Kommunizieren oder nicht kommunizieren, das ist hier die Frage

Bei der Preisverleihung des Fastforward Science Video-Wettbewerbs. Luisa Linkersdörfer (3. v. r.) überzeugte die Jury mit ihrer Begeisterung für skurrile Kleinstlebewesen in der Ostsee. Foto: Jan Steffen Bei der Preisverleihung des Fastforward Science Video-Wettbewerbs. Luisa Linkersdörfer (3. v. r.) überzeugte die Jury mit ihrer Begeisterung für skurrile Kleinstlebewesen in der Ostsee. Foto: Jan Steffen

Dies ist der Blog der Öffentlichkeitsarbeit vom GEOMAR und vom Ozean der Zukunft. Normalerweise ist es unser Job, die in oder von Kiel aus durchgeführte Meeresforschung und ihre Ergebnisse möglichst verständlich darzustellen und zu verbreiten. Doch manchmal macht es Sinn, sich nicht nur mit der Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu beschäftigen, sondern auch mit der eigenen. Gibt es neue, bessere Möglichkeiten, die Meereswissenschaften zu kommunizieren? Wie erreiche ich Menschen, die ich bisher nicht erreicht habe? Ist das alles so richtig, wie ich es mache?

Eine gute Gelegenheit, um sich diese Fragen zu stellen, Neues zu entdecken oder einfach Bestätigung für das eigene Tun zu finden, ist in jedem Herbst das “Forum Wissenschaftskommunikation” organisiert von Wissenschaft im Dialog. Gefühlt trifft sich dort alljährlich die komplette Szene der Pressestellen, Kommunikationsabteilungen und Outreach-Verantwortlichen der Universitäten, wissenschaftlichen Einrichtungen und Forschungsförderer Deutschlands.

Ja, zugegeben, es gibt natürlich Themen, die sich beim Forum wiederholen. Die Wissenschaftskommunikation kann sich nicht jedes Jahr neu erfinden. Deshalb bin ich am vergangenen Mittwoch zwar mit Vorfreude, aber nicht mit allzu übertriebenen Erwartungen zum diesjährigen Forum in Bonn gefahren. Ich wollte einfach möglichst viele Kolleginnen und Kollegen treffen, neue kennenlernen und mich umhören, was aktuell so läuft.

Doch ich wurde positiv überrascht. Aus meiner Sicht war das Forum in diesem Jahr kontroverser als die Vorgängerveranstaltungen. Das hilft Positionen zu überprüfen oder auch zu schärfen. In diesem Jahr bildete das Verhältnis Wissenschaftskommunikation zur Wissenschaft einen Schwerpunkt des Forums. Und dabei wurde klar, dass es Forschende gibt, die – ganz klar – Forschung als ihre eigentliche Aufgabe sehen und Kommunikation außerhalb der eigenen Community als zweitrangig ansehen oder sogar gänzlich ablehnen.

In einer Umgebung, in der sich alle mit Kommunikation beschäftigen, sorgte das natürlich für Diskussionen. Persönlich habe ich keine Probleme, wenn einzelne Forschende sagen, sie fühlten sich nicht zur (nicht-wissenschaftlichen) Kommunikation berufen. Wir würden uns wahrscheinlich vieler wissenschaftlicher Talente berauben, wenn wir Außen-Kommunikation als Einstellungsvoraussetzung für wissenschaftliche Stellen nehmen.

Andererseits muss die Wissenschaft insgesamt definitiv mit der Gesellschaft kommunizieren. Und zwar um denen, die sie finanzieren, zu erklären, was Wissenschaft eigentlich macht. Außerdem sind Menschen, die sich nach wissenschaftlichen Grundsätzen mit bestimmten Themen beschäftigen, nun einmal ExpertInnen auf ihrem Gebiet. Diese Expertise benötigen wir, um gesellschaftliche Entscheidungen auf Grundlage von bestehendem Wissen zu treffen. Letztendlich ist Wissenschaft Teil dieser Gesellschaft und sie ist selbst darauf angewiesen, dass wir nicht von Vorurteilen, Ängsten und Demagogie beherrscht werden.

Veranstaltungsort für das #FWK18: Das Hauptgebäude der Universität Bonn. Foto: Jan Steffen

Veranstaltungsort für das #FWK18: Das Hauptgebäude der Universität Bonn. Foto: Jan Steffen

Begrüßung und Keynote im Hörsaal. Da kommen Erinnerungen an die Studienzeit auf. Foto: Jan Steffen

Begrüßung und Keynote im Hörsaal. Da kommen Erinnerungen an die Studienzeit auf. Foto: Jan Steffen


Wissenschaft, die in die Vergangenheit führt. Prof. Dr. Turi King von der University of Leicester beschrieb die Entdeckung des Grabes von Richard III. und den darauf folgenden Medienrummel. Siehe auch Link zum Artikel "Zurück zu den Wurzeln" Foto: Jan Steffen

Wissenschaft, die in die Vergangenheit führt. Prof. Dr. Turi King von der University of Leicester beschrieb die Entdeckung des Grabes von Richard III. und den darauf folgenden Medienrummel. Siehe auch Link zum Artikel “Zurück zu den Wurzeln” Foto: Jan Steffen

Als Gastblogger für Wissenschaft im Dialog durfte ich in diesem Jahr sogar einen kleinen Beitrag zu den Diskussionen auf dem Forum leisten. Vielleicht habe ich das Forum, oder zumindest die Teile, die ich besucht habe, dadurch auch bewusster verfolgt.

Bevor ich an dieser Stelle das Forum noch einmal in allen Einzelheiten beschreibe, verweise ich deshalb einfach auf meine Beiträge im WiD-Blog:

  1. Vielleicht sehen wir uns in Bonn
  2. Wollen wir nur Menschen erreichen, die ohnehin offen sind für geistige Herausforderungen?
  3.  Zurück zu den Wurzeln
  4. (K)ein Hoch auf den Elfenbeinturm

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Beiträge der zweiten Gastbloggerin Luiza Bengtsson vom Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin hinweisen:

  1. Juhu, ein Jahr ist rum
  2. Traditionen und Appelle
  3. Berührungsängste abbauen
  4. Der Untergang der Pommes rot-weiß

Ein Ereignis während des Forums möchte ich aber noch hervorheben. Am Donnerstagabend wurden die Preise im Wissenschafts-Videowettbewerb Fastforward Science vergeben (Bild ganz oben). Den ersten Platz beim Sonderpreis “Superfast” hat Luisa Linkersdörfer mit einem Video über Klein- und Kleinstorganismen der Ostsee gewonnen. Luisa ist Mitglied im Freitagsforscherclub des GEOMAR. Deshalb freuen wir uns ganz besonders über ihren Erfolg. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Das Video ist ihr ganz persönliches Werk. Davon erfahren haben wir erst, als die Gewinnbenachrichtigung kam. Umso mehr: Herzlichen Glückwunsch, Luisa!

 

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