. Ziel der zahlreichen Untersuchungen ist es die geophysikalischen Daten mit den Sedimentkernen zu untermauern und so den Verlauf, die Art und die Transformation der Sedimentstr\u00f6me in der Region des Agadir Canyons zu rekonstruieren. Zus\u00e4tzlich kann anhand der Sedimente das Alter und die Herkunft der Sedimentfl\u00fcsse bestimmt werden. Die Entnahme von Sedimentkernen ist somit unerl\u00e4sslich f\u00fcr eine genaue Interpretation der seismischen und hydroakustischen Messungen im Untersuchungsgebiet.<\/p>\n<p>Mast- und Schotbruch<\/p>\n<p>Isabell und Katrin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild4_core.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-106\" alt=\"Bild4_core\" src=\"http:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild4_core-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild4_core-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild4_core-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.oceanblogs.org\/agadircanyon\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2013\/10\/Bild4_core.jpg 1701w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bild 3: Ein Kern aus 2500m Wassertiefe<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30\u00b035,296\u2019N 11\u00b024,344\u2019W, 2496 m Wassertiefe, 9:00 Uhr, 15.10.13 Wir befinden uns vor marokkanischen K\u00fcste. 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