Versunkene Schätze – Abenteuer in der Tiefe

Kinderuni mit Dr. Flo(h)rian Huber: Versunkene Schätze in der Tiefsee

Archäologe Florian Huber faszinierte Kinder und ihre Eltern bei der Kinderuniversität mit Schilderungen seiner Forschungstauchgänge.

Mein zweiter Tag im Exzellenzcluster Future Ocean und es geht sofort richtig zur Sache. Schüler, die ihre Eltern am Ärmel hinter sich herziehen, volle Eingänge ins Audimax und gespannte Stille, als es auf der Bühne losgeht mit der Vorlesung „Versunkene Schätze – Abenteuer in der Tiefe“. Was das alles zu bedeuten hat? Wer schon einmal dabei war, weiß Bescheid: Es ist wieder Kinderuniversität. Die Schüler haben, ihre Geschwister und Eltern im Schlepptau, den Weg an die Kieler Christian-Albrechts-Universität gefunden, um in dem mit etwa 1000 Besuchern beinahe voll besetzten Hörsaal gespannt Dr. Floh (alias Dr. Florian Huber) zu lauschen.

Das Publikum von Dr. Floh: Der große Hörsaal im Audimax der Uni Kiel ist fast bis auf den letzten Platz besetzt.

„In der Ostsee, auf etwa 80 Metern Tiefe liegt die ‚Mars‘ – Mars, wie der Schokoriegel“, erzählt Florian Huber, und die Kinder kichern. Der Archäologe und Forschungstaucher berichtet von einem besonders faszinierenden Wrack in der Ostsee, das vor etwa 500 Jahren zwischen Gotland und Öland gesunken ist. Mit an Bord des gut erhaltenen, schwedischen Kriegsschiffes ist eine Ladung von 120 Kanonen sowie tausende Gold- und Silbermünzen. Gespannte Stille liegt über dem Hörsaal, als der Wissenschaftler erklärt, wie aus unzähligen Fotos am Computer ein zusammenhängendes Bild des Wracks erstellt werden kann.
Von der „Mars“ der Ostsee geht es weiter nach Mexiko. Dort hat Florian Huber mit seinem Forschungstaucher-Team und Kollegen von Submaris sogenannte Cenoten, im Dschungel gelegene, unterirdische Höhlensysteme betaucht. Von den uralten Decken hängen Tropfsteine, und am Boden ist eine 9000 Jahre alte Feuerstelle auszumachen. Ein sicheres Indiz dafür, dass Menschen zu dieser Zeit die Cenoten noch trockenen Fußes betreten konnten. Erst im Laufe der Jahrtausende haben sich die mit dem Ozean verbundenen Höhlen durch den Anstieg der Meeresspiegel mit Wasser gefüllt und so die Schätze vergangener Kulturen konserviert.

Opfergaben der Maya, die die weit verzweigten Höhlen als heilige Quellen geehrt haben, Skelette von Menschen, Riesenfaultieren und sogar einem Elefanten haben die Archäologen bei ihren Tauchgängen in den untergegangenen Höhlen gefunden. Beim Anblick der vielen leeren Augenhöhlen, die uns plötzlich von der Leinwand entgegen schauen, schüttelt es den Jungen neben mir ein wenig, doch das faszinierte Grinsen verschwindet keineswegs aus seinem Gesicht. Eilig flüstert er seinem Sitznachbarn etwas ins Ohr, während der Forschungstaucher die andersartige Mode der Maya präsentiert, bestehend aus Jade-Gesichtsschmuck und angespitzten Schneidezähnen. Der Wissenschaftler versteht es perfekt, seine komplexe Forschung kindgerecht und spannend aufzubereiten.

Bevor es losgeht, stellen die Lotsen bei jeder Kinder Uni dem Vortragenden noch einige Fragen.

Über Mikronesien, eine besondere Haibegegnung und Flugzeugwracks am Meeresgrund geht die filmische Reise weiter zu spielenden Seehunden, die das Submaris-Team bei einer Forschungsreise auf Film gebannt hat. Doch nicht nur atemberaubende Videos werden gezeigt, sondern auch ernste Themen angesprochen: Etwa 10 000 Wracks mit rostenden Tanks oder Fässern voller Öl liegen am Meeresgrund. Die Gefahr der Umweltverschmutzung durch verrostende Munition und austretendes Öl wird in den nächsten Jahren steigen und die einzige Chance dies zu verhindern, sind aufwändige und kostenintensive Bergungen.

In einer Fragerunde am Ende der Vorlesung wird außerdem das Geheimnis um die „Höhlenleine“, die der Orientierung bei langen Tauchgängen in den Cenoten diente, gelüftet. Kaum ist die letzte Frage beantwortet, fangen die Tische an zu vibrieren – schließlich wissen die Kids bereits durch vorangegangene Vorlesungen der Kinderuni, dass im Hörsaal geklopft und nicht geklatscht wird. Und sobald das Licht angeht, hat sich auch schon eine große Traube Kinder an der Bühne versammelt, die Autogramme ergattern oder weitere Fragen haben.

Vor dem Vortrag ist nach dem Vortrag: die Lotsen checken schon einmal potentielle Fragen für Dr. Floh

Während ich auf die Gelegenheit warte selbst eine Frage zu stellen, komme ich ins Gespräch. „Mir haben die Seerobben am besten gefallen“, sagt Tilda (sieben, fast acht Jahre alt). Hubertus (fünf Jahre) fand die Haie spannend, und als sich Tildas etwa gleichaltrige Freundin Helena dazugesellt, sind sich die beiden Mädchen einig: „Forschungstaucher werden“ ist der neue Berufswunsch. Gemeinsam stellen wir fest, dass die Kinderuniversität mindestens genauso spannend wie die Uni für Studenten ist, und ich überlege mir schon, ob ich am nächsten Kinderuni-Termin eigentlich relevante Vorlesungen habe… Oder ob ich nicht vielleicht doch lieber im Audimax vorbeischaue.

Es schlich sich für Euch rein:

Eure Silja Blechschmidt

Weitere Informationen zur Kinderuniversität:
http://www.futureocean.org/de/schulprogramme/kinder-_und-schueleruni.php

Links:
http://florian-huber.info/
http://submaris.com/de/
https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/das-jahrhundertwrack-mars-sensationsfund-in-der-ostsee-100.html

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